Stand der Entwicklung

Mit viel Freude und etwas Verwunderung habe ich diesen RĂŒckblick auf die Webentwicklung 2017 gelesen. Eine gute Gelegenheit sich ĂŒber die jĂŒngeren Entwicklungen und die Zukunft ein wenig Gedanken zu machen. Ich kann schon mal sagen: Leute, das wird ja richtig scheiße.

2017 wird wohl als das Jahr in die Geschichte eingehen, in der Facebook auch die Webentwicklung ĂŒbernommen hat. React und sein Ökosystem hat quasi alles assimiliert, was nicht bei drei auf dem Baum war. Das fasziniert mich ebenso wie jeden anderen interessierten Frontendler, schockiert mich aber auch im selben Maße. Denn obwohl React an vielen Stellen das richtige Tool am richtigen Ort sein kann, hat seine PopularitĂ€t doch dafĂŒr gesorgt, dass es inzwischen fĂŒr praktisch alles eingesetzt wird. Projektmanager und Produktentwickler beauftragen die Entwicklung von React-Apps ohne auch nur eine Ahnung vom use case zu haben. Alles wird umgebogen und zu Recht gelogen, damit aus einer simplem Website eine React-App wird und auf dem Weg gehen information architecture, findability, Webstandards und ZugĂ€nglichkeit sterben. Das muss natĂŒrlich nicht so sein, wird es aber all zu oft werden, dieser Art hype habe ich nun schon oft genug erlebt und leider auch mitgemacht.

Ich verstehe das gut. Wir Frontender wir wollen schließlich auch mal den Ton angeben. Wir sind ja auch irgendwo eingezwĂ€ngt zwischen Managern, Stakeholdern und Backendern, die sich alle vorbehalten, dass man ihnen nicht ins GeschĂ€ft quatscht, wĂ€hrend sie natĂŒrlich eine sehr fundierte Meinung zum Thema Frontend haben. Da ist React die Lösung, das unentdeckte Land, wo Milch und Honig fliessen, und der Neffe vom Scheffe keinen Zutritt hat (HTML kann er aber immer noch besser als ihr, also der Neffe). Wie Kollege Ron eben sagt: „das Nerdfeeling der frĂŒhen Tage kehrt zurĂŒck“.

Ich beschwere mich kaum, dass die ganze HemdsĂ€rmeligkeit der GrĂŒnderjahre einer gewissen ProfessionalitĂ€t gewichen ist, im Gegenteil! Ich hoffe ich habe genau dazu etwas beigetragen. Nur habe ich zeitweise das GefĂŒhl, alle wĂŒrden mit einem irren Tempo am Ziel vorbei in den Zuschauerraum laufen. Hey, ES6/7/next, call me names, Babel, webpack, parcel, node, npm, nein yarn, nein npm
 das Ecosystem ist nicht gewachsen, es ist explodiert. Und statt Wachstumsschmerzen haben wir Phantomschmerzen von den abgesprengten Gliedmaßen, wie beispielsweise grunt, das ja eigentlich noch ganz gut funktioniert, wie ich hier am Adventskalender erprobt habe. Selten habe Leute so schnell auf frische unerprobte Software wechseln sehen, wie im letzten Jahr. Und wie oft habe ich dabei uncool gewirkt, mit meiner Forderung nach einer abgehangenen Buildchain. Alter, let’s break it! So sitze ich nun hin und wieder stundenweise daran, meinen Zoo aus npm-Skripten und node_modules zu debuggen, weil es ein Update in npm gab. Zugegeben, die Liveseite geht in dieser Zeit nicht kaputt
 aber falls dort schon etwas kaputt ist, kann es gerade niemand reparieren.

The CSS battle rages as we figure out the best way to handle styles in component-based applications.

2018 steht die KlĂ€rung der Frage an, ob CSS denn nun wirklich in Javascript gehört, oder vielleicht umgekehrt?! Und das diese Frage ĂŒberhaupt aufgeworfen wird, macht mir irgendwie Sorgen. Ich weiß, wenn man erstmal drin ist im Komponentenschmieden, dann hat man schnell die guten VorsĂ€tze der letzten Jahre ĂŒber Bord geworfen. Die alten Regeln von seperation of concerns will ich da gar nicht heraus holen. Ich hab halt eine Scheißangst, dass wir in fĂŒnf Jahren nur noch durchgedrehte Reactprogrammierer gibt, die mit minimaler Aufmerksamkeitsspanne daherkommen und nicht der leisesten Ahnung von Dingen wie a11y oder der Kaskade haben. Ihr Irren ihr!!!

HĂ€ngengeblieben

Ich möchte wetten, es ist musikgeschichtlich viel passiert seit den ausgehenden 90er Jahren, allein es interessiert mich beinahe gar nicht. Meine GĂŒte was habe ich meine Eltern fĂŒr Deppen gehalten mit ihren Beatles-Platten und dem Elvis-Starschnitt, nun hĂ€nge ich selbst seit durchgĂ€ngig mehr als zwei Jahrzehnten der immer gleichen Musik an. Ich nenne es ja elektronische Musik, das oben zitierte Ehepaar in den besten Jahren wĂŒrde es wahrscheinlich Techno nennen. Wobei sich das natĂŒrlich breiter fĂ€chert, in Techno, House, Minimal, Deephouse, Deeptechno, Cologne, Trip Hop, Drum & Bass, Speedgarage, Ambient, Techhouse, Technohouse, Chicago, Detroit, Electro
 liebe ich alles heiß und innig.

Wie blöd muss man sein? Die ganzen tollen Trends: Britpop, Alternative und Indie, Hamburger Schule, Hip Hop, den ganzen Dreck habe ich bis auf wenige Ausnahmen (Dead Can Dance, Placebo, David Bowie) komplett ignoriert. Ja, da habe ich bestimmt viel verpasst, aber ich bin eben ignorant genug, dass mir das komplett egal ist.

Und von wegen Teil einer Jugendbewegung sein, ey Leute, verkriecht euch mal. Ich glaube nicht, dass es je eine spannendere Jugendbewegung als Techno und House gegeben hat, hier in good ol’ Germany. Wenn der Fall der Mauer zu irgendetwas gut gewesen ist, dann dafĂŒr. Das kann man natĂŒrlich nur nachempfinden, wenn man den Potsdamer Platz noch als TrĂŒmmerfeld kennt. Mit dem Tresor darunter.

Um euch also endgĂŒltig auf den Sack zu gehen mit meiner altmodischen Musik, habe ich gestern die Nacht durchgemacht und so richtig alte Schinken zusammengestellt, so richtig mit Geblubber und Geballer bei 133bpm. Es geht los mit der allerersten Technoscheibe, die ich mir gekauft habe. Ja, so war das damals
 Eine Anmerkung zum Mix, obwohl irgendwie digital (mit dem iPad) ist der Stil doch eher euphorisch als genau
 also viel Spaß damit.

Die Polizei

Foto: Bestimmte Rechte vorbehalten von m.a.r.c.

Gerade in aller Munde, respektive Timeline: unsere Freunde und Helfer. Einerseits großer Skandal in Sachsen, wo sich das Spezialeinsatzkommando „Krone“ quasi aus Versehen als so eine Art Wehrsportgruppe outete, jedenfalls was Bewaffnung und corporate identity angeht. Ob das Wappen auf den Sportsitzen des Polizeipanzers Survivor R nun revisionistischen, rechtskonservativen oder rechtsextremen Inhalts ist oder all das nicht, oder ob es vielleicht eine ganz andere ErklĂ€rung gibt, scheißegal! Ich erwarte von einer Polizeieinheit eines demokratischen Rechtsstaates, dass es aber auch nicht den kleinsten Anschein undemokratischen Denkens gibt. Beim sĂ€chsischen SEK wissen wir nun schon lĂ€nger, dass hier genau das Gegenteil zutrifft. Die Sachsen selbst sehen hier aber nur bedauernswerte EinzelfĂ€lle.

Viel interessanter ist meiner Meinung aber auch die Frage: wozu braucht das SEK aus Sachsen zwei Panzer? Vorgeblich zur Terrorabwehr angeschafft, wird es wohl nicht lange dauern, bis man die Panzer auch im Einsatz auf Großdemonstrationen sehen wird. Schließlich waren es auch die Sachsen, die mit Gummigeschossen wĂ€hrend der G20-Randale um sich schossen. Ebenso illegal wie ungeahndet. Und so ein Panzer ist natĂŒrlich genau das richtige Instrument, wenn man vom Dach eines Hauses mit (bis heute nicht nachgewiesenen) Paletten und Holzlatten beworfen wird. Statt Gummigeschossen schießt der Survivor R jedoch nur Nebel- und Reizgasgranaten, um auf das linke Gesocks wirklich ballern zu können, mĂŒssen die Beamten immer noch aussteigen.

Apropos Hamburg. Hier wird immer noch vehement versucht, die MĂ€r von der gewaltlosen Polizei durch polizeilichen Aktionismus zu verteidigen, obwohl sie doch ganz offensichtlich auf verlorenem Posten steht. In einer bisher beispiellosen Aktion hat die Hamburger Justiz die Freiheitsrechte von 104 Menschen eingeschrĂ€nkt, damit diese zur Öffentlichkeitsfahndung ausgeschrieben werden können. Und die Lokalpresse, im August schon fleißig Mitautor des G-20-MĂ€rchens, ist wieder voll dabei. Wie damals im deutschen Herbst, fehlt nur noch der Hinweis: Vorsicht Schusswaffengebrauch!

Es bleibt einem kaum etwas anderes ĂŒbrig, als sich zu fragen, warum bspw. im Falle des NSU nicht soviel Ehrgeiz und Elan an den Tag gelegt wurde. Auf dem rechten Auge blind zu sein, ist ein uralter Vorwurf gegen Justiz und Polizei, aber es gilt scheinbar noch heute.

Menschen 2017

Meine Damen und Herren, es freut mich, dass wir wieder so zahlreich erschienen sind, um den diesjĂ€hrigen „Menschen, die das miese Leben noch beschissener machen 2017“-Preis zu verleihen. Ich verlese die PreisempfĂ€nger in loser Reihenfolge, einen Pokal gibt es bekanntlich nicht, wir können die Gewinner nur im nĂ€chsten Jahr mit Missachtung strafen. And the winners are


  • Die Frau, die im Zug in der Reihe hinter dir einen Hustenanfall nach dem anderen hat und in wenigen Sekunden wahrscheinlich an einem Lungenödem sterben wird, nicht ohne dich vorher von oben bis unten mit ihren tödlichen Keimen zu infizieren, nur um dann am nĂ€chsten Bahnhof auszusteigen und sich direkt eine Kippe anzuzĂŒnden.
  • Der Typ, der auf dem mit Schlaglöchern ĂŒbersĂ€ten und immer vollen Park&Ride-Parkplatz in meinem aktuellen Heimatort immer, immer, immer zwei ParkplĂ€tze einnimmt, damit er schön elegant aus seiner Karre aussteigen kann. Dieser Kandidat ist nun dreimal nacheinander gewĂ€hlt worden, bitte nicht wieder wĂ€hlen.
  • Bianca, die jeden Tag als #Adventskalender ein Foto einer anderen Ausgabe meiner LieblingsschokoladenspezialitĂ€t postet, obwohl ich gerade auf strengster DiĂ€t aka. ErnĂ€hrungsumstellung bin. 😉
  • Das bestĂ€ndig wachsende Heer von SUV-Fahrern, die mit ihren Drecksschleudern die Welt verpesten, das Klima vergiften und die Straßen noch mehr verstopfen, als sie eh schon verstopft sind. Einen Sonderpreis fĂŒr die Helikoptereltern, die mit ihrem Porsche Cayenne drei Kinder umgefahren haben, wĂ€hrend sie ihre eigenen vor der Schule ablieferten. Man muss ja so aufpassen heutzutage.
  • Ein Sonderpreis fĂŒr sein Lebenswerk geht an den Typen, der den Pfandautomaten erfunden hat! Was war schlimm daran, als man seinen Pfand noch in Kisten sortiert bei echten, denkenden und sprechenden Menschen abgeben durfte? Man schon den Kasten rĂŒber, bekam etwas Geld und fertig. Keiner hat darauf bestanden, die Flaschen einzeln und bis zu 10mal durch einen Scanner zu schieben. Es war ja nicht alles besser frĂŒher, das aber auf jeden Fall.
  • Die Werbekampagne „Mache Facebook zu deinem Facebook“, weil sie es geschafft hat, dass ich sie wochenlang fĂŒr eine Kampagne der deutschen DatenschĂŒtzer gehalten habe.
  • Donald Trump. Bitte ebenfalls nicht wieder wĂ€hlen.
  • Die. Deutsche. Bahn.

Bahn verspricht Besserung

Wenn ich zu einer meiner weinerlichen Beschwerden ĂŒber das Pendeln mit der Bahn ansetze, erzĂ€hlen mir in Hamburg wohnende Kollegen gerne, dass sie ja auch eine halbe Stunde mit der S-Bahn fahren mĂŒssten, und außerdem ist ihre Miete dreimal so hoch sei und sowieso jammerte ich auf hohem Niveau. Das mag ja sein! Ist aber auch irgendwie eine Herausforderung.

Die Belange seiner Kunden mit FĂŒĂŸen treten

Was mich ĂŒber die Jahre vor der Abstumpfung bewahrt hat und mich immer noch meckern lĂ€sst, ist dass ich seit nunmehr mehr als 12 Jahren tĂ€glicher Kunde eines Unternehmens bin, das durch seine Monopolstellung, wirtschaftliche Fehlplanung, ĂŒberhebliche GeschĂ€ftsfĂŒhrung und katastrophal schlechte Ausbildung die Belange seiner Kunden mit FĂŒĂŸen tritt und mir dabei gleichzeitig ins Gesicht spuckt und lĂ€chelt und mich anschnauzt, dann solle ich doch mit dem Auto fahren, an der nĂ€chste Ecke stĂŒnde schon der nĂ€chste Idiot um meinen Platz einzunehmen. So ein Verhalten macht mich irgendwie nervös, einerseits aus dem persönlich beleidigt sein heraus, anderseits weil ich schlechte User-Experience hasse wie die Pest.

In jedem durchschnittlichen Restaurant bin ich nach 5 Minuten wieder draußen, wĂŒrde mich ein Kellner so behandeln, wie es nur ein Zugbegleiter der deutschen Bahn vermag. Jedes Kino wĂŒrde ich lauthals motzend wieder verlassen, wĂŒrde man es wegen „Verzögerungen im Betriebsablauf“ ĂŒber mehrere Stunden nicht hinbekommen, den angekĂŒndigten Film zu zeigen. Oder wenn sich mitten im Film ein ĂŒbel riechender Mensch mit einem MĂŒllsack durch die Reihen drĂ€ngeln wĂŒrde, der die MĂŒlleimer und „Aschenbecher“ ausleert. WĂŒrde mir ein Autovermieter einen derart kaputten Wagen hinstellen, bei dem sich nur eine EingangstĂŒr öffnen lĂ€sst und der gerade auch nicht schneller als 80 fahren kann, ich wĂŒrde die SchlĂŒssel einfach wieder zurĂŒck geben.

Bahn lÀsst Kunden und Mitarbeiter im Stich

Jedoch, gezwungen durch einen anachronistischen Auswuchs der unehelichen Nachgeburt deutschen Planungssozialismus, bin ich gezwungen, jeden Tag wieder all diese Dinge hinzunehmen. Im Gegenteil, ich bezahle noch einen erheblichen Betrag dafĂŒr. In einem StreitgesprĂ€ch wĂ€hrend des letzten Streiks hat mir mal ein „Schaffner“ erzĂ€hlt, das sei allerdings noch viel zu wenig und ich mĂŒsse mich deswegen ĂŒber schlechten Service nicht wundern. Man mag dem Mann zu Gute halten, dass er am Ende der Nahrungskette mit direktem Kundenkontakt leben muss, was in der Bahnhierarchie mit Sicherheit verpönt ist und ebenso natĂŒrlich kein Zuckerschlecken obendrein. Ich behaupte zu Ereignissen wie den letzten beiden Sturmtiefs lĂ€sst die Bahn nicht nur ihre Kunden im Stich, sondern auch ihre Angestellten an vorderster Front im Regen stehen.

In solchen Momenten allerdings verstehe ich aber auch meine werten Mitleidenden nicht so wirklich. In TV-Interviews habe ich mehrmals Beschwerden gehört, dass sich Menschen mehrere Stunden an der Info im Hamburger Hauptbahnhof angestellt haben um dann nichts zu erfahren. Wer aber so blöd ist, sich da so lange anzustellen, anstatt seine RĂŒckreise selbst in die Hand zu nehmen, dem ist auch wirklich nur sehr schwer zu helfen. Diese unglaubliche GutglĂ€ubigkeit ist schon etwas fahrlĂ€ssig und der uneingeschrĂ€nkte Obrigkeitsglaube erschreckend. Wer heute noch glaubt: das werden die uns nicht antun, der kennt die Bahn einfach nicht.

Aber die Bahn verspricht Besserung

Zum diesjĂ€hrigen Fahrplanwechsel hat sich die Bahn wieder mal richtig mit Schwung in die Nesseln gesetzt. Die neuen PlĂ€ne wollten nicht so ganz aufgehen, und pĂŒnktlich zur turnusmĂ€ĂŸigen Fahrpreiserhöhung, ging auf deutschen Bahnstrecken mal wieder das Übliche, nĂ€mlich gar nichts. Die neue ICE-Schnellverbindung war weder schnell, noch verbindend, viele ZĂŒge waren fĂŒr die komplett automatisierte Strecke nicht richtig konfiguriert worden und traten ganz automatisch auf die Notbremse. Und dann gab und gibt es ja auch schon wieder dieses völlig ĂŒberraschende Winterwetter.

Aber die Bahn verspricht Besserung. Fernverkehrs-Chefin Birgit Bohle „entschuldigte sich ausdrĂŒcklich bei den Kunden und versprach, bis zum Wochenende sollten die ZĂŒge wieder ‚weitgehend einsatzbereit’ sein. Ziel sei, dass die Reisenden an Weihnachten zuverlĂ€ssig ans Ziel kĂ€men.“ Moment mal, das kommt mir bekannt vor
 2015: Jeder vierte Fernzug unpĂŒnktlich – Bahn verspricht Besserung, 2013: Bahn-Chef verspricht Besserung, 2010: Bahn verspricht Besserung, usw. usw. usw. Da glaube ich persönlich nun schon lange nicht mehr dran. Und jetzt nehme ich wieder den ICE Richtung Berlin.

Browser considered harmful

Ich bin ja gerade erst zu Firefox zurĂŒck gewechselt, da bricht Panik aus in der Fangemeinde um den kleinen Fuchs. WĂ€hrend sich vor allem Puristen ĂŒber die hardgecodete Verdongelung mit dem Bookmarking- und Lesedienst Pocket aufgeregt haben, ist die Marketingabteilung bei Mozilla nun kĂŒrzlich in ein FettnĂ€pfchen grĂ¶ĂŸeren Maßes getreten: als Werbegag fĂŒr TV-Serie „Mr. Robot“ wurde ein Plugin in den Browser geladen, ohne dass der Nutzer davon etwas mitbekommen sollte und ohne das vollends klar war, was dieses Plugin tun wĂŒrde. Inzwischen hat Mozilla zwar abgewiegelt und als Reaktion auf die Kritik, das automatische in ein downloadbares Plugin verwandelt, doch trotzdem, man muss sich fragen: sagt mal geht’s noch?

Mozilla verfolgt eine Mission, das Internet zu pflegen und gesundzuerhalten. Machen Sie mit! Mozilla: Zustand des Internets

Ich wollte, als die neue Firefoxversion „Quantum“ herauskam, mal zu schauen, ob mit erhöhter Geschwindigkeit der kleine Fuchs wieder als Entwicklungsbrowser fĂŒr mich taugt. Chrome war lange Zeit zumindest fĂŒr viele Webentwickler die erste Wahl, allerdings immer mit ZĂ€hneknirschen, da man ja weiß, dass es letztlich eine große Datensammelmaschine fĂŒr Google ist. Und kaum bin ich zurĂŒck beim „letzten unabhĂ€ngigen Browser“, dreht man dort am Rad und leistet sich einen solchen Fehltritt.

Dabei ist jetzt erstmal gar nicht so wichtig, dass das Mr. Robot Plugin keine Daten sammelt, sondern wie es auf den Browser gekommen ist, nĂ€mlich heimlich. Es herrscht der Eindruck vor, dass man es in der Pluginliste sehen konnte, war eher ein Bug als ein Feature, es sollte also ganz heimlich kommen. Da ist es ja schon fast logisch, dass ein Update das vom Nutzer ausgeschaltete Plugin direkt wieder aktivierte. Ha! Und das alles auch noch zu Werbezwecken fĂŒr das von mir so geliebte „Mr. Robot“. Schauder.

Das Internet bleibt nur gesund, wenn wir auf seine Sicherheit vertrauen – zum Entdecken, Austauschen, Verbinden und Entwickeln. Unsere PrivatsphĂ€re und Sicherheit im Internet werden stĂ€ndig bedroht. Aber wir können etwas dagegen tun: Informieren Sie sich, schĂŒtzen Sie sich und verschaffen Sie Ihrer Stimme Gehör. Mozilla: Ein gesundes Internet ist sicher und wahrt die PrivatsphĂ€re

Wer entscheidet sowas in den Mozilla FĂŒhrungsebenen und warum kann er das so machen? Und was kommt als nĂ€chstes? Und werden wir das dann merken? Was wir aber gerade zur Kenntnis nehmen mĂŒssen ist folgende, brettharte Erkenntnis: als privacysensibler Browsernutzer hat man gar keine Alternative zu Firefox. Bereits auf Hackernews diskutierte Boykottaufrufe, sind praktisch unsinnig. Einen Browser herzustellen ist kein Pappenstiel, ihn aber gegen SicherheitslĂŒcken zu sichern ist eine Mammutaufgabe, denen die zahlreichen Forks nicht gewachsen sein können. Und zu Chrome wechseln wĂ€re irgendwie wiedersinnig, siehe oben. Allein Mac- und Windowsnutzer könnten vielleicht ihrem Betriebssystemhersteller vertrauen und Safari oder Edge nutzen, aber
 nicht doch.

Ach toll, das Internet wird wirklich immer besch


Weihnachten bei den Griswolds

Tja, die Sache mit der Weihnachtsgratifikation. Kann mir gut vorstellen, wie der arme Clark Grisworld heute reagieren wĂŒrde, wo in den Firmen weltweit zwar einerseits Rekordgewinne gefeiert, andererseits aber mit dem Hinweis, dass die Krise ja nun vor der TĂŒr stehe, die Boni der Manager zwar erhöht, die der Belegschaft aber gestrichen werden. Solcherlei Gesellschaftskritik lag National Lampoon’s Christmas Vacation aka. Schöne Bescherung natĂŒrlich fern.

Hermes Paketdienst

Blicken wir eingangs kurz zurĂŒck in die gute alte Zeit: zu Weihnachten verschickte man Pakete, ein bis zehn StĂŒck, an die nahen Verwandten, am besten auch noch jene in der Zone, der Rest bekam Postkarten. Die staatseigene Post fĂŒhrte dies in den allermeisten FĂ€llen termingerecht aus und nach Weihnachten legten sich dann alle wieder schlafen. Erhöhtes Paketaufkommen gab es also auch schon in den 60ern, 70ern und 80ern. Im Gegensatz zur Briefbeförderung, war die Paketzustellung der Teil der Postaufgaben, der Gewinne brachte. Deswegen machte die Post auch immer krĂ€ftig Werbung dafĂŒr, an Weihnachten Pakete bzw. PĂ€ckchen zu verschicken. Heute hat das alles natĂŒrlich ganz andere Dimensionen angenommen.

Heutzutage ist die Lage etwas anders: statt der staatseigenen Post werkeln nun eine nicht limitierte Zahl von Paketdiensten, die das ehemalige FiletstĂŒck des Postdienstes unter sich aufteilen. Und die Menschen schicken sich nicht mehr gegenseitig Pakete, sondern bestellen Waren bei OnlinehĂ€ndlern, namentlich bei Amazon. Viel mehr Pakete werden so verschickt heute, der Markt ist ordentlich gewachsen, genau deswegen. Und die Paketdienste nahmen und nehmen das Geld dafĂŒr gerne. Weihnachten ist auch fĂŒr die Paketdienste heute die Zeit mit der meisten Arbeit und den höchsten Gewinnraten, der Rest des Jahres lĂ€uft aber auch nicht schlecht, verlagert sich doch immer mehr Handel in das Internet, leider hauptsĂ€chlich zu Amazon.

Doch da, da kriselt es in der Werkstatt des Weihnachtsmannes. Frank Rausch, CEO des Hermes Versand, rauscht durch die Gazetten und Kommentarspalten und klagt die unglaubliche SelbstbedienungsmentalitĂ€t der HĂ€ndler und Kunden an: die HĂ€ndler hĂ€tten eine Null-Versandkosten-MentalitĂ€t etabliert und der Kunde wolle seine Ware auf dem Sofa bestellen und auch an das Sofa geliefert bekommen. Dabei wĂ€re Lieferung an einen Paketshop doch viel gĂŒnstiger. Was bilden die sich eigentlich heutzutage alles ein?!

Lieber Herr Rausch,
zunĂ€chst mal sei ihnen mitgeteilt, von allen Paketdiensten, die so an meine HaustĂŒr liefern—und das sind ein paar—ist Hermes sowieso der denkbar Schlechteste. Kommt irgendwann, die Paketverfolgung ist ein Witz und einer ihrer hoch kompetenten Lieferanten hat es sogar einmal geschafft, ein Paket direkt im PapiermĂŒlleimer zu hinterlegen. Davon abgesehen ist ihr Paketshop bei uns eine ekelige Spelunke, in die ich ohne Not niemals einen Fuß setzen wĂŒrde. Und in meiner alten Wohngegend war es ein Militaria- und Armyshop, da konnte man seine PĂ€ckchen nur mit gezogenem CS-Gas abholen, wenn man nicht gewillt war beim Betreten des Ladens ordentlich den alten Fritze Hitler zu grĂŒĂŸen. Aber das wissen Sie natĂŒrlich. Und darum geht es Ihnen natĂŒrlich auch nicht.

Stattdessen befinden Sie sich wohl gerade in einer dieser Wachstumsphasen, in der man wieder in neue Mitarbeiter investieren mĂŒsste und weil sie das Heer der Tagelöhner und Prekarier ja schon seit Jahren ausbeuten, geht es nicht ohne langfristige Personalaufstockungen. Vielleicht muss auch die KapazitĂ€t eines oder mehrerer Paketverteilzentren ausgebaut werden? Immer diese Dinge, die Geld kosten. Das schmĂ€lert natĂŒrlich den Gewinn, also ihre Bilanz, und die wollten Sie doch so gerne dem Vorstand oder der AktionĂ€rsversammlung vorlegen. Da macht es sich doch auch viel besser, wenn Sie es schaffen, eine letzte Meile zum Kunden zu definieren, die der Kunde dann nochmal zusĂ€tzlich bezahlt. Kann ihnen ja egal sein, ob das nun direkt oder ĂŒber den Verkaufspreis passiert, nur in Ihre Tasche soll sie fließen, das wĂ€re wichtig. Und in diesem Zuge können Sie dann noch ein paar Fahrer los werden.

Na dann mal frohe Weihnachten, Herr Rausch!