Nötigung

Vor dem Edeka in der schleswig-holsteinischen Vorstadt ist ein Wahlstand der FDP aufgebaut. Ein unfreundlicher Endvierziger im Großformat verteilt Handzettel. Jedes Mal wenn er jemanden der nicht schnell genug ausweichen kann einen Zettel in die Hand drückt, murmelt er was von „Wählen gehen“ und „FDP in den Bundestag“, mehr Argumentationshilfe hat ihm sein Wahlhelfertraining nicht mitgegeben. Alle machen ein großen Bogen um ihn.

Eine ältere Frau will keinen Handzettel, lehnt wirsch ab. Der FDP-Riese wirft ihr sein auf A5 gedrucktes Lindner-Portrait in den Einkaufswagen. „Das ist aber jetzt Nötigung!“, kreischt die Oma hysterisch. „Ihre Verbrecherpartei wähle ich sowieso nicht, eher schon die AfD.“ Da flippt der grimmige FDP-ler aus: „Dann werfen sie ihre Stimme ruhig weg, werden sie schon sehen was sie davon haben!“ Und so weiter. Noch weit im Edeka höre ich ihn pöbeln und fluchen, von Antidemokraten und immer wieder von Leuten die ihre Stimme wegwerfen.

Als ich aus dem Edeka komme steht der FDP-Mann unter seinem FDP-Sonnenschirm und trinkt ein wahrscheinlich liberales Bier. Erstmal runter kommen.

Geht mir jetzt schon auf den Keks

Diese Figur ist statisch und verfügt weder über einen Leucht-Effekt noch über einen ausklappbaren Kopf, Fühler oder Arme. In diesem Jahr steht der Androide als Superheld inmitten von einer ganzen Menge Oreo-Keksen und sticht somit aus der Masse hervor. Außerdem ist der Android in diesem Jahr aufgrund der flachen Kekse deutlich dünner als die bisherigen und ist somit keine „Tonne“ wie in der Vergangenheit. GoogleWatchBlog

Da soll nochmal jemand den Kult um Apple kritisieren.

Wir sind alle Silicon Valley

Das Silicon Valley und anliegende Dörfer sind derzeit auf dem Trichter, Gleichberechtigung von Frauen im Beruf, insbesondere in der Softwareentwicklung, zu diskutieren. Nicht ganz freiwillig allerdings, sondern weil ein (inzwischen) Ex-Google-Entwickler seine persönliche Montagsdemo in Googles Intranet abgehalten hat. Und dies in Form eines Manifests von Dummheiten, die man ja wohl noch sagen dürfe heutzutage. Dazu gab es viele zu lesen. Jeremy Keith hat das alles gut zusammengefasst.

Eine wunderbare Form mit der „Hier wird uns der Mund verboten“-Diskussion umzugehen, ist ja die Parodie als satirische Form der Auseinandersetzung. Und so lest doch auch bitte dieses Manifest eines Produktionsroboters bei Google, der sich beschwert, das immer noch Menschen bevorzugt werden, trotz der offensichtlichen Unterlegenheit:

Humans are also far more likely to “literally cannot right now.” I have never met an automaton that literally could not, though I have met some that theoretically would not and hypothetically might want to stop.

I’m A Google Manufacturing Robot And I Believe Humans Are Biologically Unfit To Have Jobs In Tech by Ben Kronengold.

Ja, das ist witzig. Das Thema an sich leider nicht. In der Technologiebranche der USA ist das bei weitem nicht der ersten öffentliche Fall von Sexismus und Unterdrückung. Auch wenn Google den Mitarbeiter letztlich entlassen hat, gab es zunächst keine entschlossene Reaktion auf den Vorfall. Wer weiß unter welchen Tisch das gekehrt worden wäre, wäre es nicht öffentlich geworden. Wie die vielen anderen Vorfälle und die täglichen Realitäten, in den Frauen in unserer Branche schlechter bezahlt, schlechter behandelt und ausgegrenzt werden.

Wir sollten uns da kräftig selbst auf die Finger hauen und uns (ich meine jetzt die Männer hier) regelmäßig fragen, was wir dagegen tun können. Nehmen wir einmal den neuen Bechdel-Test für Entwicklungsteams:

Wer sich jetzt etwas ertappt fühlt, hat irgendwie Recht. Mir geht es jedenfalls so.

Wir suchen EntwicklerInnen.

Andrew Neel

Reindrücken

Es ist immer wieder die gleiche Geschichte: ist die Büchse der Pandora erstmal offen, kriegt man den Geist nicht zurück in die Flasche. Oder so ähnlich. Ist ja irgendwie auch kein Zufall, dass mich dieser hervorragende Artikel über das Abschalten von Pushmitteilungen, zielsicher per Pushmitteilung erreicht hat. Und irgendwer kriegt eine Push (mindestens einer) wenn ich diesen Artikel poste. Push it, push it real good. Eins dieser Dinge, die aus der heutigen Medienwelt „einfach nicht mehr wegzudenken sind“. Jajaja.

Jetzt auch auf dem Desktop, by the way. Jede noch so abwegige Website fragt einen beim Besuch derzeit, ob sie in Zukunft Browserpushnachrichten schicken dürfe. Was so nett bei Google Mail angefangen hat, greift nun auch auf Blog XY zurück. Vielleicht auch gleich noch den Standort freigeben? Herr im Himmel der Webentwicklung, was denkst du dir dabei? Und wenn man das Browserfenster verlässt, um auf „Nein, auf gar keinen Fall“ zu klicken, geht womöglich noch ein modaler Hinweis auf einen super geilen Newsletter auf. Dann sitzt man halt drin in der Falle.

RSS musste sterben für dieses wilde herumgepushe. Die paar newsabhängigen Nerds waren einfach nicht genug, man muss der Welt mit Eilmeldungen und total wichtigem Zeugs über Donald Trump vollpumpen. Solange bis einer kotzt sich einer übergeben muss.

Ach, das mache ich ja schon. Gern geschehen.

31 Tage ohne Twitter und Facebook

Vor genau einem Monat habe ich auf dem Telefon und dem Tablet die Icons von Twitter und Facebook in einen Ordner auf dem letzten Bildschirm gezogen, alle Benachrichtungen abgeschaltet und mich damit für einen Monat dem social media Zirkus komplett entzogen. Also beinahe komplett, es gab ein, zwei kurze Rückfälle getriggert durch die G20-Ereignisse und meinen Geburtstag.

Was hat das mit mir gemacht? Mutmaßlich erstmal gar nichts. Ich habe die entstandene Freizeit genutzt, um zu lesen, meist Artikel auf ZON, bei heise, sogar SPON und natürlich viel dev.to und Medium. Dann habe ich zwei, drei Serien gebinged, war ca. fünfzehn Mal im Kino und habe acht Konzerte besucht. Bin in den Urlaub gefahren, habe drei Webapps programmiert, zwei Startups gegründet und drei andere ruiniert und 11.254 Stack-Overflow-Fragen beantwortet. Dann habe ich ein Haus gebaut, zwei Kinder großgezogen und eine Golden-Retriever-Zucht gegründet. Schon erstaunlich, was man alles schafft in der freigewordenen Zeit…

Twitter schalte ich jetzt wieder ein, schon alleine um die coolen Links zu verfolgen, die meine lieben Kollegen so vertweeten. Facebook will ich eigentlich nicht wirklich wieder haben. Das bleibt erstmal aus, ich will noch fünf Oldtimer aufmöbeln und ein Wohnmobil selbst aufbauen…