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Grain

Grain

Im Kino heute ist alles so echt und gestochen scharf, dass es schon wieder unecht wirkt. Lächerlich wirken dabei die Versuche, digitalem Film dadurch Leben einzuhauchen, dass man mit der Handycam herumwackelt und im postprocessing Körnung hinzufügt. Doch ohne Grain gibt es keine Tiefe, keine dunklen Stellen, keine unausgeleuchteten Bereiche, keinen dritten Mann, keinen Norman Bates und kein verdammtes Casablanca. Ich liebe Grain. Und Technicolor…

Technicolor, richtiger three-strip technicolor ist ein Herstellungsverfahren für Farbfilme, bei dem drei verschiedenfarbige Negative zu einem Farbfilm zusammenkopiert werden. Das sog. fünfte Technicolor-Verfahren bestimmte die Farbigkeit der Filme der 50er, 60er und frühen 70er. Natürlich ist das nicht natürlich. Natürlich mag ich es so am Liebsten. Als Kind habe ich geglaubt, New York, Chicago und San Francisco wären in leicht gelbstichiges Technicolorlicht getaucht (und Ost-Berlin schwarz-weiß). Dazu geht immer etwas Grain…

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True Grit

True Grit

True grit bedeutet soviel wie echten Mut oder Rückrat besitzen, eine Tugend, die in der ausgehenden Western-Ära, in der das aktuelle Werk der Brüder Ethan und Joel Coen spielt, offenbar mehr als selten geworden ist. Denn der echte Mut ist gewichen, die echten Westernhelden sind alt geworden, alkoholkrank. In dieser traurigen Zeit muss ein 14jähriges Mädchen die letzte verbleibende Tugend des nicht mehr so wilden Westens hochhalten: eiskalte Rache. Und beinahe bis zum Schluss ist die 14jährige auch die einzige, die dem Titel nach echten Mut beweist.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=9DM4E7LXHbU&w=728&h=440]

Die Coen-Brüder beerdigen in True Grit die letzten Ausläufer der Western-Kultur, zeigen die ausgehende Zeit nach dem Bürgerkrieg, nach dem kalifornischen Goldfieber, am Ende der Besiedelung der frontier. Es herrscht eine besondere Stimmung in dieser Zeit und in diesem Film.

Die Figur der Mattie Ross ist dabei eine ganz Besondere. Ausgestattet mit dem religiösen Eifer eines 14jährigen Kindes zeigt sie eine innere Härte (widergespiegelt durch die viel ältere Erzählstimme der Mattie Ross-Erzählerin), die ihres gleichen unter den ausbleichenden Helden in ihrer Umgebung sucht. Sie selbst sagt über ihre Mutter, das diese zu schwach sei, die Angelegenheiten der Familie zu regeln, nicht Mal das Wort Katze buchstabieren könne und vor Trauer herumhumpeln würde. Dabei sieht sie aus wie eine 1:1 Kopie von Laura Ingalls aus Unsere kleine Farm.

1969 wurde der Stoff von Charles Portis schon einmal verfilmt. Damals mit John Wayne in der Hauptrolle, der—immer für seine rechte Gesinnung bekannt—gerade ein Jahr zuvor den Propagandafilm Green Berets gemacht hatte und mit Tru Grit versuchte, in seinem Glanzgenre an alte Zeiten anzuknüpfen. Doch so richtig Ernst konnte man Western damals schon nicht mehr nehmen, trotzdem gewann Wayne für die Rolle des Marshalls seinen einzigen Oscar.

Ein Werbe-Plakat aus dem Jahr 1849 für Schiffspassagen nach Kalifornien zum Goldrausch.Filmposter True Grit

Typographie der Goldrauschzeit: Ein Werbe-Plakat aus dem Jahr 1849 für Schiffspassagen nach Kalifornien und das Filmposter für die 2010er Ausgabe von True Grit.

Jeff Bridges ist nun ebenfalls als bester Schauspieler für den Oscar nominiert, der hat diesen Preis allerdings erst im letzten Jahr für Crazy Heart gewonnen. Bridges ist nun aber der lebende Gegenentwurf zu John, den man den Duke nannte, Wayne, und das nicht nur weil man ihn als Dude kennt. Auf die Frage, wem der potrauchende, sandalen- und bademanteltragende Dude nachempfunden sei, nannte Bridges in einem Interview sich selbst. (Wikipedia). Schon die Auswahl des Hauptdarstellers zeigt den Gegenentwurf True Grit 2010 zu 1969.

Der ironische Blick auf den Westernhelden ist genauso unterhaltsam wie entlarvent, wenn zum Beispiel in einer Szene der alternde Schießheld auf dem Klo sitzend durch die geschlossene Tür seine Ansichten zum Besten gibt, oder ein Held den anderen anschießt, beim Versuch ihn zu retten. Nein, mit dem Revolverheld der USA ist in den 1870er Jahren schon nicht mehr viel los. Trotzdem wird in True Grit natürlich noch jede Menge geschossen und gestorben, aber das auf eine derartig beiläufige Weise, dass erst in dem Moment, als ein Pferd stirbt—eins das natürlich echten Mut besitzt—dem Zuschauer die Tränen in die Augen schiessen.

Serial Experiments Lain

Serial Experiments Lain

Serial Experiments Lain heisst eine hervorragend produzierte Animeserie aus dem Jahr 1998. Sie wurde von Yasuyuki Ueda produziert, unter der Regie von Ryutaro Nakamura. Das Charakterdesign ist von Yoshitoshi ABe und das Drehbuch von Yasuyuki Ueda. In 13 Layern (Folgen), werden die Erlebnisse des 13jährigen Mädchens Lain Iwakura, die im Laufe der Serie immer weiter in die alternative Realität der sogenannten Wired vorstößt und die Grenzen zwischen Cyberworld und Realität immer stärker verwischt. In Lain werden diverse Theoreme zur Erklärung einer zukünftigen Cyerrealität postuliert, bemerkenswert ist die Serie aber vor allem wegen ihrer deutlichen Parallelen zum Science-Fiction-Klassiker The Matrix, der aber ein Jahr nach Serial Experiments Lain erschien.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=79MN_w0VMPE&w=728&h=576]

Setting und Handlung

Obwohl Lain angeblich zum present day, present time stattfindet, spielt die Serie doch tatsächlich in einer sehr nahen Zukunft, vom Erscheinungszeitpunkt 1998 gesehen wohl sehr dicht an unserer heutigen Zeit. Das Internet wurde in dieser Zeit durch ein neues Protokoll zur Wired weiterentwickelt, in der man—genügend Rechenpower vorrausgesetzt—die normale Realität verlassen und in eine Cyberrealität einsteigen kann.

In dieser Wired gibt es einen Gott (Deus, Masami Eiri, der Entwickler des Protokoll 7), und eine heimliche Hackergemeinschaft, die Knights, die für eine Art Cyberterrorismus genauso wie für die Entwicklung von Netzwerkspielen zuständig zu sein scheinen. Lain entwickelt sich schnell von einer technisch unbedarften Schülerin zu einer Cyberdetektiven, die immer weiter in die Wired eintaucht…

[…] (T)he Matrix asked the question of is the internet becoming the new reality? In Serial Experiments: Lain , the question is a little different. It asks which reality is more real, the virtual or the physical one? In Lain, the answer is neither. They exist and evolve together.

Das Konstrukt

Serial Experiments Lain enthält zur Stützung des Science-Ficiton-Konzeptes einige sehr interessante Ideen und Denkmodelle. Diese philosophischen Ansätze werden oft durch die Deus-Figur Masami Eiri formuliert und postuliert. Er spricht bspw. vom nötigen Aufstieg des Menschen zur digitalen Lebensform, da der Mensch derzeit eine Neotonie sei. Als Entwickler der Wired ist er aber auch für die (pseudo-)physikalischen Beigaben zuständig: mit Hilfe der Schumann-Resonanz versucht er ein kollektives Bewusstsein zu initiieren. Außerdem dient die Wired als eine Art digitales Paradies, ein Ersatzhimmel, der, in offensichtlicher Abwesenheit eines Gottes (im Sinne der Religion), digital von Menschen erschaffen werden musste. Hier leben die in der realen Welt gestorbenen als digitale Geister weiter.

Weiters ist ein wichtiges Thema die Entwicklung vom „ungeformten“ Kind (Der Mensch existiert nur für sich allein) zum gesellschaftlich integrierten, mithin assimilierten Erwachsenen (Der Mensch existiert nur in den Gedanken der anderen), die direkt an der Hauptfigur abzulesen ist. Lain selbst ist auch, die ein bekanntes Science-Fiction-Konzept in die Handlung einbringt: Erinnerungen sind nur elektrische Impulse und können daher sowohl gespeichert und transferiert, aber auch manipuliert und verändert werden.

Lain vs. Matrix

Obwohl von 1998, also ein Jahr vor Matrix erschienen, weisen Serial Experiments Lain und der Sci-Fi-Klassiker von den Wachowski-Brüdern erstaunliche thematische Parallelen auf. In beiden Werken geht es um eine Art von Cyberrealität, bei beiden wandeln die Hauptfiguren zwischen den unterschiedlichen Welten. Der diametrale Unterschied ist allerdings, dass in Lain die Wired die reale Welt darstellt, während in Matrix die Cyberwelt eine erfundene Welt ist, die die reale Welt verdecken soll.

Jahresendvision 2010

Jahresendvision 2010

Verdammte Axt am Weihnachtsbaum! Das Jahr neigt sich schon wieder dem Ende. Man passt kurz nicht auf, zack ist Weihnachten Chrismukkah. Und dann Silvester und schon ist alles vorbei. Halten wir kurz inne und schauen zurück, denn wie hat schon Ferris Bueller gesagt: Life moves pretty fast. If you don’t stop and look around once in a while, you could miss it. Verpassen wir also diesmal nichts und schauen zurück in das gute alte 2010, eh‘ der Sekundenzeiger nach 2011 springt.

The Year of the Pad

2010 war das Jahr des iPads und damit wieder einmal das Jahr des Apple. Habe ich noch Anfang des Jahres mein Fanboytum zurückhalten müssen und gehofft, dass 2010 das Jahr des Tablets würde, kann ich Ende des Jahres ohne weiteres behaupten: es gibt keine wirkliche Alternative zum iPad, Apple beherrscht diesen selbstgeschaffenen Markt. Der Hype indes klingt langsam ab, es macht sich ein wenig Ernüchterung in jenen Chefetagen breit, wo man auf die Rettung des gedruckten Wortes durch Steve Jobs‘ Wundermaschine geglaubt hatte, oder wo man heute noch glaubt, das Internet würde sich eh‘ nicht durchsetzen. Eine Mitschuld an der Krise des Druckerzeugnisse-zu-iPad-Gedankens dürfte zweifelsohne der Megaflop des WeTab tragen, der die Hoffnung auf eine deutsche iPad-Alternative aber sowas von begrub…

Die allgegenwärte Fokussierung auf Apps ließ dem gemeinen Webentwickler dann aber glücklicherweise ein wenig Zeit, Vorstellungen davon zu entwickeln, wie man Webseiten auf das iPad bringt und wie diese auszusehen haben. Nicht alle Prehype-Ideen und -gedanken haben sich dabei bewahrheitet, aber letztendlich ist Apples Touchdevice auch kein Hexenwerk, wie sich nach intensiver Nutzungsphase deutlich herausstellte. Und schnell war man sich einig: die beste App auf dem iPad ist der Safari. Trotzdem, auch 2010 kam der Medienwandel, wie jedes Jahr.

I love my HTML5

Das zweite große Thema des Jahres war ein weiterer Hype, nämlich HTML5. Das war zwar auch schon 2009 Thema, aber 2010 konnte man mit AJAX keinen Stich mehr beim Buzzwordbingo machen, da diese Worthülse komplett durch HTML5 ersetzt wurde. Es gibt ja Leute, die fordern den HTML5-Begriff zu ersetzen durch »HTML canvas«, »HTML localStorage«, »HTML video« und so fort. Das ist sehr vorrauschauend, denn irgendwann wird uns der HTML5-Begriff natürlich auf die Füße fallen. Ich jedoch sage: who cares? Solange ich mit diesem Begriff modernes Webdevelopment mit standardkonformer Technik und slicken Seiteneffekten wie bspw. Barrierefreiheit unter die Leute bringen kann, will ich den Begriff hübsch (be)halten. 😉

Was kommt 2011

Und nun wird es Zeit in die Glaskugel zu schauen. Nachdem ich 2010 über Barrierefreiheit hauptsächlich nur gequatscht habe, wird es 2011 sicherlich wieder mehr um die praktischen Dinge gehen. Ich spüre jedenfalls Nachholbedarf. Desweiteren wird es sicherlich noch die eine oder andere HTML5-App geben, in der ich meine Finger drin habe. Ansonsten sehe ich auch 2011 wieder den Datenjournalismus weiter wachsen. Webdeveloper, die aus einem Haufen Daten eine ansehnliche Applikation stricken können, sind dabei natürlich ebenso gefragt. In dieser Richtung bewegt sich meiner Meinung nach auch das art directed blogging als die Blaupause für art directed articles. Mal sehen.

Ich wünsche nun allen Leserinnen und Lesern, die mir auch 2010 trotz mäßigen Outputs treu geblieben sind und natürlich allen die neu hinzugekommen sind, wieder frohe Ostern, nein, ein happy X-mas und einen besonders guten Rutsch nach 2011. Wo wir uns dann hier wiederlesen können. Zwischen den Jahren soll man übrigens nicht waschen, stattdessen… könnt‘ ihr ja noch schnell für mich bei der t3n-Blog-des-Jahres-Suche stimmen, muss aber auch nicht…

Der Eisbär steht im Londoner Hyde Park, fotografiert von bortescristian unter CC Lizenz, mit dem speziellen Niedlichkeits- und Kuschelfaktor extra für _ben (Happy New Year, Alder!)

Art Directed Blogging

Art Directed Blogging

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Thereader

Ich betreibe ja nun schon seit einiger Zeit dieses sogenannte art directed blogging und es ist mir eins der liebsten Steckenpferde geworden. Im Grunde würde ich ja nur noch gestaltete Einträge posten, aber ich habe ja kaum Zeit normale Einträge zu schreiben, geschweigen denn alle zu gestalten. Und das wäre natürlich auch oft Quatsch, denn es lassen sich lange nicht alle Themen gestalterisch begleiten.

Ich wiederhole mich wahrscheinlich, wenn ich sage, dass Filme und Musik die dankbarsten Themen sind, die zur art direction förmlich auffordern. Fast 20 Uniques habe ich inzwischen abgeliefert, mehr als die Hälfte der Artikel handelten von Film, Fernsehen und Musik. Was ja weder etwas dramatisches, noch verwundertswert wäre: ich liebe das Kino (wenn ich’s zu Hause nutzen kann) und jede Form von Musik. Das passt also.

Inzwischen bringe ich es auch schon auf eine ziemlich respektable Produktionsgeschwindigkeit, es ist eine gewissen Übung eingetreten. Zudem habe ich mir meine Blogumgebung inzwischen soweit gestaltet, dass die Produktion auch leichter fällt. Die gewonnene Zeit investiere ich aber sofort wieder (ich geb’s zu, es gab Ausnahmen). Zur Miniserie über Animes in Deutschland habe ich beispielsweise richtig ein wenig recherchieren müssen, also über das Maß hinaus, was ich sonst in einen Artikel investiere. Oft herrscht jedoch eine Mischung aus Zeitmangel und Ungeduld, was zu einen dazu führt, dass Entwürfe lange herum liegen oder im Schnellverfahren durchgeboxt werden. Soviel zur Arbeitsweise.

Ich werde dieses Hobby auf jeden Fall weiterführen, soviel ist schon einmal klar. Hinderlich bleibt die fehlende Zeit, man hat ja immer so verdammt viel vor. Dabei habe ich noch einen ganzen Batzen Ideen im Simplenote stecken, man muss sie nur mal eben heraus holen. Mal sehen, wann das klappt.

Anime in deutschen Kinos

Anime in deutschen Kinos

Als Aninmes nach Deutschland kamen III

Früher als im TV kamen die knuddeligen japanischen Zeichentrickfiguren in das deutsche Kino. Schon 1961 wurde der von MGM vertriebene »Der Zauberer und die Banditen« (engl. Titel »Magic Boy«, Originaltitel »Sasuke the Ninja Boy«) in den deutschen Kinos gezeigt. Produziert wurde er 1959 als zweites Werk von Toei Animation, die uns viel später Dragoball, Sailor Moon oder One Piece in die Wohnzimmer brachten.

Magic Boy zeigt deutlich die Niedlichkeit und Kindlichkeit, die den Animes seit dieser Zeit als Makel anhängen.

Seitdem gab es in Deutschland nicht sonderlich viele Animes im Kino zu bewundern, seit 1961 vielleicht 40 Stück. Und in den 70ern und 80ern war das, was es zu sehen gab nicht wirklich erwähnenswert. Ausser vielleicht »Perix der Kater und die drei Mausketiere« von 1970, weil das nämlich widerum der erste Anime war, der in den Kinos der DDR gezeigt wurde und zwar nur ein Jahr später. 1974 brachte man außerdem einen Biene Maja „Film” in die Kinos, der aber nur aus zusammengeschnittenen Folgen bestand. Die gleiche Frechheit wiederholte sich nocheinmal 1978 mit Wickie, sowie 1986 mit Nils Holgersson.

1984 dann der erste Lichtblick, mit »Lupin Sansei: Cagliostro no Shiro« oder »Die Jäger des Cagliostro« oder »Hardyman schafft alle – Freiheit für Prinzessin Yasmin« (Videotitel) kommt der erste Film unter der Regie von Hayao Miyazaki ins deutsche Kino. Ein Flop mithin, dafür aber auf VHS-Kassetten wohl erfolgreicher.

Akira zeigt eine völlig neue Qualität in Zeichenstil, Umsetzung und Story. Es ist ein reinrassiger Science Fiction, thematisch im Bereich Blade Runner angesiedelt.

1991, dreißig Jahre nach Magic Boy und drei Jahre nach seiner Produktion, erreicht dann endlich der cineastische Anime-Meilenstein die deutschen Kinos: »Akira«. Für mich markiert er den Wechsel vom Kinder-Anime zum Erwachsenen-Genre, denn er beendete eine fast 10 jährige Animepause bei mir. Und gleichzeitig ist Akira auch der erste Manga, den ich gekauft habe. Zufälligerweise war das auch die erste Manga-Serie, die man in Deutschland kaufen konnte (allerdings noch in gespiegelter Bildreihenfolge und daher mit diversen Änderungen zum Original). Akira jedenfalls stellt als Kinofilm, wie als Buch, eine neue Qualität dar, die im Westen bis dahin noch nicht zu sehen war.

Sechs Jahre später sorgte dann »Ghost In The Shell« endgültig dafür, dass Manga und Anime ihren Platz in der deutschsprachigen Popkultur gefunden haben. Damit war sozusagen das Fundament, dass die ersten Kinderserien in den Siebzigern legten, endlich bebaut. So war es jedenfalls bei mir. 😉 Denn seitdem verschlinge ich jeden Anime, dessen ich habhaft werden kann. Und das waren dann noch so einige. Wobei mir die Werke des schon vielzitierten Herrn Myazaki aus dem Studio Ghibli inzwischen die liebsten sind. Und das sind dann ja oft auch wieder Kinderfilme.

»Mein Nachbar Totoro« ist einer der erfolgreichsten Ghibli-Filme. Der jüngste »Ponyo – Das große Abenteuer am Meer«, kommt im September in die deutschen Kinos.

Tour de france

Tour de france

L’enfer du Nord Paris-Roubaix (Some rights reserved by Loving Photography)

La Cote d’Azur et Saint Tropez (Some rights reserved by Plinkk)

Les Alpes et les Pyrennees (Some rights reserved by Lüfkens)

Derniere etape Champs-Elysees (Some rights reserved by Celso Flores)

Galibier et Tourmalet (Some rights reserved by Arlyn Asch)

En danseuse jusqu’au sommet (Some rights reserved by Joe Shlabotnik)

Pedaler en grand braquet (Some rights reserved by Joe Shlabotnik)

Sprint final a l’arrivee (Some rights reserved by malias)

Crevaison sur les paves (Some rights reserved by fdecomite)

Le velo vite repare (Some rights reserved by m4tik)

Le peloton est regroupe (Some rights reserved by Mikani – Nicolas Dumas)

Camarades et amitie (Some rights reserved by myahya)

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=QLiai4gg_0Q&hl=de_DE&fs=1]

Ganz kurz: Bilder anklicken und Vive la france! und Hintergrundbild: Some rights reserved by FaceMePLS.

Captain Future

Captain Future

Als Aninmes nach Deutschland kamen II

キャプテンフューチャー „Captain Future” ist, wie ich meine, aus den anderen deutsch-japanische Animeproduktionen herausragend, darum habe ich ihm einen eigenen Artikel gewidmet. Was Captain Future so besonders macht? Zunächst mal ist das der Kultustatus, den die Serie bis heute genießt, zum anderen umgibt diese Serie ein ungleich größeres Universum, als es bei Heidi oder Biene Maja der Fall war. Als letzter Grund sei die Musik erwähnt, die mich bis in die heutige Zeit begleitet hat. Fangen wir damit an.

Der Soundtrack zur deutschen Fernsehserie „Captain Future” stammt aus der Feder von Christian Bruhn, einer der Schlagerproduzenten des deutschen Wirtschaftswunders. Der Mann hat uns Zwei kleine Italiener gebracht und zum Beispiel für Drafi Deutscher, Mirelle Matthieu, Katja Ebstein und Michael Schanze produziert. Aber Bruhn hat auch viel fürs Fernsehen produziert und dabei beinahe alle Titelsongs der hier besprochenen Serien, also Wickie, Heidi (gesungen von Bruhns Ehefrau (!) Erika), Sindbad und so weiter. Die einmalige Musik von „Captain Future” erscheint dabei beinahe wie ein Ausrutscher. Aber was für einer! Zumal die Musik der japanischen Originalserie auch nicht gerade futuristisch daher kam. Vergleicht einfach die beiden Openings einmal miteinander.

Das andere bemerkenswerte Phänomen ist das große Geschichtenuniversum, das sich um die Figur des Captain Future dreht. Die Vorlage zur Comicserie ist eine US-amerikanische Groschenromanserie aus den 1940er Jahren. In ihr sind die komplette Vorgeschichte der späteren Animeserie und damit ein weitreichendes Universum mit ganz eigener Geschichte und vielen vielen Völkern und Kreaturen, die in unserem Sonnensystem wohnen, sowie alle Charaktere bereits vorgeschrieben. In vielen Aspekten weicht die Animeserie natürlich (wie gewohnt) vom Original ab, aber der Idee des Future-Universums ist man auch hier treu geblieben.

Während die Serie in Japan Ende der Siebziger im Abendprogramm lief, wurde sie in Deutschland – zwar gekürzt und inhaltllich angepasst – im Nachmittagsprogramm gesendet, was natürlich wieder zu Protesten führte. War ja klar. Ich hingegen habe natürlich nicht protestiert, sondern konsumiert und zwar reichlich. Und das kann ich noch heute, denn es gibt zwei brauchbare DVD-Kollektionen mit allen Folgen der Serie (und eine in D ungesendeten Special). Leider muss man jedoch feststellen, dass „Captain Future” nicht sonderlich gut altert.

Beide erst genannten Dinge, das Universum und die Eindringlichkeit des deutschen Soundtracks, dürften auch den Grund für den ausgesprochenen Kultstatus der Serie bilden. Zum Kult erhoben wurde sie offiziell Ende der Neunziger, eine Zeit in der eigentlich alles zum Kult gemacht wurde, was nicht bei drei auf dem Baum war. Entsprechend wurde auch ein Remixalbum des berühmten Soundtrack veröffentlich. Aus diesem wurde dann wiederum lediglich der Titelremix von Ex-Model Phil Fuldner ausgekoppelt.

Ja, dagegen konnte sich Captain Future leider nicht zur Wehr setzen. Aber dafür lebt er bis heute weiter, in Groschenromanen, Comicheften, Comicstrips… und unseren Herzen, als der Held mit dem Raumschiff dessen Zeichenperspektive nie ganz stimmte…

Als Animes nach Deutschland kamen

Als Animes nach Deutschland kamen

Seit ca. drei bis vier Jahren setze ich mich recht ausführlich mit der japanischen Zeichentrick- und Comickunst auseinander, also mit Animes und Mangas. Natürlich gehe ich nicht auf Conventions und ich verkleide mich auch nicht als Tsubasa, aber ich schaue doch ziemlich viele Filme aus dem Bereich, dazu kommen etlich Serien und Comicbooks. Und obwohl Anime eine ganz eigene, eigentlich sehr abgeschlossene Welt repräsentieren, fiel mir der Einstieg darin doch überraschend leicht. Im Grunde kam es mir vor, als hätte ich schon immer – von jüngster Kindheit an Animes konsumiert. Eine kurze Recherche hat dann ergeben: genauso ist es gewesen. Ich habe schon im Alter von sechs bis sieben Jahren meine ersten Animeserien geschaut, beinahe täglich sogar, im damals noch dreikanaligem deutschen Fernsehen. Und vielen ist es sicherlich ähnlich gegangen wie mir…

Der Fehlstart

Die erste Animeserie, die im deutschen Fernsehen zu sehen war, ist Speed Racer (Originaltitel: Mach Go Go Go): die erste Folge lief am 18. November 1971.

Da war ich zwei Jahre alt, ich nehme an, das man mich zu der Zeit nicht vor den (sicherlich noch schwarz-weißen) Fernseher gelassen hat. Und »Speed Racer« hätte ich dann ganz bestimmt nicht sehen dürfen, denn direkt nach der Erstausstrahlung brach offenbar eine Welle der Ablehnung von Eltern bis Kirche über die ARD hinein, so dass schon nach der dritten Folge die Sendung wieder eingestellt wurde. Der Pressedienst »Kirche und Fernsehen« verletzte direkt das Godwinsche Gesetz: Speed Racer sei nur faschistischen Durchhaltefilmen vergleichbar. Oha. Und auch der Spiegel schlug kräftig auf die Serie ein:

Welcher Art dieses Vergnügen ist, zeigte sich schon in der ersten Folge, die im November letzten Jahres, zwischen Bußtag und Totensonntag, im Nachmittagsprogramm gesendet wurde: Der zehnjährige Serienheld Speed startet in seinem Wunderauto „Mach 5“ zu einem „Großen Alpenrennen“, das Heidenspaß bereitet. Speeds Rivalen fliegen nämlich reihenweise aus den Kurven, schlagen Kobolz, rasen gegen Felsen, stürzen in Schluchten, verbrennen und verbluten beiderseits der Piste.

Wie aufgeregt war man bitte noch 1971.

Chiisana baikingu Bikke

Wickie und die starken Männer Filmposter

Wickie und die starken Männer von Bully Herbig

Das nächste Anime, das Deutschland erreichte, kam 1974 im ZDF auf den Bildschirm und war eine deutsch-österreichisch-japanische Koproduktion: »Wickie und die starken Männer«. Von Wickie wurden zunächst 26 und dann nocheinmal 52 Folgen ausgestrahlt – obwohl es zunächst auch hier Proteste hagelte, war Wickie die erste Animeserie, die komplett gesendet wurde. Und die erste Animeserie, die ich wahrscheinlich komplett gesehen habe. Wickie war einfach genau mein Typ: nachdenken statt drauf hauen.

Welchen Einfluss diese frühen Anime-Gehversuche noch bis heute haben zeigt sich schon darin, dass der Stoff erst vor kurzem von Bulli Herbig neu aufgenommen und als Kinofilm herausgebracht wurde. Man kann sich nicht vorstellen, dass jemand meines Jahrgangs Wickie nicht kennt. Man möchte fast von der Generation Wickie sprechen, anstatt von der Generation Golf.

Und diese Biene die ich meine…

Ich habe immer gedacht, Biene Maja wäre eine tschechische Produktion. Das liegt am Titelsong von Karel Gott und daran, dass alles vieles, was mir früher im TV ausser Zeichentrick gefiel aus der (damals noch) Tschechoslowakei stammte, namentlich »Pan Tau« oder auch »Sechs Bären und Zwiebel«. Aber das ist natürlich der totale Quatsch, denn auch die Biene Maja kommt aus einem Land, das ich damals wahrscheinlich noch gar nicht kannte: Japan.

Biene Maja habe ich ehrlich gesagt gehasst. Aber meine Schwestern haben es geliebt und die waren meist in der Überzahl. So habe ich also auch mit der naseweisen Maja und dem dussligen Willi hunderte Stunden zugebracht. Schon damals galt: wer sich zu Anime hingezogen fühlte, bekamm viel zu lieben oder auch zu hassen. Allein die schiere Menge an Folgen sucht ja gerade bei »Biene Maja« von der 2. Staffeln an 52 Folgen gesendet wurden, ihresgleichen.

Lustig und bemerkenswert an Biene Maja ist ja eigentlich, dass sie die typischen Stereotypen der Animewelt aufs genaueste umsetzen, nur wo sonst jugendliche Helden die Protagonisten sind, spielen hier eben Bienen und andere Insekten die entsprechenden Rollen. Biene Maja war sozusagen die Haruhi Suzumiya der siebziger Jahre.

Studio Ghibli, ich sah Dich kommen

Hayao Miyazaki Portraitfoto

Hayao Miyazaki besuchte mehrmals Europa auf Recherchereise
Foto: detengase @ Flickr unter Creative Commons License.

1977 ging dann in Deutschland »Heidi (Arupusu no shōjo Haij)« auf Sendung. Obwohl ich Gitti und Erika mit dem bescheuerten Titellied, Heidi, den Almöhi, Klara und vor allem und immer wieder den beschränkten Geißen-Peter hasste wie die Pest, ist Heidi doch die Serie, die den größten Einfluss auf meinen heutige Animekonsum hatte. Das liegt ganz einfach daran, dass sie unter der Regie von Isao Takahata entstand und das Hayao Miyazaki das Szenenbild lieferte. Man war damals extra in die Schweiz gereist und fotografierte dort Szenenbilder, die dann abgezeichnet wurden und so das einmalige Layout von Heidi ergaben. Diese Technik wird vom Takahata und Miyazaki bis heute fortgeführt und das von den beiden gegründete Studio Ghibli ist das bekannteste und erfolgreichste Animestudio überhaupt, in der heutigen Zeit.

Und auch wie das Heidi-Thema für die Zeichentrickserie editiert wurde, statt des Gegensatzes zwischen arm und reich, der sich durch die Originalgeschichte von Johanna Spyri zieht, wurde der Gegensatz von Stadt- und Landleben zum Kern der Handlung, so adaptieren Studio Ghibli noch heute Märchen und Geschichten aus dem Westen für das japanische Publikum. Bekannte Beispiele: »Das wandelnde Schloss (Howls Moving Castle)« und »Ponyo«. In letzterem findet sich stark verklausuliert die Geschichte der kleinen Meerjungfrau wieder. Aber ich schweife ab…

Die Weisheit von Fußball

Die Weisheit von Fußball

Es steht vor der Tür, das Halbfinale zwischen Deutschland und Spanien, die Neuauflage des EM-Finales, der letzte Stolperstein vor dem Einzug ins Finale. Da ist es nur recht und billig, den Jungs in Südafrika von hier aus ein wenig unter die Arme zu greifen. Und was könnte da besser helfen, als der unendliche Weisheitsschatz des deutschen, ach was des internationalen Fußballs?

Das Fußball ein harter Sport ist, ist ja nicht erst seit Franz Beckenbauer bekannt, der eigenen Angaben zu Folge, in einem Jahr 16 Monate durchgespielt hat, welch ausserordentliche Leistung. Und es war auch der gleiche Kaiser, der seinen Jungs bewusst machte Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage!. Aber keine Angst gerade die Niederlagen werden ausschließlich von den Medien hochsterilisiert (Bruno Labadia) und selbst wenn es nicht klappt, sollte man es mit Lothar Matthäus halten und jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.

Ein weitere Weisheit unbekannter Herkunft besagt: Schönheit siegt nicht., obwohl es sich so anhört, als hätte das Otto Rehagel gesagt. Das macht aber auch nichts, so lange das Runde im Eckigen landet, achja und Foul ist, wenn der Schiri pfeift., obwohl das in England ganz anders gepfiffen wird.

Fragen wir noch einmal die Fußballgottheiten aus früheren Jahren: Sepp Herberger darf da nicht fehlen, der wusste: Ein Spiel dauert 90 Minuten, Nach dem Spiel ist vor dem Spiel und Das nächste Spiel ist immer das schwerste. Mit derlei Gerede könnte Yogi Löw doch seine Jungs gut schon auf Halbfinale und Finale vorbereiten! Man hört aber, dass er es eher mit den technischen Weisheiten hält. So wie Giovannie ‚Falsche Leer‘ Trappatoni, der wusste schon: Es gibt nur einen Ball. Wenn der Gegner ihn hat, muss man sich fragen: Warum!? Ja, warum? Und was muss man tun? Ihn sich wiederholen! Auch eine Lösung.

Im Grunde brauchen die deutschen Spieler aber gar keine Angst haben, denn zwei Sachen sind schonmal sicher. Zum einen beschert uns der südafrikanische Winter garantiert das allerbeste Fritz-Walter-Wetter und zum Anderen wird es so sein, wie schon 1990, über das Kaiser Franz zu berichten wusste: Damals hat die halbe Nation hinter dem Fernseher gestanden. Na dann, wenn’s gar nicht anders geht, denkt daran: Fußball ist ein Spiel,wo 22 Spieler einem Ball hinterherrennen und am Ende gewinnen immer die Deutschen, Gary Lineker soll das gesagt haben und was im Achtelfinale galt, gilt morgen um so mehr. Und falls es doch schief geht: wer den Schaden hat, braucht für den Spott bekanntlich nicht zu sorgen, dann ergeht’s euch wie Berti Voigts, der einst zu Protokoll gab: Wenn ich über’s Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker, nicht mal schwimmen kann er…

Foto: Babasteve unter Creative Commons.