Smart… considered harmful

DonAdams

Ich schwöre, wenn ich jemals ein Produkt, eine (Web-)App, oder irgendwas entwickeln werden, das ich selbst vermarkten muss, ich werde den Begriff »smart« im Titel unterbringen.

Heute ist ja praktisch alles smart. Nicht nur viel zu kleine Autos, Telefone oder Uhren. Es gibt smarte Plattformen, Zilliarden smarter Apps, smart grids, package manager, recovery, Kommunikation natürlich, sogar Projektziele sollten immer s.m.a.r.t. sein. Diese Website wird von einem smart Server ausgeliefert. Yeah. Wer seinem Produkt den Glanz der (möglichweise ja sogar künstlichen) Intelligenz verleihen will, der nennt es eben smart. Und manchmal stimmt das ja auch: mein Smartphone ist tatsächlich um Längen intelligenter, als das dämliche Dumbphone, dass bspw. meine Frau noch nutzt um mit T-9-Unterstützung mit tausenden von Tastenanschlägen SMS zu schreiben. Tick, Tick, Ticker Ticker Ticker, Tick, Ticker Ticker… Aber ich schweife unsmart ab.

Besonders geschickt ist es, ein Softwareprodukt smart zu nennen. Jaha, wir hätten unser Produkt auch stumpfdumm machen können, aber nein! es ist smart! Kommt es zu vergleichen, werden ihm schnell Eigenschaften zugesprochen, die es vielleicht gar nicht hat. Unterhalten sich zwei Webentwickler:

— Wir brauchen da HTML5-Unterstützung, nehmen wir unsere eigene Bibliothek oder die smart lib von XY?
— Ja, kann die denn HTML5?
— Weiss nicht, aber die ist doch smart!

So in der Art. Nennst du dein Produkt smart, dann kommen die Features von ganz allein: der geneigte Nutzer denkt sie einfach hinein. Kostet bei der Programmierung keinen Pfennig und zahlt sich direkt aus. Gut, hintendran gibt es ein paar Supportfälle, aber wenige, denn die meisten Nutzer sind von der Smartheit ihrer Entscheidung, das smarte Produkt zu nutzen so überzeugt, dass sie annehmen, es sei ihr eigener Fehler, das Feature X gerade nicht zu finden ist. Irgendwie geht das bestimmt… ist ja smart.

Wil Wheaton nails it again

Scheisse, ich bin ein Wil Wheaton Fan. Also nicht seit Star Trek NG, da ist er mir nur auf den Sack gegangen, aber was er heute so auf die Beine stellt, entspricht irgendwie meinem Lebensideal. Wenn man Wil nach seinem Beruf fragen würde, würde er wahrscheinlich „Nerd“ antworten, denn mehr macht er, neben ein paar Cameoauftritten im TV oder als sich selbst in Big Band Theory, ja eigentlich nicht, ausser eben Nerd sein. Er hält sogar 90-minütige Vorträge darüber wie er nerdige Dinge tut. Hach.

Todesstrafe in den USA

Es ist einfacher jene US-Bundesstaaten aufzuzählen, in denen die Todesstrafe abgeschafft ist, als umgekehrt: Alaska, Connecticut, Hawaii, Illinois, Iowa, Maine, Massachusetts, Michigan, Minnesota, North Dakota, New Mexico, Rhode Island, Vermont, West Virginia, Wisconsin, District of Columbia, Puerto Rico, New Jersey und New York. Oregon hat die Todesstrafe auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. In New Mexico und Maryland warten noch Kandidaten auf ihre Hinrichtung, die vor Abschaffung der Strafe verurteilt wurden. In allen anderen Staaten wird die Todesstrafe vollzogen.

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Seit 1976, nach einer vom Obersten Bundesgericht verordneten knapp acht jährigen Pause, wieder Exekutionen in den USA stattfinden, sind mehr als 1300 Menschen hingerichtet worden. Die meisten davon, üver 500, in Texas. Über 3000 warten derzeit auf ihre Hinrichtung. Die Wartenzeit in der sogenannten Todeszelle dauert im Schnitt 13 Jahre. Hingerichtet wird/wurde in den USA seit 1976 durch Erschießen, Erhängen, mit der Gaskammer, dem elektrischen Stuhl, in der Mehrzahl aber durch die Giftspritze.

Am 7. Dezember 1982 wurde in Texas erstmals ein Verurteilter per Giftspritze getötet. In den letzten Jahren sind die Medikamente für die Giftspritzen knapp geworden. Die Zahl der Exekutionen ging deshalb leicht zurück. Außerdem experimentieren die Behörden offenbar mit verschiedenen Giftcocktails, in der Regel sind die Mischungen geheim. Das führt zu immer neuen Fällen von mißglückten Exekutionen. In einem aktuellen Fall rang der Todeskandidat noch ca. 60 Min. nach Luft und starb dann qualvoll.

Laut Amnesty International wurden in den USA zwischen 1900 und 1985 350 Menschen zum Tode verurteilt, deren Unschuld später bewiesen wurde. 23 waren da schon tot. Bis 2007 konnten aufgrund neuer DNA-Beweise 15 Todeskandidaten freigesprochen werden.

Die USA befindet sich an fünfter Stelle der Staaten, die Todesstrafen vollstrecken, gemessen an der Anzahl der Hinrichtungen. Davor liegen China, der Iran, Irak und Saudi-Arabien. In den letzten drei Jahren wurden im Schnitt 43 Menschen im Jahr hingerichtet. Aktiv hingerichtet wird auch noch in anderen Ländern, nämlich Afghanistan, Ägypten, Antigua und Barbuda, Äquatorialguinea, Äthiopien, Bahamas, Bahrain, Bangladesch, Barbados, Belize, Botswana, China Volksrepublik, Republik China, Dominica, Gambia, Guatemala, Guinea, Guyana, Indien, Indonesien, Irak, Iran, Jamaika, Japan, Jemen, Jordanien, Katar, Komoren, Demokratische Republik Kongo, Kuba, Kuwait, Lesotho, Libanon, Libyen, Malaysia, Nigeria, Nordkorea, Oman, Pakistan, Palästinensische Autonomiegebiete, Saudi-Arabien, Simbabwe, Singapur, Somalia, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Sudan, Südsudan, Thailand, Trinidad und Tobago, Tschad, Uganda, Vereinigte Arabische Emirate und Vietnam.

Update:
Spiegel Online: Erste Exekution nach Gift-Panne: Mörder in Missouri hingerichtet

Artikelbild: Bestimmte Rechte vorbehalten von Kurt and Sybilla.

Ein (unzu)lässiger Vergleich

Passierschein A38

Ich fahre viel mit der Bahn. Das verändert die innere Einstellung erheblich. Man muss sich einen gesunden Phlegmatismus zulegen, weil man sonst nämlich auf lange Sicht wahnsinnig wird. Eine durchschnittliche Zugfahrt im Fernverkehr verläuft beispielsweise oft so:

  • Der ICE fährt von einem anderen Gleis, es gibt also keine Wagenstandsanzeige.
  • Die Wagenreihung ist geändert.
  • Es werden fünf Minuten Verspätung angekündigt.
  • Es werden zehn Minuten Verspätung angekündigt.
  • Grund für die Verspätung: Verzögerung im Betriebsablauf.
  • Der Zug trifft mit 15 Minuten Verspätung ein.
  • Aufgrund eines technischen Problems können die Reservierungen heute leider nicht angezeigt werden.
  • Es steht überall »Hotspot« dran, es gibt auch WLAN, dieses ist jedoch nicht mit dem Internet verbunden. @DB_Bahn meint, man solle mal beim Personal fragen, das Personal meint, dafür sei die Telekom zuständig.
  • Aufgrund eines technischen Problems kann der Zug heute leider nicht mit Höchstgeschwindigkeit fahren, ein Aufholen der verlorenen Zeit ist nicht möglich, im Gegenteil.
  • Information über Anschlusszüge: können nicht warten, bis auf einer.
  • Die Einfahrt in den Zielbahnhof ist blockiert, der letzte wartende Anschlußzug ist auch weg.

Wer sich kein dickes Fell zulegt, fährt früher oder später wieder Auto. Und was ändert sich? Nichts.

Genau so ist Webentwicklung.

Ju(n)gen(d)serien: Das Geheimnis des siebten Weges

»Das Geheimnis des siebten Weges« (orig. Zevensprong) ist eine niederländische Jugendserie aus dem Jahre 1982, die 1984 zum ersten Mal im deutschen Fernsehen zu sehen war.

Frans van der Steg, genannt der rote Frans, ist neuer Lehrer an der örtlichen Grundschule. Am Ende jeden Schultages erzählt er seinen Schülern gerne spannende Geschichten. Besonders spannend wird es, als er eines Tages einen Brief des in der Nähe residierenden Graf Grauenstein erhält, der ihn bittet Privatlehrer für dessen Neffen Geert-Jan zu werden. Wie sich herausstellt wird Geert-Jan im Schloß der Familie, genannt das Treppenhaus, mehr gefangen gehalten. Zusammen mit seinen Schülern deckt der rote Frans die Geheimnisse um das Treppenhaus und der sonderbaren Kreuzung mit sieben Wegen, den sogenannten Siebensprung, die zum Schloss führt, auf. Dabei tauchen alle möglichen sletsamen Dinge und Figuren auf, beispielsweise ein Junge, der einen Tag als Motorradrocker auftritt, am nächsten als netter Kerl, der jede Kenntnis von seinem angebliche Doppelgänger allerdings abstreitet. Und dann ist da noch der Kutscher des Grafen, der den roten Frans besonders auf dem Kieker hat…

An dieser Serie ist wirklich alles holländisch, was ihr einen besonderen Charme verleiht. Die Story ist ein wenig naiv und verschwurbelt, aber das drumherum um den Siebensprung, das Treppenhaus, die Schule, der Wald, der Imbiss (inkl. Pommes und Frikandel)… ein hervorragendes Setting. Alles ist so verdammt holländisch… und dann hat sie diesen Charme der frühen Achtziger, was stellenweise echt ein wenig strange ankommt.

Das Geheimnis des Siebten Weges – 30 Jahre Jubiläums-Edition inkl. mp3 Hörbuch [3 DVDs] bei Amazon bestellen (und mir ein paar Cent spenden).

Thema Ju(n)gen(d)serien: ich habe in letzter Zeit einige meiner Kindheits-TV-Erinnerungen nachgesehen, und die Recherche dann noch etwas ausgeweitet. Ich werde hier immer mal wieder davon berichten…

Ju(n)gen(d)serien: Catweazle

Kennt eigentlich noch jemand Catweazle, den Magier, den es, zusammen mit seiner Hauskröte Torchwood aus der Normannenzeit an den Anfang der 70er Jahre verschlägt? Zwei Staffeln der Serie wurde 1970 und 1971 gesendet, und ich muss sagen, der Charme dieses inzwischen uralten Stoffes ist wirklich erdrückend.

catweazle

Catweazle (Geoffrey Baldon) ist Magier und hauptsächlich damit beschäftigt, einen Spruch zu entdecken, mit dem er fliegen kann. Mit der Magie will es allerdings nicht so recht klappen. Die eben in England eingefallenen Normannen, zwingen Catweazle zur Flucht, als er dabei in einen Teich fällt, passiert doch etwas Magisches, nämlich als Catweazle dem Teich wieder entsteigt, findet er sich im Jahr 1969 wieder. 900 Jahre hat er mal eben so überbrückt, da kommen ihm die Dinge natürlich ein wenig seltsam vor. Wie es so seine Veranlagung ist, hält er jegliche Neuerung für Magie! Im Jahre 1969 sind das erstmal nur elektrisches Licht (»electrickery«), Autos, Flugzeuge, Fernseher, Mähmaschinen und so fort. Mithilfe des Jungen Harold Carrot Bennet versucht sich Catweazle immer wieder in der Zeit zurück zu zaubern. Am Ende von Staffel 1 gelingt ihm das auch sehr überraschend. Dafür findet er sich am Beginn von Staffel 2 im Gefängnis der Normannischen Besatzer wieder. Mit einem Sprung in den Burggraben wähnt er sich zu befreien, er landet jedoch wieder im Jahr 1970. Hier versucht er, zusammen mit Cedric ‚Owlface‘ Collingford, dem Sohn eines inzwischen verarmten Schloßbesitzers, 12 Rätsel zu lösen, von denen sich Catweazle verspricht, nach deren Lösung fliegen zu können. Cedric sucht nebenbei nach dem verschollenen Familienschatz.

Die Serie zeigte bereits Anfang der 70er, wie Menschen Probleme mit der fortschreitenden Technisierung des Lebens haben können. Catweazle betrachtet alle Dinge streng nach dem Dritten Clarkschen Gesetz

Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.

und hält eben alles für Magie. Für ihn sind Lichtschalter electrickery und ein Telefon ein telling bone. Seine eigene Magie hingegen klappt nur selten, was er mit einem immer mit einem völlig enttäuschtem nothing works zu kommentieren pflegt. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie Catweazle heute zu Recht käme, wir haben ja noch jede Menge mehr electrickery, als es 1970 gab. Dieser Frage wollten die Macher der Serie eigentlich nachgehen, ein abendfüllender Film war 2012 bereits in der Vorproduktion. Leider verstarb im selben Jahr Catweazle-Erfinder Richard Carpenter im Alter von 82 Jahren, so dass dieses sicherlich sehenswerte Erlebnis nicht mehr zu Stande kam. Catweazle würde es garantiert auch noch heute zur Kultfigur schaffen und wäre definitiv für das eine oder andere Meme gut.

»Catweazle – Die komplette Serie (restauriert)« bei Amazon kaufen (und mir ein paar Cent spenden).

Thema Ju(n)gen(d)serien: ich habe in letzter Zeit einige meiner Kindheits-TV-Erinnerungen nachgesehen, und die Recherche dann noch etwas ausgeweitet. Ich werde hier immer mal wieder davon berichten…

Nepper, Schlepper, Adressensammler

Screenshot der Webseite

Die Firma Vodaphone also wirbt im Internet, dass es vom 18. Juli bis 21. Juli (solange der Vorrat reicht, sie kennen das), Dr. Dre urBeats in-ear-Kopfhörer, die sonst (angeblich) 79 Euronen kosten, zum Preis von 19.90 Euro zu verkaufen hätte. Man bräuchte nur in einer Filiale aufschlagen (rechtzeitig) um sich das Angebot zu sichern. Gute Idee… dachte ich.

Am Shop, meinem Arbeitsplatz praktisch gegenüber, wartet schon eine Schlange von Leuten. Hui, hätte ich jetzt auch nicht gedacht, ist aber ja auch ein Superdeal. Sogar der O2-Kollege aus dem Laden nebenan ist dabei. Als der Laden öffnet, stellt sich allerdings schnell raus: die haben die Kopfhörer gar nicht da. Stattdessen muss jeder der einen haben will, seine Adresse angeben, und bekommt die Kopfhörer dann auf Rechnung nach Hause geschickt. Oder man lässt sie an den Laden schicke, seine Adresse muss man aber auf jeden Fall angeben. Ohne mich.

Screenshot der Webseite
Screenshot der Webseite

Es geht hier also nicht darum, ein gutes Angebot zu unterbreiten. Ich sage mal früher, also früher waren Angebote dazu da, Lager zu räumen, die Kundenbindung zu stärken und ja, auch um Kunden in ein Geschäft zu locken und zu verführen, noch weitere Dinge zu kaufen. Das sieht bei einem solchen Angebot anders aus, hier gilt: Ware gegen Daten. Offensichtlich benötigt man auch die Komponente »in den Laden locken«, denn sonst würde Vodaphone seine Deals der Woche ja gleich im Netz verkaufen. Also ein Lockangebot plus Verkauf der eigenen Adressdaten (inkl. Überprüfung durch die Post).Das finde ich schon reichlich verdreht. Die Erfahrungen anderer mit diesem Angebot sind auch sehr interessant. Vielleicht nicht gerade betrügerisch aber irgendwie schmutzig, denn es steht da ja »Store finden und Angebot sichern«, statt gleich mit nach Hause nehmen, wie man das bei allen anderen Geschäften dieser Welt so macht und mir soll keiner sagen, die Kopfhörer müssten nun erst hergestellt werden. Und was soll das Store finden? Soll das Gamification sein?

Wieder einmal Glück gehabt und nicht auf den Leim gegangen. Da kann ich ja auch gleich bei irgendeinem Preisausschreiben mitmachen, oder bei einer Kaffeefahrt. Oder einen Nachsendeantrag ausfüllen. Oder einen Umzug beim Amt melden. Ach, wenn der gute Eduard Zimmermann noch lebte…

Ein letzter Beitrag über Fußball

Fußball ist irgendwie sehr ambivalent. Einerseits ist der Fußball die Möglichkeit Menschen zusammen zu bringen, Frieden zu stiften und Geld in Länder zu bringen, die es brauchen. Andererseits verprügeln sich die Fans vor den Stadien, bewerfen den Gegner mit Bananen, und statt mit Geld zu helfen, werden Armenviertel eingerissen um Platz für Fußballstadien zu schaffen. Das beides sind die Realitäten des Fußballs, im Traditionsstadion Maracanã ebenso, wie auf der Kampfbahn nebenan, mit Champus und mit Edelhell, Weltmeisterschaft oder Kreisklasse.

Die deutsche Nationalmannschaft wird und wurde dabei zur Lichtgestalt hochgejubelt und -geworben: die netten Jungs, die als Deutschlands Botschafter die Welt bereisen und nebenbei den Titel gewinnen, wahre Helden. Und dann kommen sie zurück ans Brandenburger Tor und zeigen, dass die doch nur Fußballer sind, zwar ungleich reicher, aber eben nicht viel niveauvoller als ihre Fans, die zu hundert Tausenden die Arbeit geschwänzt haben, um zum letzten Mal die Fanmeile zu füllen und sich von Helene Fischer und DJ Ötzi so richtig einheizen zu lassen. Und überall steht ein Sponsor drauf. Und dann bewerfen sie den Gegner mit Bananen, die Lichtgestalten.

An der Kommerzialisierung der Party—und an Helene Fischer—kann man sich stören, wenn man die Taz ist. Oder man packt die Moralkeule aus, wenn man der Spiegel oder die FAZ ist. Aber damit demonstriert man nur, dass man von Fußball keine Ahnung hat. Jedenfalls nicht von dieser Seite des Fußballs. Dafür muss man schonmal im Stadion gewesen sein. Das kann man nicht in einem Taktiklehrbuch oder einer WM-Statistik nachlesen, das muss man vor Ort erlebt haben. Und die Fans rücken zusammen und machen das, was sie immer tun und stellen sich hinter ihre Mannschaft, und shitstormen zurück, was Facebook und Twitter hergeben.

Und das ist der Grund, warum ich mit Fußball nur wenig zu tun habe: eben weil ich im Stadion war. Ich habe sogar verschiedene Mannschaften ausprobiert. Den Verein meiner Heimat, aber da liefen mir seinerzeit zuviele Hools herum. Dann war ich mal bei unseren Erzfeinden, da war das Bild das gleiche. Dann habe ich es mal bei einem Linksaußenalternativclub versucht und ich war bei den größten Verlieren die die Bundesliga je gesehen hat. Demut findet man nirgendwo dort, in keinem Stadion. Es ist immer laut und das Ritual ist immer das gleiche. Respekt gegenüber dem Gegner äußert sich nur darin, dass man noch lauter feindliche Botschaften gen Besucherblock brüllt, noch mehr Bananen wirft. Und im Fußballstadion auf den Rängen ist das alles erlaubt. Und manchmal hauen sich sogar die Spieler, bis einer mit Gehirerschütterung vom Platz muss oder unter dem Auge blutet. Das ist Fußball, brüllen alle. Das ist heilig. Politcal correctness, um das Wort noch unterzubringen, ist da am falschen Platz. Das ist ja gerade der Sinn der Sache. Und das ist auch international so überall in der Welt.

Deswegen gehe ich da nicht hin. Einen Zwang gibt es ja glücklicherweise nicht.

Nun ist die WM vorbei und damit auch der mediale Irrglaube, dass sei irgendwie anders, wenn die Nationalmannschaft spielt oder eben feiert. Ist es nicht. Der Fan köpft genüßlich sein Edelhell, himmelt Miro Klose an und träumt vom Mercedes. Und im Hintergrund singt Helene Fischer die Nationalhymne. Nachtrag:

Weltmeister

1974, 1990 und 2014, drei Weltmeistertitel fallen in meine Lebenszeit, was mich hauptsächlich zu einem vergleichsweise alten Sack macht, mehr eigentlich nicht. Gefreut habe ich mich, vor allem weil ich die meisten der Jungs, die da gestern gewonnen haben, gut leiden kann.

Es ist der perfekte Mix aus Tugenden und Traumfußball, aus Hurra und Hauruck.

Schreibt der Spiegel und greift damit irgendwie unfreiwillig meine Ängste vor den Fahnenschwingern und Fußballpatrioten wieder auf. Ja, die deutschen Tugenden, allesamt eher sekundäre, die muss man an einem solchen Tag unbedingt beschwören.

Ach und Hurrapatriotismus, den packen wir dann jetzt wieder schön in den Kofferraum.