Verdammt große Downloads

Verdammt große Downloads

Nachdem ich heute mehrmals gefragt wurde, ob wahlweise unsere Website oder unsere iPad-App im »neuen« iPad denn noch funktionieren würden, war ich wie immer – knick, knack – sehr optimistisch, das wir mal wieder auf die richtigen Technologien gesetzt haben, so dass hier keine Probleme entstehen sollten.

Was aber machen die Kunden von bspw. Adobe, die ganze iPad-Magazine zwar im Laufschritt produzieren konnten, nun aber mit einem PNG pro Seite dastehen. Kollege Arne wies eben völlig richtig darauf hin, dass deren Bildgrößen durch die Decke gehen werden, denn will man kein Wischiwaschi ausliefern, muss man mal eben doppelt soviele Pixel ausliefern, pro Seite Achse (klarer ausgedrückt, siehe Kommentar). Stuntbox hat gerechnet:

 Very roughly speaking, a single page of text built this way and saved using light JPG compression weighs in at around 150-350kB. At the new Retina dimensions these same app platforms will generate pages on the order of 2MB. That’s per page.

Diese Art Publikationen sind ja schon heute unfreundlich groß im Download, aber in Zukunft muss man dann wohl erst ein paar Videos löschen, wenn man die neueste Ausgabe bspw. von Wired laden will. Mehr als 64GB gibt es nicht zu verteilen.

14 Gedanken zu „Verdammt große Downloads

  1. Hat Apple die dpi-Zahlen wieder hochgeschraubt?
    Sehe ich das eigentlich richtig, dass die Browser in Retina-Displays schon jetzt Pixelgrößen im CSS gar nicht als Pixel auswerten?

  2. … und wie ist das mit Apps überhaupt? Müssen die irgendein Flag setzen, damit sie die neue hohe Auflösung überhaupt sehen und werden sonst hochgezoomt wie alte iPhone 3-Anwendungen auf dem iPhone 4?

    Oder wird das Zeitmagazin in der App dann einfach erstmal als Viertelseite links oben dargestellt?

  3. @ben: Ja, sowohl auf iPhone 4 als auch auf dem „new iPad“ gibt sich der Browser mit den non-Retina Dimensionen aus, weil sonst ja keine Website mehr vernünftig aussehen würde

    @ingo: native Menüs werden hochgerechnet, ebenso WebViews (die geben sich für’s CSS nach wie vor als 1024×768 aus, rechnen intern aber mit der höheren Auflösung). Probleme machen dann evtl. Bilder oder Icons. Wenn die richtig eingebunden wurden, werden die halt verwaschen hochgezogen (wie iPhone 3-Anwendungen auf’m iPhone 4)

  4. Und wie kommt man von 150-350 KB bei vierfacher Pixelanzahl auf 2000 KB? Das müssten doch 600-1400 KB sein. Und, wenn es um Text geht, sollte der Zuwachs noch geringer sein, z.B. ist für die Kompression einer weißen Pixelzeile kein Zuwachs zu verzeichnen – die Information „jetzt 1000 Pixel weiß“ braucht genausoviel Platz wie „jetzt 2000 Pixel weiß“ … Und ein großteil ist sicher nach wie vor Hintergrund.
    Wie auch immer, die Grafiken werden sicher Größer werden, aber ich bin eben über die Zahlen gestolpert.

  5. Ja, ein wenig zu rough gerechnet, haben wir hier auch schon diskutiert (und so sehen es die Mehrzahl der Kommentatoren bei Stuntbox auch).

    Ich tippe eher auf eine Verdopplung des Gewichts, genau berechnen wird man das aber wohl nicht können.

  6. Echt gut ist auch die Stelle „the growth rate of the potential payload size just outgrew the growth rate of device storage exponentially“. Muss man mal drüber nachdenken. Und dann laut lachen.

  7. Überall wird angegeben, dass das neue iPad die doppelte Anzahl an Pixeln hat. Es sind aber pro Achse doppelt so viele also insgesamt 4-mal so viele.

  8. Sagt mal … wenn ich den Artikel bei Stuntbox richtig lese, sagt der mir, dass alle die welche von den PDF/JPG-Magazinen für ihr altes Ipad gekauft haben, jetzt mit einem neuen Ipad nur verwaschenen Pixelmüll haben, oder etwas unselbar kleines und obendrein in Zukunft gigabyteweise Dokumente runterladen müssen … sehe ich das richtig?

    Und … hat hier nochjemand außer mir das Gefühl, dass da etwas ganz gehörig schief läuft? Ich meine … so grundätzlich.

  9. Kann ich nicht sehen, was da gehörig schief laufen soll. Die Hersteller der PDF/JPG-Magazine haben es einfach falsch gemacht. Und wenn sie es weiter falsch machen tritt genau das ein: verdammt große Downloads. Ist ja nicht so, dass es nicht anders ginge.

    Einzig ein Punkt sehe ich als Problem: das Netz wird Probleme bekommen mit den neuen Datenmengen, denn mehr werden es auch, wenn man es richtig macht, wenn auch nicht so viel wie bei den Imagedatei-Magazinen…

  10. Ja. Ne. Mir geht es dabei ausnahmsweise nicht darum, Apple anzukreiden. Ich sag’s mal so: Ich hab hier noch eine GEO von 1979 rumliegen. Die kann ich aufmachen und lesen und sie sieht keinen Hauch anders aus als 1979. Aber sie muss ja nicht mal von 1979 sein. Neulich hab ich ja eine GEO-Epoche aus dem Jahr 2000 gekauft. So wie die Dinge mit dem iPad stehen könnte ich ja nichtmal eine vom letzten Jahr kaufen / mir anschauen.

    Nochmal: das wichtige daran ist nicht die Kritik an Apple oder der Verlegern oder Woodwing oder Adobe. Die Drupal-Community macht ja ganz ähnlichen Irrsinn und hinterläßt in ihrem Kielwasser hunderttausende Sites und vermutlich Millionen von Inhalten, die nie aktualisiert werden werden.

    Mir scheint die Mechanik der Entwicklung – an der alle, auch die Endbenutzer beteiligt sind – ziemlich traurige Gesamtergebnisse zu zeitigen.

  11. @ben_: Versuch mal ein Computerspiel von 1993 zu kaufen. Wenn du das noch bekommst, hast du spätestens Probleme, wenn du es zum Laufen bekommen willst ohne Rechner aus diesem Jahr. Ziemlich schlimm.

    Ich glaube der einzige Weg, der im IT-Bereich daran vorbei führt, ist Open Source und sich Software selbst kompilieren zu können. An die Einfachheit und Dauerhaftigkeit von Papier kann etwas, das Strom braucht, aber niemals herankommen.

  12. Ich will da gar nicht zu sehr drauf rumhacken, nur drei Dinge:

    – ein Computerspiel von 1993 kann ich relativ gut in einem Emulator laufen lassen, nur: wenn ich meinem Mac mit 5 1/4 oder 3,5″ Disketten kommen will (hab ich allerdings unlängst alles entsorgt), steh ich natürlich doof da. Da hätte ich die Daten darauf zwischenzeitlich mal besser sichern sollen. Disketten gab es aber nie als Open-Source-Version. Ich könnte jedoch Cloud-Speicher-Anbieter damit beauftragen Dinge für mich über den Lebenszeitraum meiner Festplatte, meines Rechners hinaus zu sichern.

    – ein Magazin aus dem Jahre 1979 könnte ich lesen, wäre es allerdings mein privates aus diesem Jahr, würde es genauso zerflettert und kaputt aussehen, wie die Wired-App auf dem iPad (3). Die Wahrheit aber ist: hätte ich längst weggeworfen, denn Zeitungen und Magazine sind: Wegwerfprodukte. Und auch die Wired ist auf dem neuen iPad ja nicht kaputt, sondern nur zerflettert. (Über Bücher müsste man allerdings nochmal sprechen).

    – die Vergänglichkeit der Dinge war schon immer da und kann durch IT sowohl beschleunigt als auch gebremst werden, je nach Herangehensweise. Eine Geo von 1979 bspw. kann nicht mehr so leicht nachgedruckt werden, wie die von 2000. Es gibt weder die passenden Druckmaschinen mehr, noch deren Vorstufe. Stattdessen müsste sie erst digitalisiert werden. Beliebige Wiederherstellung ohne IT: unmöglich, mit IT hingegen könnten wir das selbst machen, Ben hat ja ein Original.

    Ich glaube nicht, das irgendetwas auf dieser Erde für die Ewigkeit gemacht ist, alles muss andauernd transferiert werden, wenn es überleben soll. Bücher wurden erst abgeschrieben, dann gedruckt, nun erscheinen sie digital. Das Transferieren geht zum Glück immer schneller, das Wissen kann gerettet werden. Und im Grunde haben inzwischen wir die Mittel das zu tun, im Weg steht nur: das Urheberrecht. 😉

  13. Ja. Da hast Du latürnich Recht. Das ist ja auch aktiver Teil der Strategie bei praktisch allen Beteiligen (einschließlich den Endverbraucher). In den 80er hieß das glaube ich mal Wegwerfgesellschaft. Wer hätte damals gedacht, dass mal für soviele Unternehmen ein erfolgreiches Modell wird.

    Was das Urheberrecht angeht: Copyright is for Loosers.

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