Das ist ja wohl der Gipfel

Das ist ja klasse. Zunächst jahrelang einen Browser in den Markt drücken, dessen immer wieder auftretenden Sicherheitslücken die massenhafte Verbreitung von Spyware erst ermöglicht, und dann ganz gönnerisch mit einer Antispyware Software auftrumpfen. Diesmal ehrlicherweise auch als Beta gekennzeichnet, immerhin.

Schönes Zitat

Ich mag das Bildblog bekanntermaßen, obwohl ich vielleicht nicht mal der richtige Adressat bin, habe ich doch ein meinem ganzen Leben noch nicht eine einzige Bildzeitung gekauft (nein, auch nicht im Urlaub!), aber das behaupten viele. Was Bildblog macht ist die offene Widerlegung des ganzen Stuß, den Bild so von sich gibt. Na klar, das weiss ja auch jeder, das in der Bild nur Lügen stehen, aber trotzdem wird sie millionenfach gekauft (was ich einfach nicht begreife). Aber über einen Artikel nur zu sagen: das ist doch gelogen, das wiegt für den sturen Bild-Leser nicht, „Beweise mir das Gegenteil!“ ist die Antwort des Unbelehrbaren. Und genau das macht das Bildblog. Danke dafür. Und danke für dieses Zitat, das (wie der SWR immer schreibt) meinen Tag machte.

Sollte morgen in „Bild“ die Schlagzeile stehen: „Gott kündigt für Samstag Weltuntergang an“ und wir trotzdem am Sonntag wie gewohnt aufwachen, würde die „Bild“-Zeitung – trotz Dementis von Gott – ihre Falschmeldung am Montag sicher nicht korrigieren, sondern nur berichten, dass Gott den fest geplanten Weltuntergang kurzfristig abgesagt habe, ohne Angabe von Gründen.

Christiansen und der Hundesalon II

Und das würden dann am Montag auch wieder tausende kaufen. lesen, glauben.

Zitat des Monats

Als Anwalt hat man zugegebenermaßen einen verstellen Blick auf IT-Projekte, denn natürlich landen vorrangig gerade die auf dem Schreibtisch, bei denen irgend etwas schief gegangen ist. Von daher mag der Eindruck trügen, dass alle Projekte problematisch sind, vielleicht wird sogar eine große Anzahl unspektakulär, still und zur Zufriedenheit aller Beteiligten abgewickelt.

Aber irgendwie zweifle ich daran.

Arne Trautmann in IT-Frontal

Stellenangebot

Gesucht:
Jemand, der sich weitere plausible Ausreden einfallen lässt, warum das Öl gerade so teuer ist.

Arbeitsort: Rotterdam
Arbeitsbeginn: sofort
Entlohnung: exorbitant

Da will ich letztens einkaufen gehen

Ich fahre Fiat, na klar, nicht mein Traumauto. Bin auch schonmal Opel gefahren, ganz alte Karre, aber bodenständig, auch wenn die Bremsen nicht so richtig gingen. Ob ich mir einen neuen Opel kaufen würde? Kaum: zu teuer und sieht beschissen aus, not my style. Muss man doch mal sagen. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da traf auf der Autobahn vor allem Golf und Opel. Ist heute nicht mehr so, ich fahre viele Autobahnkilometer als Beifahrer und mein Hobby ist Carspottng. Man sieht immer noch viele Golf, aber kaum noch Opel. Ich fahre also Fiat, aber eben aus Kostengründen. Na gut, ich würde auch mit viel Geld keinen Opel fahren, aber mein Opa. Oder mein Vater. Aber die fahren auch nicht Opel. Einfach kein Image. Wer entscheidet sowas, wer stellt solche Weichen, wer beraubt einer Automarke ihres Images? Die Arbeiter am Fliessband? Vielleicht ist das ein jahrelander Bummelstreik, an Station 125 am Band, hat man sich einfach geweigert das Image einzubauen?

Als Kind war ich oft bei Karstadt, sehr oft. Meine Oma hat bei Karstadt gearbeitet, in Bremen, in der Schuhabteilung. 30 Jahre oder so. Guter Job. Wir haben Oma oft von der Arbeit abgeholt und ich kannte Kartstadt Bremen wie meine Westentasche. Dort die Schuhabteilung, die Klamotten, die Musikabteilung, da war ich oft, die Spielwaren im Vierten, unten die Süssigkeiten und zu Weihnachten hin, die Kerzengiesserei. Damals. Wenn man etwas wollte und nicht wusste wo man es findet, ging man an die Rolltreppe, dort stand ein Schild und darauf zum Beispiel: „3. Etage Damenoberbekleidung“. Anfangs gab es sogar noch Fahrstuhlführer, die sagten dann oft: „2. Etage: Herrenwäsche, Miederwaren, Kurzwaren, Oberhemden“ oder sowas, an jeder Etage was anderes natürlich, je nach Abteilung. Diese beiden Arten der Information sind heute überholt: Schild und Fahrstulführer wären überfordert. Es gibt keine Abteilungen mehr, es gibt Shops. Markenshops, die alles und nichts führen. Hose kaufen bei Karstadt? Zunächst in die Herrenabteilung, ihhh nur Opaklamotten hier, zurück in den Ersten zum „Marco Polo“-Shop, dann in den Vierten zum „Edward-Clark-Shop“, ins Erdgeschoss „Esprit for men“ und so fort. Spinnen die? Das Kaufhaus ist kein Kaufhaus mehr, es ist eine lose Ansammlung von Shop in Shop in Shopshops. Wer entscheidet sowas? Die Angestellten? Haben sich über nacht einfach eine neue Ordnung ausgedacht, alles umgehängt und umdekoriert? Aus dem Haus „in dem man alles bekommt“ wurde „das Haus wo man nichts mehr findet“.

Ganz klar, sowas muss bestraft werden. Wenn ich Chef wäre, ich würde meinen Angestellten aber was erzählen, wenn sie einfach ohne mich zu fragen, das Image meines Unternehmens ändern würden, die Kompetenz die es ausstrahlte einfach kaputt machten, rauswerfen würde ich die! Also weg mit den überzähligen Leuten, die haben sowieso immer nur Geld gekostet.

Manchmal frage ich mich: wenn alle Leute arbeitslos sind, wer kauft dann noch Autos bei Opel und VW oder Klamotten bei Karstadt, Schlecker, Budni, Spar? Schön das ihr dann so billig prdouzieren könnt, schön, dass ihr euch so gesund geschrumpft habt. Und dann? Wussten Sie, dass die Arbeiter bei Opel in Polen, keine Opel fahren? Können die sich gar nicht leisten.

Keine Entschuldigung

Großartiger Tag für alle Deutschen, die noch Deutsche sein wollen.
Holger Apfel, NPD-Spitzenkandidat in Sachsen, am Sonntag in Dresden

Bei der Landtagswahl in Brandenburg haben 6,4% DVU gewählt, bei den Landtagswahlen in Sachsen haben 9,4% die NPD gewählt. Die DVU ist die erste rechtsextreme Partei die e geschafft hat zweimal hintereinander in ein Landesparlament gewählt zu werden, Die NPD zieht zum ersten Mal seit 1968 wieder in ein Landesparlament ein.

Verdammte Scheisse! Ihr meint, ihr könnt euch herausreden, mit der schlechten Stimmung, mit der Arbeitslosigkeit und mit der ach so bösen Ungerechtigkeit, die im Osten herrscht. Die Wahrheit aber ist: ihr habt es geschafft! Keine 20 Jahre hat es gedauert seit ihr den antifaschistischen Schutzwall mit dem lauten Ruf nach D-Mark und Bananen eingerissen habt und nun wählt ihr die Faschisten selbst. Ausreden gibt es keine, jetzt seid ihr selber Faschisten, Nazis, Auschwitz-Leugner und Ausländerhasser! Jeder, der heute sein Kreuz bei DVU oder NPD gemacht hat. Tut nicht so, als wüsstet ihr das nicht, sowas weiss man heute, habt ihr in der Schule gelernt und wir auch. Na los, geht wieder auf die Strassen, zündet ein paar Flüchtlingsheime an, verprügelt ein paar Afrikaner, kauft euch braune Hemden, ihr habt es euch und nicht anders verdient.

Kotzbrocken.

23:52: Und weil ich gerade so richtig wütend bin noch ein Update:
Den Schrott von den Protestwählern kann ich auch nicht mehr hören. Diese Mär vom Wähler der in der Kabine steht und zu sich sagt: “Jetzt zeig ich es denen da oben aber mal, jetzt wähl’ ich mal eben die Nazis, doh!” Was ist denn das bitte für eine hirnrissige Herangehensweise? Um dem Kanzler zu zeigen, dass mir seine Politik am Ar*** vorbei geht wähle ich jetzt mit einem Male etwas, was mir gar nicht gefällt, was ich vielleicht sogar abgrundtief hasse. SO EIN QUATSCH! Soll das des Volkes Drohung sein? Macht die Politik die wir wollen, sonst kehren wir zurück zum dritten Reich? Wer behauptet DVU- und NPD-Wähler seien bloss Protestwähler verharmlost IMHO die Situation. Und wer ebenso behauptet die Leute würde aus den gleichen Gründen die PDS wählen, singt das Lied des Laurenz Meyer, dem es parteipolitisch genehm ist, Linke und Rechte in einen Topf zu werfen:

In Brandenburg wie in Sachsen haben die populistischen Parteien PDS, DVU bzw. NPD mit auswechselbaren Parolen über ein Drittel der Wähler für sich gewinnen können.
Laurenz Meyer, ebendort

Noch etwas Senf? Auf oder neben den Reis?

Es regt mich schon ein wenig auf, liebe Journalisten, dass ich mich schon wieder an Sie wenden muss. Kann man nicht ändern, Sie wollen es ja nicht begreifen und ich werde nuneinmal nicht müse, Ihnen immer und immer wieder die Geheimnisse des bloggens ausführlich zu erklären. Sie haben es nötig.

Was Blogger wollen
Blogger wollen zitiert und verlinkt werden. Also im Netz zitiert werden, denn nur dort können sie auch verlinkt werden. Nicht in einer Papierausgabe, da wollen sie nicht zitiert werden, schon gar nicht, wenn ihr Blatt nicht der Spiegel oder die BILD ist, und schon überhaupt gar nicht, wenn Sie nicht nachgefragt haben oder besser noch Gage gezahlt haben. No go!

Was dann passiert
Wenn Sie nun doch solchen frevel begehen, dann plustern sich diejenigen, die sowieso schon immer mit Nase hoch und geschwellter Brust herumlaufen derartig auf, dass man meinen könnte sie platzen, demnächst live vor ihren Lesern. (Bloggen wollen nicht, dass Sie über geplatzte Blogger berichten, merken Sie sich das!) “Urheberrechtsverletzung” wird da laut gerufen, oder “schlechter Stil”, was ungleich schlimmer ist, weil nicht normiert.

Die Folgen
In China fällt ein Sack Reis um. Darüber können Sie allerdings problemlos berichten.

Vor drei Jahren

Es gibt nicht viele Tage, die unser Leben verändern. D.h. natürlich verändert jeder Tag irgendwie unser Leben, aber es gibt nicht viele Tage, bei denen wir es spüren, beobachten, an denen wir diese Veränderung sehen. Der Fall der Mauer in Berlin, das war so ein Tag, denn in dem Moment, als im Radio die ersten Berichte kamen, dass die Mauer “gefallen” sei und ich später die ersten Bilder im Fernsehen sah, an diesem Tag wusste ich, wie sich unsere Welt verändern und wie sich das auf mein Leben auswirken würde. Ähnlich war es am 11. September 2001, nur noch intensiver.

Ich habe den Tag erlebt als einen der schlimmsten Tage meines Lebens. Ich sehe mich bei der Arbeit in unserem Plattenladen, wie mein Chef aus dem Obergeschoss herunterkommt und sagt, wir sollen mal im Internet schauen, in New York wäre ein Sportflugzeug ins WTC gestürzt und es würde wohl brennen. Im Internet war jedoch nach dieser Meldung nichts mehr zu erfahren, da die Newssites genauso schnell offline gingen, wie wir versuchten sie aufzurufen. Zu diesem Zeitpunkt kroch in mir schon ein sehr ungutes Gefühl den Nacken hoch, denn zu meiner Theorie einer globalen Katastrophe wie Krieg o.ä. gehörte immer, dass das Netz als erstes zusammenbricht. Wir hatten einen Fernseher im Laden, der aber nicht angeschlossen war, so dass wir erst Antennenkabel besorgen mussten, als wir die ersten Bilder einfingen, stürzte gerade die zweite Maschine in den zweiten Turm. Obwohl ich bis heute nicht weiss, ob ich das live gesehen habe, da diese Szenen derartig oft wiederholt wurden. Jedenfalls ging der Fernseher an und wir sahen dieses Bild. Und jeder der bis eben glaubte, eine verdammte Chessna wäre ins WTC irrgeflogen, wusste auf einen Schlag, dass es sich um einen Anschlag handelte. “Krieg.”, habe ich damals gestammelt in eine sich schlagartig im ganzen Laden ausbreitende Stille. Von diesem Zeitpunkt an wurde kaum mehr gearbeitet, sondern Personal und verbliebene Kundschaft versammelte sich vor dem Fernseher. Während der ersten Stunde habe ich allerdings noch einige CD’s verkauft, teilweise an Leute, die gar nicht begriffen hatten, was da überhaupt passierte, oder die es wirklich nicht interessierte (“Ja, schlimme Sache. Kann ich die anhören?”). Dann jedoch wurde es nach und nach leerer im Laden, die Leute gingen nach Hause, irgendwie hatten alle das Gefühl, sich in Sicherheit bringen zu müssen. Ich hingegen fühlte mich dort im Laden irgendwie sicherer, als zu Hause.

Ich erinnere mich an die Diskussionen, die wir hatten, während wir das Grauen anstarrten, wir mussten unbedingt reden, denn die Stille und die niederschmetternden TV-Kommentare waren sonst nicht auszuhalten, in diesen Diskussionen wurde vieles vorhergesehen, was dann auch wirklich eingetreten ist. Allerdings wurde auch viel Unsinn verzapft. Und eins kann ich niemals vergessen: das Gefühl des Schmerzes der Hilflosigkeit, jeweils als die Türme zusammenbrachen. Dieses Gefühl wiederholt sich regelmäßig seitdem, wenn die Szenen im TV wiederholt werden, selbst wenn ich Bilder davon sehe. Und mir wird noch regelmässig mulmig, wenn ich dieses verdammte Lied höre…

Wir haben den Krieg live erlebt, das hat es vorher nicht gegeben. Vielleicht lebten wir in einer besseren Welt, hätte es Liveberichterstattungen aus Hiroshima und Nagasaki, aus Birkenau und Dachau, von der Bombardierung Hamburgs und Dresdens oder von den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges gegeben. Vielleicht aber auch nicht, denn während ein grosser Teil der Welt eins war in den Momenten der Liveübertragung, so teilte sie sich danach umso mehr.

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