Mal eben bingen?

Ich will gar nicht sagen warum, ich behaupte einfach es wäre wissenschaftliches Interesse, jedenfalls schaue ich mit meiner Liebsten derzeit Vampire Diaries. Das an sich ist ja noch nicht lustig. Wirklich witzig hingegen ist das Product Placement von Microsoft in der Serie. Man kennt das aus anderen Serien, die coolen Leute haben Macbooks, macht einer seinen Rechner an, landet er sofort bei Google. Hier ist es anders: hier wird allen Ernstes gebingt statt gegoogelt.

Twitter Angst

Irgendwann in den nächsten Tagen werde ich meinen 6.000sten Tweet absetzen, wahrscheinlich wieder ein Linktipp an meine immer noch weit unter Tausend follower. Das stellt jetzt keine überbordende Aktivität dar, eher unterer Durchschnitt für einen Dauernetzaktivisten wie meiner einer, aber das ist immer noch 300% mehr Aufmerksamkeit, als ich meinem Blog im letzten Jahr zu kommen liess. So langsam denke ich aber ernsthaft über einen Ausstieg nach.

Seit einigen Monaten kündigt sich ja nun schon an, was wir nun schwarz auf weiss von Twitter bekommen haben: Twitter hat sich entschlossen, ab nun gegen die Entwickler und API-Nutzer im Ecosystem rund um das 140-Zeichen-Imperium vorzugehen. Das trifft mich zunächst nur mittelbar, in kleineren Projekten, in denen ich die API genutzt habe, beim Client den ich bisher noch benutze, der aber in Zukunft vielleicht aufgeben muss, bei Diensten, die ich rund um Twitter nutze und die vielleicht aufgeben werden. Aber es ist die Idee die zählt und die Idee, die hinter Twitters API-Regeln steht und das ist nun mal derselbe beschissene so called walled garden wie ihn schon FB hochgezogen hat, nach der Facebook Angst kommt nun also ganz natürlich die Twitter Angst.

Das Problem dabei sind jedoch meines Erachtens gar nicht mehr Twitter oder Facebook oder Google+ oder whatsoever, sondern das Prinzip an sich. Das WebTwoOh ist nicht nur vorbei, es ist grandios gescheitert. Wir müssen feststellen, dass wir uns etwas vormachen, wenn wir glauben StartUps, also Firmen, also auf Gewinnerzielung ausgerichtete Unternehmungen würden das freie Internet erhalten und gegen die Eingriffsversuche von Staaten verteidigen. Das ist Tineff! Pseudoliberales Gefasel. Das Gegenteil ist der Fall. Die Firmen saugen unsere free speech aus uns raus und wenn sie genug Content zusammengerafft haben, ziehen sie einen elektronischen Zaun darum und weisen uns die Tür. Twitter hatte meines Erachtens nach die Möglichkeit es richtig zu machen, aber stattdessen hat man dort genau die falschen Schlüsse gezogen. Das wiegt schwerer als das Beispiel Facebook, das von Anfang an zur Nutzerausbeutung erdacht war.

Aber was ist jetzt die Alternative, wenn wir sagen: das Internet geht nicht mit Staaten und wir lernen, das Internet geht nicht mit Firmen?

Security no more… again

In der Reihe: „das Internet wächst uns über den Kopf und wir sind darin nur noch dumme Trottel, für die Sicherheit mehr ein Zufall als ein gewollt herbeigeführter Zustand ist” präsentieren wir ihnen heute: Mat Honan, den Mann, dem man ein Jahr seines Lebens weggehackt hat.

Ok, der Mann ist ein Depp, als einer der Menschen die keine Backups machen hat er erstmal nur wenig Mitleid verdient, jedenfalls für den erlittenen Datenverlust. Dafür hat er uns aber etwas gezeigt, was uns nicht oft genug gezeigt werden kann: in dem Internet in dem wir uns im Moment bewegen, gibt es keine Sicherheit. Unsere Daten sind (wenn überhaupt) allenfalls hinter Hoteltüren, und jeder — technische Kenntnisse sind dafür jedenfalls keine Vorraussetzung — kann sich ihrer bemächtigen. Es braucht nur ein wenig social engineering, einen Deppen an der Servicehotline des XY-Providers und das lockere Aneinanderhängen von Clouddiensten.

Dass man bei Apple Zugänge herausgibt, obwohl auf Sicherheitsfragen nicht geantwortet werden kann… wen wundert das schon? Der Service steht im Vordergrund, nicht die Sicherheit und ich will gar nicht wissen, wie oft dort Knallchargen anrufen, die vergessen haben, ob ihr Passwort nun gerade „Ernie“ lautet oder „12345“ wie bei allen anderen Diensten. Tja, der Kunde ist König und der König will keine Sicherheit, sondern an seine Mails, im Zweifelsfall.

Dass man allerdings bei Amazon meint, die letzten vier Ziffern einer Kreditkartennummer anzeigen zu müssen, während man bei Apple genau diese vier Ziffern zur Authentifizierung nutzen kann, hey!, das ist Murphies Gesetz, ganz klar. Und derlei Koinzidenzen wird es noch viele geben, und unter je mehr Diensten man seine Daten verteilt, umso mehr Einfallstore versammelt man um sie herum. Aus dem single point of failure, die die Clouddienste jeder für sich darstellen würden, ist ein Netzwerk von Fehlerquellen geworden.

Und am Ende einer mal langen, mal kürzeren Kette von Pssword-Recovery-Mails freut sich der Hacker über direkten Zugang zu unseren Daten. Und da sind das Löschen von Kinderfotos und die Übernahme eines Twitter-Accounts noch die kleinsten Probleme die man bekommen kann. So gesehen hatte Honan noch Glück.

Wir hatten ja nichts

Irgendwo im Keller steht (m)ein alter PC. Innnerhalb seiner (sehr langen) Lebenszeit steckten nacheinander zwei Motherboards im Gehäuse, drei Prozessoren, zweimal wurde das RAM erweitert, einmal komplett ausgetauscht. Mindestens 10 unterschiedliche Festplatten, zwei CD- und zwei DVD-Brenner haben in seinem Gehäuse gesteckt. Drei Mal wurde die Grafikkarte ausgewechselt. Ich habe verschiedene Karten in das Gerät gebaut: Modem, Netzwerk, SCSI, IDE. Einmal wurde das Netzteil erneuert. Zusammengefasst: in seiner Lebenszeit habe ich den Rechner minimum zweimal komplett zerlegt und wieder zusammengesetzt, es dürfte nicht ein einziges Teil darin noch Original sein, ausser der Verkabelung vielleicht. Vom Windowsrechner wurde er zum Linuxrechner, ein wahres Distributionstestgerät, dann Webserver, zum Schluss Surfclient für meine Frau. Und wenn die Batterie nicht schlapp gemacht hätte, würde er sicherlich noch laufen.

Wir hatten ja nichts damals. Heute haben wir Apple.

Don’t panic

Da fährt morgens so ein Typ im Zug mit, der Kaffee und Brötchen vertickt; der Typ, nennen wir ihn mal Kaffeefritze, ist etwas laut und unangenehm, beschränkt sich mit seinen marktschreierischen Verkaufsmethoden jedoch auf den mittleren Teil des Zuges. Wodurch man seine Ruhe hat, wenn man bspw. ganz hinten einsteigt. Ich wette mindestens 40% der Leute, die hier im Abteil sitzen, wählen diesen Platz unter anderem, um dem Gegröle von »Kaffee, schwarz wie meine Seele« zu entfliehen. Ich mache das jedenfalls so.

Nun passiert allerdings regelmäßig folgendes: an Station X steigt dieser Typ ein, älterer Geschäftsmann in Trenchcoat und mit einem abgewetzten Lederaktenkoffer im Gepäck. Er fährt nicht jeden Morgen mit mir im Abteil, aber wenn er zusteigt, kommt nur Momente später unser Kaffeefritze ins Abteil gepoltert, mit einem, Sensation: Kaffee für den erwähnten Herrn. Dabei lässt Fritze nicht aus, laut zu artikulieren, dass er hier hinten sonst ja nicht bedient und ja nur für den einen Superstammkunden hierher kommt.

Dem scheint die Sache irgendwie peinlich zu sein. Ist ja auch kein Wunder: er wird praktisch jeden Tag zu Fahrtbeginn an die Öffentlichkeit gezerrt, da ihm Fritze nicht nur exklusiv das Heissgetränk reicht, sondern auch gleich ein gesteltzt lockeres, aber vor allem lautes Gespräch aufgezwingt, auf das er dann höchst einsilbig reagiert. Andererseits gibt er reichlich Trinkgeld, was vermuten lassen könnte, er genieße diese montypythoneske Szenerie.

Richtig lustig wird es natürlich, wenn nun einer der anderen Fahrgäste—eher Touristen als Pendler—nun auch einen Kaffee bestellen will. Dann versucht sich Fritze natürlich heraus zu reden, sein Kaffeewagen stünde ja soweit weg und er würde ja auch immer nur für diesen einen speziellen Kunden hierherkommen… je nach Lage und Kunde nimmt er dann aber doch die Bestellung früher oder später auf.

Man fragt sich beizeiten, ob die Herren nicht in ihren Gewohnheiten feststecken, eine Kommunikationsebene, in der einer der beiden sagt: »du, ich will jetzt gar keinen Kaffee mehr«, oder »danke fürs Trinkgeld, aber steigen sie doch wie die anderen vorne ein, wenn sie Kaffee wollen« scheint es nicht zu geben. Mir ist aber auch nicht ganz klar, wie es zu der Kaffeeabsprache gekommen ist, vielleicht hat ja der Typ dem Kaffeefritzen das Leben gerettet und der hat sich dann verpflichtet, für alle Zeiten Kaffee zu servieren, oder so.

Oder ich bin es, der in einer lostmäßigen Zeitschleife festhängt. Dafür würden auch die immer gleichen Durchsagen hier im Zug sprechen und die sich täglich wiederholenden Szenen. Zum Glück habe ich immer mein Handtuch dabei…

Offline

Als Alternative zur Apptisierung des mobilen Internets wird immer wieder die Webapp genannt. Ebenso oft wird betont, dass native Apps den Webapps in UI und Features überlegen sind. Die Browser holen jedoch langsam auf, z.B. mit der Möglichkeit Geodaten zu lesen, oder auch Zugriff auf eine im Smartphone integrierte Kamera zu erhalten. Und dann ist das noch das Feature der offlinefähigkeit. Im folgenden will ich einige Techniken dazu kurz anreissen, zum einen um (mir) einen Überblick zu verschaffen, zum anderen um feststellen zu können, wie weit wir denn technologisch heute sind, in Sachen offline. Zum über den Onlinezustand hinaus gehenden Speichern von Daten stehen im wesentlichen drei Techniken zur Verfügung.

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Präsidentendämmerung

Präsidentendämmerung, die – gibt den Zeitpunkt in der Amtszeit eines Bundespräsidenten an, zu dem demselben dämmert, dass es nun an der Zeit ist, das Amt zu verlassen und zwar unverzüglich.

Dabei ist die P. ein höchst subjektives Gefühl. Den einen Präsidenten erwisscht es schneller als den anderen, bspw. Horst Köhler, der zurücktrat weil ihm jemand auf den Fuss getreten war (oder um Schlimmeres, vulgo weiteres Gerede über sein Person zu verhindern, man weiss es nicht). Christian Wulff hat sich da weniger empfindlich gezeigt, man könnte auch behaupten, er habe an seinem Stuhl geklebt. Und zwar so lange, bis auch das letzte Detail seiner putinesken Ministerpräsidentschaft in Niedersachsen ans Licht gezerrt war. Ganz in der Tradition seiner Vorgänger, ein wenig Schröder (später Bundeskanzler und russischer Energiemagnat), mehr noch Albrecht (niedersächsischer Landjunker und Schrotbaron), hatte er das dortige Amt zu seinen Gunsten ausgefüllt, wie es eben der hannoverschen Herren Sitte ist. Und so war er bis heute wirklich und ernsthaft überrascht, wie sich überhauppt das niedere Volk an diesen Machenschaften aus Privatkrediten, Freundschaftsdiensten, Urlaubsreisen und anderen Gegengeschäften interessieren könne.

Gegenüber der Regenbogen- und Bigotteriepresse und deren Vertreter, denen Wulff mit Recht vorwerfen kann, keinen Deut besser zu sein als er selbst, rastete er noch aus. Später fühlte er nur noch kalte Resignation gegenüber diesem Volk, das ihn offensichtlich nicht haben wollte. Aber er mochte den Job und seine Parteikollegen rieten ihm wohl auch, noch ein wenig zu bleiben, es wäre gerade so kritisch. 

Als aber nun auch noch Staatsanwaltschaften sich aufmachten, den Präses zu kriminalisieren, da stand man vor der Wahl nun eine breit angelegte Anti-Berufsverbotkampagne aus dem Boden zu stampfen oder sich einfach einen neuen Präsidenten zu suchen. Ersteres hätte wohl dazu geführt, dass CDU und CSU vom Verfassungsschutz beobachtet worden wären, keine gute Alternative. Also entschied man sich für Rücktritt, was die Kanzlerin dem Präsidenten wahrscheinlich per SMS mitgeteilt hat: »Verpiss Dich, zügig«. Man schreckte noch kurz zurück, bemerkte, dass nun Seehofer als Ersatz ran müsste, einigte sich dann aber darauf, dass Reden, bei denen der etwas kaputt machen könne, einfach von der Kanzlerin übernommen werden und verpasste dem Ehepaar Wulff den endgültigen Tritt.

Der Rücktritt selbst dann eine letzte Farce. Die überlegen lächelnde Gattin, der Schwachsinn fabulisierende Ex-Präsident, der nur umschweifend das sagt, was alle längst wissen: ich bedanke mich zur Wahl zum Upperclass Twit of the Year, nein das hat er ncht gesagt, sondern Dinge wie: »Es war mir ein Herzensanliegen, den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu stärken.« Wobei vor allem der Zusammenhalt persönlicher Freundschaften und Seilschaften gemeint sein könnte. »Unser Land […] braucht […] einen Präsidenten, der vom Vertrauen nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger getragen wird.«, oder von Angela Merkel. Dann scherzhaft: »Ich trete deshalb heute vom Amt des Bundespräsidenten zurück, um den Weg zügig für die Nachfolge freizumachen.« Zügig, ist klar. Wohl der Hinweis auf Merkels SMS. Und schließlich bockig: »Ich wünsche unserem Land von ganzem Herzen eine politische Kultur, in der die Menschen die Demokratie als unendlich wertvoll erkennen und sich vor allem – das ist mir das wichtigste – gerne für die Demokratie engagiert einsetzen.« Mit anderen Worten und das könnte die Zusammenfassung der ganze Rede sein, wir haben ihn nicht verdient.

Nun bleiben 30 Tage einen neuen zu finden. Die Liste der Kandidaten ist lang und weilig. Und es drängt sich die Frage auf: wie lange wird es dauern, bis zur nächsten Präsidentendämmerung?

In unserer Reihe »das politische Lexikon« folgt nun die Wiederholung von: Kanzlerdämmerung.

Kompakt

Seit nunmehr über einer Woche verteilen ein paar Solariumtussies am Hamburger Hauptbahnhof gratis Klopapier Springerblätter an das vorbeieilende Publikum. Ist das bereits der Beginn der Werbeaktionen Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Axel Springer? Werden die verschenkten Zeitungen eigentlich zur verkauften Auflage gerechnet? Oder erhöht man nur die Zahl der Leser mit denen man dann anzugeben gedenkt?