Verdammt große Downloads

Nachdem ich heute mehrmals gefragt wurde, ob wahlweise unsere Website oder unsere iPad-App im »neuen« iPad denn noch funktionieren würden, war ich wie immer – knick, knack – sehr optimistisch, das wir mal wieder auf die richtigen Technologien gesetzt haben, so dass hier keine Probleme entstehen sollten.

Was aber machen die Kunden von bspw. Adobe, die ganze iPad-Magazine zwar im Laufschritt produzieren konnten, nun aber mit einem PNG pro Seite dastehen. Kollege Arne wies eben völlig richtig darauf hin, dass deren Bildgrößen durch die Decke gehen werden, denn will man kein Wischiwaschi ausliefern, muss man mal eben doppelt soviele Pixel ausliefern, pro Seite Achse (klarer ausgedrückt, siehe Kommentar). Stuntbox hat gerechnet:

 Very roughly speaking, a single page of text built this way and saved using light JPG compression weighs in at around 150-350kB. At the new Retina dimensions these same app platforms will generate pages on the order of 2MB. That’s per page.

Diese Art Publikationen sind ja schon heute unfreundlich groß im Download, aber in Zukunft muss man dann wohl erst ein paar Videos löschen, wenn man die neueste Ausgabe bspw. von Wired laden will. Mehr als 64GB gibt es nicht zu verteilen.

Das offene Adressbuch, Fortsetzung

Ich hatte schon erwähnt, dass das Adressbuchgate vor allem in den USA hohe Wellen schlägt, ehrlich gesagt, höhere, als ich jetzt erwartet hätte. Offenbar entwickelt sich im Fahrwasser der Geschichte ein ernstzunehmender Datenschutzskandal in den USA, oder anders herum, post privacy ist in Nodamerika angekommen. Dabei stehen gar nicht so die Fälle Path oder Instapaper (oder, oder, oder…) im Vordergrund, sondern vielmehr, dass dies bei iOS-Apps ein ganz normaler, von Apple nicht kontrollierter Vorgang ist.

Laut The Verge bereitet sich Apple bereits darauf vor, die App-Richtlinien zu aktualisieren. Laut aktueller Policy entsprechen Apps, die ohne Einverständnis des Nutzer Adressdaten auf den Server laden, nicht den guidelines. Dies wurd aber offenbar nicht durchgesetzt. In Zukunft soll dann eine Einverständniserklärung verpflichtend sein:

We’re working to make this even better for our customers, and as we have done with location services, any app wishing to access contact data will require explicit user approval in a future software release.

Apples Reaktion kommt wenig überraschend, da sich sogar schon Mitglieder des Kongresses in einem Brief an Apple gewandt hatten und die offizielle Beantwortung einiger Fragen forderten:

  • How many iOS apps in the US iTunes store transmit “data about a user”?
  • How many iOS apps in the US iTunes store transmit information from the address book? How many of those ask for the user’s consent before transmitting their contacts’ information?
  • You have built into your devices the ability to turn off in one place the transmission of location information entirely or on an app-by-app basis. Please explain why you have not done the same for address book information.

Die Kongressabgeordneten haben sich eine Beantwortung bis zum 29. Februar ausgebeten…

Das offene Adressbuch

Hat eigentlich schon jemand Pathgate gerufen? Klingt nicht so richtig, hm? Dort versucht man nun übrigens den reuigen Sünder zu geben und hat, wer wollte das Gegenteil beweisen, alle bis jetzt angesammelten Adressdaten gelöscht. Naja.

Bei genauerem Nachdenken, haben wir es aber auch nicht nur mit einem Pathgate zu tu, sondern viel mehr mit einem Adressbuchgate. Es wurde schon gestern vielerorts erwähnt, als iOS-Programmierer steht einem das Adressbuch offen wie ein Scheunentor und diese Option wird offenbar fleissig genutzt. Da muss man sich einerseits natürlich fragen, was man sich bei Apple dazu eigentlich denkt, andererseits, welches Gedankengebilde dahinter steckt.

In Sachen Gedankengebilde wurde auch schon angemerkt, dass in der EU bspw. Adresshandel durchaus erlaubt sei und praktiziert werde. Das heisst dann aber auch soviel wie: ich muss damit rechnen, das mir jede x-beliebige App die Kontaktdaten ausräumt und mit den gewonnenen Daten hausieren geht. Ganz toll.

Ich weiss ja nun selbst ziemlich genau schon, das man nicht bei Preisrätseln mitmacht, sich kein kostenloses Probeabo am Hauptbahnhof andrehen lässt, am besten keinen Nachsendeauftrag vergibt beim Umzug und so fort. Alles Maßnahmen, meine eigene Adresse vor der Weitergabe und dem Verkauf zu schützen. Das funktioniert schon nur bedingt, wenn man sich im Umfeld Internet oder gar socialmedia bewegt, zumindest wenn’s um die Emailaddi geht. Durch die pure Benutzung den kompletten Satz gut gepflegter Geschäftskontakte, also Adressen anderer Leute, die keine Chance haben, sich auf irgendeine Art zu wehren, abzuschöpfen hingegen ist meines Erachtens ein krimineller Akt, oder sollte einer sein. Und wenn das common practice ist, hallejulia!

»Tja Du naiver Idiot, da hättest Du auch mal selbst drauf kommen können, hättest Dich und Dein Adressbuch besser schützen sollen« hör ich da schon wieder Leute sagen. Und genauso ist es auch: aber damit verliert das Adressbuch auf dem iPhone seinen Sinn, muss zwangsweise leer bleiben. Das macht das iPhone in Sachen Telefonie allerdings zu einem Ziegelstein, vulgo nutzlos. Das kann ja auch nicht im Sinne der Firma Apple sein.

But Apple can, and should, assure users that no app can read their contact data without their knowledge and explicit permission. I don’t know why this hasn’t always been required, but it probably isn’t a good enough reason to justify the erosion of user trust in iOS apps that this could cause. Marco Arment

Windows 8 Tablet

2012 soll das Jahr werden, in dem Microsoft die ersten Windows-8-Tablets auf den Markt bringen will. Das ist angesichts der Situation—Apple hat nicht nur technologisch, sondern auch markttechnisch einen Vorsprung von über zwei Jahren—ein sehr ambitioniertes Vorhaben. Android-Tablets sind derzeit ein Nischenprodukt, alle anderen Versuche in den Markt zu kommen sind bisher schief gegangen, siehe Blackberry und HP.

Microsoft CEO Steve Ballmer

Man muss sich schon fragen, was Microsoft überhaupt bieten will, um wenigstens ein paar Leute zum Kauf eines metro-style Tablets zu bewegen. Steve Ballmer hat zwar gerade einen Haufen Entwickler auf Metro eingeschworen, die wollen aber eher für die multimillionen Userbasis von Windows 7 entwickeln. Ob dabei dann wirklich Apps entstehen, die auch für die Touchsteuerung geeignet sind: eher fraglich. Zumal auch ein Win-8-Tablet kaum einen Intelprozessor haben wird, wenn es in Sachen Akkulaufzeit bspw. konkurrenzfähig sein soll. Falls ein M$-Vertragspartner nicht gerade noch etwas erfindet, wird das ein ARM-Prozesor sein. Womit keine Intel-Apps laufen werden, so einfach out-of-the-box. Also keine alten und auch nicht gleich massenweise neue Apps. Wieviele Apps der Apple Appstore zu diesem Zeitpunkt wohl anzubieten hat?

Einen Vorteil des späten Launch könnte Microsoft natürlich nutzen: falls Apple nicht noch zwischenzeitlich mit einem iPad 3 kommt, könnte man hardwaretechnisch auftrumpfen und mehr Speicher, mehr Auflösung etc. bieten. Da sind wir aber bei Microsofts nächsten Problem: es kontrolliert nicht die Hardware. Man hat in Redmond nur wenig oder keinen Einfluss darauf, auf welchen Geräten Win-8 am Ende läuft. Klar, man kann Vorgaben machen und restriktiv lizensieren, aber ob man sich das dann auch leisten kann halte ich für sehr fragwürdig. Bis dahin bereitet die Breite der Hardwareplattform aber auf jeden Fall ernsthafte Probleme, die Entwicklung für ein einziges Gerät (verschiedener Entwicklungsstufen) ist sicherlich einfacher. Allerdings, das muss man auch zählen, hat Microsoft einen großen Erfahrungsschatz in Sachen Hardwareplattform. Ungleich komplizierter bleibt die Aufgabe aber trotzdem.

Der Blick in die Glaskugel: Ich schreibe diesen Artikel auf einem iPad, habe also schon deswegen die Apple-Brille auf. Würde man mich allerdings fragen, würde ich sagen, Microsoft kann es auch gleich bleiben lassen. Gern würde ich ein echtes Konkurrenzprodukt zum iPad sehen, nur Microsoft wird es nicht liefern können. Man wird am Ende genauso dumm dastehen wie RIM oder HP und schon bei der Produktpräsentation Dinge sagen müssen wie: …nie als Konkurrenzprodukt zum iPad geplant… und …eine gänzlich andere Produktgruppe als das iPad… etc. Traurig.

Lustiger Smartphonemarkt

Die Jungs mit den Androids in der Tasche weisen sich selbst ja immer gerne als Teil einer Massenbewegung aus, in dem sie feststellen, das Android täglich 700.000 Mal aktiviert wird, und das ist natürlich eine echt beeindruckende Zahl. Tatsächlich hat Android die Nase im mobilen Markt vorn, obwohl das vierte Quartal 2011 vor allem für iOS gut gelaufen ist. Laut Erhebungen der Nielsen Company holte Apple vor allem bei den neu verkauften Einheiten auf und stieg von 25% auf sagenhafte 44.5% (Smartphone Neuanschaffungen in den USA).

Zur selben Zeit tauscht man bei RIM, wohl auf Druck der Aktionäre, die beiden CEOs aus und ersetzt sie durch den ehemaligen Siemens-Manager Thorsten Heins. Der will nach eigener Aussage so weitermachen wie gehabt, bis auf eine Kleinigkeit:

It’s going to be continuity, but it’s not going to be a standstill.

Lustiger Smartphonemarkt. Wer hier für die künftige Mobilstrategie etwas herauslesen will: viel Spass.

Making love to webkit

Steven Wittens hat seine Website Acko.net (Hackery, Math & Design) mit einem Parallax-Header ausgestattet, der, zumindest in Webkit-Browsern (mein Chrome steigt nach kurzem probieren allerdings aus), schon einmal einen schönen Ausblick in die Zukunft des Webdesign bietet. Ob das wirklich schön ist, steht auf einem anderen Blatt: CSS3-Transforms sind ja ein wenig das neue Blink-Tag.

Via.

Caffeinated

Schon wieder RSS-Reader? Gerne, da bin ich ja immer offen dafür, auch wenn mir Reeder gut gefällt und ich mich mit der Zwangsanbindung an Google inzwischen wieder abgefunden habe. Aber, there’s a new kid in town, ich empfehle trotzdem, sich einmal die Beta von Caffeinated anzusehen. Der wurde beim Mac Appstorm schon kräftig belobhudelt und ich schliesse mich da direkt an. Caffeinated ist nicht so minimalistisch wie Reeder, aber so schön und detailreich umgesetzt, da kommt schon Freude auf, das Auge liest ja bekanntlich mit. Und die Assoziation mit dem Kaffeetrinken und RSS-Lesen, die stimmt schon…

Screenshot

Download: Caffeinated