Wie man eine schlechte Webentwicklerkonferenz erkennt

Das Jahr ist vorbei, die meisten meiner Kollegen und Arbeitsbekanntschaften haben in diesem Jahr mindestens eine tolle Konferenz besucht. Ich nicht. Es gab eine ganze Reihe von Gründen, meist terminlicher Natur, warum ich dieses Jahr auf keiner der coolen Konferenzen war, dass ich mir stattdessen einen mittelschweren Reinfall gegönnt habe ist allerdings ganz klar meine eigene Schuld.

Um wenigstens irgendetwas für die Community mit nach Hause zu nehmen, gibt es hier nun meinen Leitfaden: „Eine schlechte Webentwickleronferenz 1) erkennen“. Nicht alle Dinge erkennt man schon vor der Anmeldung, leider, aber wenn ihr auf einer Konferenz gelandet seid, die euch komisch vorkommt, mit diesem Leitfaden könnt ihr entscheiden, ob man die zwei oder drei Tage nicht doch etwas besseres machen kann, als sich zu ärgern.

  1. Die Website der Konferenz passt in Gestaltung und Ausführung nicht zum Thema, bspw. ist nicht responsiv, obwohl es auf der Konferenz um responsive webdesign gehen soll, lädt wie eine Herde Schildkröten, obwohl es um Performance geht, oder wirft 200 Javascriptfehler, obwohl Javascriptdevelopment und -testing zu den Hauptthemen gehören.
  2. Die Website wird nicht gepflegt, bspw. eine Woche oder einen Tag, oder während der ganzen Konferenz ist noch der call for papers online oder auch kurz vor Konferenzbeginn stehen noch nicht alle Sprecherinnen im Programm, das natürlich von tba oder n.n. nur so wimmelt.
  3. Die Website gibt keine Auskunft über den oder die Hauptsponsoren der Konferenz.
  4. Die Konferenz findet unter dem Label einer internationalen Organisation statt (bspw. W3C, Khan Academy, XYZ Foundation), aber von dieser Organsiation stehen kaum Sprecher auf dem Programm. Oder nur von der Organisation. Auch doof.
  5. Es ist die erste whatsoever Konferenz in Deutschland.
  6. Die Konferenz wird organisiert von einer Firma, schwerwiegender: einer Firma mit der Buchstabenkombination EDV im Namen.
  7. Die Konferenz findet parallel zu einer anderen Konferenz statt. (Habe ich auch schon in gut erlebt, hier vielleicht drauf achten, ob auch das Thema der Parallelkonferenz interessiert und vor allem, ob die Zeiten der Talks oder die Räumlichkeiten den Besuch beider Veranstaltungen erlauben).
  8. Im Konferenznamen taucht die Abkürzung DACH auf (schlimmer ist nur noch EMEIA).
  9. Die Konferenz findet in einem Hotel statt.
  10. Im Vorlauf zur Konferenz bekommst Du mehrere Informationsmail von genauso vielen unterschiedlichen Leuten, es gibt keinen Verantwortlichen, nur PR-Praktikantinnen.
  11. Die letzte Mail vor der Konferenz bekommst Du gleich vier- oder fünfmal, sie enthält noch Wordanmerkungen („hier ruhig mehrerem schreiben“) und am Schluss kommt eine Entschuldigungsmail von jemanden, dessen Mailprogramm sich „schon in den Feierabend verabschiedet“ hat.
  12. Am Konferenzort angekommen gibt es keinerlei visuelle Hinweise auf die Konferenz, der überkandidelte Concierge des Hotels weiss von keiner Konferenz, auf einem Bildschirm am Empfang läuft aber ein Zeitlupenband mit den Räumen für die derzeit 30 im Haus stattfindenden Veranstaltungen. Nach 5 Minuten Wartezeit weisst Du, wo Du hinmusst.
  13. Bei der Anmeldung gibt es eine Jutetasche mit einem Schreibblock und viel Werbung und einem Katzenkalender (auch Werbung).
  14. Das Schlüsselband an dem dein Konferenzkärtchen hängt kratzt auf der Haut.
  15. Der Raum für die 200 erwarteten Teilnehmer fasst höchsten 50 Leute. Es kommen nur 30.
  16. Die Tracks der Parallelkonferenz dauern 60 Minuten, die der eigenen Konferenz 45 min., siehe Punkt 7.
  17. Der Hauptsponsor der Konferenz hat den ewig offen gehaltenen call for papers ernst genommen und gestaltet den kompletten ersten Tag, nahezu völlig wertfrei natürlich.
  18. Der Hauptsponsor der Konferenz ist Microsoft.
  19. Alle Vortragenden am ersten Tag haben übrigens früher hauptsächlich dotnet gemacht. Und C#. Alle anderen haben Java gemacht.
  20. Es gibt einen Vortrag über Accessibility, und die ist übrigens ganz leicht, man muss nur überall wai-aria dranschreiben, wer hätte es gedacht.
  21. Internet Explorer 11 und Edge sind die neuen Sterne am Himmel der Webentwicklung. Hört man.
  22. Es spricht eine Frau auf der Konferenz.
  23. Es spricht eine Frau auf der Konferenz.
  24. Angular ist die Zukunft.
  25. Also Angular, nicht Angular 2, das ist ja noch Alpha.

1) Es geht hier ausdrücklich um Konferenzen für Webentwickler, kann sein, dass es sich bei Konferenzen für Lehrer, Physiker oder Bäckerlehrlinge komplett anders verhält. Muss aber nicht.