Ihr solltet alle Mützen tragen

Film: Um die unsichtbare Hardware des Internets geht es in Ben Mendelsohns Kurzdoku Bundled, Buried & Behind Closed Doors hier bei The Atlantic zu sehen. Der Cyberspace ist gar nicht so spacig, sollte man nie vergessen.

Um Kunst und Design der Occupy-Bewegung geht es bei den Weburbanisten: hochpolitische Kunst von Leuten, die ihr Geld wieder haben wollen. Aber wo ist das ganze Geld hin? XKCD hat dazu die Grafik. Kunst. Ich lese gerne Notes of Berlin, dort wo die Grenze zwischen Naivität und Kunst so schön verschwimmt. Hoffe jedenfalls das es Kunst ist.

Oder eben doch Konsum: ihr solltet alle Angry-Birds-Mützen tragen. Meine Meinung.

Verlinkt ins Wochenende

Schon wieder ist die Woche rum: es ist Debugging- und Docday, gleichzeitig binary day und ganz nebenbei Freitag, nach DIN 1355 Punkt 1.3.2, Tabelle 2 der fünfte Wochentag, hurra.

Apropos Docs schreiben: ich schreibe ja nur noch, ausser in Mails, in Markdown, damit hat beinahe acht Jahre gedauert, bis sich die vereinfachte Auszeichnungssprache bei mir durchgesetzt hat. Ein weiteres Tool (OS X) dazu ist Marked, eine Preview für Markdowncode, die sich jeweils beim Speichern einer Datei aktualisiert (danke, Arne). Und apropos Mails: wer sich mit Google Mails neuer Oberfläche nicht anfreunden kann, für den gibt’s Userstyles und Userscripts gegen die schlimmsten Verfehlungen.

Das finde ich übrigens sehr praktisch: bei Shapecatcher malt man Zeichen deren Codierung man sucht in eine Box und die Maschine sucht nach dem passenden Unicodecharacter. Das ist einerseits praktisch (wenn’s klappt), anderseits witzig (wenn’s schief geht), je nach Güte der Vorlage natürlich (danke, Hoshi).

Wer am Wochenende nichts vorhat, kann aber endlich mal aus der digitalen Welt aussteigen, durchaus eine berechtigte Idee, wenn man beispielsweise liest, wie sicher unsere Daten bei Twitter sind an US-Behörden ausgehändigt werden. Das heisst: ich habe natürlich nichts zu befürchten, ich bin ja nicht bei Wikileaks.

Da passt auch mein elektronischer Musiktipp zum Wochenende: Nummer 111 des Kreislauf Labels gibt’s wie immer unter CC-Lizenz (by-nc-nd) und zum raschen Download empfohlen. Der Mannheimer Nosrat Charkhi aka Noston liefert mit »Nos Art« ordentliche elektronische Musik. Beispielsweise: Get Down.

So, für die Zugfahrt nach Hause, habe ich mir einen schön langen Text ins Instapaper gepackt: The Tetris Effect. Ja… was soll denn das nun wieder heissen?

Mehr Links im Linkblog.

Soziale Netzwerke existieren um Dir Müll anzudrehen

Während die digitale Welt von Facebook beherrscht wird und auf Google+ bereits der Abgesang angestimmt wird gibt es glücklicherweise immer noch Autoren, die bereit sind, hinter die Fassade zu schauen, offen anti-social zu sein, di Gegenposition einzunehmen, die längst einen scheinbar verlorenen Posten darstellt. Maciej Ceglowski, Gründer des antisozialen Bookmarking-Dienstes Pinboard, hat seine Sicht auf die sozialen Netzwerke vorgelegt und macht so manchen Punkt: The Social Graph is Neither. Er soll mir fürdahin als Vorbild gereichen.

Während mir die fehlerhaften Ansätze eines Konstruktes wie den social graph ja eher egal sind, finde ich es immanent wichtig, das immer und immer und immer wieder darauf hingewiesen wird, wozu dieses Konstrukt denn eigentlich genutzt wird. Was bei der Privacy- und Post-Privacy-Diskussion reihenweise ignoriert wird ist ja, dass man gar keine persönlichen Informationen über sich preisgeben muss und trotzdem die Maschine füttert. Allein das Bewegen auf der Plattform, die Herstellung von Verbindungen, das Lesen von Nachrichten anderer: alles Informationen, die höchst interessant sind.

It’s as if an ad agency built a nationwide chain of pubs and night clubs in the hopes that people would spend all their time there, rigging the place with microphones and cameras to keep abreast of the latest trends […].

Ist aber ja nur die Werbeindustrie. Wer freut sich nicht über Spam, der einen interessiert? Ich nicht, aber egal, der Witz ist Spam den man nicht mehr bemerkt! Aber das wurde ja auch alles schon sehr ausführlich besprochen, da sollte inzwischen jeder sich eine Meinung darüber bilden können.

Da finde ich die Frage, was uns Facebook et al. eigentlich zu bieten haben auch weitaus interessanter. In der derzeitigen Lage, in der man an Facebook nicht mehr vorbeizukommen scheint, eine äußerst berechtigte Frage.

The funny thing is, no one’s really hiding the secret of how to make awesome online communities. Give people something cool to do and a way to talk to each other, moderate a little bit, and your job is done. Games like Eve Online or WoW have developed entire economies on top of what’s basically a message board. MetaFilter, Reddit, LiveJournal and SA all started with a couple of buttons and a textfield and have produced some fascinating subcultures. And maybe the purest (!) example is 4chan, a Lord of the Flies community that invents all the stuff you end up sharing elsewhere: image macros, copypasta, rage comics, the lolrus. The data model for 4chan is three fields long – image, timestamp, text.

Now tell me one bit of original culture that’s ever come out of Facebook.

Wer jetzt sagt: ich halte dadurch Kontakt zu ehemaligen Freunden, Klassenkameraden und Kollegen, well done!

Kein Flash

Ich möchte mal wissen wie oft ich mir im Laufe des letzten Jahres in dämlichen sas iPhone ist aber Scheisse Diskussionen anhören musste: Android kann aber Flash (siehe auch). Und eben so oft habe ich den Leuten erzählt, dass das weder mich, noch die Masse der Anwender interessieren würde. Endlich: Geschichte. Am Ende wieder Recht behalten.

Schreiben. Lesen. Fernsehen. Links.

Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday lieber VIM, happy birtthday to you. VIM wird 20! So alt wird kein Schwein. Dagegen brandneu ist dieser interessante Editor für OS X: Mou, ein Split-Screen-Editor für Markdowncode.

Vom Schreiben zum Lesen: Cory Doctorow kommt auf Lesereise nach Deutschland, u.a. nach Hamburg (7.11.) und Berlin (8.11.), hier die genauen Termine.

Und wo wir bei Schreiben und Lesen sind, ist Typographie ja auch nicht weit: What should I look for in a UI typeface? Ein echter Lese- und Stauneartikel.

Jetzt noch Fernsehen: im Videochannel der fronteers 2011 gibt’s den Talk von Aral Balkan und Bruce Lawson zu sehen.

Mehr Links im Linkblog.

Numerierte Leselinks sind doof!

Und zum wirklich letzten Mal Google Reader: da ist wirklich alles schief gegangen, in Funktion und Design, via wirres. Martin Weigert sieht darin Instapapers große Chance. Marc sieht das genauso. Ich bin immer noch eher für den Ausstieg und probiere gerade Shrook.

Save the date, nein besser sofort anmelden: In Oxford findet im Feburar 2012 die jQuery UK Conference statt. Nebenbei: für die beyond tellerrand soll’s übrigens auch noch Tickets geben.

Für alle Nerds: beim Public Domain Review gibt’s von der NASA freigegebene Onboard-Recordings von der Apollo-11-Mission, hauptsächlich Rauschen von 1969, aber auch interessante Diskussionen über die Farbe des Mondes. Das passende Geschenk dazu: das Siri-Integrated HAL 9000 Dock for iPhone.

Weitere Links im Linkblog bei Tumblr.

Leselinks auf der Flucht

So, Halloween ist vorbei, Google Reader kastriert und diese Links wichtiger denn je. Also, machen wir es kurz! Nicht nur Google hat Funktionalität gedroppt, sondern auch Ian Hickson. Nämlich das <time>-Element aus dem HTML5-Standard. Darüber regt sich Bruce Lawson ernsthaft auf, war es doch sein Lieblingselement. Und schon wird zur Revolte aufgerufen, auch auf Twitter unter #occupyhtml5. Zum Ausgleich liefert der gute Bruce auch gleich den Nerdwitz des Tages.

Den barrierefreien Entwickler lernen wir unter »WCAG 2 und die reine Textvergrößerung« kennen. Aber mal im Ernst: ein trockenes Thema. Wer wissen will, wie Barrierefreiheit tickt, braucht nur diesen Post zu lesen. Und dann schnell weg… zur garantiert nicht barrierefreien Website der SPD Engenhahn, die können Internet, die Genossen (thx, Martin, made my day!).

Und nochmal Google: die Einbindung von Googles Karten wird kostenpflichtig, wer hätte das gedacht. Etwas happig: eine Maps-API-Premier-Lizenz ist ab 10.000 US-Dollar erhältlich. Da möchte man schon wieder flüchten, aber bitte nicht zu schnell, denn Geschwindigkeitübertretungen können demnächst noch genauer erfasst werden, auch im Rudel, das ist schon ein wenig spooky. Apropos Engadget: das ehemalige Team von dort hat sich selbstständig gemacht: The Verge, unübersichtlich aber schick, würde ich sagen (Thx, Arne).

Und zu guter Letzt nochmal Flucht vom Reader: ich aggregiere meine Linktipps nun in meinem Tumblelog, der Feed dazu ist hier. Genauso wie gestern noch unter den shared items. Plus importierte Links aus meinem Pinboard. Wenn ich mal Zeit habe, integrier ich den Feed dann hier irgendwo.

Google Reader adé?

Seit gestern hat Google nun tatsächlich begonnen, das neue Design auszuspielen und mE wichtige Funktionen des Google Readers abzuschalten. Ich denke, es wird nur einen Internetmoment dauern, bis etwas oder jemand die entstandene Lücke auffüllt, ob das Google selbst kann, mit Google+ ist mehr als zweifelhaft. Wahrscheinlich überschätze ich das auch, weil ich selbst davon betroffen bin, aber möglichweise will mir Google auch signalisieren, dass ich als Power-User nicht mehr so richtig erwünscht bin. Dann wäre es an der Zeit sich nach Alternativen umzuschauen. So es denn noch welche gibt.

Das scheint mir tatsächlich ein Problem zu sein: der Standalone-Feedreadermarkt ist nicht gerade ein umkämpftes Terrain, viel mehr eine Wüste samt Tumbleweed. Google Reader hat so ziemlich alles ausgetrocknet und wenn es noch gute Produkte gibt… dann synchronisieren sie die Feeds mit… genau: dem Google Reader.

Screenshot

Reeder sieht zumindest ansprechend aus.

Auf dem Mac ist der Platzhirsch in Sachen RSS-Reading noch recht jung und nebenbei das Kind einer iPad-App: Reeder für OS X bietet definitiv das schlickste Erscheinungsbild und die besten Funktionalitäten. Hier gilt allerdings auch: ohne Synchronisation mit dem Google Reader funktioniert das Programm nicht. Die Datenbank von Feeds lässt sich weder unabhängig nutzen, noch lassen sich neue Feeds per OPML importieren. Um mit Versionen auf dem iPhone oder iPad sychron zu sein, geht es natürlich auch nur mit einer zentralen Instanz, solange Reeder keine andere als die von Google bietet, stellt er keine echte Alternative dar. Hier kann man Google höchsten demonstrieren, dass man auf das Backend nie angewiesen war.

Werfen wir also einen Blick zurück in die Feedreader-Vergangenheit. Einst die feste Größe unter den Mac-Readern war NetNewsWire, das jedoch eine mehr als weniger traurige Geschichte der Ver- und Aufkäufe hinter sich gebracht hat und dabei ein wenig Glanz eingebüsst hat. Immerhin: es gibt ihn noch, inzwischen als Kostenlos-Version mit integrierter Werbung. NNW gibt es für Mac, iPad und iPhone, zwischen diesen Geräten würde jedoch per Google Reader synchronisiert. Dies lässt sich jedoch abschalten. Dafür ist der NNW nach wie vor der König des OPML-Exports, d.h. was man auf der Reader-Export-Seite herunterlädt kann man direkt in den NNW einfüttern. NNW ist solide, bietet die aus Mailprogrammen bekannte Ansicht mit drei Paneelen und bringt alle nötigen Features aus alten Tagen mit: bspw. ins Blog posten mithilfe von MarsEdit oder weiterleiten von Einträgen nach Delicious. Fühlt sich alles etwas angestaubt an.

Ebenfalls ein alter Bekannter auf dem Mac ist Vienna. Das Open-Source-Programm hat nie den Schritt zum Reader-Syncing gemacht, ist also das ideale Aussteigerprogramm. Vienna importiert OPMLs schnell, korrekt und mit allen Unterordnern. Genau wie NNW gibt es drei Paneele, links die Feeds, rechts oben Artikelüberschriften, darunter der ausgewählte Feeditem. Vienna ist mit dem Sharing ein wenig weiter vor als NNW und kann nicht nur zu Delicious, sondern ebenfalls zu Twitter, Facebook und Evernote sharen. Letzterer Dienst liesse sich übrigens als Ersatz für das Sharen im Google Reader nutzen, da dort User gemeinsame Notebooks befüttern können.

Unter Windows kannte ich eigentlich immer nur den FeedDemon, der eine ähnliche Verkaufs- und Rückkaufsgeschichte aufzuweisen hat wie NNW. Er synchronisiert aber, zumindest derzeit noch, auch mit Google Reader.

Zusammengefasst: nicht gerade ein Rosengarten. Google Reader war nicht nur der Defacto-Standard für das Teilen von Feedeinträgen mit einer bestimmbaren Gruppe von Nutzern, sondern ist ebenso der Standard für das Abgleichen von Feeddatenbanken und Leseständen über die verschiedenen Nutzungswelten hinweg, also Desktop, Tablet und mobile. Dies ist sicherlich eine der wichtigsten Funktionalitäten und gerade hier hält Google praktisch das monopol. Wollte man sich also von Google trennen (obwohl das Synchronisieren – zumindest derzeit – ja noch funktioniert), müsste man erst einmal einen Dienst finden, der eine derartige Synchronisation anbietet. Dann fehlen außerdem noch die Programme, die mit diesem Dienst arbeiten könnten. Hier wäre nun Platz für Innovation.