Wissenschaftsjournalismus

Heute morgen hat mir mein Radio versucht zu erklären, warum Socken in der Waschmaschine immer verschwinden.

Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar hat dort ausgeführt, dass, wenn man beispielsweise Bettwäsche zusammen mit Socken wäscht, die Socken oft in der Bettwäsche verschwinden, denn in so eine Bettwäsche käme der Socken leicht rein und eben nur schwer wieder heraus.

Nun, über Journalismus kann man ja denken wie man will, über solchen Wissenschaftsjournalismus (vulgo Infotainment) kann man nur die Nase rümpfen. Ich bin ja schon mißtrauisch seit mit der unausweichliche Christoph Drösser zusammen mit der wunderbaren Clara Boie erklären wollte, wie man mittels der Handystrahlung ein Ei kochen könnte (das Video ist zur Zeit leider nicht online, es gibt aber einen Artikel dazu. Das jedoch ist nichts gegen die hanebüchenen Behauptungen des Ranga Yogeshwar. Der stellt im Grunde sogar so vertrauenswürdige Sendungen wie »Galileo« (aka. »Die Sendung ohne die Maus«) oder »Welt der Wunder« in den Schatten.

Denn erstens: wer wäscht denn bitte Bettwäsche zusammen mit Socken? Ein solch schlechte Erklärung hab ich ja noch nie gehört! Das erklärt gar nichts! Das verdient nicht, Journalismus genannt und mit meinen Rundfunkgebühren finanziert zu werden. Das ist vielmehr eine Frechheit. Herr Yogeshwar, ich weiss ja nicht, wie es bei Ihrer Waschmaschine ist und ob sie Socken mit Bettwäsche waschen, aber jeder weiss doch, dass in Waschmaschinen die sogenannten Sockenmonster wohnen und die fressen die Socken. Dann können Sie jeden fragen.

Wissenschaftsjournalismus! Pffft!

P.S.: Meine Waschmaschine ist übrigens von Quelle, da frag ich mich, ob das Sockenmonster darin nun aufs Arbeitsamt gehen muss, anstatt meine Socken zu fressen…

@font-face considered harmful?

Nachdem sich die Kunde von den Möglichkeiten des Fontembedding nun reichlich verbreitet hat, tauchen leider die ersten Problme auf. Steve Sounders hat einige Quellen zu Problemen beim Fontembedding zusammengefasst und eigene Untersuchungen angestellt, unbedingt lesen bitte, auch wenn ich hier kurz die unliebsamen Fakten zusammenfasse: im Bereich high performance websites muss man wohl von @font-face zunächst mal Abstand nehmen.

Natürlich ist es mal wieder die Internet-Explorer-Familie, die extreme Perdormanceprobleme aufweisen, aber auch sämtliche andere Browser bekleckern sich im Umgang mit der noch recht jungen Technologie kaum mit Ruhm. FOUTflash of unstyled text ist dabei noch das kleinste Problem, wenn die Fontdateien nicht schnell genug vom Server geliefert werden. In IEs wirkt sich das noch schlimmer aus: bis zum Download des Fonts zeigt Bill Gates Rache gar nichts an. In anderen Browsern bleiebn nur die Textteile, die mit @font-face gerendert werden sollen unsichtbar, Firefox zeigt die Ausweichschrift(en) an.

Solchen (und den anderen im Text genannten) Performancefallen kann man natürlich mit Caching, Zipping und ähnlichzen Techniken begegnen. Ob man sich aber den Aufwand leisten will, bereits zum jetzigen Zeitpunkt, ich stelle das mal in Frage…

Treppenwitze der Geschichte

Heute wird der Ausdruck Treppenwitz auch – abweichend von der ursprünglichen Bedeutung – für „Ironie des Schicksals“, „alberner Witz“ oder „unangemessenes, lächerliches Verhalten“ verwendet. So werden geschichtliche Begebenheiten, die – vor allem im Nachhinein – absurd oder ironisch wirken, als „Treppenwitz der Geschichte“ bezeichnet.

Vom heutigen Standpunkt aus, hat sich nicht der Mauerfall vor 20 Jahren, sondern die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl vor 19 Jahren zu einem solchen Treppenwitz der Geschichte entwickelt. Witzig ist zum Beispiel, …

  • … dass der Kanzlerkandidat der SPD Oskar Lafontaine hiess und dieser heute Parteichef der Partei Die Linke ist;
  • … dass Helmut Kohl die Wahl im Wesentlichen mit der Behauptung zur Finanzierung der Wiedervereinung müssten keine Steuern erhöht werden gewann und heute die gleiche Koalition aus CDU und FDP die Wahl gewann, diesmal mit dem Versprechen die Steuern zu senken;
  • … dass die SPD 1990 die Wahl mit 33,5% verlor, die CDU/CSU 2009 aber 33,8% erreichte und damit stärkste Fraktion des Bundestages wurde, und dass beide Kontrahenten – SPD und CDU/CSU – jeweils von der 1990er auf die 2009er Wahl rund 10% Verlust machten;
  • … dass die PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus), die soetwas wie die Nachfolgepartei der SED war, 1990 nur 2,4% der abgegebenen Stimmen erreichte, 2009 Die Linke, die widerum soetwas wie die Nachfolgepartei der PDS ist, 11,9% erreichte und zu den Gewinnern der Wahl gehört. Das könnte daran liegen, …
  • … dass Helmut Kohl sein Versprechen es werde vielen besser, aber niemanden schlechter gehen (vom Juli 1990), in den folgenden Jahren nicht wirklich umsetzen konnte, sein Nachfolger Gerhard Schröder von der SPD ab 1998 jedoch dafür sorgte, dass es wenigstens vielen schlechter ging (aka. »Hartz IV«);
  • … dass 1990 praktisch niemand in Deutschland mit dem Begriff Internet etwas anfangen konnte, aber 20 Jahre später die erste Partei für Internetthemen, die Piratenpartei, einen Achtungserfolg von immerhin 2% erzielte.

Am Ende muss man aber doch einen ziemlich derben Humor haben, um darüber zu lachen, dass wir nun wieder von CDU und FDP regiert werden. Treppenwitze sind eben nicht immer lustig.