Leselinks zur US-Wahlnacht

Heute ist es so weit: Wahltag in den USA. Nat√ľrlich l√§uft die Wahl schon eine ganze Zeit und auch die Wahlberichterstattung ist zurzeit allgegenw√§rtig. Wer sich noch mal mit dem bekloppten Wahlsystem in den Vereinigten Staaten auseinandersetzen will, dem sei ‚ÄěSo wird der US-Pr√§sident gew√§hlt‚Äú empfohlen.

Bekloppt ist das Wahlsystem, weil es aus der Anfangszeit der Demokratie ist und so gen√ľgend M√∂glichkeiten l√§sst, die Wahlen zu manipulieren, nicht erst seit Donald Trump. Die unterschiedlichen M√∂glichkeiten der Voter-Suppression, der Verhinderung, dass Leute √ľberhaupt w√§hlen gehen k√∂nnen, hat Adrian Pohr in ‚ÄěWenn W√§hler nicht w√§hlen sollen‚Äú aufgez√§hlt.

F√ľr die ‚ÄěExplained: US-Wahlen‚Äú Miniserie auf Netflix ist es heute m√∂glicherweise schon zu sp√§t, andererseits: Niemand wei√ü, wie lange das Leiden in den n√§chsten Tagen dauern wird.

Auf welchen Staaten und Zahlen man als Zuschauer der Wahlnacht besonders schauen muss, steht in ‚ÄěSo steht es im Rennen ums Wei√üe Haus‚Äú. Nicht das am Ende wieder jemand nicht um die Bedeutung von Florida, Ohio, Texas, Georgia, North Carolina, Arizona, Pennsylvania, Michigan oder Wisconsin wei√ü.

Wer heute Nacht die Wahlen auf CNN oder √§hnlichen Sendern verfolgen will, dem hilft vielleicht dieses zugegeben etwas veraltete Glossar der amerikanischen Botschaft mit wichtigen Begriffen. Und um Verwirrungen vorzubeugen: die Republikanische Partei (Trump) wird zumeist in ihrer Parteifarbe rot dargestellt, ihr Logo ist der Elefant und abgek√ľrzt wird sie gerne GOP (Grand Old Party). Die Farbe der Demokratischen Partei (Biden) ist blau, ihre Abk√ľrzung einfach ‚ÄěD‚Äú oder Dems und das Logo ist ein Esel. Das mit den Logos ist kein Witz.

Artikelbild: Jon Tyson auf Unsplash.

Zu fr√ľh gefreut

Oh ja, der Jubel war gro√ü am Sonntagabend, als alle noch glaubten, man habe die AfD aus der B√ľrgerschaft gew√§hlt. Ein sch√∂nes Zeichen w√§re das gewesen, wenn auch nur mit viel Augenwischerei. Es reichte aber, dass sich eine Zeitung wie die Taz versch√§tzte und am Montag mit falschem Titel erschien.

Screenshot: Aufmacher der taz 24.02.2020 (Ausschnitt)

Leider haben sich alle zu fr√ľh gefreut und am Ende des Abends war klar, dass H√∂ckes Hamburger Parteikollegen mit sieben Sitzen in der B√ľrgerschaft vertreten sind, nur einem weniger, als sie seit 2015 dort schon besetzen. Tats√§chlich hat die AfD auch nur rund 10.000 Stimmen weniger bekommen, als bei der letzten Wahl.

Dass es trotzdem knapp aussah, lag vor allem daran, dass es diesmal mehr Stimmen brauchte, um mehr als die n√∂tigen f√ľnf Prozent zu erreichen, die eine Partei mindestens braucht, um √ľberhaupt ins Parlament zu kommen. Und das war so, weil im Vergleich zu den Wahlen 2011 und 2015 deutlich mehr Leute einfach mal hingegangen sind und gew√§hlt haben. Das sind n√§mlich nicht nur hohle Phrasen, wenn man sagt: geht w√§hlen, w√§hlt nicht AfD, dann habt ihr etwas gegen die AfD getan.

Aber wie gesagt, da hat man sich zu fr√ľh gefreut. Die Hochrechnungen, die ma√ügeblich auf den Blitzumfragen nach Verlassen des Wahlb√ľros beruhen, zeigten weniger rechte W√§hler an, als es am Ende waren, wohl einfach weil ein Teil der Leute zwar AfD w√§hlt, dies aber in Umfragen nicht zugeben mag. Und ein paar Briefw√§hler:innen m√∂gen auch noch dabei gewesen sein, die ebenfalls in den Hochrechnungen nicht ber√ľcksichtigt werden konnten. Tats√§chlich reichte es f√ľr die Parteifreunde des Faschisten H√∂cke aber doch.

Das zeigt: zur Wahl gehen hilft

Nur bl√∂derweise h√§tten noch mehr Leute zur Wahl gehen m√ľssen (ohne AfD zu w√§hlen nat√ľrlich), als es am Sonntag getan haben. Immerhin schafften es 63,3% der wahlberechtigten Hamburger:innen an die Wahlurne, eine deutliche Steigerung gegen√ľber den 56,5% im Jahr 2015. Aber das ist nat√ľrlich immer noch vergleichsweise wenig. Eindeutiges Fazit: es h√§tte geklappt, die AfD w√§re bei gleicher Anzahl Stimmen nicht in dir B√ľrgerschaft gekommen, wenn nur ein paar tausend Leute mehr zur Wahl gegangen w√§ren, statt zu Hause rumzuh√§ngen. Aber nicht vergessen: an der Anzahl der Leute, die auch nach #Hanau bereit waren, eine Partei mit H√∂cke, Meuthen, Gauland und Weidel zu w√§hlen, hat sich gar nicht so viel ge√§ndert. Und trotzdem heult die AfD jetzt rum, sie w√ľrden ausgegrenzt.

Eine kleine Freude zum Schluss

Einen guten Effekt hatte die B√ľrgerschaftswahl dann aber doch: die Partei, die in der zur√ľckliegenden Legislatur am meisten mit der AfD stimmte, die FPD, erreichte die n√∂tigen f√ľnf Prozent letztlich doch nicht, und sitzt nun mit nur einem Direktmandat in der neuen B√ľrgerschaft. Und niemand anderes als DIE PARTEI r√ľhmt sich, die FDP verhindert zu haben. Scheiter heiter!

Mittagslese VI

Wirklich total hipsteriges Wahlergebnis, liebes Berlin. Nicht! Aber ist ja auch kein Wunder, bei dem Wahlkampf. Die Wählerwanderung in Berlin scheint mir die Berliner Morgenpost am besten abgebildet zu haben, ebenso gefällt wieder die Berlinwahlkarte. Die nicht ganz unwichtige Thema Wählerwanderung zur AFD analysieren die Kollegen von zeit.de. Vor allem viele Grafiken hatte der Tagesspiegel anzubieten. Die trockenen Rohdaten gibt es bei wahlrecht.de. Bis zur drohenden Bundestagswahl sollten aber vielleicht nochmal ein paar interessantere Grafiken entwickelt werden, kommt ja schneller, als man denkt.

Und das bei dem Datenreichtum.

Bild: Marco Verch, Some rights reserved