The Social Dilemma

Das ist jetzt irgendwie eher ein zweifelhaftes Vergnügen, sich auf Netflix „The Social Dilemma“ anzutun. Dokufilmer Jeff Orlowski beleuchtet in seinem Dokudrama anhand Interviews mit zahlreichen Ex-Mitarbeitern großer Internetkonzerne (darf man hier von Szeneaussteigern sprechen?), welche Rolle social media inzwischen in Wirtschaft und Politik, vor allem aber im Leben seiner Nutzer einnimmt und dort anrichtet. Dabei bleibt es nicht bei der einfachen Behauptung das sei alles vom Bösen, oder dem Fakt, dass wirklich massenweise, unerlässlich und ununterbrochen jedes noch so kleine Datum gesammelt und aufgezeichnet wird. Es wird stattdessen relativ gut dargestellt, was mit den Daten passiert und wie sie verwendet werden. Ausführlich wird dabei auf psychologische Effekte und Werkzeuge eingegangen, die genutzt werden, um uns… ja, zu steuern: länger am Handy zu bleiben, noch einen einen Post mehr zu lesen, noch ein Video mehr anzusehen und immer so weiter. Aus einem einfachen Grund: um mehr Daten zu produzieren.

Natürlich hat auch dieses Dokudrama, wie jedes Dokudrama, seine Schwächen. Die zwischen den Interviews eingewebten Dramaszenen, die einerseits eine Familie zeigen, deren Kinder mit sich und ihrer Abhängigkeit von social media hadern, sind durchaus noch ganz nett. Die Darstellung von KI oder Algorhythmen als ein Dreierteam die den Feed bestücken ist möglicherweise sogar geeignet, das Thema auch technisch weniger Interessierten nache zu bringen. Leider steuert das Ganze auf einen ziemlich dystopischen Höhepunkt zu. Orlowskis Kernthese ist eben, dass zwar einerseits niemand wirklich böses mit social media anstellen will (was sollen die Szeneaussteiger auch anderes sagen), es aber eben doch aus Geldgier und Sorglosigkeit passiert, quasi dass die Algorhythmen schon aus den Händen geglitten sind und wir darum auf eine grausame Zukunft zusteuern, weil wir von ihnen alle zu Trumpwählern gemacht werden. Natürlich, Trump, Brexit, Coronademos… das korreliert heftig, und ist sicherlich auch beteiligt, aber eben auch nicht der einzige Grund. Verstärkend wirkt es aber wahrscheinlich doch.

Ja, nun. Zurück bleibt auf jeden Fall ein Kloß im Hals und eine gute Gelegenheit zu fragen: „was hat social media eigentlich jemals für uns getan?“ Mit der Feststellung, dass uns Mark Zuckerberg weder Straßen noch Aqädukte gebracht hat, aber viel Ärger kann man dann einfach ein paar Apps von seinem Smartphone kicken, was ich postwendend getan habe.

Ragnarök

Ragnarök ist nicht nur die Götterdämmerung der nordischen Mythologie, oder eine schwedische Progressive-Rock-Band oder ein Metalfestival in Bayern, sondern auch der Titel einer dänischen Fernsehserie auf Netflix, die in Norwegen spielt.
Ob dieser Gemengelage und dem dringenden Wunsch der weltbesten Serienjunkie neben mir, haben sich die sechs Folgen kurzfristig auf die Watchlist geschummelt.

Nordische Mythologie nach heute verpflanzt ist ja immer so eine Sache, aber das typisch ruhige dänische Konzept und die hauptsächlich norwegischen Schauspieler, sowie die fantastische Ausstattung machen einen guten Job. Die Story hat mir insofern gut gefallen, dass sie mich ausgesprochen amüsiert und gekurzweilt hat. Man kommt so in die Serie, es passieren Dinge und nach und nach entblättert sich, wer da warum am Werke ist.

Und dann ist sie leider auch schon wieder vorbei. Ich nehme mal an, dass ich schon auf eine gewisse Art dänisch an solche Filme und Serien herangehe, deswegen würde ich nicht darauf wetten, dass die Produktion ein Hit für Netflix wird. Wäre aber schön, wenn es eine zweite Staffel gäbe…