Die UnzuverlÀssigkeit unserer Bluetooth-Kopfhörer hat nichts mit den Corona-Apps zu tun

Ich lese derzeit viel ĂŒber Corona-Tracing-Software, also jene Apps, die ano- oder mindestens pseudonymisiert Kontakte zu anderen Smartphones sammeln sollen und dann mit Nachrichten ĂŒber positive Tests auf Sars-CoV-2 deren TrĂ€ger:innen abgleichen sollen. Gerade haben Apple und Google eine (bis dato einmaligen) Zusammenarbeit angekĂŒndigt, um diese FunktionalitĂ€t zu Ă€chst als API und dann auf Betriebssystemebene in iOS und Android zur VerfĂŒgung zu stellen, aber auch in Deutschland wird bereits lĂ€nger an Apps nach dem sogenannten Pepp-PT-Prinzip gearbeitet. Wer wissen will, wie derlei Apps funktionieren können, kann das hier bei netzpolitk.org nachlesen, oder hier im Logbuch Netzpolitik auch nachhören. Vereinfacht gesagt informieren sich Smartphones mit der App untereinander, wenn sie sich bspw. fĂŒr 15min. nĂ€her als 1,5m kommen. Nutzer der App, bei denen ein positiver Test auf Corona vorliegt, geben diese Infomation in die App ein und alle zutreffenden Kontakte bspw. der letzten zwei Wochen (Inkubationszeit) werden automatisch informiert, dass sie einen Kontakt hatten und sich in Isolation begeben sollen. So soll es mögoch werden, dass sich Leute isolieren, die noch keine Symthome haben, die Infektionsketten können durchbrochen werden, ohne das wir alle in Isolation leben mĂŒssen.

TatsĂ€chlich reden und schreiben darĂŒber allerdings viele Menschen, die davon nur wenig oder keine Ahnung haben. Ich will nun gar nicht Teil dieser selbsternannten Experten sein, aber
 eine Sache ist mir doch aufgefallen, die ich mal loswerden möchte und zwar wird als Gegenargument gegen solche Apps Bluetooth genannt. Also Erfahrungen, die man als Nutzer von Bluetooth-Kopfhörern und Ă€hnlichen GerĂ€tschaften gemacht hat, wenn sie sich mal wieder nicht mit dem daneben liegenden Smartphone koppeln lassen, ein GerĂ€t das andere nicht findet oder auch Übertragungen einfach abbrechen. Das hat aber mit der Technik, die diese Apps verwenden sollen nichts zu tun. Der Bluetooth-Standard ist offenbar breiter gefĂ€cherter, als sich der durchschnittliche Airpod-Nutzer sich das vorstellen kann, hier geht es zunĂ€chst mal um Bluetooth LE (low energy) und der Nutzung dessen BroadcastfĂ€higkeiten und der sogenannten iBeacons, die ein regelmĂ€ĂŸiges Broadcastssignal senden, ein kleines „Hallo hier bin ich“, mit einem kleinen Satz Daten. GerĂ€te mĂŒssen zur Sicherstellung der Funktion der App nicht miteinander gekoppelt werden und schlechte Erfahrungen damit sind damit fĂŒr diese Apps belanglos und kein Argument.

Warum mich das aufregt? Die Corona-Tracking-Apps werden nur auf freiwilliger Basis funktionieren. Aus diesem Grund mĂŒssen sie einerseits datenschutzmĂ€ĂŸig Vertrauen schaffen und andererseits mĂŒssen die zukĂŒnftige Nutzer der App Vertrauen in deren Funktionsweise haben, damit genug Menschen bereit sind, sich eine solche App zu installieren. Und das widerum ist nötig, damit das Konzept der Apps funktioniert. Auf Unwissenheit basierende Argumentationen nach dem Prinzip „das kennen wir doch alle, das funktioniert doch wieder nicht“ fĂŒhren da unnötig in die Irre und zerstören das Vertrauen, noch bevor es aufgebaut werden kann. Dabei gibt es durchaus noch genug Probleme zu lösen, bevor wir Software haben werden, die hilft, uns gegenseitig vor Corona zu schĂŒtzen.

Ich wĂ€re jedenfalls bereit, der Technologie hier eine Chance einzurĂ€umen und das hat fĂŒr mich mit magischem Denken, deus ex machina gar nichts zu tun. TatsĂ€chlich weiss ich aus Erfahrung, dass es noch etwas dauern wird, bis die Technik ausgereift genug ist, bis genug Bugs beseitigt sind, bis alles funktioniert, leider funktioniert Softwareentwicklung so und das ist schon schlimm genug. Kollege Ben hat an dieser Stelle immer lachend gesagt: „Zum GlĂŒck bauen wir keine Herzschrittmacher!“, aber in diesem Fall kommt man dem schon ziemlich nahe


Artikelbild: Foto gemeinfreiĂ€hnlich freigegeben von Gian Cescon auf Unsplash

10 Jahre iPad

Ein RĂŒckblick, hurra, eine schöne Gelegenheit mal ein paar alte Uniques von mir zu verlinken.

Das ist nun auch schon wieder 10 Jahre her, dass uns Steve Jobs am 27.01.2010 das iPad prĂ€sentierte—das „one last thing“ seines Lebens—und damit quasi die medientechnischen 10er-Jahre ordentlich einleitete. Er erwischte mich damit in einer Phase meines (beruflichen) Lebens, in der ich auf Apple gar nicht sooo gut zu sprechen war. Meiner durch die erste iPhone-Generation genĂ€hrte Hoffnung, freie Webtechnologie wie der Webbrowser könnte die App-Plattform der Zukunft werden, war durch die EinfĂŒhrung des App-Stores eineinhalb Jahre zuvor schwer enttĂ€uscht worden. Gleichzeitig glaubten mir in meinem Umfeld viel zu viele Menschen, Steve Jobs mache mit dem iPad fĂŒr die Medienbranche nun das, was er mit dem iPod fĂŒr die Musikindustrie getan hatte und je nach Auslegung war das der Anfang vom Ende oder die Rettung in höchster Not, nicht weniger als die Rettung des gedruckten Wortes. Egal, alle wollten unbedingt iPad-Apps machen, den Trend nicht wieder verschlafen. Eine Phase, die der Entwicklung des Webs durchaus hĂ€tte schaden können. Und was fĂŒr lustige BlĂŒten der Hype hervorbrachte
 erinnert sich noch jemand an das WeTab (liegt noch hier im Schrank, ich schwöre, kann gerne fĂŒr einen guten Zweck versteigert werden)?

Ich habe mich dann damals schnell auf die webentwicklerischen Herausforderungen konzentriert und mir vor allem die Frage gestellt, wie man die verschiedenen Formate in Zukunft aus einer Quelle bedienen könnte, auch und gerade weil unsere „mobile Webseite“ ein fĂŒrchterlicher PITA war. Damals hatte ich dazu aber hauptsĂ€chlich auf fluiden und adaptiven Layouts herum, was nicht unbedingt zielfĂŒhrend war. Die Lösung dafĂŒr prĂ€sentierte dann noch im Mai 2010 Ethan Marcotte, mit diesem A List Apart Artikel: responsives Webdesign. Und so endete mein Jahr des iPads auch irgendwie versöhnlich.

Das iPad war und ist erfolgreich. Anders als der Mac oder das iPhone hat es allerdings nicht die Welt verĂ€ndert. Obwohl es meiner Meinung nach das Potential dazu gehabt hĂ€tte. In meinem Stack ist das iPad jedenfalls nicht mehr wegzudenken, was darin resultiert, dass ich es eigentlich immer dabei habe und vor allem in den Reisezeiten und eben zu Hause als Ersatz fĂŒr den Rechner (bspw. zum Bloggen) und die Zeitung (ich lesen ĂŒbrigens immer noch fleissig eure RSS-Feeds) und das Fernsehen (Netflix, Amazon Prime) nutze. Manchmal mixe ich sogar damit.

Und gerade entwickle ich auch wieder an einer App mit, deren primÀres Ziel nach wie vor die Rettung des gedruckten Wortes
 Àh das iPad (und andere Tablets) ist.

Danke, Steve.

Productive, der habits & daily goals tracker

Viele Menschen nutzen ja To-do-Listen, um sich zu organisieren Dinge zu tun. Meine To-do-Listen sind mehr Zettelsammlungen, oft reicht es mir nĂ€mlich, eine Sache aufgeschrieben zu haben, um sie dann auch zu tun. Das hat bei den To-do-Listen-Apps nie so gut geklappt, hier sammle ich eher Themen fĂŒr eine wesentliche spĂ€tere Abarbeitung. Schwierig fĂ€llt es mir eher, in meinem tĂ€glichen kreativen Chaos die regelmĂ€ĂŸigen Dinge zu tun, die lĂ€stigen wiederkehrenden Aufgaben. FĂŒr dieses Problem gibt es natĂŒrlich eine iPhone-App: Productive.

Mit einer Mischung aus regelmĂ€ĂŸiger To-do-Liste, Erinnerungsfunktion und etwas Gamification will der habits & daily goals tracker einem die tĂ€glichen Routinen beibiegen, die man leider allzu oft vergisst. Das kann ZĂ€hneputzen, Medikamente einnehmen, Wasser trinken, Spazieren gehen, WĂ€sche waschen, die Wohnung putzen, Meditieren, ein Hobby ausĂŒben, oder Sport machen sein, um nur ein paar Beispiele aus den vorbereiteten Tasks zu nennen. NatĂŒrlich kann man auch selbst Aufgaben hinzufĂŒgen. Eine Aufgabe enthĂ€lt, neben ihrer Beschreibung, einen Zeitplan wann und wie oft sie auszufĂŒhren ist. Und so zeigt und erinnert einen Productive dann fĂŒr dahin an die kleinen lĂ€stigen Dinge, die man immer vergisst.

Als Erfolge werden im Gamification-Anteil sowohl hintereinander, also regelmĂ€ĂŸig ausgefĂŒhrte Tasks hervorgehoben, als auch die perfekten Tage ausgezeichnet, also jene, an denen man alle Aufgaben geschafft hat.

Entgegen den Eingangs genannten To-do-Listen, hilft mir Productive ganz gut Dinge zu tun, die ich sonst garantiert vergesse: bspw. das ich im BĂŒro auch noch etwas anderes als Kaffee trinken muss. WĂ€sche waschen bevor der WĂ€scheberg bis zur Decke wĂ€chst ist auch so ein Ding, das gerne hinter dem abendlichen Netflixen zurĂŒck gestellt wurde. Und als ich ein paar Wochen regelmĂ€ĂŸig Medikamente nehmen musste, hat das mit Produktive gut geklappt. Einfach mal kostenlos testen


[yasr_overall_rating]

Foto von Oliver Thomas Klein.

Setapp

Ich nutze seit ein paar Monaten schon Setapp (Affialiate-Link), das Abomodell fĂŒr Mac OS Apps und ich bin damit durchaus zufrieden. Zu meiner Ehrenrettung sei erwĂ€hnt, dass ich ein ziemlicher Freund bezahlter und vor allem gut gemachter kleiner Software fĂŒr mein Macbook bin. In den Jahren habe ich bei diversen FrĂŒhlingsverkĂ€ufen, Apphunts und Blackfridaysales schon eine umfassende Sammlung niedlicher Tools zusammengekauft. Wenn man also Tools und Apps fĂŒr den Mac liebt, aber keine Lust mehr hat, fĂŒr 49$ 10 Apps zu kaufen, von denen man nur zwei gebrauchen kann, fĂŒr den ist Setapp (Affialiate-Link) genau das Richtige.

Was man bei Setapp bekommt ist folgendes:

  • in Form eines Abonnements fĂŒr 9,99$ (plus 1,90$ Steuer) Zugriff auf eine stetig wachsende Zahl von liebevoll ausgewĂ€hlten Mac Applikationen, die man sich via einer Setapp-App auf dem Rechner installieren und nutzen kann
  • Man kann (zur Zeit) Setapp auf zwei Rechnern parallel benutzen, ein Modell fĂŒr mehr Rechner ist in Arbeit (wird aber zusĂ€tzlich kosten, nehme ich an)
  • Die Apps sind immer und bleiben immer up to date (das unterscheidet es schon mal deutlich von den Apphunts
)
  • ZusĂ€tzlich stellt Setapp in Newslettern unregelmĂ€ĂŸig neue Apps vor bzw. prĂ€sentiert verschiedene Apps (bspw. „Apps zum Musik machen“ o.Ă€.)

Ich finde das ziemlich praktisch. Mal kurz aufgezÀhlt, was ich aus der langen App-Liste inzwischen nutze: Ulysses, Mosaic, SQL Pro Studio, Base, Gifox, Good Task, iStat Menus, Better Zip, Numi, und die App for Whatsapp. Einige Apps davon habe ich installiert, weil gerade bspw. eine App brauchte um auf dem Rechner eine Datenbank zu öffnen. Ein zwei der angebotenen Apps hatte ich auch schon, allerdings in veralteten Versionen.

Neue Nutzer können sich Setapp (Affialiate-Link) 30 Tage kostenlos anschauen, unverbindlich natĂŒrlich. Hat man seine Zahlungsdaten hinterlegt, kann man jederzeit wieder aussteigen.

Clean install fĂŒr den Mac automatisieren

Beim Thema clean install, angeregt durch macOS development environment from scratch, habe ich nochmal ein paar lose Enden eines Git zusammengerafft, die hier auf meinem Schreibtisch noch rumlagen. Denn vor dem Konfigurieren eines neuen Mac steht das ewige Programme suchen und installieren, buh! Das geht natĂŒrlich auch einfacher


Bei der Neuinstallation eines Rechners, in meinem Fall natĂŒrlich eines Apple Rechners, vor allem aber auch bei Neuanschaffung steht man immer vor dem zeitraubenden Problem, die Softwareumgebung, die man gewohnt ist, wieder-/herzustellen. Was hier das Einspielen aus Backups oder Migrationsassistenten an convienience bringt, geht oft dadurch verloren, dass man Leichen miterbt, die man auf dem neuen Rechner eigentlich nicht im Keller haben will. Was muss man also fĂŒr ein wirkliches clean install tun?

  • ZunĂ€chst mal muss man wissen, welche Software man eigentlich nutzt. Das ist bei den großen tĂ€glich verwendeten Programmen natĂŒrlich kein Problem, aber wie hieß gleich noch dieses Colorpicker-Tool, dass man nur zweimal im Halbjahr aufruft? Vielleicht will man außerdem auch einen standardisierten Rechner fĂŒr neue Kollegen bereitstellen, dann gibt es in diesem Sinne gar keine History

  • Dann muss man die ausgewĂ€hlten Programme installieren. Das kann man peu Ă  peu machen, immer wenn man ein Tool braucht: installieren, einrichten und dann erst nutzen. Oder man macht es in einem Arbeitsgang, beide Versionen benötigen viel Zeit.
  • Schließlich mĂŒssen alle Programme konfiguriert werden, Seriennummer herausgesucht und eingegeben werden, die Arbeitsumgebung eingerichtet werden usw.

Zumindest die ersten beiden ArbeitsgĂ€nge kann man am Mac heutzutage glĂŒcklicherweise automatisieren. Die Recherche, was man denn ĂŒberhaupt installieren will ist dabei natĂŒrlich ein wichtiger Punkt. Hier verlasse ich mich auf den Paketmanager Hoembrew, dessen Erweiterung Brew Bundler und die Möglichkeit den Mac Appstore via API von der Kommandozeile aus zu bedienen. Alle drei Programme gehören heutzutage auf jeden Mac. Eine Liste von mit brew installierten Systemprogrammen und Desktop-Apps, sowie der aus dem Appstore heruntergeladenen Programmen, lĂ€sst sich mit dem Bundler per brew bundler dump erstellen. Das entstandene Brewfile ist schonmal ein guter Ausgangspunkt. Sowas sieht dann so aus:

cask_args appdir: '/Applications'

tap 'caskroom/cask'
tap 'homebrew/binary'
tap 'homebrew/boneyard'
tap 'homebrew/bundle'
tap 'homebrew/core'
tap 'homebrew/versions'

brew 'mas'
brew 'wget'
brew 'youtube-dl'
brew 'zsh'
brew 'zsh-completions'
brew 'zsh-syntax-highlighting'

cask 'tower'
cask 'transmit'
cask 'vagrant'
cask 'virtualbox'

mas 'iA Writer', id: 775737590
mas 'Airmail 3', id: 918858936
Lisitng 1: Beispiel fĂŒr ein Brewfile

Mithilfe von brew search und brew cask search findet man weitere Programme, die man auch hĂ€ndisch dieser Liste hinzufĂŒgen kann. Irgendwann hat man die Liste der ultimativen Standardprogramme und derer AbhĂ€ngigkeiten zusammen. Mit einem beherzten brew bundle kann man diese dann entweder installieren oder auch allesamt installieren (oder bereits installierte updaten).

Die Installation auf einem leeren Rechner selbst kann man getrost einem Shellscript ĂŒberlassen, das auch gleich die Xcode-Tools holt und am Ende oh-my-zsh installiert etc.


#!/bin/sh
echo Install xcodeutils

xcode-select --install
ruby -e "$(curl -fsSL https://raw.githubusercontent.com/Homebrew/install/master/install)"
brew tap Homebrew/bundle
brew bundle
sh -c "$(curl -fsSL https://raw.githubusercontent.com/robbyrussell/oh-my-zsh/master/tools/install.sh)"
Listing 2: VerkĂŒrzte Version eines Installationsscripts

All das oben genannte und ein klein wenig mehr, habe ich mal in diesem Git-Repository zusammengesteckt, mit dessen Hilfe ich meinen Rechner installiert habe. Danach muss man seine Programme natĂŒrlich noch konfigurieren. Viel Spaß


Foto: alejandroescamilla auf Unsplash.

Die Abschaffung der URL

„Cool URIs don’t change“, ein Ausspruch von Tim Berners Lee, der heute das Papier nicht mehr Wert ist, auf dem er natĂŒrlich nie gedruckt wurde. Die eindeutige Adresse zu (Hypertext-) Dokumenten im Web ist ein Auslaufmodell. Das liegt einerseits daran, das es im allgegenwĂ€rtigen Konzept App kaum ansteuerbare Dokumente gibt, sondern eher ZustĂ€nde. Viel einschneidender aber sind die BemĂŒhungen der großen walled garden-Betreiber, die versuchen den Nutzer auf ihren Plattformen einzusperren und dabei ist die URL, als ein StĂŒck Selbstbestimmung des Nutzers, sowas von im Weg.

Wer einen bestimmten Post aus der Facebook-App in die Außenwelt (wer kennt sie noch) exportieren möchte, also verlinken, muss nicht nur hinter kleinen Pfeilchen und Winkeln nach der FunktionalitĂ€t suchen, sondern im Ă€ußersten Fall das Posting in Safari öffnen, um Zugriff auf die Adresse zu bekommen. Safari selbst hat natĂŒrlich auch beschlossen, keine URLs mehr in der Adresszeile mehr anzuzeigen, was angeblich dem Nutzererlebnis jener Nutzer dient, die mit dem Konzept URI nichts anzufangen wissen. Was ungefĂ€hr so ist, als wenn ich zu Hause die Hausnummer abbauen wĂŒrde, weil Kleinkinder im Kindergartenalter noch keine Zahlen und Buchstaben lesen können. Hier kann man allerdings per MenĂŒ endlich die Adresse kopieren.

Ach ja, wo wir gerade unfreiwillig den mobilen Safari geöffnet haben: ich nenne ihn inzwischen gerne den Dead-End-Browser, weil er die navigatorische Sackgasse von Apple News auf dem iPhone bildet. Apple News ist in Deutschland bisher nur als Widget verfĂŒgbar, das die Originalseite im Safari öffnet. Dort endet derzeit das Nutzererlebnis. Aber auch das wird sich Ă€ndern, in den USA gibt es Apple News lĂ€ngst, ohne diese lĂ€stigen URLs ĂŒberall, die stören ja nur. ZurĂŒck zu Facebook: dort heißt die News-Lock-In-Lösung instant articles, die schnelles Laden versprechen, gleichzeitig aber keine URL mehr haben, total ĂŒberraschend. „In Safari öffnen“ um an die Adresse des Originalartikels zu kommen, findet man unter „Teilen“. Immerhin.

Noch etwas rabiater geht Google vor. Ihre als Rettung der Seitengeschwindigkeit verkaufte MohrrĂŒbe am Stab fĂŒr die Betreiber von Webseiten, abgekĂŒrzt AMP, versteckt zwar nicht die URL an sich, zeigt jedoch nicht die canonical URL eines Artikels, sondern eine eigene mit https://wwww.google.com/amp/ beginnende, danach erst die Originaladresse. AMPs werden derzeit auf Googles Suchseite als Karussell angezeigt und man verlĂ€sst diese Seite beim Aufruf nicht (siehe Adresse), stattdessen macht sich Google den Inhalt zu eigen. Es wird sogar noch eine eigene Navi angezeigt.

Das alles entwickelt sich ĂŒberhaupt nicht in die Richtung, die ich mir vorgestellt habe. John Gruber fragte sich jĂŒngst dazu


Why would I want to cede control over my pages to Google? AMP pages do load fast, but if publishers want their web pages to load fast, they can just engineer them to load fast.

Ja, warum?

Ich schalte meine AMP-UnterstĂŒtzung und vor allem die Facebook IA bei nĂ€chster Gelegenheit wieder ab. Experiment zu Ende. Content gibt es bei mir in Zukunft nur noch gegen URL.

Photo by Volkan Olmez

10 Jahre iPhone war gestern

„Harzigen GlĂŒhstrumpf“ nachtrĂ€glich, wie man in jenen Tagen noch manchmal schrob im Jahr des falsch gebildeten PrĂ€teritums: 2007.

Als das iPhone endlich auf dem Markt kam, hatte ich schon so viele falsche AnkĂŒndigungen darĂŒber gehört, das Apple ins TelefongeschĂ€ft einsteigen wollen wĂŒrde (tun getan), dass ich es schlicht nicht geglaubt habe, bis Steve Jobs es auf der BĂŒhne verkĂŒndete. Ein bewegender Moment, wahrlich.

Und ich war direkt begeistert, denn was Jobs da prĂ€sentierte hatte ja mit dem heutige iPhone bzw. seinem nervigen Appstore-Ökosystem drumherum nichts zu tun. Stattdessen war die Original-Idee ja, voll auf Web-Apps zu setzen, der Browser als App-Plattform, genial. Wer wĂŒrde das heute glauben?! Aber auch irgendwie nicht ganz so vorausschauend, wie man den guten Steve sonst kannte:

According to Jobs, it was an issue of security. “You don’t want your phone to be an open platform,” he told me. “You don’t want it to not work because one three apps you loaded that morning screwed it up. Cingular doesn’t want to see their West Coast network go down because of some app. This thing is more like an iPod than it is a computer in that sense.” 1

Daran und das die Zukunft im Web und vor allem in Webapps liegen wĂŒrde, habe ich wirklich geglaubt. Erst als ich sah, wie die Leute auf Apple spĂ€tere Veröffentlichung des iOS SDK und den App Store abgingen, habe ich mich davon verabschiedet (jedenfalls zeitweise).

WĂ€re sicherlich interessant zu sehen, wie unsere Webentwickler-Welt aussĂ€he, wenn Apple dabei geblieben wĂ€re und nie einen App Store eröffnet hĂ€tte. 😉

Bild: Bill Patterson licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Die neuen MacBook Pro

Apple stellt nach einer gefĂŒhlten Ewigkeit neue MacBook Pro vor. Die Welt versinkt in einem Shitstorm ungeahnten Ausmaßes. Steve Jobs dreht sich in seinem Grab mit Höchstgeschwindigkeit. Das Leben geht weiter.

Ach, das macht ja immer einen Riesenspaß, auf Apple einzudreschen. Daraus kann man ein echtes Hobby machen. Man muss nicht mal einen Apple-Rechner dazu besitzen, ich kenne eingefleischte Linux-Nutzer, die sich darĂŒber ereifern können, was Apple aktuell mit dem Mac Pro gerade nicht macht, ohne jemals einen gesehen zu haben. Besser geht es allerdings als Apple-Nutzer, wo man selbst Opfer wird der vielen kleinen Fehler, die einem so begegnen beim powerusing. Das ist natĂŒrlich immer Jammern auf sehr hohem Niveau, vor allem wenn man sich wie ich, noch an Zeiten erinnern kann, wo man Windows XP oder gar Ă€ltere Versionen nutzen musste, wir hatten ja nichts damals.

Aber so ist die Stimmung. Nicht erst seit Steve Jobs zum Masterkontrollprogramm gerufen wurde, schon davor zeigte sich, Apple hat eine große und immer grĂ¶ĂŸer werdende Schar sehr treuer Fans. Und Fan sein hat immer etwas mit Fanatismus zu tun. Und da liegt die Krux. Fanatikern kann man es nicht recht machen. Ich kenne das, bin ja selbst einer.

Möglicherweise hat Apple gerade bewiesen, dass sie keine Ahnung haben, wer ihre Laptops nutzen soll. Der ganze Shitstorm ĂŒber die nötigen Adapter, die fehlende Escape-Taste und den nicht ausbaubaren Speicher scheint das zu beweisen. Und ja, die Leute sind ungeduldig, denn seit vier Jahren ist das MacBook Pro nicht upgedatet worden. Und die Leute wollen, das was passiert.

Aber, man kann das auch anders sehen. Beispielsweise ist das vier Jahre alte MachBook Pro immer noch ein unglaublicher Rechner, den man heute noch genauso einsetzen kann, wie vor vier Jahren, SSD vorausgesetzt. Da gibt es eigentlich wenig zu meckern, außer vielleicht, das wir heute, anders als vor vier Jahren gigantische Entwicklungsumgebungen mit einer Phalanx virtuelle Maschinen lokal auf Entwicklungsrechnern laufen lassen und uns nun wĂŒschen, Apple wĂŒrde uns fĂŒr diesen Wahnsinn mehr Power spendieren. Es hat sich in diesen vier Jahren in Sachen Prozessorleistung gar nicht soviel getan. Und wen interessiert eigentlich noch die Gigahertz-Zahl?

Ja und Adapter schleppe ich ja auch heute zuhauf mit mir herum, ich habe dafĂŒr extra einen kleinen Mesh-Beutel im Rucksack. Das war im Grunde schon immer so, wenn man den Macrechner mit der PC-Welt da draußen koppeln wollte, oder mit alter Hardware. Bleibt der noch der Rant ĂŒber die Escape-Taste. Die ist ja nicht wirklich weg, sondern nur nicht mehr als Hardware vorhanden. Das kann eigentlich nur Vim-Nutzer interessieren und dann auch nur, wenn ihr Terminalprogramm diese dann nicht an der richtigen Stelle der Touch Bar zur VerfĂŒgung stellt, zusammen mit ein paar prima Shortcuts, die man sich eh nie merken konnte vielleicht?

Ach ja: die Touch Bar. Ohne sie je ausprobiert zu haben, ranten die Massen darĂŒber, als hĂ€tte man Steve Jobs ans Kreuz genagelt. Also ich will das ehrlich gesagt erstmal sehen und ausprobieren. Und etwas warten, was die von mir hochgeschĂ€tzten Entwickler meiner geliebten Standardprogramme damit anstellen. Der Blödsinn der die letzten Tage zusammengememet wurde wird es jedenfalls nicht sein. Und, hey, ich bin immer noch Schlafzimmer-DJ genug: natĂŒrlich hat mir die Demo auch gefallen. 😉

Apple macht aber auch wieder viel Quatsch. Ich empfinde beispielsweise die Preise der neuen MBPs als ziemliche Frechheit. Und den Schlingerkurs um den Kopfhöreranschluss verstehe wer will, ausser das bei Apple jemand glaubt, man habe unterschiedliche Kopfhörer fĂŒr iPhone und Laptop. Da muss man sich schon fragen, ob sich iPhone- und MBP-Team auf dem Apple-Campus aus dem Weg gehen? Und ja: Tim Cook ist ein Langweiler, stimmt.

Aaaaaaber: liebe Gemeinde! ErzĂ€hlt mir doch bitte jetzt nicht, ihr wolltet alle zu Windows (zurĂŒck) wechseln. Das soll wohl ein Witz sein!

Bild: Tim Gouw auf Unsplash.

Getestet: iPad Case aus Palisanderholz

Dies ist ein gesponserter Post, mehr oder weniger1.

Von der iPad Air2 KlapphĂŒlle aus Palisanderholz von Ultratec habe ich viel erwartet. Seit langer Zeit habe ich mich mit einer Kunstlederklappe fĂŒr das Tablet herum geschlagen, die tĂ€glich allein durch Gebrauch hĂ€sslicher wurde und sonst eigentlich keine Features aufzuweisen hatte. Nun also eine KompletthĂŒlle aus Holz, also mehr Haltbarkeit und Schutz und eine Ecke edler noch dazu.

Die visuellen Anforderungen erfĂŒllt die HĂŒlle von Ultratec noch in der Verpackung, Palisander ist ein sehr rötliches Holz, die OberflĂ€che ist glatt und fest und glĂ€nzend. Man muss die Farbe ein wenig mögen, dann ist man vom Aussenmaterial schnell ĂŒberzeugt. Mein iPad Air2 passt sehr gut in die Kunststoffhalterung, die das Tablet zwischen den Holzdeckeln halten soll. Man drĂŒckt es von oben in die Halterung, es sitzt auf Anhieb fest. Die InnenhĂŒlle enthĂ€lt auch die nötigen Aussparungen fĂŒr Kamera, Mikrophon, LautstĂ€rke-Tasten, sowie Kopfhöreranschluss (!) und Antenne. Das passt gut, bis auf die LautstĂ€rkeregler, die sitzen etwas tief, wodurch man mit der Fingerkuppe nur mit Druck an die Tasten kommt, besser geht es mit dem Fingernagel, wenn man einen hat.

Der Holzdeckel besteht praktisch aus einem einzigen mehrfach segmentierten Teil, dessen erstes Segment an der InnenhĂŒlle festgeklebt ist. Durch vorgeknickte Ecken kann man den Deckel nun um das Tablet herum legen, wodurch es komplett vom Holzdeckel umschlossen wird. Die einzelnen Segmente des Deckels lassen sich knicken, zum Teil auch zusammenfalte, um verschiedene Standposition fĂŒr das iPad zu ermöglichen. Da man das in verschiedene Richtungen und von verschiedenen Seiten aus machen kann, gibt es mehrere unterschiedliche Standpositionen, mit verschiedenen Winkeln des Bildschirms zum Betrachter. Nicht alle sind allerdings so fest, dass man glauben kann, dass sie auch so vorgesehen sind. (Eine „Faltanleitung“ gibt es wohl nicht.) Zum Material: das Holz ist stark und fest, aber auch sehr dĂŒnn. An der Innenseite ist eine Vliesschicht angebracht, die das iPad schĂŒtzt. Sie ist ok, könnte aber etwas dicker sein. So bleibt der Deckel sehr fest, starr und hart auch nach innen, was zum Beispiel daran merkt, dass es laut „Klack!“ macht, wenn man ihn etwas zu schnell oder kraftvoll zu macht. Überhaupt macht das Holz natĂŒrlich GerĂ€usche, mehr als bspw. eine Leder- oder KunstlederhĂŒlle.

Ich habe die HĂŒlle jetzt ein paar Wochen benutzt, es sind noch keine farblichen Abnutzungserscheinungen (bspw. an den Kanten und RĂ€ndern) zu beobachten, obwohl ich das Tablet dauerhaft im Rucksack mit mir herumschleppe. Einmal ist es auch schon heruntergefallen, allerdings auf Teppich: nichts passiert. Aber: die HĂŒlle hat inzwischen von irgendwoher einen Kratzer abbekommen, fast wie ein Schnitt. Den sieht man leider deutlich, siehe Foto.

[yasr_overall_rating]


  1. Dieser Text gleicht zu 99% einer gesponserten Rezension, die ich im Rahmen des Vine-Programms fĂŒr Amazon geschrieben habe. In der BemĂŒhung, alle von mir produzierten Onlineinhalte zu sammeln, schreib ich sie hier nochmal auf. 

Wochenendlese V

We launched our company with a parody product. Ich fand die Apple Plug Parodie witzig, aber eigentlich ist es noch witziger, wozu sie entstand und was daraus wurde.

Die Ketzerin beschreibt die Geschichte einer ehemaligen Homöopathin, die aus der Szene ausgestiegen ist. Via

Nach 20 Jahren ist Zimmer frei nun zu Ende, und außer dass es mir ein Spur zu viel um Joko und Klaas geht, ist Bye-Bye, „Zimmer frei“ der richtige Artikel dazu.

FĂŒr’s Auge (plus ein paar Fakten fĂŒrs Quartett unnĂŒtzes Wissen): 7 Monumental Wonders of the Former Soviet Union.

Bild: CC BY-SA