Tales from the Loop

Der Loop ist eine von Menschen geschaffene wissenschaftliche Einrichtung, in der die Geheimnisse des Universums erforscht werden sollen. Gleichwohl werden eben diese Geheimnisse in der Kleinstadt über dem Loop erlebbar.

Die Geschichte und die Achtziger-Ästhetik der Amazon-Produktion „Tales from the Loop“ erinnern ein wenig an „Stranger Things“ (Netflix), die Erzählstruktur abgeschlossener Folgen an „Black Mirror“ und mit Twin Peaks haben sich die Macher der Serie selbst verglichen. All die Vergleichen scheinen jedoch ins Leere zu laufen, wenn man die Serie sieht. Denn am Ende scheint vor allem die Ästhetik im Vordergrund zu stehen und die Menschen, nicht um Horror oder einen 80er-Soundtrack.

Was mich fasziniert ist, welche Rolle die Bilder von Simon Stålenhag bei der Erfindung und Umsetzung der Serie gespielt haben. Der Schwede Stålenhag war mir bisher kein Begriff und ich habe sicherheitshalber erstmal recherchiert, ob das ein Fake ist, tatsächlich aber sind seine Bilder wohl ausschlaggebend für die Serie gewesen.

Ragnarök

Ragnarök ist nicht nur die Götterdämmerung der nordischen Mythologie, oder eine schwedische Progressive-Rock-Band oder ein Metalfestival in Bayern, sondern auch der Titel einer dänischen Fernsehserie auf Netflix, die in Norwegen spielt.
Ob dieser Gemengelage und dem dringenden Wunsch der weltbesten Serienjunkie neben mir, haben sich die sechs Folgen kurzfristig auf die Watchlist geschummelt.

Nordische Mythologie nach heute verpflanzt ist ja immer so eine Sache, aber das typisch ruhige dänische Konzept und die hauptsächlich norwegischen Schauspieler, sowie die fantastische Ausstattung machen einen guten Job. Die Story hat mir insofern gut gefallen, dass sie mich ausgesprochen amüsiert und gekurzweilt hat. Man kommt so in die Serie, es passieren Dinge und nach und nach entblättert sich, wer da warum am Werke ist.

Und dann ist sie leider auch schon wieder vorbei. Ich nehme mal an, dass ich schon auf eine gewisse Art dänisch an solche Filme und Serien herangehe, deswegen würde ich nicht darauf wetten, dass die Produktion ein Hit für Netflix wird. Wäre aber schön, wenn es eine zweite Staffel gäbe…

Watchlist

Picard

Patrick Stewart

Ich bin ein bisschen vor mir selbst erschrocken.

Ich habe mich auf die erste Folge Picard wirklich gefreut. Die Freude war so groß, dass ich sie gar nicht richtig teilen konnte, zu groß die Gefahr in Gespräche verwickelt zu werden, die auf irgendeine hinterhältige Weise mir die Vorfreude hätten vergällen können. Was an sich schon eine etwas paranoide Vorstellung ist. Aber immer, wenn irgendwo das Gespräch auf „Picard“ kam in den letzten Tagen, habe ich quasi nur genickt und mich schnellstmöglich aus der Unterhaltung entfernt. Selbstredend habe ich davon abgesehen, mir Trailer, Ausschnitte, Previews oder irgendeinen anderen Fetzen Bildmaterial vorher anzusehen, oder Artikel darüber zu lesen. Und ob dieses Verhaltens, habe ich zumindest ein wenig über mich gewundert.

Bis zu dem Moment, in dem Captain Picard und Data wieder auf der Bildfläche erschienen. Herrjeh nochmal, es ist bloss eine Fernsehserie, da kann man sich doch nicht auf einem Mal wie zu Hause fühlen, Kind-Vater-Gefühle entwickeln, warme Schauer, Schmetterlinge im Bauch und tiefste Liebe in einem empfinden, Nico, verdammt nochmal, du übertreibst!

Und doch… ich bin ein bisschen vor mir erschrocken, weil mir nicht mehr bewusst war, wie wichtig mir „The Next Generation“ einst war. Und wie alt ich geworden bin. Wie Picard eben. Man möchte mit ihm auf der Terasse seines Chateau sitzen, in die Abendsonne blinzeln und Data beim Malen beobachten, aber…

Lexx – The Dark Zone

Ich bin wirklich hin- und hergerissen. Von Lexx – The Darkzone hatte ich mal in den 90ern eine Folge mit Rutger Hauer gesehen, die ungefähr so surrealistisch war, wie ich zu der Zeit breit war. Nun gibt es drei von vier Staffeln (die letzte wurde nie übersetzt, nur die ersten beiden überhaupt im sog. Free-TV gesendet) bei Amazon Prime, da hab ich mal… aber bei allem Surrealismus ist es doch streckenweise auch ziemlich albern und verkorkst und streckenweise auch sehr schlecht gealtert, irgendwie aber auch wieder kultig.

Zum Inhalt: Stanley Tweedle, der mal aus Versehen die Codes der Rebellen-Schutzschilde an die Armee „seines dunklen Schatten“ verraten hat und dadurch für die Zerstörung von 94 Reformplaneten verantwortlich ist, soll nun endgültig auf der Proteinbank aufgelöst werden, endet aber in den Wirren eines Aufstandes als Kapitän der Lexx, einem riesiegen planetenzerstörenden Raumschiff in Form einer Libelle, nein die Lexx ist eine Libelle, begeleitet von Zev (die als Ehebrecherin verurteilt wurde zur Sexsklavin umgewandelt zu werden, was aber zumindest teilweise schief ging, weil eine Clusterechse dazwischen kam), dem Roboterkopf Siebenneunzig (der unsterblich in Zev verliebt ist) und Kay, dem untoten Ex-Attentäter „seines allmächtigen Schatten“ (in den widerum Zev total verknallt ist). Zusammen entkommen sie in die Darkzone und suchen fortan ein neues zu Hause…

Die Idee der Serie ist mitnichten so schlecht, wie Ausstattung und die anfangs doch recht wirre Story zunächst vermuten lassen und irgendwie gewinnt man die vier Protagonisten auch recht schnell lieb, auch wenn sie zumindest in der ersten Staffel noch recht eindimensional daher kommen. Die Scherze sitzen leider nicht immer, vieles erscheint heute auch etwas aus der Zeit gefallen.

Die drei Staffeln sind zudem recht unterschiedlich. Die erste Staffel besteht aus vier 90-Minuten-Folgen, jeweils mit anderen Gaststars (Barry Bostwick, Tim Curry, Rutger Hauer, Malcom McDowell), wobei die komplizierte erste Folge, sowie die dritte mit Rutger Hauer die besten sind. In dieser Staffel und den ersten beiden Folgen der zweiten, wird Zev von Eva Habermann gespielt, die dann aber von Xenia Seeberg ersetzt wurde. Im Laufe dieser zweiten Staffel, in der die Folgen nur noch 45 Minuten lang sind,entwickelt sich die Geschichte weiter, wenn auch zwischendurch weiter fleissig zu Liebesplaneten, Bordell-Satelliten und Pornoraumstationen gereist wird. Die 13 Folgen der dritten Staffel… also da wird es schon sehr speziell…

Wie gesagt, ich bin hin- und hergerissen. Lexx ist irgendwas zwischen dem Anhalter und Farscape, aber eben speziell, brutal, zynisch, düster. Ein wenig zu sexbesessen, aber auch lustig. Ich sag mal so, wer es bis zur dritten Folge schafft, wird Lexx – The Dark Zone wahrscheinlich bis zum Ende schauen, bei allen anderen entschuldige ich mich schon einmal.

Chernobyl

Ich habe eine Reihe katastrophaler Ereignisse der Weltgeschichte im Kopf, die ohne Zweifel einen mehr oder minder starken Einfluss auf mein Leben hatten. 9-11 natürlich, Fukushima, das Attentat auf Uttøya und noch einige andere. Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl wird wohl das erste Ereignis auf dieser Liste sein und ich muss zugeben, ich hatte es beinahe schon verdrängt.

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Dabei weiß ich noch, dass wir Jodtabletten bekommen sollten, dann doch wieder nicht. Spielen im Freien war irgendwie gefährlich, ebenso Nüsse aus dem Balkan, Pilze aus der Türkei. Salat wurde vernichtet, Spinat untergepflügt. Meine Eltern hatten Angst und es herrschte vor allem eins: große Verunsicherung. Denn weder konnte man irgendetwas glauben, was an Nachrichten von der UdSSR verlautbart wurde, noch das Gequatsche von Grenzwerten im Fernsehen von Beamten und Politikern für bare Münze nehmen. Ich weiß sogar noch, dass ich demonstrieren war… nur wogegen oder wofür eigentlich?

Die Fernsehserie „Chernobyl“ hat bei mir einiges wieder ins Gedächtnis gerufen, wobei Deutschland dabei allenfalls als Randnotiz vorkommt. Die Serie widmet sich eher der Darstellung der Ereignisse in und um den Block IV des KKW Tschernobyl und der Klärung der technischen Frage, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Dabei stehen die Vertuschungsversuche der Werksleitung, die Unfähigkeit des bürokratischen Apparats oder die Borniertheit des KGB im Vordergrund. Alles Faktoren, die zur Katastrophe geführt und ihr Ausmaß gewaltig gesteigert haben.

Die Frage, die mir nach der Serie bleibt ist, wäre das auch bei uns so möglich? Würde ein AKW-Betreiber der Realtität des Super-GAU so lange wie möglich wiedersprechen und dann nur Scheibchenweise zugeben, wie viel Radioaktivität bereits in die Atmosphäre gepustet wurde? Würden Politiker um den heißen Brei herumlügen um den Ruf der Atomindustrie zu retten? Würden falsche Zahlen herausgegeben, um Grenzwerte nicht zu überschreiten und das Aus aß herunter zu spielen? Die Antwort lautet in meinen Augen leider: ja. Und das ist der wahre Grund, warum ich von der Atomkraft nichts halte, weil der Mensch einerseits Fehler macht, die dabei tödlich sein können und andererseits diese Fehler niemals zugeben wird, so dass es in zweifacher Hinsicht keine Sicherheit bei dieser Art der Energiegewinnung geben kann.

Agentenpoker

Zum ersten Mal gesehen und direkt in die Liste der Lieblingsfilme aufgenommen. Produktionsjahr 1980, schon alberner Comedystreifen (die lustigen 80er, haha), aber noch so wunderbar 70er Agententhriller. Walter Matthau und Sohn, und alles ganz schaurig schlecht gealtert, sowas findet man auch nur mit Glück, in diesem Fall bei Amazon Prime.

Der alternde CIA-Agent Kendrick soll ins Archiv versetzt werden. Der spielt aber lieber Katz und Maus, früher mit den (hoch angesehenen) russischen Kollegen, dann eben jetzt mit seinem ehemaligen Arbeitgeber. Kendrick schreibt alle seine Erlebnisse als Agent in ein Buch und verschickt es kapitelweise an verschiedene Geheimdienste, die ihn natürlich gemeinsam jagen… allen voran sein „kurzbeiniger“ Bürokratenchef. Man ahnt wohin das führt.

„Hopscotch“ bedient nicht nur ein Spionagefilmklischee, sondern direkt alle. Vom dämlichen Kollegen, über die verhasste Bürokratie in Washington, den linkischen aber fairen Russen bis hin zu hochnäsigen aber hilfsbereiten Engländern ist quasi alles dabei, was zwischen einen Bourbon mit Eis und einen Vodka Martini passt. Walter Matthau spielt irgendwo zwischen Oscar Madison und John Winger und rettet den Film mehrfach vor seiner schlechten Story und kleineren Storylücken, von denen man aber auch nie so recht weiß, ob sie nicht doch zur Parodie gehören.

Bonus: Walter Matthaus Sohn David spielt in dem Film mit, und trägt den ausgeprägtesten 79er-Bullen-Schnurbart zur Schau, den man sich vorstellen kann, wirklich gleichermaßen beieindruckend, wie ekelhaft.

Paterson

Jim Jarmush über die Poesie, die Liebe und die Langsamkeit.

Paterson ist nicht nur eine Stadt in New Jersey aus der scheinbar viele bekannte Leute stammen, sondern auch der Name des Protagonisten, einem Busfahrer, der Gedichte schreibt. Der Film zeigt sieben Tage aus dem Leben jenes Busfahrers, der jeden morgen wie automatisch um zehn nach sechs erwacht, seine Cheriohs frühstückt und dann zur Arbeit läuft. Und so weiter.

Zwischendrin schreibt Paterson (gespielt von Adam Driver aka. Kylo Ren) also seine Gedichte. Eines Tages allerdings… nein, ich will jetzt nicht spoilern. Und ganz ehrlich gesagt, das hört sich dann auch schon nach mehr Action an, als es ist. Denn Paterson ist ein sehr langsamer und ruhiger Film. Ein wunderbar langsamer und ruhiger Film, ohne dabei selbst konservativ zu sein oder etwa langweilig.

Was Paterson zeigt, sind die kleinen Unwegbarkeiten des Lebens, die Rückschläge die jeden Tag passieren, nach denen man sich aber keinesfalls aufhalten lässt, sondern weiter geht auf seinem Weg, unterstützt vom Ehepartner, von Freunden und manchmal auch von Fremden. Im Gegenzug hilft man all diesen Leuten wieder über deren kleine Rückschläge. Und dann ist ja auch schon wieder ein Tag vorbei. Dieses Gefühl, das man schnell bekommt, wenn man einem regelmäßigen Job nach geht: man steht auf, geht zur Arbeit, es passieren ein, vielleicht zwei Dinge, man kehrt zurück von der Arbeit, noch kurz in die Kneipe und dann ins Bett und alles wieder von vorne, diese Gleichförmigkeit formt auch Jarmushs Film.

Ein Film für einen Sonntagabend.