Kein Web2.0 in Deutschland?

Die großen Web2.0-Seiten beginnen sich nach Europa zu wenden und wie die letzte Woche bewiesen hat, bedeutet das nicht nur, dass man sein 2.0-Erlebnis nun endlich in Landessprache geniessen kann, sondern daß einem dabei auch die lokale Gesetzgebung einen Strich durch die Rechnung machen kann, siehe Yahoo-Flickr-Chaos. Offenbar versetzt unsere Rechtsprechung den angloamerikanisches Recht gewöhnten Anwalt in Angst un Schrecken und das nicht zu Unrecht. Vom Standpunkt Amerika aus gesehen ist die Entscheidung denn auch nur logisch, wenn es sich lokal auch um ein Debakel handelt, woran aber nicht zuletzt die miese Kommunikationspolitik im Hause Yahoo Schuld ist.

Die Frage ist doch aber eigentlich: macht das jetzt Schule? Gerade hat YouTube den Sprung nach Europa gemacht und lokalisierte Versionen seines Videoportals für Frankreich, Irland, Italien, die Niederlande, Polen und Großbritanien gestartet [via]. Dort geht es natürlich, noch mehr als bei Flickr, um den lokalisierten Content, einfach weil mehr Sprache im Spiel ist als bei Bildern. Interessanterweise gibt es kein lokales Portal für Deutschland! Da muss man sich schon fragen, ob das ein Plan (»in Deutschland launchen wir später, aber richtig«), ein Versehen (»Deutschland? The nazis do video?«) oder eben Absicht (»Deutschland? Lieber nicht, schaut auf Flickr.«) ist. Und wenn es YouTube Germany gäbe, wie würde dann Google mit der deutschen Gesetzgebung umgehen? Anders als Yahoo?

Das kann noch sehr spannend werden, denn letztlich stellt sich die Frage, wie Web2.0-fähig unsere Gesetzgebung ist, bei der immer mehr Verantwortung für die Nutzerinhalte beim Betreiber einer Site abgelegt wird und ist. Foto- und Videosharing betrifft das genauso wie Foren und Blogkommentare. Was den deutschen Forenbetreiber vor Gericht treibt, hält den ausländischen Großkonzern von einer Lokalisierung offenbar ab. Solche Zugangsbeschränkungen zum Markt sind aber im Internet völlig tötlich und unsinnig.

Man mag jetzt auf Yahoo/Flickr einschlagen, aber man sollte auch nochmal in Sachen deutscher Gesetze und Einschränkungen des Internet aktiv werden. Die ist nämlich wirklich schlimm, egal, ob es sich um Gerichtsentscheidungen handelt, um Abmahner oder um das, was unsere »Volksvertreter« so mitunter auf den Weg bringen.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.