Instant Articles

Klingt wie Instantkaffee.

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Ich würde dem Guardian, oder der New York Times eigentlich nicht unterstellen, hinsichtlich ihrer Vertriebsstrategien im Netz dumm zu handeln, zu oft in den letzten Jahren hatte gerade sie die Nase vorn. Spiegel und Bild traue ich da wesentlich weniger zu. Was nun aber alle gemeinsam haben ist, dass sie Launchpartner bei Facebooks sogenannten instant articles sind, in Zukunft also Inhalte direkt auf Facebook veröffentlichen, ohne Link zur Mutterseite, komplett, ohne Netz und doppelten Boden also. Wie man weiss, performt original content auf Facebook besonders gut. Ebenso weiss man, dass sich schlappe 30 Millionen Nutzer dort herumtreiben und man kann annehmen, dass der Facebook-Algorithmus dafür sorgen wird, dass alle instant articles zu sehen bekommen. Das Werbeumfeld dürfen noch dazu die Anbieter selbst vermarkten.

Das alles verwundert mich auf so vielen Ebenen, man findet kaum Worte dafür. Speziell für Bild ist damit die Ära paid content wieder zu Ende, obwohl man natürlich auch in Facebook Bezahlmodelle für Content entwickeln möchte. Im Grunde ist das die Wiederholung des alten Modells aus der Anfangszeit des Netzes: Content raushauen, hoffen das die Werbung geklickt wird. Als Zugabe gibt’s Nutzerdaten und den Traum von Farmvilledollarmillionen. Halte ich ehrlich gesagt für eine Scheissidee.

Andererseits könnte das natürlich auch alles hochinnovativ sein. Ich meine Sätze wie „Facebook wird sich eh‘ nicht durchsetzen“ oder „das ist nur eine Modeerscheinung“ schwirren mir durch den Kopf und es klingelt dabei ganz seltsam. Vielleicht ist das Internet as we know it tatsächlich schon am Ende und war nur der Geburtshelfer für… Gottchen, da wird einem ja schlecht. Tatsächlich ist es ja ziemlich schlecht bestellt um das open web, das kann man nicht von der Hand weisen. Und was wir in den letzten Wochen sehen, ist sowas wie eine erste Lagerbildung für das Endgame, wir gehen mit Google, die anderen eben mit Facebook. Oder so.

Einzig Mark Zuckerberg kann sich ganz ohne schlechten Geschmack auf der Zunge freuen, dass er es geschafft hat, mit es einer billigen Steve-Jobs-frisst-die-Musikindustrie-Imitation geschafft hat… ja, was eigentlich? Stay hungry Mark!

Update: Natürlich sind instant articles auch nicht wirklich zugänglich, ein grundsätzliches Problem, wie Eric Eggert anmerkt:

We need to be really cautious that we don’t lose HTML/CSS as the primary, open, accessible, linkable, syndicatable solution for web content. If we are not, this might be a turning point.