Get The Answer

Ausrede Nummer 2055, warum es hier immer wieder, trotz aller Anstrengungen, viel ruhiger ist, als ich mir das eigentlich vorstelle: Dojo. Im Auftrag des Herrn („Es sind 15 Meilen bis Chicago, es ist Nacht und wir tragen Sonnenbrillen!“) setze ich mich in den letzten Tagen massiv mit dem JS-Toolkit für Web 5.0 auseinander… und die Lernkurve ist gelinde gesagt: flach.

Das Toolkit ist gewiss der Hammer und je länger man damit rumfummelt, umso leichter fällt es auch (logisch), aber falls man eine Doku sucht, ist man doch recht allein gelassen. D.h. natürlich gibt es eine Doku, naja, ein Wiki, es gibt sogar ein Manual und Ansätze zu einem Buch, und es gibt eine Mailingliste. Aber dieser Wust an Informationen müsste wirklich mal kanalisiert werden. Zumal die Funktionalitäten von Dojo schneller wachsen als man „Pokipsy“ sagen kann:

Revision: 4514
Node Kind: directory
Schedule: normal
Last Changed Author: bill
Last Changed Rev: 4514
Last Changed Date: 2006-06-26 08:27:37 +0200 (Mon, 26 Jun 2006)
Properties Last Updated: 2006-06-23 09:40:53 +0200 (Fri, 23 Jun 2006)

Auf der Suche nach Info und Quellen, stiess ich unlängst auf das Get The Answer-Forum: „Answers for AJAX Programmers and Software Engineerers“. Der Titel ist ja durchaus vielversprechend, zu meinem Erstaunen musste ich jedoch ein komplett leeres Forum vorfinden. Ich mich also direkt angemeldet: endlich mal der Erste sein. *ggg

Also, auch wenn wir Foren als total 90er empfinden (zumindest exklusive, Seitenblick kurz mal hier), dort ist noch massig Platz, Fragen zu stellen, Diskussionen anzuregen und wozu sonst ein Forum gut ist, immer mit dem Blick auf AJAX und den (inzwischen) dazugehörigen Tools, Frameworks und Engines. Ein sehr exklusives Forum zur Zeit, bei sowenigen Mitgliedern…

Spachlos WM

Das mit der Sprache ist so eine Sache, man kann nicht ohne sie, aber mit ihr gibt’s meistens auch Probleme. Dürfte zum Beispiel der WM-Kommentator denken, wenn er sich die Aufzeichnung seiner Reportage nocheinmal anhört (ja, wenn) und zur Kenntnis nehmen muss, was er da so abgelassen hat: »Der Aggregatzustand dieses Spiels – es plätschert so dahin.« Herr Kommentator, der Aggregatzustand ihres Kommentars: überflüssig, kann man da nur antworten. Und da nützt es auch nichts, wenn andere Kollegen während eines langweiligen Spiels beginnen, über den psychologischen Zustand von Spieler-Müttern zu philosophieren: »Das wird seine Brüder freuen, die sind heute hier im Stadion. Seine Mutter ist nicht da, die hält das nicht aus.« Grandioser Informationswert 0,01 und ob das so stimmt? Vielleicht sind aber ja Spieler-Mütter so etwas wie Zahnarzt-Frauen, die ja bekanntlich alle Zahnbürsten von Dr. Worst benutzen, oder so.

Mir ist im Zuge der WM leider die Sprache, oder die Schreibe, mal wieder, zeitweise abhanden gekommen. Kann man ja leicht sehen oder eben nicht lesen. Aber das mag auch daran liegen, dass ich versuche mit Beckenbauer Schritt zu halten. Das Nachmittagsspiel gibt’s meist auf der Arbeit (einige Kollegen aus der Redaktion müssen sich das ja aus beruflichen Gründen ansehen — mit dem Beamer, ist ja klar), zumindest die wichtigsten Szenen, ausserdem läuft bei mir rechts ob im Desktop ein Briefmarkenfenster mit der Liveübertragung, ohne Ton versteht sich. Dann verpasse ich die erste Halbzeit des zweiten Spiels, irgendwann muss man ja mal nach Hause fahren: wussten Sie, dass es noch Ecken in Deutschland gibt, wo man keinen Radioempfang hat? Also im Zug zwischen HH und HL jedenfalls bekommt man zunächst keinen vernünftigen und dann gar keinen Sender mehr rein. Die FIFA hat eben doch nicht an alles gedacht, eine Schluderei ist das… Spiel Nummer drei gibt’s dann zu Hause vor der Glotze, was entspannend ist, es sei denn Deutschland spielt gegen Polen und macht das erlösende Tor erst ganz am Schluss, oder Schweden kopiert selbiges gegen Paraguay, nur nicht so spannend, da bin ich dann kurz vor dem Tor eingeschlafen.

Morgends gibt’s dann nochmal die Zusammenfassungen. Und dann ist man ja auch schon wieder bei der Arbeit, damit beschäftigt, das Online-Portal einer großen deutschen Wochenzeitschrift in einen Kicker für Höhergebildete zu verwandeln und beim firmeninternen Tippspiel die Oberhand zu behalten. Alles in allem habe ich mir die WM weniger anstrengend vorgestellt, so rein physisch. Ich nehme mal an, so als Sportreporter geht’s einem noch hundert Mal schlimmer, also ist das gar nicht so schlimm, das die nur Blödsinn von sich geben, schön, dass ich es wenigstens noch merke. Der Beckenbauer kann nach drei Spielen am Tag bestimmt auch nicht mehr geradeaus schauen, geradeaus reden konnt‘ er ja noch nie, den sollte man dann besser abends nicht mehr interviewen. Zusammengefasst: die Sprache ist dank der WM auf dem absteigenden Ast, dafür gibt’s aber ja Fahnen, oder zum Schluss noch ein Zitat, diesmal ein Fan der Nationalmannschaft im Premiereinterview: »Muaahhhh, dasassss hhfhzzaassas….. !!! Deustchland!!!!!!«

Anmerkung: dieser Text wurde aus religiösen Gründen nicht redigiert und spiegelt den sprachpsychologischen Zustand des Autoren damit voll wieder. Arggaggggellllll….˝

Noch acht Tage

Noch acht Tage bis zum Eröffnunfsspiel. So langsam muss man sich wohl mal Gedanken um das Wetter machen. Der hat die FIFA wohl geschlafen: alles ist festgelegt, terminiert, in Verträge gegossen, reglementiert, von der Eintrittskarte bis zum Bierverkauf, nur eins haben sie natürlich vergessen — eine Garantie für gutes Wetter abzuschliessen. Das nenne ich amateurhaft. Ich weiss ja nicht, wie’s in anderen Regionen des Landes aussieht, aber die Spiele in Hamburg müssen nach heutigem Stand im Taucheranzug statt im Fussbaldress bestritten werden, sonst könnten die Spieler im schlechtesten Fall ertrinken — im besten Fall wachsen ihnen nur Schwimmhäute. Ist das jetzt eigentlich Michael-Ballack-Wetter?

Für’s »public viewing« hat das natürlich ebenfalls Konsequenzen: extrem hoher Krankenstand (Erkältungen und „Grippe“), verwässerte Gerstenkaltschalen und mangelhafte Sicht auf die nass im Wind flatternden Videoleinwände. Da kommt das Lübecker Kino »cineStar« in der Stadthalle mit seinem Angebot gerade recht: alle Spiele werden im großen Saal gezeigt — umsonst und drinnen versteht sich.

Aber wer redet so kurz vor der WM noch übers Wetter? Da haben die Testspiele mehr Diskussionsstoff zu bieten, obwohl gestern der Kommentator des ZDF noch behauptete, es seien eben nur Testspiele, man könne daraus nichts ableiten, das könnten nur einige Eingeweihte analysieren. Um direkt danach 10 Minuten am Stück das Spiel Italien contra Schweiz zu zerreden… irgendwie widersprüchlich. Ich zähle mich allerdings auch zu den Eingeweihten und stelle fest: die Stars der WM sind nicht allesamt Trainingslager geschädigt, sondern haben alle die Anweisung bekommen schlecht zu spielen, einfach um eine Analyse durch die zukünftigen Gruppengegner zu erschweren oder ganz in die Irre zu leiten. So wie damals ’54 das erste Spiel Ungarn gegen Deutschland (8:3), das ja der Legende nach den zukünftigen Finalgegner in Sicherheit wiegen sollte. »Der Herberger war ein reiner Fuchs«, würde Dittsche wohl sagen.

Die Italiener jedenfalls leiden heftig unter den Skandalen in der Heimat. Während der Trainer behauptet, man würde auf dem Platz zeigen, dass die Mannschaft sich von den Wett- und/oder Bestechungsskandalen nicht beeinflussen lasse, zeigten die Azurblauen gegen die Schweiz ebenda zwei wirklich grausige Fouls — auch eine Art Siegeswillen zu demonstrieren. Wenn sie so in die WM ziehen, sollte man Italiens Spiele vielleicht sicherheitshalber mit dem Zusatz »für Kinder und Jugendlich unter 16 Jahren nicht geeignet« ausstrahlen. Apropos Zuschauer ausschliessen: die iranische Mannschaft spielt wieder vor ausschliesslich männlicher Kulisse, Frauen dürfen in Teheran nicht ins Stadion. Dann hätte sie ihr Abschiedstestspiel ja auch nackt austragen können. Bei den Spielen Irans in Deutschland sind Frauen ausdrücklich zugelassen, am Eingang werden dann aber Schleier verteilt.