Umfrage in der Bahn

„Guten Tag, ich bin von der Bahn beauftragt eine Kundenumfrage in ihrem Zug zu machen, darf ich sie kurz stören?“

„Nein, danke, ich kaufe nichts.“

„Nein, nein, ich will ihnen nichts verkaufen, nur ein paar Fragen zu ihrer Fahrkarte stellen?“

„Zu meiner Fahrkarte? Was geht sie die an, sind sie Kontrolleur?“

Wedelt mit seinem laminierten Ich-bin-von-der-Bahn-beauftragter-armer-Schlucker-Umhängeausweis.

„Nein, nein, ich will ihren Fahrausweis gar nicht sehen, nur ein paar Fragen dazu stellen.“

„Aha. Warum?“

„Wir machen eine Umfrage und mit den Ergebnissen können wir vielleicht das Nutzererlebnis und den Service der Bahn verbessern.“

„Haha, sehr witzig. Meinen sie das ernst.“

„Ja?“

„Also das letzte Mal als ich an einer Umfrage in der Bahn teilgenommen habe, hat ihre Bahn hinterher behauptet, bei der Umfrage sei heraus gekommen, dass es eine gute Idee wäre, auch in Regionalzügen Reservierungen anzubieten, aber nur für Leute, die ihre Karte im Reisebüro gekauft haben oder ein Abo haben.“

„Ja, klasse oder?“

„Ja ganz toll. Vor allem für die 90%, die eine andere Fahrkarte haben. Ich kann direkt hier mal nachfragen und garantiere ihnen, das bis auf das eine Arschloch, dass hier einen Platz reservieren durfte, alle aber sowas von genervt von dieser blödsinnigen Idee sind.“

Wendet sich an die Mitreisenden im Abteil: „Moin, der Herr hier macht eine Umfrage und wir diskutieren gerade, wie sinnvoll die Reservierungs-Regelung in Regionalzügen ist. Mal aus Interesse: wer von euch findet diese Regelung sinnvoll?“

Das eine Arschloch, dass hier einen Platz reservieren durfte, meldet sich.

„Und wer hat bei der Umfrage damals der Bahn erzählt, das er oder sie sich eine solche Regelung wünsche?“

Wieder meldet sich as eine Arschloch, dass hier einen Platz reservieren durfte.

„Sehen sie.“

„Ja… also… nun ja… und nun zu ihrer Fahrkarte…“

„Wie ich gesagt habe, die geht sie gar nichts an.“

„Was?“

„Wie bitte?“

„Was?“

„Sagen sie noch einmal ‚Was?‘!!!“

Beitragsbild: Max Kleinen on Unsplash.

Die Bahn und die Pünktlichkeit

Ich kann und will keine Gelegenheit auslassen, über die Bahn und ihre Pünktlichkeitsstatistik herzuziehen. Und wie schön, die Zahlen für 2019 sind schon fertig gefälscht äh… da.

Wir erinnern uns, noch am Anfang des Jahres hatte Ronald Pofalla frohlockt:

Die Pünktlichkeit steigt. Wir hatten im Februar eine Quote von 80 Prozent, im März lagen wir bei ca. 78,4 Prozent, in den ersten drei Monaten im Schnitt bei 78,2 Prozent. Unser Ziel für 2019 ist 76,5 Prozent. […] Wir setzen uns realistische Ziele, weil uns die Kapazitäten bei den Fahrzeugen, der Infrastruktur und dem Personal fehlen.

Quelle: Tagesspiegel

Ja, das hat nun leider nicht geklappt, am Ende ist die Bahn mit einem Pünktlichkeitswert im Fernverkehr von 75,9% knapp an den eigenen Vorgaben gescheitert. Yet again.

Wie kann das sein muss man sich fragen, wo doch die Bahn mit allen erdenklichen Tricks versucht, die selbsterfundene Statistik zu schönen. Dies geschieht zunächst mal durch die Definition von »Pünktlichkeit«, denn pünktlich ist ein Zug laut Bahn dann, wenn er einen Stopp mit einer Verspätung unter sechs Minuten erreicht. Und dann gibt es da ja noch einen ganz speziellen Trick… Wie der funktioniert, kann man ganz schön in diesem Vortrag vom 36C6 nachsehen:

Und weil das so gut klappt, freut sich die Bahn auch, ihr eigenes Ziel gerissen zu haben:

„Wir freuen uns über dieses Ergebnis zum Jahresende und mehr noch über den positiven Ganzjahres-Trend im Fernverkehr: In neun von zwölf Monaten des Jahres 2019 waren wir besser unterwegs als 2018.“

DB im Dezember mit bester Pünktlichkeit seit 2016

Na dann mal gute Fahrt.

Bahngeschichten kannste dir nicht ausdenken

Der Talk BahnMining – Pünktlichkeit ist eine Zier vom 36C3 hat ja schön gezeigt, wie man Bahn-Daten diggt und auswertet und was beispielsweise die Scheuerwende ist. Die lustigsten Begebenheiten zu präsentieren behält sich dann aber doch das wirkliche Leben die Bahn selbst vor. Gestern auf der Fahrt von Hamburg nach Berlin morgens und abends wieder zurück hatten wir in die eine Richtung 25 Minuten, in die andere 20 Minuten Verspätung, jeweils ohne Scheuer-Wende, also Zugausfall. Völlig normal, kennt man ja, die Begründungen waren aber lustig.

Morgens lag es an einem Fehler des zugeigenen „Servers“, dass erst die Reservierungen nicht eingelesen werden konnten und dann der Fahrplan nicht ausgelesen. Aus diesem Grund müsse man den neu auf Papier ausdrucken, sagte der freundliche Zugleiter durch, „das dauert bei uns leider 20 Minuten“, dieses 40-seitige Dokument auszudrucken. Zwischenzeitlich wurde sogar der Fortschritt ausgedruckter Seiten durchgesagt. Ja dieser Server immer…

Auf dem Rückweg war dann ein Triebkopf nicht in Ornung und der Zug musste eine Drehfahrt absolvieren, d.h. vom Berliner Hauptbahnhof sind wir nach Gesundbrunnen gefahren und dann andersherum weiter nach Hamburg.

Ich fasse zusammen: die Bahn kommt auch 2020 weiter zu spät, hat sich aber offensichtlich vorgenommen, ihrem Publikum jetzt wenigsten ein wenig Amusement und Sightseeing anzubieten. Das ist doch nett.

3. Wifi On Ice

Über die Bahn kann man eigentlich gar nicht mehr ranten, da sind alle Rants geschrieben, alle Beschimpfungen geschimpft, es sind sogar schon Leute handgreiflich geworden. Oder glaubt jemand wirklich, Brandanschläge auf Bahnstrecken, angesägte Gleise und organisierter Oberleitungsklau würden von Terroristen und Kriminellen durchgeführt? Das machen alles enttäuschte und geprellte Bahnpendler nach einer Störung im Betriebsablauf zu viel, da bin ich mir sicher.

Nützen hingegen tut das alles nichts, die Bahn, ihr Vorstand und dessen Vorsitz haben mehr Sitzfleisch, als alle Politbüros von KPdSU und SED gemeinsam. Und Personalwechsel, kommen sie denn einmal vor, ändern daran auch nichts, um im Bild zu bleiben. Denen ist alles egal, Realität, Fakten und Kritik sowieso.

Was nicht heißt, dass nicht auch mal etwas Neues passiert. Ende 2016 bspw. sollen alle ICEs mit kostenlosem WLAN auch in der zweiten Klasse ausgestattet sein. Verkehrskasper Dobrindt (CSU) feierte das schon als »digitale Mobilitätsrevolution«, was aber möglicherweise genauso wie der andere Müll den der Typ so übers Jahr absondert wahrscheinlich stark vereinfacht und maßlos übertrieben ist. Denn WLAN allein tut es ja erstmal nicht, gehört ja auch noch Mobilfunk und Internet dazu, hier sieht Dobrindt die Mobilfunkanbieter in der Pflicht, die Bahnstrecken und liegen sie noch so ländlich, mit LTE auszustatten.

Nun fahre ich ja beinahe wöchentlich mit dem ICE nach Berlin und habe das sogenannte Wifi on Ice—hört sich an wie eine Disney-Eislaufshow, oder nicht—schon ziemlich von Anfang an mitbekommen. Erste Feststellung: es wird ein Kapazitätsproblem geben. Auf den ersten Fahrten war das Netz noch erstaunlich schnell, aber seitdem es sich rumgesprochen hat, dass man das Netz frei nutzen kann, wird der Zugang von Fahrt zu Fahrt immer langsamer. Am Ende wird man dastehen mit einem Netz, das zwar gratis ist, aber eben auch umsonst. Zudem war der Start ja auch datenmäßig sehr holprig, auch wenn erste Lücken schnell behoben waren. Und dann soll es ja auch nur 200 MB kostenfreien Download geben, was aber eher unwichtig sein wird, da eh niemand derartige Datenmengen aus dem Schleichnetz herauspressen können wird.

Nur ein gutes könnte die Sache vielleicht haben: sollte wirklich flächendeckend entlang der Strecke LTE zur Verfügung stehen, dann braucht man das blöde neue WLAN der Bahn ja vielleicht gar nicht mehr, sondern kann am eigenen Handy tethern. Das scheint mir auch die sicherste Lösung zu sein. Und Netflix soll man ja jetzt herunterladen können.

Bild: Paul Itkin