Bremen

Ich bin das, was man einen Waller Butjer nennt. Walle ist ein Stadtteil von Bremen, der westlich der Innenstadt, n├Ârdlich der H├Ąfen, zumindest zum Zeitpunkt meiner Geburt als Arbeiterviertel gepr├Ągt war. Dort konnte man morgens den Geruch von Kaffee und Bier in der Luft wahrnehmen, zwei Dinge, an die ich mich allenfalls fabelhaft erinnern kann, da ich zu der Zeit weder Kaffee noch Bier jemals konsumiert hatte.

Butjer spricht man wohl ein bisschen wie den englischen Schlachter aus, bezeichnet laut Wikipedia ÔÇ×energiegeladene kleine Kinder, die einen Riesenspa├č daran haben, ausgelassen und fr├Âhlich drau├čen zu spielen und zu tobenÔÇť, h├Ątte ich besser nicht beschreiben k├Ânnen. Mein Revier war das Waller Westend: ein Spielplatz an der Seydlitzstra├če, sowie die weitere Umgebung der Vegesacker Stra├če zwischen Waller Gr├╝n und Ritterraschenstra├če, manchmal bis zum Waller Park.

Ich war ein Stadtkind und unser Revier war die Stra├če. Ich nehme an, das ist dort heute noch so, denn obwohl es nat├╝rlich einen irren Zuwachs an Autoverkehr gegeben hat, und die umliegenden SUV-Autobahnen wie die Nordstra├če oder die Waller Heerstra├če f├╝r Kinder heute wahrscheinlich t├Âdliche Barrieren sind, hat man doch mit viel Verkehrsberuhigung und einem undurchschaubaren Einbahnstra├čensystem f├╝r den Verkehrsfluss etwas verlangsamt. Das alte Arbeiterviertel ist heute sicherlich in und voll durchgentrifiziert, vielleicht ist auch diese Zeit schon wieder vorbei. Ist lange her, dass ich mich dort mal umgesehen habe. Die vom Krieg geschlagenen Baul├╝cken, die es in meiner Kindheit 25-30 Jahre nach dem Krieg, noch gab, sind jedenfalls verschwunden.

Beim Schreiben f├Ąllt mir erst so richtig auf, wie sehr das eine andere Zeit war damals. Gl├╝ckliche Kindheit auf der Stra├če. Das ging immer, auch wenn es mindestens einmal knapp war und ich dem fr├╝hen Verkehrstod von der Motorhaube gesprungen bin. Wenn ich zu Hause war, habe ich mit Playmobil (Ritterburg) gespielt oder sonstwas, einen Fernseher hatten wir, aber der schien nur abends zu funktionieren. Und war zun├Ąchst auch schwarz-wei├č. Computer? Sehr witzig! Aber jede Woche ein Yps-Heft, so war das!

Ob ich unter der dauernden Abwesenheit meines Vaters gelitten habe, der als technischer Schiffsoffizier die Familie von gro├čer Fahrt zu ern├Ąhren suchte, kann ich aus der R├╝ckschau wirklich nur schwer sagen. Ich habe die Zeit vielmehr als gl├╝cklich abgespeichert, vor allem wohl auch, weil ich im Alter von knappen Sieben aus allem herausgerissen wurde, um aufs Land zu ziehen. Die Idee meiner Eltern, dass es dort f├╝r Kinder einfach besser und sch├Âner w├Ąre, habe ich erst viele Jahre sp├Ąter verstanden. Selbstmitleidig betrachte ich diesen Umzug immer noch als mein Kindheitstrauma, obwohl ich inzwischen wei├č, dass das eben eine kindische Betrachtungsweise ist, aber das war ich ja seinerzeit noch.

Also verlor ich meine Heimat und zog nach Delmenhorst, ein Ort den Menschen als abst├Â├čig empfinden. An der Stra├če der Verdammten auch nochÔÇŽ

Artikelbild gemeinfrei├Ąhnlich freigegeben von Jana Sabeth auf Unsplash.

Umziehen

Wir packen gerade unsere sieben Sachen und ziehen vom Dorf zur├╝ck in die Stadt. Marc ist gerade endg├╝ltig (und superspie├čig) aufs Dorf gezogen und hat u.a. seine 10 Wohnorte aufgelistet. Da kann ich ├╝ber!

  1. Bremen
  2. Delmenhorst
  3. Wardenburg/Benthullen
  4. Oldenburg (Oldenb.) (Haarentor)
  5. Oldenburg (B├╝rgerfelde)
  6. Oldenburg (Donnerschwee, beschte WG ever)
  7. Oldenburg (Innenstadt)
  8. Oldeburg (Innenstadt)
  9. L├╝beck (Buntekuh)
  10. L├╝beck (St. Lorenz Nord)
  11. L├╝beck (St. J├╝rgen)
  12. Reinfeld (Holstein)

Und nun kommt also Umzug Nummer 12, zur├╝ck nach L├╝beck. Zur├╝ck nach St. J├╝rgen. Zur├╝ck an die Wakenitz. Und da bin ich mit Marc sowas von einer Meinung: reicht dann auch mal, mit der Umzieherei.