Ein Märchen

Es war einmal Land, das hatte eine Bundesregierung. Diese wollte eine Autobahnmaut einführen. Aber nicht so eine altmodische wie in Frankreich, wo immer alle durch Mautstationen fahren müssen. Oder so langweilig wie in Österreich, wo man sich ein Pickerl kaufen und an die Scheine kleben musste. Nein, hypermodern sollte es sein und ohnehin nur für Lkw gelten. Da kam jemand auf die glorreiche Idee, einfach in regelmäßigen Abständen, mit riesigen Geräten, sogenannten Mautbrücken, alle Autokennzeichen zu scannen und darüber bei wenigen die Maut abzurechnen. Das Volk aber schrak auf und protestierte (leise), dass so jeder auf allen Autobahnen erfasst würde, was ein Eingriff in Freiheitsrechte sein könnte. „Nein! Nein! Nein!“, sagte da die Regierung, wir werfen alle Daten, die nicht gebraucht werden weg und werden die Mautbrücken niemals nicht für etwas anderes nutzen als zur Mautberechnung für die Lkws. Das änderte aber die nächste Regierung, weil gerade Terrorgefahr war, sollten die Daten zur Terrorabwehr, sporadisch und nur auf richterlichen Beschluss genutzt werden dürfen. Und niemals, nicht für irgendetwas anderes. Und die Regierung danach, oder war es die gleiche Regierung nur ein oder zwei Jahre später, erweiterte das dann auf schwere Verbrechen, also Mord und Totschlag und bandenmäßigen Drogenhandel. Ja oder Autodiebstahl, logisch oder?!

Und dann eines Tages dachte auch die Polizei Brandenburg, „Scheiss doch darauf, wir sind die Pipapolizei, wir machen das jetzt einfach und zeichnen alles auf. Und denken uns dann hinterher aus, wofür wir die Daten verwenden. Und weil die Mautbrücken ja mehr oder weniger Tabu waren, hat die Polizei einfach eigene Systeme aufgestellt, zusätzlich. Vier Jahre ging das so. Nun hat endlich ein Gericht festgestellt, dass das Unrecht war. Interessierte im Volk aber niemanden mehr. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sollten sie vor Scham im Boden versinken.