Jean Giraud aka. Moebius

Der Comiczeichner Jean Giraud, den viele vielleicht nur als Moebius oder Mœbius kennen, ist gestern im Alter von 73 Jahren in Paris verstorben. Giraud schuf mit Blueberry einen der bekanntesten Western-Comics, war andererseits später aber Mitgründer des Métal hurlant, dem Magazin, das unter dem Namen Schwermetall in Deutschland erschien und damit mein erstes großes Vorbild in Sachen Comics.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=31eMG8MoXD8

Ich selbst war damals (Achtung! Opa erzählt vom Krieg von den düsteren 80ern…), war also damals den typischen Weg von der Einstiegsdroge MAD (siehe hierzu auch via Felix dieses Interview mit Herbert Feuerstein), über U-Comix (manchmal indiziert) zu Schwermetall (dauernd indiziert) gegangen. Also von Don Martin über Édika (bitte selber googeln) zu Moebius sozusagen. Ich betone diesen Weg, weil Moebius in einem Interview selber mal zu gesagt haben soll, dass die ersten mit Moebius signierten, satirischen Zeichnungen für das Hari-Kiri seine Begeisterung für MAD widerspiegelten.

Moebius Geschichten für Schwermetall waren allerdings immer extrem intensive, episodenhafte und sehr dichte Science-Fiction, Roadmovies auf fremden weit entfernte Planeten, oft habe ich sie auch wohl nicht in Gänze verstanden. Ich mag bis heute aber vor allem auch den gleichzeitig flächigen, aber realistischen Stil, der aber regelmäßig die surrealsten Welten schuf.

Ich lese: Comics machen

»Comics machen« von Scott McCloud Schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat Comics machen: Alles über Comics, Manga und Graphic Novels. Es ist das dritte Comic über Comics aus der Feder des Amerikaners Scott McCloud und ebenso lesenswert wie seine Vorgänger, von denen ich auch schon Comics richtig lesen in meinem Fundus habe. Geht es dort jedoch noch um die Theorie des Comics, um die Analyse seiner Ausdrucksweise und literarischer Bedeutung, geht es im letzten Band ganz konkret darum, wie man ein Comic schreibt. Gemeint ist damit nicht die Zeichentechnik an sich, sondern wie man selbige auf verschiedene Arten einsetzt, um beim Leser die gewünschten Emotionen freizusetzen.

Ein Beispiel: auf einigen Seiten entwickelt McCloud einen kurzen Krimicomic und zeigt dann mit Variationen, an welchen Schrauben man drehen kann, um bestimmte Abläufe hervorzuheben, Action und Spannung zu erzeugen, und so weiter. Er zeigt aber auch, wie man die Bogen überspannen kann (und wo das vielleicht genau das richtige Mittel ist).

Dabei ist das Buch auf McClouds schon bekannte Art natürlich selbst ein Comic, mit eigenen Zeichnungen und Figuren ebenso, wie mit etlichen Zitaten aus vielen sehr unterschiedlichen Comics aus aller Welt. Ein hervorragendes Standardwerk für alle, die Comics selber machen wollen und der eine oder andere UI-Designer darf auch mal in den Band hineinschauen, da Comics machen (Bildsprache beherrschen) gar nicht so wenig mit ihrer Profession zu tun hat, wie man zunächst glauben würde.