Gelesen am Wochenende

U-Comix: „ComicStrips fĂŒr Erwachsene“

U-Comix habe ich frĂŒher viel gelesen. Irgendwann ich mich von Herbert Feuerstein und seinen MAD-Heften emanzipiert (ohne jemals daran gedacht zu haben, das Wort emanzipiert dafĂŒr zu nutzen, aber wir sind hier ja nicht unter uns) und da wurde mir von einem Genossen—ich stelle die gemeinsame Parteimitgliedschaft heraus um a) auf die Zeit hinzuweisen, in der das statt fand und b) anzudeuten, wie cool eine Partei in der man sich wirklich untereinander so nannte mal gewesen ist—eine ganze Sammlung U-Comix ĂŒbereignet, ĂŒbrigens am gleichen Abend als ich zum ersten Mal „Das Leben des Brian“ und „Der Sinn des Lebens“ als VHS-Doublefeature zu sehen bekam, eine sehr prĂ€gende Zeit also. Ich war sofort verliebt in die „Schwazen Gedanken“, die „Fabulous Furry Freak Brothers“, vor allem aber in die seltsam entstellten Figuren von Édika.

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Gelesen am Wochenende

  • SZ: Diese Technik ist zu gefĂ€hrlich – Überwachungskameras mit Gesichtserkennung werden verĂ€ndern, wie die Menschen sich öffentlich bewegen. Die deutsche Politik setzt nun großflĂ€chig darauf – doch die Technik gehört verboten.
  • Volksverpetzer: Diese AfD-Zitate sind echt – Auf Facebook wird eine Grafik mit einer Auflistung einiger Zitate von AfD-Mitgliedern weit verbreitet. Wir haben alle Zitate ĂŒberprĂŒft.
  • 24A11Y: Pixels vs. Relative Units in CSS: why it’s still a big deal
  • Ben kocht: Thom Ka Gai oder so Ă€hnlich 😋

Gelesen am Wochenende

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Wie Gewalt entstehen und wohin sie fĂŒhren kann

Ich hatte ja mir als einen dieser komischen VorsĂ€tze fĂŒr das neue Jahr vorgenommen, in diesem Jahr das Werk von Heinrich Böll ein wenig zu studieren. Als erstes habe ich „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (nochmal) gelesen.

Katharina B., zum zweiten Mal gelesen

Hat eigentlich jemand „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ nicht im Deutschunterricht gelesen? TatsĂ€chlich ich zum Beispiel. Ich hatte zwar zunĂ€chst in Erinnerung, es in der Schule gelesen zu haben, mir fiel dann aber kichernd ein, dass ich es tatsĂ€chlich in einem „Lesekreis“ in unserem Jugendzentrum gewissermaßen freiwillig gelesen und besprochen hatte. Ach ja, die Achtziger
 wir waren so verdammt alternativ. Der Lesekreis hat nur zwei BĂŒcher in meinem Beisein bearbeitet, neben der Blum war das noch „Theorie und Praxis der antiautoritĂ€ten Erziehung, am Beispiel Summerhill“. Sie verstehen was ich meine. Vielleicht kann man schon verstehen, warum ich immer so vergrellt auf die inzwischen konservativen Jamaika-GrĂŒnen bin und Heinrich Böll, immerhin Namensgeber der grĂŒnen Bildungs-Stiftung wĂ€re es auch.

„Sympathisant“ des Terrors?

„Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ war sicherlich in weiten Teilen der damaligen (Bonner) Republik—wir nannten das BRD, auch wir im Westen—sehr umstritten. 1972 veröffentlichte DER SPIEGEL Heinrich Bölls Artikel „Will Ulrike Gnade oder freies Geleit?“, in dem sich Böll sehr kritisch aber sachlich mit den Taten der RAF auseinandersetzte, den Sensationsjournalimus der Springer-Presse dazu aber scharf kritisierte.

Personen und Handlung dieser ErzĂ€hlung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit der â€șBildâ€č-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufĂ€llig, sondern unvermeidlich.

Böll und vor allem seine Familie wurden in der Folge bis in die Mitte der Siebziger Jahre mehrmals Opfer von Hetz- und Verleumdungskampagnen, bei denen die Springer-Presse und die Polizei eifrig zusammenarbeiteten. Unter diesem Eindruck schrieb Böll 1974 seine ErzĂ€hlung, in der die sonst unbescholtene und ĂŒber jeden Verdacht erhabene HaushĂ€lterin von der ZEITUNG und Justiz diffamiert und bloß gestellt wird und in der Folge ihre Ehre durch den Mord am Journalisten Tötges wieder herzustellen versucht.

Schnöde Rache?

Dass die Geschichte nichts als Rache wÀre wurde Böll oft unterstellt, ich halte das, auch mit dem Abstand (erst 10, dann mehr als 40 Jahre spÀter) zu jener Zeit und dem was noch folgte.

»â€șRacheâ€č ist bei â€șKatharina B.â€č nach meiner bescheidenen und möglicherweise falschen SchĂ€tzung nur zu 5-6% im Spiel, und diese Rache beruht wiederum nicht auf â€șKrĂ€nkungenâ€č meiner Person, sondern auf Einbeziehung meiner Familie bzw. deren Benutzung als Vehikel gegen mich. (Böll in einem Brief an Rudolf Augstein)

Bölls Werk dreht sich viel mehr um die Sprache, wie sie als Waffe eingesetzt werden kann und (heute noch) wird. Wie wichtig es ist, der Sprache habhaft zu werden und sie zu lenken. Der Berichterstatter, quasi Böll selbst, der seinen verschlungenen und sehr genauen Bericht als das Spiel eines Kindes bezeichnet, das im Regen spielt und zwischen PfĂŒtzen und BĂ€chen ein System aus Stauungen und KanĂ€len und Drainagen baut, ist dabei jederzeit Herr der Sprache und lenkt den Fluss an nicht endender Kommunikation, in diesem Fall, in die richtige Richtung. Doch dies geschah und geschieht bis heute viel zu selten, so dass die meisten „Stories“ die in diese Welt gesetzt werden, unaufgeklĂ€rt und die Wahrheit dahinter unaufgedeckt bleibt.

Bis heute

Am Wirken der Springer-Presse hat sich da bis heute nichts geĂ€ndert. Nach wie vor wird in großen Lettern gelogen und betrogen, enttarnen kann man die LĂŒge nur, wenn man das Drumherum analysieren, sich vom Ganzen ein Bild machen kann. Wie das funktioniert hier mal in einem schönen Beispiel aus dem BILDblog: „Bild“-Medien lassen FlĂŒchtlinge durch Deutsch-Tests fallen. Immer noch das gleiche Prinzip des völlig erlogenen/irrefĂŒhrenden Aufmachers, die wahren Kern der Geschichte erkennt man allenfalls, mit viel Anstrengung hinter der Bezahlschranke


Anmerkung zur Ausgabe: Eine schlechte Entscheidung war ĂŒbrigens, die Kindle-Version zu lesen, die in Umsetzung und Rechtschreibung des Textes höchst zweifelhaft daher kommt. Wirklich schlimm und störend


Artikelbild von JuniperPhoton auf Unsplash.