Morgenlese IV

Mißtraust eigentlich auch schon deinem Smartphone? Was macht so ein Telefon denn eigentlich zum Überwachungsinstrument in der Hosentasche? Installierte Apps? Hacker? Die NSA? Oder gleich das Betriebssystem? Xiaomi Can Silently Install Any App On Your Android Phone Using A Backdoor.

Benutzt eigentlich ausser mir noch jemand Airmail? Ist ja mein ganz großer Tipp für Leute, die auf Inbox Zero schwören, oder etwas mit dem Begriff Wiedervorlage anfangen können. Oder beides, so wie ich. Da kann man sogar Einstellen, wie die Mailnotificatio s aussehen.

Das braucht man bestimmt irgendwann, beim heutigen Trend: Fullscreen Background Video with mix-blend-mode Overlay Text.

debugger.html ist ein Javascript-Debugger geschrieben als web application mit React und Redux. Er soll den Debugger in Firefox ersetzen, funktioniert aber auch standalone und verbindet sich auch mit Chrome und Node (was aber noch ein experimentelles Feature ist). Der Code ist frei zugänglich.

Ein Podcast-Tipp: ich höre schon ziemlich lange jeden Morgen den Anerzählt Podcast. Wisst ihr noch, wie es war, wenn sich abends die Familie am Lagerfeuer versammelte und Vater las aus dem Lexikon vor? Nein, ich auch nicht, aber so ungefähr funktioniert der Anerzähler. Getriggert durch die jeweilige Nummer der Folge, erzählt Dirk Primbs einige Fakten zu einem passenden Thema. Unbedingt mal reinhören. Bis bald.

Peter Falk

Peter Falk ist einer dieser Schauspieler, die praktisch untrennbar mit einer Rolle verbunden sind. Peter Falk ist praktisch Inspektor Columbo. Was ein wenig unfair ist, denn Falk hat sich stets bemüht, auch andere Rollen neben dem schrulligen Kommissar zu spielen, hat mit Sydney Pollack, John Cassavetes und Wim Wenders zusammen gearbeitet. Und trotzdem, als ich ihn in Himmel über Berlin sah, sagte ich: da spielt ja Inspektor Columbo mit.

Columbo, der Polizist ohne Vornamen, ist eines der Phänomene des Prä-Internet-Fernsehens: einfach gestrickte Story, eindimensionale Figur ohne große Entwicklung, aber trotzdem Kult mit hohem Suchtfaktor. Falk gab den Columbo zwischen 1971 und 1978, sowie nochmal zwischen 1989 und 2002 zusammen 69 Mal. Dabei trug er immer den gleichen Trenchcoat, fuhr immer das gleiche gammlige Peugeot 403 Cabrio und enttarnte den Mörder immer im letzten Moment, nachdem er den Raum schon verlassen hatte und nur nochmal kurz auf eine letzte Frage zurückgekehrt war. Um es ehrlich zu sagen: ich kann mir in der Nachschau nicht ganz erklären, was man seinerzeit an Columbo fand.

Heute wäre Columbo 89 Jahre alt geworden.

Foto: Yury Ostromentsky, CC BY 2.0

Salt City Orchestra – The Book

Eine Geschichte von Unbedingt-Haben-Wollen. Als ich seinerzeit in der Plattenbranche anfing, als Stellvertreter des Kalifen sozusagen, hatte der Kalif beschlossen diese Scheibe nur sich und seinen Freunden zugänglich zu machen. Harte Zeiten waren das. Als ich dann selber Kalif war die Abteilung übernahm, fand ich einige Exemplare der Paper 001 im stillen Kämmerlein… ach schöne Zeiten waren das.

Salt City Orchestra begleiten mich seitdem durchs Leben und gehör(t)en in beinahe jedes House-Set, auch wenn ich dem Kalifen damit irgendwie etwas die Erkennungsmelodie geklaut habe. was mir an dem Track so gefällt ist die totale Deepness, gefolgt von einer Phase des Ausbremsens, wo man auf der Tanzfläche beinahe verrückt werden kann, bis es dann fast anthemmäßig ins „I write the book“-Sample geht. Sehr abwechslungsreich, kann man nicht lange laufen lassen, aber heizt tanzfaules Publikum auf jeden Fall an.

Wurde leider 2007 repressed.

Virtual Reality Conference

Die »2nd Virtual Reality Conference For Journalism & Documentary« schlägt die Brücke zwischen virtueller Realität und Journalismus. Zusammenkommen sollen VR Enthusiasten, Journalisten, Hersteller interaktiver Dokumentationen, early technology adopter und andere Erzähler von non-fiction Inhalten, um sich einen Tag über die Zukunft des storytelling in der virtuellen Realität auszutauschen.

Es werden aktuelle VR Projekte vorgestellt und Erfahrungen zur Entwicklung von VR Projekten und dem Storyaufbau innerhalb solcher Projekte geteilt. Am Abend gibt es einige Hands-On-Sessions, bei denen es laufende Implementationen zu sehen gibt.

Die VR Conference findet am 23. September 2016, von 10.00 bis 17.00 Uhr im silent green Kulturquartier in Berlin statt.

Morgenlese III

Fay Wray

Die wenigsten können heutzutage noch etwas mit dem Namen Fay Wray anfangen, denn die am 15.09.1907 geborene Schauspielerin hatte ihre große Zeit zwischen 1930 und 1960. Sie trat zunächst u.a. neben Gary Cooper  in Stummfilmen und frühen Tonfilmen auf, machte dann aber als sogenannte scream queen in nur mangelhaft kultigen Horrorstreifen der RKO Studios Karriere. Vielleicht kennt man noch „King Kong und die weiße Frau“, zumindest vom Hörensagen, Fay Wray ist die weiße Frau.

Als Kind der Achtziger habe ich solcherlei Filme tatsächlich noch im normalen TV-Programm auf meinem kleinen SW-Fernseher gesehen, im Nachtprogramm der Öffies. Den Namen Fay Wray kannte man allerdings vorrangig aus dem Eröffnungssong der Rocky Horror Picture Show, in dem auch etliche ihrer Filmtitel zitiert werden.

Heute würde Fay Wray 109 Jahre alt, leider ist sie 2004 gestorben, kurz vor einem Comebackauftritt in Peter Jacksons King Kong Remake. Gut, dass ihr das erspart blieb.

Das ist Netzpolitik

Am 07.10.2016 heisst es zum nunmehr dritten Mal »Das ist Netzpolitik«, die Konferenz von netzpolitik.org.

Als Speaker wurde das who-is-who der Netzpolitikszene verpflichtet, ich bin besonders gespannt auf: @neleheise, @jerezim und natürlich Julia Reda.

Und im Anschluss gibt’s dann auch noch eine Party zum 12. Geburtstag von netzpolitik.org, alles in der Kulturbrauerei in Berlin. Tickets gibt’s hier.

Bild: CC BY-NC-SA 3.0/netzpolitik.org

Nachmittagslese II

Im sogenannten Nachklapp der AdBlockPlus wird jetzt Werbevermarkter Geschichte…

But it turns out that Google and AppNexus never agreed to any sort of partnership with Adblock Plus.

Business Insider: Google and AppNexus: We’re not involved with the surprise Adblock Plus plan to sell ads

Schon früh hatten wir den Verdacht geäussert, dass Adblock Plus als langfristiges Ziel die lukrative Vermarktung eigener Werbeanzeigen im Blick hat und hierzu radikal die exklusiven Rechte im Browser des Benutzers ausnutzen wird. Das Addon darf – ausgestattet mit den entsprechenden Befugnissen und weitestgehend unbemerkt von einem durchschnittlichen Anwender – im Prinzip „alles“.

Mobilegeeks: Adblock Plus verkauft nun Werbebanner – Hahahahahahaha

Bild: CC BY SA

Terrorgefahr in der Karpfenstadt?

Da kann ein kleines Städtchen wie die sogenannte Karpfenstadt Reinfeld schon mal in Aufruhr geraten, wenn am frühen Morgen eine großangelegte Razzia in ihrem Flüchtlingsheim läuft. Oder eben auch nicht. Reinfelds Bürgermeister zeigt sich in den Lübecker Nachrichten verstört:

„Natürlich sind wir verschreckt, dass so etwas in unserem Ort passiert“, sagte Heiko Gerstmann (SPD). Bisher sei nur Positives über die Asylbewerber zu berichten gewesen.

Bisher sei nur Positives zu berichten gewesen. Die Festgenommenen in Ahrensburg und Großhansdorf sollen ebenfalls als Vorzeigeflüchtlinge bekannt gewesen sein. Und nochmal eine Stimme aus der Karpfenstadt:

„Ich kann es kaum glauben“, sagt Albrecht Werner (69) von der Reinfelder „Initiative Asyl“. Er habe Jaser „eigentlich ganz gut“ gekannt. „Wir haben viel miteinander gesprochen, auch über Politik. Für eine Verbindung zum IS gab es nicht den kleinsten Hinweis.“

Schreiben die Lübecker Nachrichten. Natürlich nicht ohne sich zu entblöden, dies unter der Zitatüberschrift „Der Terror ist fast vor der Haustür“ zu tun. Womit man gleichzeitig Panik machen und sich vom eigenen Titel distanzieren kann.

Terrorangst in spätsommerlichen Kleinstadtidyllen

Ein paar Wochen nach den Gewalttaten in Bayern und Baden-Württemberg hat die Terrorangst in spätsommerlichen Kleinstadtidyllen hautnah auch den hohen Norden erreicht.

Lese ich bei ZEIT Hamburg, zumindest Quelle aber auch hier: die Lübecker Nachrichten aka lno[nline]. Wobei mir rätselhaft bleibt, wie man die Festnahmen und Einleitung von Ermittlungsverfahren mit „Gewalttaten in Bayern und Baden-Württemberg“ derart in Beziehung setzen kann. Panikmache mithin, was sich an anderer Stelle noch potenziert. Schreie im Morgengrauen – SH nach Razzien unter Schock! Für die Saarbrücker Zeitung ist gleich der Bundesinnenminister selbst auf Terroristenjagd gegangen: »De Maizière jagt die IS-Schläfer in der Provinz«. Und natürlich: Innenminister Herrmann kritisiert Flüchtlingspolitik. Die politischen Fledderer sind auch schon da.

Verschwörungstheoretiker, ich

Man kommt sich vor wie ein Verschwörungstheoretiker, wenn man an dieser Stelle anmerkt: es ist noch nichts größeres passiert. Es wurden Menschen festgenommen und Ermittlungsverfahren eingeleitet. Wie in 63 anderen Fällen:

Eingeleitete Ermittlungsverfahren bedeuten aber noch keine Verurteilung. Oder dass es Beweise gibt. Und so ist es auch hier: angeblich gingen monatelange Ermittlungen gegen die drei Syrer der Aktion voraus. Man hat aber praktisch nichts in der Hand, was man öffentlich sagen möchte. Die gleiche Schlepperorganisation wie die Paris-Attentäter, wer weiss das schon, haben vielleicht viele Syrer genutzt? Anschlagspläne gab es jedenfalls keine. Es ist ein verdammter Eiertanz zwischen Law-And-Order-Habitus und Panikverhinderung. Teile der Bevölkerung und so.

Und auf welche Hinweise stützt man sich? Wie das BMI selbst schreibt, ist nur an einem von sieben Hinweisen überhaupt etwas dran, dass Verfahren eingeleitet werden. Und statt die ich nehme mal an lückenlos Überwachten durch schnellen Zugriff festzunehmen, ist man lieber mit einer 200-Mann-Armee losgezogen und bspw. in Reinfeld erst mal alle Bewohner festgesetzt:

Alle zehn Bewohner, alles junge Männer aus Syrien und dem Irak, wurden in ihren Zimmern im Schlaf überrascht und offenbar mit Kabelbindern gefesselt.

Mag sein, dass all das Teile der Bevölkerung verunsichert. Mag sein, dass das genau das ist, was man haben will. Wer weiss das schon? Und dann muss man ja wirklich vor allem und jedem Angst haben:

Was ist wahr und was ist nicht wahr, was ist Wirklichkeit und was ist nicht Wirklichkeit? (Michael Sarach, Bürgermeister von Ahrensburg, SPD)

Bild: CC Lizenz