iPad und Content

Ok, jetzt hatten wir alle das Wochenende Zeit, um das frisch gelieferte iPad zu testen. Und? Was sagt ihr?

Mich persönlich hat’s jetzt nicht gerade aus den Socken gehauen, das hat zwei Gründe. Erstens hatte ich schon ein paar Mal vorher Gelegenheiten, iPads auszuprobieren und mir ein Bild zu machen, vor allem von diversen Content-Delivery-Apps aus den USA – schließlich muss auch ich das gedruckte Wort retten. Zweitens gefällt mir das, was ich da sehe nicht so richtig.

Der Sieg des Weißraums? Spiegel-App.

Das iPad an sich ist ein super Spielzeug, macht wirklich Spaß damit zu surfen, oder an einer ausgiebigen Twittersession wie dem Eurovision Song Contest teilzunehmen. Es lassen sich prima Videos damit ansehen und Spiele aus meiner Kindheit (bspw. Pinball HD) spielen (immerhion bin ich schon 10385er der Weltrangliste). Wo aber nun ist der Rettungsanker für die Verlage weltweit versteckt? Obwohl man tatsächlich mit der Einschätzung richtig liegt, dass das iPad ein Gerät zum Konsum von Medien in bestimmten Nutungssituationen ist, wird es diesem Anspruch zur Zeit kaum gerecht.

Das wäre aber wohl auch im Print nicht ganz in Ordnung. Welt-HD-App. (Fehlen da Bilder?)

Zum einen mag das daran liegen, dass das iPad teilweise gar nicht die Fähigkeiten besitzt, eine ordentliche Lesemaschine abzugeben: seine Fähigkeiten in Sachen Typographie sind jedenfalls ausgesprochen eingeschränkt, zur Zeit. Und auch was die Verlage bisher liefern ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Dabei bilden die – zu Unrecht – über den grünen Klee gelobte Wired-App in den USA und in Deutschland die grafische Schlachtplatte Spiegel-App nur die Spitze des Eisberges. Und sind das noch alles Probleme, die nach einigen Updates mglw. verbessert sind, Content an sich nimmt auf dem iPad dank der Verheissung Jobs einen Richtungswechsel vor, der nichts Gutes bedeuten kann.

Haben wir uns nun zunächst einige Jahre damit beschäftigt, die Inhalte zu befreien, sie ins Netz zu entlassen und via APIs und Feeds möglichst breit zu verteilen, steht nun das Einsperren von Content im Vordergrund der Bemühungen. In den Apps wird bspw. beinahe durchgängig nicht verlinkt. Das iPad mag der feuchte Traum der Papierdesigner sein, in diesem Traum kommt Hypertext, Verlinkung, Vernetzung aber nicht vor. Und so sind 90% aller Content-Apps gestrickt. Dagegen wird uns die Interaktivität versprochen. Mal abgesehen davon, dass ich mich von diesem Werbetext in die Zeiten der interaktiven CD-ROMs zurückversetzt fühle; was es bisher an Interaktivität zu sehen gibt, sind Videoschnipsel, automatische Diashows und ein paar Powerpoint-Effekte. WTF?

Ich weiss nicht, ob sich das Steve Jobs so vorgestellt hat, ich jedenfalls nicht. Das muss ja nicht so bleiben, aber I Prefer Safari to Content Apps On The iPad. Zumal ich behaupten mag, noch keine iPad-Content-App gesehen zu haben, die ich in HTML5 und mobile Safari nicht mind. genauso gut/schlecht hinbekommen hätte. Da muss der Markt noch wachsen, wenn das unsere Rettung sein soll. Ich will jetzt mal gar nicht von Zugänglichkeit anfangen…

Telefonie und ich

Jetzt werde ich alt. Endgültig. Vor x Tagen ist unser Telefon ausgefallen. Also Festnetz. Kann man nicht genau sagen, telefonier ja auch nur Handy seit der Flatrate. Irgendwann fiel aber auf, dass wir wenig angerufen wurden. Schön ruhig eigentlich.

Das ist so eine kleine Funkquetsche, von Irgendwas, auf dem Display stand: Telefonverbindung prüfen. Na klar, hab ich geschaut, der Splitter liegt auf der Flurkommode, ein wenig am Kabel gewackelt, sitzt, Verbindung ist 1a. Muss irgendwas mit der Elektronik nicht stimmen, mal rausfinden, wie man das Teil zurücksetzen kann…

… und erstmal zwei Tage vergessen. Wie gesagt, braucht eigentlich keiner so’n Ding.

Gestern wollte der Fernseher nicht mehr. Kommt ja bei uns auch über’s Internetz, ganz hochmodern, Netz am Rechner ging aber noch. Naja, musste den Router zweimal durchstarten, dann stand die Verbindung wieder. Hab dann am Rechner gesessen und das Fernsehproblem… vergessen. Braucht eben auch niemand.

Eben hatte ich kein Netz mehr. OK, das geht gar nicht. Ich muss hier noch arbeiten, vulgo meinen Feedreader durchackern. Nervösität. Zum Router, alle Lampen an. Have you tried to turn off an on again? Die Netzoberfläche des Routers bleibt dabei: Keine Verbindung.

Hab ich gedacht: rufste bei Alice einfach an, die haben ’ne nette Hotline, die haben Dir schon mal geholfen. Ich mir also das Telefon geschnappt… Telefonverbindung prüfen… achja. Komisch. Also gut, hab ich den Flurschrank nach vorn gerückt – eine Heidenarbeit, das. Und siehe da: der gute alte Telefonstecker – war das F oder N? Früher zu Modemzeiten wusste man sowas noch. Der Stecker jedenfalls, hängt so auf halb Acht, am seidenen Faden sozusagen in der Telefondose. Ein Kollege sagt mir immer: das ist digital, da geht nur an oder aus. Aber nicht hinterm Splitter! Da geht auch so halb und nur ein bißchen, voll analog. Aber gegen soetwas gibt’s ja Duct tape.

iPad und der große Realitycheck

Endlich ist es soweit, morgen ist es da. Das iPad kommt. Die Verlage werden gerettet! Die Magazine finden den Weg in die Zukunft. Neue Geschäftszweige schiessen aus dem Boden. Die Welt ist der Rettung ein Stück näher gekommen.

Oder eben nicht. Vielleicht beginnt aber morgen auch der größte Realitycheck aller Zeiten, vielleicht erleben wir morgen, die kurzfristige Neuauflage der letzen Folge von Lost, das große Erwachen, der Kater danach. Vielleicht merken wir morgen, dass das iPad der teuerste digitale Bilderrahmen aller Zeiten ist.

Im Bild: der Weisheit letzter Schluss?

Wie auch immer, die grandiose – zum Großteil viral verlaufene – Kampagne der Firma Apple erreicht morgen ihren Höhepunkt, da die ersten Geräte an die Verbraucher ausgeliefert werden. Und dann werden wir, wenn das erste Herzklopfen abgeklungen ist und die Nutzer sich nicht mehr wie frisch defloriert vorkommen, sehen, ob das iPad für uns hält, was Steve Jobs versprochen hat.

Obwohl, eigentlich hat nicht nur Steve Jobs uns Versprechungen über das iPad gemacht. In den letzten Wochen hat sich um mich herum ein wahrer Pool an Heilsversprechen gebildet, von Funktionalitäten die dem Gerät zugerechnet werden bis ins Metaphysische tendierende Ideen, was man mit dem Ding alles machen können wird und wo es zu benutzen ist und wer dies tun wird und mit wessen Software. Die Erwartungshaltung ist dermaßen hochgeschraubt, das kann ja gar nicht vom iPad alleine erfüllt werden. Und so ist schon jetzt vom ersten Vertreter einer neuen Geräteklasse die Rede, oder man antizipiert schon die weitere Entwicklung der iPads, nimmt schoneinmal die Version 2 vorweg.

Dabei wird man wahrscheinlich mit der zweiten Version des iPads zwar Fotos machen können, aber wohl immer noch nicht mit Gott telefonieren können, auch wenn das heute Leute behaupten würden. Das werden die sicherlich zu hunderten erscheinenden Nachahmerprodukte bieten, die haben dann ja auch Flash.

Zusammengefasst: ab morgen wir zwar in Deutschland nicht jeder ein iPad haben, dafür aber eine Meinung dazu. Und ich bin gespannt darauf zu sehen, wie es sich denn dann wirklich entwickelt. Haben wir in zwei, drei Jahren jeder fünf Tablets – für jedes Zimmer eines, oder… werden die letzten iPads gerade auf Diskothekentoiletten zum Koks konsumieren recyclet… wir werden es wissen: demnächst.

Alice im Wunderland

Alice’s Adventures in Wonderland und Through the Looking-Glass, and What Alice Found There, also jene Bücher, die wir als Alice im Wunderland kennen, haben nun rund 150 Jahre auf dem Buckel. In verschiedenen Ausführungen und Adaptionen haben sich die schrulligen Wunderlandbewohner aber bis in unsere Zeit gerettet, nicht zuletzt durch Tim Burtons aktuellen Film (warum bei Disney, Tim?), sondern auch als spaßige E-Book-Demo für Apples iPad.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=eavGS2w4HWw

Ich will nicht über 3D-Kino diskutieren. Ist für den Inhalt dieses Streifens, der in 2D gedreht wurde, auch völlig unerheblich. Der Stoff ist fast dreissig Mal verfilmt worden und Tim Burtons Alice ist einfach gut. Mia Wasikowska ist bleich aber sympathisch und sprüht von Lebenslust, Johnny Depp ist der verrückte Hutmacher und endlich hat Burton für seine Lebensgefährtin Helena Bonham Carter eine passende Rolle gefunden. Zu Zeiten Lewis Carolls waren wohl weder LSD noch Mescalin in Europa bekannt bzw. erfunden, kein Grund natürlich, dass Tim Burton seine Erfahrungen in solchen Dingen hier voll einbringt. Bis hier sieht es nach einem vollkommenen Kino-Erlebnis aus.

Spoiler ahead. Aber leider ein wenig zu früh gefreut. Denn, die hässliche Walt-Disney-Grafik am Beginn des Films muss ja noch Konsequenzen nach sich ziehen. Und so ist es auch: Drehbuch-Autorin Linda Woolverton webte einen roten Faden in die Story, der so offensichtlich in die Katastrophe leitet, dass man regelrecht Mitleid mit Burtons Figuren bekommt. Wo dieser eben noch seinen Spass mit Carolls Vorlage getrieben hat, endet alles in einer riesigen Schlacht, die so sinnlos wie deplaziert ist, dass einem doch ein wenig die Freude am Film vergeht. Das ist schade. Spoiler Ende.

Ohne den großen Geldgeber hätte man natürlich niemals ein derartiges Technikspektakel nicht finanzieren und schon gar nicht in teurer 3D-Technik. Da beisst sich die Grinsekatze aber irgenwie in den Schwanz… aber ich wollte ja nicht über 3D diskutieren. Trotzdem: Burton hat bei Disney nichts verloren und kann dort nur verlieren.

Kommen wir aber noch einmal auf das Alice im Wunderland for iPad zurück. Im Video sehen wir, wie aus dem inzwischen längst gemeinfreien Text von Lewis Carroll und den ebenso ihres Copyrights entlaufenen Zeichungen von Sir John Tenniel eine wunderschöne, interaktive Anwendung gebaut wurde, die mal auf das Kippen das Pads, mal auf das Schütteln desselben reagiert. Ich frage mich die ganze Zeit, ob das die neue Art sein wird, Bücher zu produzieren und somit das iPad nicht nur Retter der Zeitungs- sondern auch Buchverlage wird, oder anders, ob man dort auch schon am Alice-im-Wunderland-Syndrom leidet. Man muss jedoch annehmen, dass die Absatzzahlen noch um einiges sinken müssen, eh‘ wir eine echte Neuerscheinung so vertrieben sehen werden. Immerhin taugt es aber als zusätzliches Gimmick und Werbespielerei…

Wir mögen Musik

Zusammen mit Ben und Johannes mache ich seit heute an einer Art sideproject zu den Codecandies mit, nämlich bei songdestages.de.

SongdesTages.de ist eigentlich selbsterklärend: Jeden Morgen um sechs Uhr geht ein Beitrag online, in dem wir kurz einen Song vorstellen, der uns etwas bedeutet und der nicht in irgendeiner Playlist auf dem heimischen Computer vergammeln soll. Die Musik steht im Mittelpunkt, das Drumherum ist Work in Progress, vom Blognamen bis hin zu Fragen, wie stark wir Gastblogger u.ä. Integrieren.

Der ersten Song hat Johannes ausgesucht, die Nummer eins sozusagen: One.

Facebook adé

Mein Arbeitskollege am Tisch gegenüber sagt immer: »Facebook ist nunmal dort, wo der Mob abgeht«, da müsste man dabei sein. Und tatsächlich, als heute eine fette Sicherheitslücke enttarnt wurde, da ging es schon ab. Oder gestern, als bei uns im Büro ein Facebook-Wurm von Leuten verteilt wurde, die es eigentlich besser wissen müssten: ja, da war die Freude groß. Ich bin zum Glück seit ein paarMonaten nicht mehr dabei—bei Facebook meine ich—und der Mob fehlt mir so gar nicht.

Ich habe mein Profil derzeit (wohlgemerkt) deaktiviert, bevor man es löschen kann, muss man John Locke Marc Zuckerberg anrufen und um Erlaubnis bitten. Ich hatte vor ein paar Wochen einfach das Gefühl, das nicht mehr unter Kontrolle zu bringen. Ich bin kein Emailausdrucker oder Offliner, aber ich hatte einfach keine Lust mehr Zeit darin zu investieren, meine Profildaten auf Facebook abzusichern. Als ich zum ersten Mal in einem Foto gekennzeichnet wurde, habe ich den Account entnervt, aber auch ein wenig unsicher, ob die Entscheidung richtig ist, dicht gemacht. Vielleicht merkt man mir die Vierzig jetzt auch an, aber das ist und war nie meine Welt. Zumal die Behauptung, alle wären bei Facebook, ja auch nicht stimmt – wenn man Kontakt zu Freunden halten will, dann muss man eh‘ in mind. vier Communities aktiv sein. Und dann fehlt trotzdem immer eine. Wie sich jedoch die Dinge seit der Facebook-Entwicklerkonferenz entwickeln, ist wirklich erstaunlich und zeigt: ich habe mich richtig entschieden.

A lot of companies would be trapped by the conventions and their legacies of what they’ve built, doing a privacy change – doing a privacy change for 350 million users is not the kind of thing that a lot of companies would do. But we viewed that as a really important thing, to always keep a beginner’s mind and what would we do if we were starting the company now and we decided that these would be the social norms now and we just went for it.

Marc Zuckerberg

Während die ganze Welt auf Google schaut, das bei Licht betrachtet nur Informationen sammelt, die sowieso schon im Netz erhältlich sind, hat es sich Facebook zur Aufgabe gemacht, Informationen über Menschen zunächst zu generieren und zugänglich zu machen. Ich selbst habe in Diskussionen schon einhundert Mal gesagt: Jeder ist selbst dafür verantwortlich, welche Information über sich selbst er verrät!, aber im Falle von Facebook scheint dieses Gesetz nicht zu gelten. Denn: Facebook verschleiert konsequent, welche Informationen, wem zugänglich gemacht werden. Oder es flutet den Nutzer mit Einstellungsmöglichkeiten, Popupfenstern und immer wieder geänderten Voreinstellungen, so dass man zwangsweise jeden Überblick verlieren muss. Facebooks Bestreben ist, soviel wie möglich an Informationen aus den Leuten rauszukitzeln und mit dem erlangten Wissen dann Geld zu verdienen.

Die Privatsphäreregeln von Facebook wurden dazu in den letzten Jahren immer wieder immer weiter gelockert. Jeder kann ja mal für sich selbst überprüfen, ob er gerade weiss, welche Informationen er wem bei Facebook zugänglich gemacht hat. Jeder der jetzt sofort sagt: ich mache niemanden Informationen über mich sichtbar, ausser meinen Freunden, da bin ich mir ganz sicher, der möge diese Aussage jetzt direkt mal überprüfen. Und wie lange dauert diese Überprüfung? Ja!, auch alle Facebook-Anwendungen checken. Und wie lange hat es gedauert, diese vermeintlich sicheren Einstellungen hinzubekommen? Wie oft schon wurde man aufgefordert, die getroffenen Regeln neu anzupassen? Und, schätzt doch mal selbst: wieviele von unseren Facebook-Freunden haben sich diese Mühe gegeben?

We share your information with third parties when we believe the sharing is permitted by you, reasonably necessary to offer our services, or when legally required to do so.

Gestern war ich Zeuge, wie gut informierte, mit Programmierkenntnissen ausgestattete und social-media-mäßig mit allen Wassern gewaschene Kollegen, sich von einem Facebook-Wurm dazu verführen liessen Javascriptcode von einer Facebook-Seite in die URL-Zeile zu kopieren und abzuschicken, womit sie natürlich den Wurm an x neue Leute verteilten. Medien- und facebookkompetenz scheinen nicht wirklich in Zusammenhang zu stehen! Dass man seinen Freunden bis heute nachmittag beim Chatten zusehen konnte… wer hätte es gedacht? Oder kann man ahnen, dass eine mit abertausenden Funktionen ausgestattete Website Bugs enthält?

Nun kann man sich schon einmal fragen: sind meine Daten bei einem solchen Unternehmen gut aufgehoben? Ich würde das verneinen, jedenfalls was die Daten angeht, mit denen das Facebooknetzwerk am Laufen gehalten wird. Viel schlimmer ist jedoch, das Facebook die Daten dann auch noch fröhlich weitergibt (ja, richtig: wenn man es zulässt). Und zwar an kleine Klitschen genauso, wie an den Meistbietenden, der sich dann trusted partner nennen darf. Wer da wem vertraut und worin, bleibt ungewiss. Das neue Instant Personalization (umgehende Personalisierung, auf der deutschen Site), womit man seine Daten den Websites von vertrauten Partner seine Daten schon vor dem Einloggen verrät, wurde nach lauten Protesten zumindest in Deutschland und anderen europäischen Ländern als Standardeinstellung wieder deaktiviert. Bis zur nächsten AGB-Änderung: Bitte überprüfen Sie Ihre Privatsphäreeinstellungen.

Facebook adé.