Mein #Smarterphone…

Irgendwas da drüben in Austin, Texas, macht etwas mit den Leuten. Bei der SXSW scheint die große Retrowelle ausgebrochen, seltsame Nachrichten und Zeichen erreichen mich von dort. Beispielsweise von Johannes Kuhn, der mir ein Blogstöckchen aus den frühen 2010ern über den Teich geworfen hat. Nun denn, tun wir etwas dafür, dass dieses Textsammelsurium wieder wie ein richtiges Blog aussieht…

…und ich, Name:

Nico Brünjes

verbringt seinen Tag…

…als teamleitender Frontend-Entwickler bei ZEIT ONLINE in Hamburg.

nutzt ein:

iPhone 6 Update: iPhone X

Wie würdest Du dein Verhältnis zu Deinem Smartphone bezeichnen?

Als Hassliebe? Ich entwickle Webseiten für Smartphones seit Steve Jobs das erste iPhone vorgestellt hat und halte es nach wie vor für die beste Erfindung seit geschnitten Brot. Ich gehe ohne mein Telefon (wie ich es immer noch nenne) nicht mal aufs stille Örtchen. Letztens hatte ich einen Termin mit reservierten Akku im Apple-Store ergattert, der Support hatte mir versprochen, dass ich auf den Akkuwechsel warten könne, im Store sagte man mir aber, sie hätten keine Kapazitäten und müsste das Gerät bis zu drei Tage dort behalten. Da bin ich wieder gegangen, mit Telefon, das konnte ich mir so adhoc einfach nicht vorstellen. Ich bin aber nicht süchtig, ich kann jederzeit damit aufhören… nein, ehrlich: ich bin bewußt abhängig weniger süchtig… Moment, das muss ich eben mal kurz googlen…

Gleichzeitig habe ich aber auch ein sehr kritisches Verhältnis zu meinem Telefon im Besonderen, weil es nicht von der Qualität ist, die ich heutzutage von einem solchen Produkt erwarten würde und zum Smartphone-Ökosystem im Allgemeinen, weil ich vieles von dem was sich seit dem iPhone 1 entwickelt hat und durch das Smartphone möglich gemacht wurde, sehr kritisch sehe. Letztere Kritik reicht vom Datenhunger der Software und Plattformen, bis hin zu webtechnischen Fehlentwicklungen wie bspw. AMP von Google.

Welche App/Funktion nutzt du am häufigsten (gerne in den Statistiken nachschauen oder aus dem Bauch schätzen)

Garantiert Twitter, ohne nachzusehen. Ich bin seit 10 Jahren dabei und ich war zwar mal Politiker und habe auch schon als Journalist gearbeitet und arbeitete im Verlagswesen, aber nach Defintion Bär bin ich einfach nur ein Psychopath. Hign functional psychopath, meinetwegen. Ich habe aber nicht mal 1000 Follower, weil ich meistens nur lese und gelegentlich sarkastische Kommentare über die Bahn absetze.

Welche App/Funktion nutzt du gar nicht?

Ich telefoniere nie und nutze kaum Pushdienste. Siehe auch weiter unten…

Arbeit und Handy — wie regelst Du das?

Mein Handy ist ein „Diensthandy“, soll heissen, es gehört dem Verlag und dient dazu mich erreichen zu können, wenn Notsituationen auftreten. Was nicht so oft passiert. Das heißt aber auch, dass ich auf dem Gerät alle Arbeitsmails bekomme und Slacknachrichten und weil ich nicht zwei Geräte herumschleppen möchte, auch alle privaten Mails usw. Übersetzt heisst das, ich kriege auch noch nach Feierabend Nachrichten und reagiere auch, wenn ich das für nötig erachte. Kommt beides auch eher selten vor.

Welche Notification hast Du eingeschaltet?

Ich habe vor kurzem alle Notifications deaktiviert und nur Mails, Tweets meiner Kollegen und die „Eilmeldungen“ von ZEIT ONLINE wieder eingeschaltet.

Warum?

Weil ich Pushs für eine Form von attention hacking und selbiges für die neue Geißel der (Medien-) Menschheit halte. Was ich journalismustechnisch von Eilmeldungen halte habe ich hier schon diskutiert.

Oder auch: als Entwickler hasse ich jede Ablenkung. Als Teamleiter ist die Ablenkung praktisch mein Job und an der geistigen Schnittstelle dieses Albtraums, sitzt mein durch den Arm verlängertes Hirn und zuckt jedes Mal zusammen, wenn es irgendwo vibriert oder pingt.

Hälst du dich an soziale Regeln bei der Smartphone-Nutzung? Wenn ja: Welche?

Ja, schon. Ich fahre viel Zug und erwarte von meinen Mitreisenden ein Mindestmaß an Smartphone-Etiquette: keine lauten Klingeltöne, Telefon nutzen nur für Chat oder Mail, bitte kein Brüllen, als wenn durchs offene Fenster kommuniziert wird und bitte bitte bitte keine Tastaturtöne. Letzteres gilt überall auf der Welt, selbst in Filmen.

Ja, ich halte mich an diese Regeln. Der Rest der Welt leider gewöhnlich nicht.

Gibt es Regeln, die du wieder verworfen hast?

Ach… ich habe in Sachen Smartphone schon alles versucht und vieles wieder fallen gelassen. Da war von all-in bis totaler Abstinenz alles dabei und alle Betriebssysteme.

Zum Abschluss: Was sollten mehr Menschen im Umgang mit Smartphones wissen?

Ich glaube nicht, dass uns die digitale Demenz droht, oder dass die Gesellschaft verroht durch die Smartphonenutzung, höchstens durch die Diskussion derlei Blödsinns. Die Nutzer sollten vielleicht endlich mal einschätzen lernen, wieviel und welche Daten sie über sich durch die Nutzung von Apps an Unternehmen und durch die Nutzung des Smartphones eventuell an die mitlesenden Behörden preisgeben, aber viel Hoffnung habe ich da nicht.

Vielleicht hat Thomas Puppe Lust diesen Fragebogen ebenfalls zu füllen. Update: Er hatte. Danke schön.

Foto von NeONBRAND.

Productive, der habits & daily goals tracker

Viele Menschen nutzen ja To-do-Listen, um sich zu organisieren Dinge zu tun. Meine To-do-Listen sind mehr Zettelsammlungen, oft reicht es mir nämlich, eine Sache aufgeschrieben zu haben, um sie dann auch zu tun. Das hat bei den To-do-Listen-Apps nie so gut geklappt, hier sammle ich eher Themen für eine wesentliche spätere Abarbeitung. Schwierig fällt es mir eher, in meinem täglichen kreativen Chaos die regelmäßigen Dinge zu tun, die lästigen wiederkehrenden Aufgaben. Für dieses Problem gibt es natürlich eine iPhone-App: Productive.

Mit einer Mischung aus regelmäßiger To-do-Liste, Erinnerungsfunktion und etwas Gamification will der habits & daily goals tracker einem die täglichen Routinen beibiegen, die man leider allzu oft vergisst. Das kann Zähneputzen, Medikamente einnehmen, Wasser trinken, Spazieren gehen, Wäsche waschen, die Wohnung putzen, Meditieren, ein Hobby ausüben, oder Sport machen sein, um nur ein paar Beispiele aus den vorbereiteten Tasks zu nennen. Natürlich kann man auch selbst Aufgaben hinzufügen. Eine Aufgabe enthält, neben ihrer Beschreibung, einen Zeitplan wann und wie oft sie auszuführen ist. Und so zeigt und erinnert einen Productive dann für dahin an die kleinen lästigen Dinge, die man immer vergisst.

Als Erfolge werden im Gamification-Anteil sowohl hintereinander, also regelmäßig ausgeführte Tasks hervorgehoben, als auch die perfekten Tage ausgezeichnet, also jene, an denen man alle Aufgaben geschafft hat.

Entgegen den Eingangs genannten To-do-Listen, hilft mir Productive ganz gut Dinge zu tun, die ich sonst garantiert vergesse: bspw. das ich im Büro auch noch etwas anderes als Kaffee trinken muss. Wäsche waschen bevor der Wäscheberg bis zur Decke wächst ist auch so ein Ding, das gerne hinter dem abendlichen Netflixen zurück gestellt wurde. Und als ich ein paar Wochen regelmäßig Medikamente nehmen musste, hat das mit Produktive gut geklappt. Einfach mal kostenlos testen…

Foto von Oliver Thomas Klein.

10 Jahre iPhone war gestern

„Harzigen Glühstrumpf“ nachträglich, wie man in jenen Tagen noch manchmal schrob im Jahr des falsch gebildeten Präteritums: 2007.

Als das iPhone endlich auf dem Markt kam, hatte ich schon so viele falsche Ankündigungen darüber gehört, das Apple ins Telefongeschäft einsteigen wollen würde (tun getan), dass ich es schlicht nicht geglaubt habe, bis Steve Jobs es auf der Bühne verkündete. Ein bewegender Moment, wahrlich.

Und ich war direkt begeistert, denn was Jobs da präsentierte hatte ja mit dem heutige iPhone bzw. seinem nervigen Appstore-Ökosystem drumherum nichts zu tun. Stattdessen war die Original-Idee ja, voll auf Web-Apps zu setzen, der Browser als App-Plattform, genial. Wer würde das heute glauben?! Aber auch irgendwie nicht ganz so vorausschauend, wie man den guten Steve sonst kannte:

According to Jobs, it was an issue of security. “You don’t want your phone to be an open platform,” he told me. “You don’t want it to not work because one three apps you loaded that morning screwed it up. Cingular doesn’t want to see their West Coast network go down because of some app. This thing is more like an iPod than it is a computer in that sense.” 1

Daran und das die Zukunft im Web und vor allem in Webapps liegen würde, habe ich wirklich geglaubt. Erst als ich sah, wie die Leute auf Apple spätere Veröffentlichung des iOS SDK und den App Store abgingen, habe ich mich davon verabschiedet (jedenfalls zeitweise).

Wäre sicherlich interessant zu sehen, wie unsere Webentwickler-Welt aussähe, wenn Apple dabei geblieben wäre und nie einen App Store eröffnet hätte. 😉

Bild: Bill Patterson licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Alexa: geh sterben!

Es klingt wie eine Story aus einer Stand-Up-Comedy, bestenfalls wie eine schlecht gemachte Fake-News von Russia Today, oder ein Witz der unter Sysadmins herumgeirct wird: Nachrichtensprecher löst reihenweise Bestellungen von Puppenhäusern aus. Ich bin geneigt einen Podcast zu produzieren, der bei Amazon Echo Kunden Ware im Gegenwert des Bruttosozialprodukts von vier Saarlands bestellt. Warum? Weil es geht! Die dämliche Alexa reagiert offenbar auf alles gesagte und anders als wenn man „Siri“ in sein Telefon säuselt, alles was in einem Raum gesagt wird, eben auch vom Fernseher. Ich sehe vor mir, wie gewitzte Menschen „echo-targeting“ in Fernsehwerbung machen und sich mit nächtlichen Spot-Ausstrahlungen vor dem TV eingeschlafene Echo-Besitzer mindestens ruinieren, wenn nicht ausnehmen.

Das ist aber natürlich nicht nur eine News-Story zum Schmunzeln Kaputtlachen, sondern beweist einmal mehr, wie ausgereift der ganze Homeautomationskram mittlerweile ist. Nämlich gar nicht, oder soweit, dass er einem zwar Schmerzen bereiten kann, ohne sicher zu sein. Ich traue solchen Vollzeitüberwachungsgeräten wie Amazon Echo ja sowieso nur so weit wie ich es werfen kann, aber offenbar gibt es Horden von very first adoptern, die dafür Schlange stehen und hoffen, dass sich die frühen Probleme im Laufe der Entwicklung dann schnell geben werden und danach Amazon das Bankkonto abräumt und nicht mehr irgendein Spammer oder jemand, der von draußen vor dem Haus ins Netz eingebrochen ist. Letzterer räumt dann wahrscheinlich auch nicht nur das Konto ab, sondern auch gleich die ganze Wohnung, weil er Alexa sanft ins Ohr flüstern kann: „Alexa! open the front door!“

Die neuen MacBook Pro

Apple stellt nach einer gefühlten Ewigkeit neue MacBook Pro vor. Die Welt versinkt in einem Shitstorm ungeahnten Ausmaßes. Steve Jobs dreht sich in seinem Grab mit Höchstgeschwindigkeit. Das Leben geht weiter.

Ach, das macht ja immer einen Riesenspaß, auf Apple einzudreschen. Daraus kann man ein echtes Hobby machen. Man muss nicht mal einen Apple-Rechner dazu besitzen, ich kenne eingefleischte Linux-Nutzer, die sich darüber ereifern können, was Apple aktuell mit dem Mac Pro gerade nicht macht, ohne jemals einen gesehen zu haben. Besser geht es allerdings als Apple-Nutzer, wo man selbst Opfer wird der vielen kleinen Fehler, die einem so begegnen beim powerusing. Das ist natürlich immer Jammern auf sehr hohem Niveau, vor allem wenn man sich wie ich, noch an Zeiten erinnern kann, wo man Windows XP oder gar ältere Versionen nutzen musste, wir hatten ja nichts damals.

Aber so ist die Stimmung. Nicht erst seit Steve Jobs zum Masterkontrollprogramm gerufen wurde, schon davor zeigte sich, Apple hat eine große und immer größer werdende Schar sehr treuer Fans. Und Fan sein hat immer etwas mit Fanatismus zu tun. Und da liegt die Krux. Fanatikern kann man es nicht recht machen. Ich kenne das, bin ja selbst einer.

Möglicherweise hat Apple gerade bewiesen, dass sie keine Ahnung haben, wer ihre Laptops nutzen soll. Der ganze Shitstorm über die nötigen Adapter, die fehlende Escape-Taste und den nicht ausbaubaren Speicher scheint das zu beweisen. Und ja, die Leute sind ungeduldig, denn seit vier Jahren ist das MacBook Pro nicht upgedatet worden. Und die Leute wollen, das was passiert.

Aber, man kann das auch anders sehen. Beispielsweise ist das vier Jahre alte MachBook Pro immer noch ein unglaublicher Rechner, den man heute noch genauso einsetzen kann, wie vor vier Jahren, SSD vorausgesetzt. Da gibt es eigentlich wenig zu meckern, außer vielleicht, das wir heute, anders als vor vier Jahren gigantische Entwicklungsumgebungen mit einer Phalanx virtuelle Maschinen lokal auf Entwicklungsrechnern laufen lassen und uns nun wüschen, Apple würde uns für diesen Wahnsinn mehr Power spendieren. Es hat sich in diesen vier Jahren in Sachen Prozessorleistung gar nicht soviel getan. Und wen interessiert eigentlich noch die Gigahertz-Zahl?

Ja und Adapter schleppe ich ja auch heute zuhauf mit mir herum, ich habe dafür extra einen kleinen Mesh-Beutel im Rucksack. Das war im Grunde schon immer so, wenn man den Macrechner mit der PC-Welt da draußen koppeln wollte, oder mit alter Hardware. Bleibt der noch der Rant über die Escape-Taste. Die ist ja nicht wirklich weg, sondern nur nicht mehr als Hardware vorhanden. Das kann eigentlich nur Vim-Nutzer interessieren und dann auch nur, wenn ihr Terminalprogramm diese dann nicht an der richtigen Stelle der Touch Bar zur Verfügung stellt, zusammen mit ein paar prima Shortcuts, die man sich eh nie merken konnte vielleicht?

Ach ja: die Touch Bar. Ohne sie je ausprobiert zu haben, ranten die Massen darüber, als hätte man Steve Jobs ans Kreuz genagelt. Also ich will das ehrlich gesagt erstmal sehen und ausprobieren. Und etwas warten, was die von mir hochgeschätzten Entwickler meiner geliebten Standardprogramme damit anstellen. Der Blödsinn der die letzten Tage zusammengememet wurde wird es jedenfalls nicht sein. Und, hey, ich bin immer noch Schlafzimmer-DJ genug: natürlich hat mir die Demo auch gefallen. 😉

Apple macht aber auch wieder viel Quatsch. Ich empfinde beispielsweise die Preise der neuen MBPs als ziemliche Frechheit. Und den Schlingerkurs um den Kopfhöreranschluss verstehe wer will, ausser das bei Apple jemand glaubt, man habe unterschiedliche Kopfhörer für iPhone und Laptop. Da muss man sich schon fragen, ob sich iPhone- und MBP-Team auf dem Apple-Campus aus dem Weg gehen? Und ja: Tim Cook ist ein Langweiler, stimmt.

Aaaaaaber: liebe Gemeinde! Erzählt mir doch bitte jetzt nicht, ihr wolltet alle zu Windows (zurück) wechseln. Das soll wohl ein Witz sein!

Bild: Tim Gouw auf Unsplash.