Begin Again

Gerade gesehen: Begin again von John Carney, eine romantische Komödie, die in unserem Sprachraum den in jeder Hinsicht fragwürdigen Titel „Can A Song Save Your Life“ angetackert bekommen hat. Die Geschichte hat man schon eine fantastillionen Mal im Kino gesehen: abgewrackter, vom Glück verlassener Typ trifft Frau, die ihn wieder aufrichtet und mit ihm zusammen neues Glück und Erfolg findet. Und New York natürlich. Ja, sowas gibt’s ja überhaupt nur in New York. Und in romantischen Komödien.

Getragen wird dieses höchst mittelmäßige Setting vor allem von Mark Ruffalo, der ein fantastisches Wrack abgibt. Selbst noch zum Ende, als eigentlich alle wieder auf den Pfad des american dream zurückgekehrt sind, wirkt er noch wie ein sorry Eckenpenner. Und Keira Knightley, die sich praktisch durch den Film singt. Und das durchaus gut, obwohl das ganze singer-songwriter-pop mit Cello und Geige Zeug gar nicht mein Ding ist. Maroon-5 Sänger Adam Levine steht da mehr im Weg, als mitzukommen und dieser völlig unechte Hipsterbart, herrjeh! Jedenfalls geht es um Musik.

Eine Szene hat mich dabei wirklich mitgerissen: der völlig heruntergekommene und sturzbetrunkene Musikproduzent hört also in einer Bar die talentierte Freizeitsängerin, man sieht die Szene schon zum zweiten oder dritten Mal, diesmal aus seiner Sicht und man kann sehen, was er in dem eher schüchtern und lustlos vorgetragenen Söngchen hört, nämlich eine Chartstürmersuperhitproduktion. Unsichtbare Musiker fallen in den Song mit ein und er baut sich (immer im Rahmen seiner Möglichkeiten, ich höre da nur miesen Popshit) zu unglaublicher Größe auf. T

Tatort Oldenburg

Ich schau ja nur alle Jubeljahre mal Tatort, genau genommen nur, wenn eine meiner Heimatstädte (ich habe tatsächlich mehrere, welche zähle ich gleich auf…) eine Rolle darin spielen, also wenn es nach (ich hatte es angedroht:) Bremen, Lübeck oder eben Oldenburg geht. Achja, ein Glück, einen Tatort Delmenhorst (–Aufzählung Ende–) hat sich die ARD ja bisher unerklär glücklicherweise verkniffen. Wie also ein Tatort zu sein hat, welchen Gepflogenheiten das treue Fanfolk beim gemeinsamen Schauen in der Kneipe oder auf Twitter nachgeht, ich habe keine Ahnung davon. Ich will eigentlich nur ein wenig meiner Heimat im Fernsehen sehen, die Sensationslust des Couch Potatoe so gesehen. Insofern habe ich keine Ahnung, ob der Tatort nun gut war, oder mittelmäßig, oder gar schlecht. Ich persönlich fand ihn eher schlecht, allein gemessen an der Intensität, mit der meine Exheimat ins Bild gerückt wurde. Nämlich gar nicht.

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Das olle Tor nach Ostfriesland war den Herren Filmemachern wohl erst mal nicht urban genug. Anders kann man die drei oder vier Außenaufnahmen kaum verstehen: rauchende Schlote und nächtliche Luftaufnahmen die Großstadt suggerieren sollen. Ich habe es nie gewußt, aber in den 10 Jahren in denen ich nur sporadische Besuche dort gemacht habe, scheint jemand die Stadt an der Hunte abgetragen und an der Ruhr wieder aufgebaut zu haben. Mitsamt der Bezirksregierung leider, neoklassizistischer Wahnsinn, die muss natürlich für das große Finale herhalten. Dafür sitzt die Bundespolizei in einem verlassenen Geschäft mitten in Chicago, wo das halbe Haus zusammenbricht, wenn die U-Bahn vorbeidonnert… ach nein, die Szene war aus Blues Brothers geklaut. Zwischendrin aber trotzdem witzeln: »sogar in Oldenburg gibt es Staus«, ja wer hätte das gedacht, als wenn mangelhafte Verkehrsplanung Berlin vorbehalten wäre.

Ich mag ja dieses Unentschlossenheit nicht, obwohl das widerum wäre nun typisch für Oldenburg. Vielleicht haben sich die Tatortmacher von ihren miserablen Locationscouts anstecken lassen. Und mal ehrlich, die meisten Spielorte hätten doch irgendwo sein können, und waren sie natürlich auch. Ist ja auch billiger in Hamburg zu drehen, wenn man das ganze Fimgeraffel da schon rumliegen hat, nicht?! Und den Unterschied merkt ja auch keiner. Ich weiss nur nicht, warum man einen Tatort aus Oldenburg macht, wenn man es dann gar nicht zeigt, die Protagonisten es hassen oder nicht interessiert, kein einziger Oldenburger darin vorkommt und es für die Story kein Stück von Belang ist, wo sie gerade stattfindet?

Jetzt weiss ich auch wieder, warum ich keinen Tatort schaue.

Robin Williams *1951 †2014

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Shazbot!

Robin Williams was an airman, a doctor, a genie, a nanny, a president, a professor, a bangarang Peter Pan, and everything in between. But he was one of a kind. He arrived in our lives as an alien – but he ended up touching every element of the human spirit. He made us laugh. He made us cry.

(Barack Obama)

Artikelbild: Some rights reserved by Eva Rinaldi

Wil Wheaton nails it again

Scheisse, ich bin ein Wil Wheaton Fan. Also nicht seit Star Trek NG, da ist er mir nur auf den Sack gegangen, aber was er heute so auf die Beine stellt, entspricht irgendwie meinem Lebensideal. Wenn man Wil nach seinem Beruf fragen würde, würde er wahrscheinlich „Nerd“ antworten, denn mehr macht er, neben ein paar Cameoauftritten im TV oder als sich selbst in Big Band Theory, ja eigentlich nicht, ausser eben Nerd sein. Er hält sogar 90-minütige Vorträge darüber wie er nerdige Dinge tut. Hach.

Ju(n)gen(d)serien: Das Geheimnis des siebten Weges

»Das Geheimnis des siebten Weges« (orig. Zevensprong) ist eine niederländische Jugendserie aus dem Jahre 1982, die 1984 zum ersten Mal im deutschen Fernsehen zu sehen war.

Frans van der Steg, genannt der rote Frans, ist neuer Lehrer an der örtlichen Grundschule. Am Ende jeden Schultages erzählt er seinen Schülern gerne spannende Geschichten. Besonders spannend wird es, als er eines Tages einen Brief des in der Nähe residierenden Graf Grauenstein erhält, der ihn bittet Privatlehrer für dessen Neffen Geert-Jan zu werden. Wie sich herausstellt wird Geert-Jan im Schloß der Familie, genannt das Treppenhaus, mehr gefangen gehalten. Zusammen mit seinen Schülern deckt der rote Frans die Geheimnisse um das Treppenhaus und der sonderbaren Kreuzung mit sieben Wegen, den sogenannten Siebensprung, die zum Schloss führt, auf. Dabei tauchen alle möglichen sletsamen Dinge und Figuren auf, beispielsweise ein Junge, der einen Tag als Motorradrocker auftritt, am nächsten als netter Kerl, der jede Kenntnis von seinem angebliche Doppelgänger allerdings abstreitet. Und dann ist da noch der Kutscher des Grafen, der den roten Frans besonders auf dem Kieker hat…

An dieser Serie ist wirklich alles holländisch, was ihr einen besonderen Charme verleiht. Die Story ist ein wenig naiv und verschwurbelt, aber das drumherum um den Siebensprung, das Treppenhaus, die Schule, der Wald, der Imbiss (inkl. Pommes und Frikandel)… ein hervorragendes Setting. Alles ist so verdammt holländisch… und dann hat sie diesen Charme der frühen Achtziger, was stellenweise echt ein wenig strange ankommt.

Das Geheimnis des Siebten Weges – 30 Jahre Jubiläums-Edition inkl. mp3 Hörbuch [3 DVDs] bei Amazon bestellen (und mir ein paar Cent spenden).

Thema Ju(n)gen(d)serien: ich habe in letzter Zeit einige meiner Kindheits-TV-Erinnerungen nachgesehen, und die Recherche dann noch etwas ausgeweitet. Ich werde hier immer mal wieder davon berichten…

Ju(n)gen(d)serien: Catweazle

Kennt eigentlich noch jemand Catweazle, den Magier, den es, zusammen mit seiner Hauskröte Torchwood aus der Normannenzeit an den Anfang der 70er Jahre verschlägt? Zwei Staffeln der Serie wurde 1970 und 1971 gesendet, und ich muss sagen, der Charme dieses inzwischen uralten Stoffes ist wirklich erdrückend.

catweazle

Catweazle (Geoffrey Baldon) ist Magier und hauptsächlich damit beschäftigt, einen Spruch zu entdecken, mit dem er fliegen kann. Mit der Magie will es allerdings nicht so recht klappen. Die eben in England eingefallenen Normannen, zwingen Catweazle zur Flucht, als er dabei in einen Teich fällt, passiert doch etwas Magisches, nämlich als Catweazle dem Teich wieder entsteigt, findet er sich im Jahr 1969 wieder. 900 Jahre hat er mal eben so überbrückt, da kommen ihm die Dinge natürlich ein wenig seltsam vor. Wie es so seine Veranlagung ist, hält er jegliche Neuerung für Magie! Im Jahre 1969 sind das erstmal nur elektrisches Licht (»electrickery«), Autos, Flugzeuge, Fernseher, Mähmaschinen und so fort. Mithilfe des Jungen Harold Carrot Bennet versucht sich Catweazle immer wieder in der Zeit zurück zu zaubern. Am Ende von Staffel 1 gelingt ihm das auch sehr überraschend. Dafür findet er sich am Beginn von Staffel 2 im Gefängnis der Normannischen Besatzer wieder. Mit einem Sprung in den Burggraben wähnt er sich zu befreien, er landet jedoch wieder im Jahr 1970. Hier versucht er, zusammen mit Cedric ‚Owlface‘ Collingford, dem Sohn eines inzwischen verarmten Schloßbesitzers, 12 Rätsel zu lösen, von denen sich Catweazle verspricht, nach deren Lösung fliegen zu können. Cedric sucht nebenbei nach dem verschollenen Familienschatz.

Die Serie zeigte bereits Anfang der 70er, wie Menschen Probleme mit der fortschreitenden Technisierung des Lebens haben können. Catweazle betrachtet alle Dinge streng nach dem Dritten Clarkschen Gesetz

Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.

und hält eben alles für Magie. Für ihn sind Lichtschalter electrickery und ein Telefon ein telling bone. Seine eigene Magie hingegen klappt nur selten, was er mit einem immer mit einem völlig enttäuschtem nothing works zu kommentieren pflegt. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie Catweazle heute zu Recht käme, wir haben ja noch jede Menge mehr electrickery, als es 1970 gab. Dieser Frage wollten die Macher der Serie eigentlich nachgehen, ein abendfüllender Film war 2012 bereits in der Vorproduktion. Leider verstarb im selben Jahr Catweazle-Erfinder Richard Carpenter im Alter von 82 Jahren, so dass dieses sicherlich sehenswerte Erlebnis nicht mehr zu Stande kam. Catweazle würde es garantiert auch noch heute zur Kultfigur schaffen und wäre definitiv für das eine oder andere Meme gut.

»Catweazle – Die komplette Serie (restauriert)« bei Amazon kaufen (und mir ein paar Cent spenden).

Thema Ju(n)gen(d)serien: ich habe in letzter Zeit einige meiner Kindheits-TV-Erinnerungen nachgesehen, und die Recherche dann noch etwas ausgeweitet. Ich werde hier immer mal wieder davon berichten…

Harper’s Island (2009)

dvd coverSeit Scary Movie hat Horror für mich immer etwas mit Komödie zu tun, was manchem unangenehm aufstösst, wenn ich in den grausigsten Momenten anfange zu lachen, weil wieder mal die schlimmst denkbaren Filmclichees über den Screen laufen. Aus genau diesem Grunde fand ich Harper’s Island unglaublich komisch.

Natürlich sehen die Macher das anders: sie haben eine Horror-Serie vorgelegt, etwas, ich muss schon jetzt lachen, völlig Neues. Horror-Serie bedeutet in diesem Fall natürlich, dass zu den bekannten horroresken Stilmitteln: einer wird von der Gruppe getrennt, verirrt sich allein im Wald und wird dort dann in kleinste Teile gehackt, noch so grandiose Errungenschaften wie im Sande verlaufende Nebenstories, Ablenkungsaktionen und natürlich Cliffhanger vorkommen, also einer wird von der Gruppe getrennt, verirrt sich allein im Wald und wird dort dann in der nächsten Folge verhackstückt. Alles in allem macht Harper’s Island das aber amüsant und streckenweise dann doch spannend genug, dass man sich die komplette Serie antut. Immerhin.

Also worum geht’s bei Harper’s Island? Eine Hochzeitsgesellschaft, inklusive einem guten dutzend näher eingeführter Protagonisten, macht sich auf den Weg nach Harper’s Island, der Insel, auf der ein Teil der Leute aufgewachsen ist, die sie aber nach einem Amoklauf des durchgeknallten Massenmörders John Wakefield, verlassen haben. Zur Hochzeit nun, kehren alle wieder zurück. Und noch im Hafen geht das Gemetzel los, ohne das es jemand merkt, wird Cousin X durch die Schiffschraube gehexelt. Ich hoffe ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass der Untertitel der Serie »Einer nach dem Anderen« sowas von Programm ist, dass man froh ist, was für eine riesige Hochzeitsgesellschaft sich auf den Weg zur Insel gemacht hat. Pro Folge werden zwischen ein und fünf Protagonisten ins Jenseits befördert, am Ende jedenfalls, sind nicht mehr viele übrig.

Harper’s Island funktioniert dabei leider nur im Mittelteil richtig gut. Am Anfang, noch während die unzähligen Opfer eingeführt werden, ist es wenig überraschend, wenn Figur X, die man gerade eben kennengelernt hat, allein irgendwo herumläuft und bamm!: tot. Und auf Harper’s Island kann man ja so viel allein rumlaufen. Relativ schnell kristallisiert sich dann aber die Kerngruppe heraus, die übrigens zunächst gar nicht von der ganzen Metzelei mitbekommen. Ab dem Punkt aber, wo allen offenbar wird, dass hier ein Massenmörder sein unwesen treibt, geht es auch schon steil bergab mit der Story. Es passiert nicht mehr viel als das eben noch völlig verängstigte Jungamerikaner plötzlich an der Aufgabe wachsen, sich eine Pumpgun schnappen, um alle zu retten, dann allein in den Wald gehen und… schon klar, oder?

Also: wer sich wie ich über die albernen Mechanismen eines billigen Horrorfilms auch noch in Serie unterhalten fühlt, der kann sich an Harper’s Island versuchen, allen anderen sei davon abgeraten, es gibt bessere Serien, die man sich anschauen kann.

TL;DR: Es wird jemand von der Gruppe getrennt, irrt allein durch den Wald und wird dann zerstückelt.

Bestellen bei Amazon: Harper’s Island – Die komplette Serie (4 DVDs)

Gravity

Die Angst vorm Fliegen. Vorm Loslassen. Vor der Einsamkeit. Im neuen Streifen des mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuarón hat (Harry Potter – der Gefangene von Askkaban, Children of Men), verlieren sich Sandra Bullock und George Clooney im All. Der erste Teasertrailer ist atemberaubend.