Im Internet

Eben habe ich im Radio einen Beitrag gehört. Es ging um Plagiate berühmter Marken, die man im Internet zu Spottpreisen kaufen kann. Würde man – oder der entsprechende Händler – bei diesem Verstoss jedoch erwischt, müsse man ggf. Schadenersatz an die Rechteinhaber zahlen und mglw. sogar noch die Vernichtung der Ware bezahlen. Der Rat der Kollegen vom Radio: man hole sich vor einem Kauf im Internet ggf. den Rat eines Rechtsanwalts ein.

Zwei Sachen stechen hier ins Auge: während der Teilsatz im Radio gehört durchaus noch seine Berechtigung besitzt (ok, man könnte durchaus noch den Sender konkretisieren), da wir das Abspielgerät und das Medium Radio gemeinhin gleichsetzen, ist die Bezeichnung im Internet zwar noch keine Falschaussage, jedoch eine völlig sinnentstellende Ungenauigkeit, die gleichzeitig den falschen inhaltlichen Unterbau zur Story liefert. Will sagen: das Internet ist kein Ort, keine Straßenecke an der Händler stehen, kein gestreamtes Medium, das über mehr oder weniger genormte Geräte zur gleichen Zeit mit gleichem Inhalt in die Haushalte ausgestrahlt wird, das Internet ist nicht das Radio, das Internet gibt es so eigentlich gar nicht.

Um beim Thema des oben Gehörten zu bleiben: Plagiate bspw. von Artikeln führender Sportartikelhersteller kann man in Urlaubsorten am Mittelmeer kaufen, oder auf dubiosen Webseiten, dubioser Anbieter, auf die man – wenn nicht auf Hinweis eines noch dubioseren Freundes – aufgrund von äusserst dubiosen Mails, wir nennen es Spam, gekommen ist. Das ist nicht das Internet, sondern die dunkle Ecke eines düsteren Hafengebietes in einem subtropischen Land deiner Wahl, eben ist man noch an einem Plakat vorbeigekommen, von dem der örtliche Diktator herunter mehr Rechte für die Gepeinigten verspricht. Wer in solch einer Umgebung erwartet, für 30 Euronen eine Rolex kaufen zu können, der braucht keinen Anwalt, sondern einen Arzt.

Trotzdem raten wir selten jenen Menschen, die massenhaft in solche Gebiete Urlaubsreisen unternehmen, ihren Anwalt mit auf die Reise zu nehmen um ihn im Zweifelsfall konsultieren zu können. Vielmehr erwarten wir von Urlaubern, die – sagen wir mal – in die Türkei reisen zu wissen, dass man die dort gekauften Adiletten besser nicht im Handgepäck transportiert oder gleich am Flughafen in den nächsten Mülleimer wirft. Durch den Zusatz im Internet jedoch, neigt der hier verallgemeinerte Journalist dazu, seinem Rezipienten jeglichen Menschenverstand abzusprechen. Zusammen mit dem Gefühl für Moral und der Rechtsauffassung. Das Internet ist gefährlich und wir sind dort alle Deppen.

Noch schlimmer ist eigentlich die Floskel auf/bei Facebook. Lässt man doch keine Gelegenheit aus, um zu betonen, dass sich zu diesem oder jenem Thema bereits eine Facebookgruppe gegründet habe, oder es eine Fan-Seite auf Facebook gäbe. Nur die Eingeweihten 18 Mio. Facebooknutzer scheinen zu wissen, dass eine Gruppe auf FB soviel Wert hat, wie eine Eisdiele in Cityville.

Und dann, immer und immer wieder, werden Filme nach Pirate Bay hochgeladen, liebe Kollegen, das ist aus architektonischen Gründen Quatsch, ihr müsst es ja nicht verstehen, sondern merkt es euch einfach nur.

Song des Tages

Liam Lynchs United States of Whatever ist in unserem Büro soetwas wie ein kleine Hymne in Fällen wo… whatever! Zeitweilig hatten wir davon sogar ein Sample per Applescript zum Anklicken auf dem Desktop liegen. Diese Tage sind gezählt, seit Arne »Ich blog nur einmal im Jahr« das X-Curse-Projekt (ich pass mich mal sprachlich hier einfach an) The Achtung Achtung für uns (wieder-)entdeckte, sind wir in den Hafen des deutschen Sprachgutes zurück gekehrt und singen nur noch: Verpiss Dich!

httpvh://www.youtube.com/watch?v=MN7hR8ewslI