Grain

Im Kino heute ist alles so echt und gestochen scharf, dass es schon wieder unecht wirkt. Lächerlich wirken dabei die Versuche, digitalem Film dadurch Leben einzuhauchen, dass man mit der Handycam herumwackelt und im postprocessing Körnung hinzufügt. Doch ohne Grain gibt es keine Tiefe, keine dunklen Stellen, keine unausgeleuchteten Bereiche, keinen dritten Mann, keinen Norman Bates und kein verdammtes Casablanca. Ich liebe Grain. Und Technicolor…

Technicolor, richtiger three-strip technicolor ist ein Herstellungsverfahren für Farbfilme, bei dem drei verschiedenfarbige Negative zu einem Farbfilm zusammenkopiert werden. Das sog. fünfte Technicolor-Verfahren bestimmte die Farbigkeit der Filme der 50er, 60er und frühen 70er. Natürlich ist das nicht natürlich. Natürlich mag ich es so am Liebsten. Als Kind habe ich geglaubt, New York, Chicago und San Francisco wären in leicht gelbstichiges Technicolorlicht getaucht (und Ost-Berlin schwarz-weiß). Dazu geht immer etwas Grain…

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Im Westen nichts Neues

Foto einer Mauer

Zum zweiten Mal will die NYT wetten, dass ihre Leser auch im Netz die Brieftasche locker sitzen haben…

Vor über einem Jahr kündigte die New York Times an, ihre Website erneut hinter einer Paywall verschwinden lassen zu wollen. Heute kündigte Herausgeber Arthur Ochs Sulzberger Jr. in einem Brief an die Leser über digiales Abonnements an, dass der Plan nun in die Tat umgesetzt wird. Kurz zusammengefasst soll das so aussehen:

  • 20 Artikel monatlich auf NYTimes.com sind frei abrufbar.

  • Landet man per Link auf NyTimes.com oder kommt von einer Suchmaschine, kann man den jeweiligen Artikel auch gratis lesen.

  • Für Abonnenten der Papierausgabe bleibt die gesamte Website gratis zugänglich.

  • Alle anderen und alles andere kostet ab dem 28. März nun Geld und zwar nicht zu knapp, es gibt drei unterschiedliche Abos:

    • NyTimes.com im Web lesen und die Smartphone App nutzen: $15

    • NYTimes.com im Web lesen und die Tablet App nutzen: $20

    • NYTimes.com im Web lesen und die Smartphone App und die Tablet App nutzen: $35

Man sieht, die NYTimes hat trotz Krise der Zeitungen in den USA (und überall sonstwo) nicht den Humor und auch nicht den Optimismus verloren. Ich gehe einfach mal davon aus, dass die Marktforschungen ergeben haben, dass Leute die gleichzeitig per Smartphone- UND Tablet-App NYT nutzen, allesamt reiche Schnösel sind, die es nicht besser verdient haben. Das kann natürlich sein. Insgesamt scheint mir das aber einerseits zu kompliziert gedacht und andererseits auch ein wenig überteuert.

Bei den freien und Ausnahmezugängen ist es nun aber richtig mit den NYT-Managern durchgegangen. Das sieht ein wenig so aus, als wäre man mit der 20-Seiten-Regel in die Tests gegangen und hätte dann eine Ausnahme nach der anderen hinzugefügt. Das ist ja nicht nur unübersichtlich, sondern auch technisch zumindest eine Herausforderung. Cory Doctorow hat völlig Recht, wenn er befürchtet, dass in Zukunft viele potentielle Kunden der NYT auf abschreckenden Nagpages landen werden und dabei mit Frustration zu kämpfen haben. Nur: mit Frustration verkauft man keine Abos.

Insgesamt glaube ich, ist auch diese zweite Paywall der NYTimes keine gute Idee. Auch nach 14 Monaten Entwicklungszeit ist praktisch nicht Neues dabei herausgekommen. Eine Paywall ist eine Paywall ist eine Paywall. Auch 2011.

Exit From Planet Earth

Das erste Codecandies Mixtape zum Runterladen! 45 Minuten technotisch minimalistisch housiger Elektronik, von mir selbst zusammengestöpselt, vulgo gemixt.

Cover: Exit From Planet Earth

Download: Exit From Planet Earth. Alles streng Netlabel und lizensiert unter Creative Commons Lizenz. Knöchelverzeichnis:

  1. Emc” – „Mientras dormías“ 03:54
  2. Peter Clamat – „Mexico Hase ( Purple One , Gone )“ 05:06
  3. Sequential 3 – „Meridian“ 04:51
  4. Tayutafu – „Afternoon Tea ppa3“ 02:44
  5. Fioko – „Fioletovo“ 04:40
  6. Patty G. – „latenso“ 03:40
  7. Quite-k – „About Voodoo“ 03:59
  8. Herotyc – „Fins Al Final Sempre“ 04:16
  9. Tatsu – „Bump Foot“ 07:00
  10. Professor Kliq – „All Controll (Hard Version)“ 11:47

Coverfoto: Nasa. Der Download liegt übrigens in meiner Dropbox, ein wunderbarer Service, der hiermit nochmal ausdrücklich empfohlen sei.

Tabletmarkt: Vielversprechen(d)

In vielen Diskussionen die ich in letzter Zeit zum Thema Tablets führen musste, lief immer alles auf den Vergleich iPad bzw. iPad2 versus Motorola Xoom hinaus. Das Android 3 (Honeycomb) Tablet aus dem Hause Motorola ist der große Hoffnungsträger derjenigen, die sich ein Tablet mit USB-Anschluss und Flash-Unterstützung wünschen.

Ars Technicas Review des Xoom fiel nun jedoch eher vernichtend aus. Während die Möglichkeiten und die neue Oberfläche durchaus positiv auffielen, kommt Tester Ryan Paul in seiner Zusammenfassung jeodch zu einer vernichtenden Kritik, die ich hier im Auszug zitieren möchte:

The [Motorola Xoom] has an extraordinary set of features, but the best are simply not available at launch. While I was testing the device and studying the documentation, I was confronted repeatedly with disclaimers which explained that various features will arrive later in updates. There are so many of these disclaimers that it soon became absurd. The device, in its current state, is like a parade of promising placeholders.

The Xoom’s assortment of absent features will likely all be available this Summer, but the launch configuration feels like a beta release. Consumers who buy it today will have to send it back in for a week at some point before they can get the complete product. I think bringing it to market in this condition was a pretty dubious move.

As a reviewer, I’m finding it particularly hard to evaluate the Xoom. When I test beta hardware or software, I tend to give the manufacturer or developer the benefit of the doubt and focus on the product’s potential. I’m tempted to approach the Xoom from that perspective, but I just can’t rationalize that kind of leniency for a product that has been officially released and is selling for $800.

Und so weiter. Dem Xoom fehlen zum Start nicht nur das versprochenen Adobe Flash, sondern es wird beispielsweise auch mit einem funktionslosen Kartenslot ausgeliefert.

Natürlich werden die vorher hochgelobten Features nachgeliefert und wenn man das Gerät ab April auch in Deutschland bekommen kann, sind vielleicht auch schon ein paar weitere Features umgesetzt, vielleicht. Das Motorola Xoom ist natürlich kein WeTab. Trotzdem empfinde ich die Taktik, pre launch die tollsten Sachen zu versprechen und sie dann post launch umzusetzen mehr als fragwürdig. Das hinterlässt einen schlechten Geschmack im Mundraum, vor allem wenn man daran denkt, wie man sich in Diskussionen immer wieder mit diesen Features auseinandersetzen muss. Ein trauriges Bild für die Android-Gemeinde.

Richtig auf den Sack geht mir allerdings, dass der auf Google Chrome basierende Browser des Xooms, vor allem was die fortgeschrittenen HTML5- und CSS3-Features angeht not ready for prime-time, even for HTML4 ist. Da muss Google dringends Abhilfe schaffen, allein um den eigenen Versprechen in Sachen HTML5 nachzukommen. Ein Tablet mit einem abstürzenden und ruckelnden Browser ist, maßgebliche Verbreitung vorrausgesetzt, ein Problem für die Idee Webapps und das kann kaum im Sinne der Androidentwickler sein.

Fazit: Leute… wenn ihr jetzt ein Tablet kaufen wollt, kauft euch ein iPad2. Und wenn ihr ein Gerät mit Adobe Flash und USB-Anschluss etc. haben wollt, dann kauft euch ein Netbook.

Den “Ben” machen ;)

Im Schutze des Medienechos um den Rücktritt von K.T. Gutttenberg möchte ich kleinlaut folgendes bekannt geben:

  • Ja, ich habe mir wieder einen Facebookaccount zugelegt.
  • Dies ist auf das stete Drängen von Freunden und Arbeitskollegen, sowie anstehende Projekte nötig geworden.
  • Ich versuche auch als Mitglied von Facebook meiner Daten Herr zu bleiben, was ich jetzt schon mal sagen kann: das ist gar nicht so einfach.
  • Im Gegenzug, um nicht total social-media-irre zu werden, werde ich meine Aktivitäten bei foursquare einstellen.
  • Ja, ich weiss.