Die Unzuverlässigkeit unserer Bluetooth-Kopfhörer hat nichts mit den Corona-Apps zu tun

Ich lese derzeit viel über Corona-Tracing-Software, also jene Apps, die ano- oder mindestens pseudonymisiert Kontakte zu anderen Smartphones sammeln sollen und dann mit Nachrichten über positive Tests auf Sars-CoV-2 deren Träger:innen abgleichen sollen. Gerade haben Apple und Google eine (bis dato einmaligen) Zusammenarbeit angekündigt, um diese Funktionalität zu ächst als API und dann auf Betriebssystemebene in iOS und Android zur Verfügung zu stellen, aber auch in Deutschland wird bereits länger an Apps nach dem sogenannten Pepp-PT-Prinzip gearbeitet. Wer wissen will, wie derlei Apps funktionieren können, kann das hier bei netzpolitk.org nachlesen, oder hier im Logbuch Netzpolitik auch nachhören. Vereinfacht gesagt informieren sich Smartphones mit der App untereinander, wenn sie sich bspw. für 15min. näher als 1,5m kommen. Nutzer der App, bei denen ein positiver Test auf Corona vorliegt, geben diese Infomation in die App ein und alle zutreffenden Kontakte bspw. der letzten zwei Wochen (Inkubationszeit) werden automatisch informiert, dass sie einen Kontakt hatten und sich in Isolation begeben sollen. So soll es mögoch werden, dass sich Leute isolieren, die noch keine Symthome haben, die Infektionsketten können durchbrochen werden, ohne das wir alle in Isolation leben müssen.

Tatsächlich reden und schreiben darüber allerdings viele Menschen, die davon nur wenig oder keine Ahnung haben. Ich will nun gar nicht Teil dieser selbsternannten Experten sein, aber… eine Sache ist mir doch aufgefallen, die ich mal loswerden möchte und zwar wird als Gegenargument gegen solche Apps Bluetooth genannt. Also Erfahrungen, die man als Nutzer von Bluetooth-Kopfhörern und ähnlichen Gerätschaften gemacht hat, wenn sie sich mal wieder nicht mit dem daneben liegenden Smartphone koppeln lassen, ein Gerät das andere nicht findet oder auch Übertragungen einfach abbrechen. Das hat aber mit der Technik, die diese Apps verwenden sollen nichts zu tun. Der Bluetooth-Standard ist offenbar breiter gefächerter, als sich der durchschnittliche Airpod-Nutzer sich das vorstellen kann, hier geht es zunächst mal um Bluetooth LE (low energy) und der Nutzung dessen Broadcastfähigkeiten und der sogenannten iBeacons, die ein regelmäßiges Broadcastssignal senden, ein kleines „Hallo hier bin ich“, mit einem kleinen Satz Daten. Geräte müssen zur Sicherstellung der Funktion der App nicht miteinander gekoppelt werden und schlechte Erfahrungen damit sind damit für diese Apps belanglos und kein Argument.

Warum mich das aufregt? Die Corona-Tracking-Apps werden nur auf freiwilliger Basis funktionieren. Aus diesem Grund müssen sie einerseits datenschutzmäßig Vertrauen schaffen und andererseits müssen die zukünftige Nutzer der App Vertrauen in deren Funktionsweise haben, damit genug Menschen bereit sind, sich eine solche App zu installieren. Und das widerum ist nötig, damit das Konzept der Apps funktioniert. Auf Unwissenheit basierende Argumentationen nach dem Prinzip „das kennen wir doch alle, das funktioniert doch wieder nicht“ führen da unnötig in die Irre und zerstören das Vertrauen, noch bevor es aufgebaut werden kann. Dabei gibt es durchaus noch genug Probleme zu lösen, bevor wir Software haben werden, die hilft, uns gegenseitig vor Corona zu schützen.

Ich wäre jedenfalls bereit, der Technologie hier eine Chance einzuräumen und das hat für mich mit magischem Denken, deus ex machina gar nichts zu tun. Tatsächlich weiss ich aus Erfahrung, dass es noch etwas dauern wird, bis die Technik ausgereift genug ist, bis genug Bugs beseitigt sind, bis alles funktioniert, leider funktioniert Softwareentwicklung so und das ist schon schlimm genug. Kollege Ben hat an dieser Stelle immer lachend gesagt: „Zum Glück bauen wir keine Herzschrittmacher!“, aber in diesem Fall kommt man dem schon ziemlich nahe…

Artikelbild: Foto gemeinfreiähnlich freigegeben von Gian Cescon auf Unsplash

Keine Seife

Ich stehe der aktuellen, ich empfinde das so, Corona-Hysterie, immer ratloser gegenüber. Ich habe mich in meinem stochastischen Paradies eingeigelt in der Vorstellung, dass mir a) schon nichts passieren wird und wenn dasnn b) alles glimpflich ablaufen wird. Zur Aufrwchterhaltung meiner inneren Sicherheit reicht für mich Einhaltung der Niesetikette und ein vermehrtes Händewaachen.

Das scheint aber nicht allen so zu gehen. Ich glaube über Hamsterkäufe sind alle Witze gerissen, trotzdem muss ich mich mal kurz über dieses Phänomen wundern. Ich meine, dass sich Menschen auf das Ende der Welt vorbereiten hat es ja immer gegeben, und das massenhafte Einkaufen von Dosenfutter und Tütensuppen dürfte hier die richtige Wahl sein, ob da nun der Coronavirus oder die Zombieapokalyse auf uns zu kommt. Das in diesen Tagen chronisch ausverkaufte Klopapier macht mir da schon mehr Kopfzerbrechen. Was ich aber gar nicht mehr verstehen kann, ist, dass man keine Seife mehr bekommt.

Ich stehe also im Drogeriemarkt vor dem Regal wo eigentlich die Seifen stehen. Da sind aber nur vier Etagen leeres Regal anzutreffen. In der Mitte des Regals packt ein einzelner Mitarbeiter Tüten mit Flüssigseife der Hausmarke aus einem Karton ins Regal. Jedesmal, wenn er in den Karton nach einer neuen Packung greift, hat sich schon jemand die letzte Packung geschnappt, die er ins Regal gestellt hat. Schon ist der Kasten leer und er seufzt: „Das war‘s, mehr gibt‘s erst wieder morgen.“

Woher kommt diese Nachfrage? Ich meine, die Hände haben wir uns doch vorher hoffentlich auch schon gewaschen. Ja, oder nicht? Das ist aber natürlich nichts gegen Handdesinfektionsmittel. Das scheint ja inzwischen in Gold aufgewogen zu werden. Grund genug, um es aus Krankenhäusern oder den Toiletten bei der Arbeit zu entwenden. Gibt es bereits an irgendwelchen dunklen Ecken der Stadt einen Schwarzmarkt für Hygienealkohol? Wo dann angebrochene und/oder mit Wasser gepanschte Flaschen Sterilium vertickt werden? „Ey Alter, hier 100% reines Zeug…“