Kein Problem mit dem Selbstbewußtsein…

… hat offenbar Gerhard Schröder, der süffisant verkündet, nun Kanzler bleiben zu wollen, Angela Merkel möchte er zur Juniorpartnerin machen, nette Geste, immerhin. Und das bei einem Verlust von über 4%, von einer Legitimation seiner Politik durch den in den letzten Tagen so viel zitierten Souverän (also das Volk) mag man da kaum sprechen und auch nicht, dass der Schröder-Münte-Coup „Neuwahlen” nun eine stabilere Situation herbeigeführt habe. Es kommt eben immer auf die Interpretation an.

… hat noch weniger Angela Merkel, die sich lächelnd dem Souverän präsentiert, zwar von der Siegerpose weit entfernt, aber doch siegessicher, die Behauptung auf den Lippen, das Wahlziel „Rot-Grün abzuwählen” sei erreicht worden. Dabei lag das Wahlziel der CDU doch bei 42% und nicht bei 35. Dabei wollte Merkel doch Chefin einer schwarz-gelben Koalition sein, die wird es aber nicht geben. Und was hat der Stoiber daneben eigentlich zu lachen, selbst seine bayrische Eiheitspartei hat furiose Verluste im Stammland der Bezn und Weisswurscht erlitten. Sehr interessant.

… hat bekanntermaßen auch Joscka Fischer, dessen Grüne zwar wenig Prozente einbüssten, aber wohl auch die Regierungsverantwortung verloren hat. Joschka freut sich auf die Opposition. So scheint’s.

… hat Guido Westerwelle, dessen neoliberale Fähnchenschwenker zwar heftig Stimmer gewonnen, haben, von ihrem Wahlziel schwarz-gelb jedoch weiter entfernt sind, als je zuvor. Aber das ist Guido auch egal, Koalitionen sind für ihn eh‘ indiskutabel, sagt er, egal in welche Richtung.

… haben mit Recht Gregor Gysi und Oskar Lafontaine, die ein grandioses Ergebnis einfuhren, im Osten (25%) mehr als im Westen und nicht müde werden zu betonen, dass es nun endlich eine linke Kraft neben der SPD gibt und diese auch gewollt ist, vom Wähler. Nicht jedoch von den anderen Parteien, die nun alle miteinander sprechen um den Wahsalat aufzudröseln „ausser mit den Linken”, der häufigste Ausspruch an diesem Abend. Womit das Votum eines Viertels der Ostdeutschen Bevölkerung ignoriert wird. Das finden Gregor und Oskar aber auch gar nicht so schlimm, denn gleich Regierungsverantwortung wäre auch wirklich etwas zuviel Stress für das junge Pflänzchen Linke.

Zusammengefasst ist festzuhalten: es gab heute abend keinen rechnerischen Sieger, weshalb sich alle selbst zum Sieger erklären mussten. Am wahrscheinlichsten erscheint mir eine große Koalition (das hatte ich ja schon lange vor den gut informierten Medien vorhergesagt), es ist anders gekommen, als es einiger versucht haben herbeizuschreiben und vielmehrGreibares ist nicht herausgekommen. Mal so hinorakelt: wir werden relativ kurzfristig nochmal wählen gehen.

Ach eins noch: hier in Lübeck wurde SPD-Kandidat Bernd Saxe mit 62% als Bürgermeister bestätigt.

Seitenwechsel

Geb ja zu, hier gab’s einige Zeit nichts neues zu lesen… statt mich für meine Blogfaulheit zu entschuldigen, hier mein Bericht über die einschneidenden Ereignisse der letzten Wochen.

 

Es war ja schon einige Zeit bekannt, dass ich den Abzug von blogg.de et al. aus Hamburg nicht mitzumachen gedachte. In der heutigen Lage sicherlich eine mutige Entscheidung, aber ich war durchaus bereit, alles auf eine Karte zu setzen. Muss man ja heutzutage fast schon so sagen. Oder ist das alles nur Angstmacherei? In Wahrheit geht es, zumindest mit der Onlinebranche durchaus bergauf! Naja, hatte jedenfalls das Gefühl. Jedenfalls habe ich es auf ein paar Bewerbungsgespräche gebracht.

 

Und dann ging alles ganz schnell. Aus dem einen Job bin ich noch nicht ganz raus, da habe ich den nächsten schon am Wickel, wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht, trotz gesteigertem Selbstvertrauen (z.B. im Ggs. zur Zeit der gerade beendeten Umschulung). Aber, seit heute arbeite ich nicht mehr bei nu2m / blogg.de, sondern…

 

… im altehrwürdigen Hamburger Pressehaus, Speersort 1, für zeit.de. Sorry, aber ich bin selbst ganz hingerissen. 😉

Was zurückbleibt, ist das Team von nu2m, das aber ob des Köln-Umzugs eh‘ in Zerstreuung in alle Winde begriffen ist, alles Leute, denen ich viel verdanke, mit denen es Spass gemacht hat zur Arbeit zu fahren und zu arbeiten und natürlich der Dönerstag… Aber: es muss ja weitergehen. 🙂