Terrorgefahr in der Karpfenstadt?

Da kann ein kleines StĂ€dtchen wie die sogenannte Karpfenstadt Reinfeld schon mal in Aufruhr geraten, wenn am frĂŒhen Morgen eine großangelegte Razzia in ihrem FlĂŒchtlingsheim lĂ€uft. Oder eben auch nicht. Reinfelds BĂŒrgermeister zeigt sich in den LĂŒbecker Nachrichten verstört:

„NatĂŒrlich sind wir verschreckt, dass so etwas in unserem Ort passiert“, sagte Heiko Gerstmann (SPD). Bisher sei nur Positives ĂŒber die Asylbewerber zu berichten gewesen.

Bisher sei nur Positives zu berichten gewesen. Die Festgenommenen in Ahrensburg und Großhansdorf sollen ebenfalls als VorzeigeflĂŒchtlinge bekannt gewesen sein. Und nochmal eine Stimme aus der Karpfenstadt:

„Ich kann es kaum glauben“, sagt Albrecht Werner (69) von der Reinfelder „Initiative Asyl“. Er habe Jaser „eigentlich ganz gut“ gekannt. „Wir haben viel miteinander gesprochen, auch ĂŒber Politik. FĂŒr eine Verbindung zum IS gab es nicht den kleinsten Hinweis.“

Schreiben die LĂŒbecker Nachrichten. NatĂŒrlich nicht ohne sich zu entblöden, dies unter der ZitatĂŒberschrift „Der Terror ist fast vor der HaustĂŒr“ zu tun. Womit man gleichzeitig Panik machen und sich vom eigenen Titel distanzieren kann.

Terrorangst in spÀtsommerlichen Kleinstadtidyllen

Ein paar Wochen nach den Gewalttaten in Bayern und Baden-WĂŒrttemberg hat die Terrorangst in spĂ€tsommerlichen Kleinstadtidyllen hautnah auch den hohen Norden erreicht.

Lese ich bei ZEIT Hamburg, zumindest Quelle aber auch hier: die LĂŒbecker Nachrichten aka lno[nline]. Wobei mir rĂ€tselhaft bleibt, wie man die Festnahmen und Einleitung von Ermittlungsverfahren mit „Gewalttaten in Bayern und Baden-WĂŒrttemberg“ derart in Beziehung setzen kann. Panikmache mithin, was sich an anderer Stelle noch potenziert. Schreie im Morgengrauen – SH nach Razzien unter Schock! FĂŒr die SaarbrĂŒcker Zeitung ist gleich der Bundesinnenminister selbst auf Terroristenjagd gegangen: »De MaiziĂšre jagt die IS-SchlĂ€fer in der Provinz«. Und natĂŒrlich: Innenminister Herrmann kritisiert FlĂŒchtlingspolitik. Die politischen Fledderer sind auch schon da.

Verschwörungstheoretiker, ich

Man kommt sich vor wie ein Verschwörungstheoretiker, wenn man an dieser Stelle anmerkt: es ist noch nichts grĂ¶ĂŸeres passiert. Es wurden Menschen festgenommen und Ermittlungsverfahren eingeleitet. Wie in 63 anderen FĂ€llen:

Eingeleitete Ermittlungsverfahren bedeuten aber noch keine Verurteilung. Oder dass es Beweise gibt. Und so ist es auch hier: angeblich gingen monatelange Ermittlungen gegen die drei Syrer der Aktion voraus. Man hat aber praktisch nichts in der Hand, was man öffentlich sagen möchte. Die gleiche Schlepperorganisation wie die Paris-AttentÀter, wer weiss das schon, haben vielleicht viele Syrer genutzt? AnschlagsplÀne gab es jedenfalls keine. Es ist ein verdammter Eiertanz zwischen Law-And-Order-Habitus und Panikverhinderung. Teile der Bevölkerung und so.

Und auf welche Hinweise stĂŒtzt man sich? Wie das BMI selbst schreibt, ist nur an einem von sieben Hinweisen ĂŒberhaupt etwas dran, dass Verfahren eingeleitet werden. Und statt die ich nehme mal an lĂŒckenlos Überwachten durch schnellen Zugriff festzunehmen, ist man lieber mit einer 200-Mann-Armee losgezogen und bspw. in Reinfeld erst mal alle Bewohner festgesetzt:

Alle zehn Bewohner, alles junge MĂ€nner aus Syrien und dem Irak, wurden in ihren Zimmern im Schlaf ĂŒberrascht und offenbar mit Kabelbindern gefesselt.

Mag sein, dass all das Teile der Bevölkerung verunsichert. Mag sein, dass das genau das ist, was man haben will. Wer weiss das schon? Und dann muss man ja wirklich vor allem und jedem Angst haben:

Was ist wahr und was ist nicht wahr, was ist Wirklichkeit und was ist nicht Wirklichkeit? (Michael Sarach, BĂŒrgermeister von Ahrensburg, SPD)

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