IE9, SVG und Canvas

Ja, was macht eigentlich SVG? Die Frage kommt zu Recht auf, wo doch Microsoft gerade vollmundig für IE9 SVG-Unterstützung angekündigt hat. Totgesagte leben eben länger, hier kommt mir aber ein englische Sprichwort in den Sinn: flogging a dead horse! Tatsächlich hat sich SVG bis heute nicht durchgesetzt und daran Mitschuld trägt – wie so oft – Microsoft, wer hätte das gedacht. Jahrelang hat man an VML festgehalten.

Aber auch sonst hat sich SVG nicht sonderlich im Netz verbreitet: obwohl man beispielsweise in Adobe Illustrator schon lange nach SVG speichern kann, findet man ausser in der Wikipedia im Web nur seltentst SVG-Grafiken, dafür aber viele viele in Flash umgesetzte Vektorbilder. Im Gegenzug ist die Unterstützung des SVG-Standards in Webbrowsern auch nicht gerade vollständig: neueste Opera-Versionen bringen es auf eine Unterstützung von rund 95% des Standards, die Webkit(s) immerhin noch auf rund 83%. Die 3.7er Previewversion von Firefox bringt dagegen nur etwa 72% SVG-Umsetzung mit. Am weitesten hinten liegt natürlich die PLatform Preview von IE9 mit derzeit 29% (Quelle: Wikipedia). Aber da mag ja noch etwas kommen.

Soll man nun Microsoft danken, und sich darauf freuen, dass man in einigen Jahren endlich Vektorgrafiken auf seinen Seiten nutzen kann ohne den User ein Plugin installieren zu lassen? Mich dünkt, M$ setzt nun Jahre zu spät auf den alten SVG-Zopf, einzig um HTML5-Canvas auszulassen und damit einem ähnlichen Schicksal auszuliefern wie es SVG vor Jahren hatte. Denn zur Umsetzung von Canvas schweigt man bei Microsoft ausgerechnet. Noch ist es nicht raus, aber ich sehe das kommen (denkt an meine Worte).

SVG kann dabei zum Glück nicht mehr unter die Räder kommen, es ist längst platt gewalzt und begraben.

SELFHTML nun als Wiki

Gefühlte fünf (Internet-)Jahre zu spät wird das gute alte SELFHTML endlich auf ein Wiki umgestellt. Dieses ist nun unter http://wiki.selfhtml.org/ zu erreichen. Natürlich werden neue – und vor allem begeisterte – Autoren gesucht. Wie eine Umfrage unter meinen dreiundzwanzig regelmäßigen Mitleserinnen und Mitlesern ergeben hat, haben sie alle von SELFHTML mindestens schon einmal profitiert, deshalb sollten auch alle mal eben hier auf der Mitmachen-Seite vorbeischauen und dann einen Artikel abliefern. Es ist noch Platz im Bereich HTML5 und Javascript…

CSS 3 Media Queries

Media types kennen wir ja nun alle (bspw. @media screen{…}), noch ein wenig unbekannt noch dagegen sind die sog. media queries. Schauen wir uns einmal so ein QUery an, ich hab da mal etwas vorbereitet:

[html]<link rel="stylesheet" type="text/css" href="style.css" media="screen and (max-width: 300px)">[/html]

…könnte in unserem <head> stehen, oder im CSS:

[css]@media screen and (max-width: 300px) {
/* eine oder mehrere CSS Regeln */
}[/css]

Sieht seltsam aus, ist aber so. Was diese Regeln nur machen (beide machen natürlich das gleiche, nur an unterschiedlichen Orten): sie beschränken das verlinkte Stylesheet bzw. die eingeschlossenen Regeln auf Fälle, die durch das media feature bestimmt werden. In diesem Falle greift unser Stylesheet also nur, wenn wir unsere Seite auf einem Bildschirm dargestellt wird und die Breite des Browserfenster kleiner als 300px ist. Herrjeh, da tun sich ja Abgründe auf, was man damit alles anstellen kann. Zum Beispiel – mit dem hier gezeigten max-width und seinem Kumpel min-width – unterschiedliche Stylesheets für unterschiedliche Fenstergrößen ausliefern.

Ein kurzer Einschub: welche der beiden Arten der Einbindung ist vorzuziehen, als <link>? Das ist natürlich eine Glaubensfrage, nur soviel dazu: genauso wie bei @media print {…} lege ich solche Sachen lieber ins CSS selbst, das spart Dateien und damit Connections.

Natürlich kann nicht jeder Browser damit umgehen (hallo IEs!), aber alle richtigen Browser können das ausreichend. Für Webkit gibt es zudem eine Erweiterung für transform-2d und transform-3d. Die Liste der von Firefox (ab 3.5) unterstützten media features ist auch sehr umfangreich.

Und hier noch ein Beispiel: so setzt man unterschiedliche Styles, wenn ein Device, bspw. das iPad, gedreht wird:

[css]body {background:#fff;}

@media all and (orientation:portrait) {
body {background: #ff0000;}
}

@media all and (orientation:landscape) {
body {background: #ff00ff;}
}[/css]

Filme von Quentin Tarantino

Reservoir Dogs

Mit dieser Diskussion darüber, welcher tiefere Sinn nun in Madonnas Hit »Like A Virgin« zu finden ist, beginnt der erfolgreiche Teil von Quentin Tarantinos Filmkarriere und einer seiner besten Filme. Das dialoglastige Drama um einen Überfall wurde von Tarantino noch mit relative einfachen Mitteln erstellt und ist gerade deswegen besonders hervorzuheben.

trunk shotNoch dazu enthält bereits Reservoir Dogs alle Eigen- und Besonderheiten, die man später mit dem filmischen Werk Tarantinos verbinden wird. Es gibt schon trunk shots (siehe Foto), den mexican standoff und hunderte Anspielungen und Zitate, die das Herz des Filmliebhabers höher schlagen lässt. Überhaupt: Tarantino macht Kino von einem Cineasten für Cineasten und für Musikliebhaber: die Auswahl halbvergessener 70er-Jahre Songs ergibt einen einmaligen Soundtrack.

Pulp Fiction

Das Meisterwerk. Nominiert für sieben Oskars, ausgezeichnet mit dem Oskar für das beste Originaldrehbuch, ausgezeichnet mit einer goldenen Palme. Pulp Fiction hat unser Leben beeinflusst, die Sprache, das Filmposter dürfte zu den meistverbreiteten seit Che Guevara gehören. Nummer fünf bei den Uservotes auf imdb.com. Nach der Rocky Horror Picture Show der Film, den ich am häufigsten gesehen habe. Pulp Fiction ist eben einer dieser Filme, die man immer und immer und immer wieder ansehen kann. Man findet immer wieder etwas neues. Etwas, das gesagt wird, oder wie es gesagt wird, irgendeine Geste, ein Requisit, irgendetwas, das einem vorher nie aufgefallen ist. Das ist ein Effekt, den Tarantino danach nicht wieder erreicht hat. Es mag in den folgenden Filmen ähnlich viele Referenzen und Zitate geben, doch nirgendwo sind sie in solch einer Vielzahl vorhanden und so reichhaltig wie in Pulp Fiction.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=l2iPbfEEEvM

Trunk shot mit Samuel L. Jackson und Chris Tucker. Besser geht’s nicht.

Jackie Brown

Noch besser gefallen als Pulp Fiction hat mir Jackie Brown. Das mag daran liegen, dass Jackie Brown weniger episodenhaft daher kommt, zumindest plotmäßig stringenter ist (Stichwort: Heist-Movie) und natürlich daran, dass Foxy Brown Pam Grier mitspielt (und der ganze Film darauf ausgelegt ist) und Robert deNiro wie deplaziert durch den Film wuselt.

Der Soundtrack alleine ist schon eine Offenbarung: er steht in meiner ewigen Playlist auf Platz 72/100, was eine Leistung ist, für nichtelektronische Musik.

In Jackie Brown perfektioniert Tarantino die in der Vorgängern angelegten running gags und spielt ausgiebig mit seinen immer wiederkehrenden Elementen, wie Szenen, Namen/Personen und Requisiten. Der Film enthält beispielsweise den IMHO besten trunk shot aller Zeiten, Jackie Brown kauft den gleichen Anzug, den schon Mia Wallace in Pulp Fiction trug, außerdem fährt sie den gleichen Wagen wie Butch Coolidge’s Freundin Fabienne: einen weißen Honda.

Kill Bill 1/2

Mit Kill Bill hat Tarantino seine Liebe sowohl zum asiatischen Kino, als auch zu Italo-Western in zwei eigene Filme gepackt. Dabei stellt Teil 1 mehr den Schlitziekomponente und Teil 2 die Sergio-Leone-Abteilung dar. Das Thema des Films ist Rache. 247 Minuten kalt servierte Rache, nein wirklich, das Motiv wird nicht eine Sekunde aus den Augen gelassen. Das ist mitunter ein wenig anstrengend.

Natürlich sind auch Kill Bill 1 & 2 vollgestopft mit dem gewohnten Tarantino-Stuff, aber er tritt anders als bei den vorigen Streifen mehr in den Hintergrund, zumindest im ersten Teil. Dafür gibt es wieder den etwas verqueren Erzählpfad, wie man ihn schon aus Pulp Fiction kennt, was aber – vielleicht aufgrund der Zweiteilung – nicht über Vol. 1 und 2 hinaus funktioniert.

Interessant finde ich, dass für das japanische Kino eine abweichende Version umgesetzt wurde, nein umgekehrt: die internationale und die US-Version wurden von Tarantino entschärft – zum Beispiel durch schwarz-weiß Szenen. Außerdem fehlt der japanischen Version der Hinweis auf Star Trek am Beginn des Films: »Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird.—altes klingonisches Sprichwort.«

Interlude: andere Projekte

Neben den Regiearbeiten und dem Fußfetischismus ist Quentin Tarantino natürlich auch sonst ein ziemlich umtriebiger Typ. Deswegen sollten seine weiteren Werke, Beteiligungen und Auftritte nicht unerwähnt bleiben. Die erste Hälfte von From Dusk ‚til Dawn ist bekanntermaßen von Tarantino – das ist der Teil des Films, den man sich ansehen kann. Dann beteiligte er sich an Four Rooms mit einer wunderbaren Episode, in der Tim Roth Paul Calderon während einer Wette einen Finger abhackt. Ebenso übernahm er Regiearbeit an Sin City.

Weiterhin ist Tarantino Autor, Produzent, ausführender Produzent und Schauspieler. Das reicht von Kinohits anderer Regisseure (z.B. True Romance) bis hin zu Fernsehauftritten (z.B. CSI). Dies und alles, wirklich alles über Quentin Tarantino erfährt man übrigens in den Quentin Tarantino Archives.

Death Proof

Death Proof hat mir ausdrücklich nicht gefallen. Ich war kein Grindhouse-Fan und mich verwundert es bis heute, dass angeblich jeder den Begriff schon kannte, als das Doublefeature mit Planet Terror bekannt wurde.

Ich kann mal kurz aufzählen, was mir nicht gefallen hat: ich brauche keinen künstlich gealterten Film, habe nichts für Kurt Russel übrig und Zoë Bell fand ich jetzt auch nicht so prickelnd, bin kein Slasher-Fan und habe auch nicht viel für getunte Autos über. Und ich bin kein Fußfetischist.

Es wird weder Tarantino, noch Robert Rodriges stören, aber auch Planet Terror fand ich ziemlich öde. In diesem Sinne ist das komplette Grindhouse-Doublefeature für mich ein Flop.

Inglourious Basterds

Der letzte ist zugleich Tarantinos (finanziell) erfolgreichster Film und bei acht Oskar Nominierungen – bester Film, bester Nebendarsteller (Christoph Waltz), beste Regie, bestes Originaldrehbuch, beste Kamera (Robert Richardson), bester Schnitt (Sally Menke), bester Tonschnitt (Wylie Stateman), bester Ton (Michael Minkler, Tony Lamberti and Mark Ulano) – sicherlich auch der Höchstausgezeichnete.

Screenshot

Die lockere Art, mit der sich Tarantino seine eigene Geschichte des 2. Weltkriegs geschrieben hat, kam dabei lange nicht bei jedem an, vor allem in Deutschland zog er einen dicken Graben durch das Feuilleton. Dafür drehte Tarantino in Deutschland und castete viele deutsche Schauspieler: Daniel Brühl, Diane Kruger, Gedeon Burkhard oder Til Schweiger beispielsweise. Der Österreicher Christoph Waltz wird sogar als die Entdeckung des Films gefeiert. Waltz über Tarantino: [Er] ist eine unerschöpfliche Quelle an Inspiration. Es hat etwas mit dem Energielevel zu tun, auf dem er agiert.