Verlinkt XVII

Richtig

Fantastischer Aha-Artikel für alle Programmierer, Entwickler und Manager in deren Umfeld: The one cost engineers and product managers don’t consider:

Among the most dangerously unconsidered costs is what I’ve been calling complexity cost. Complexity cost is the debt you accrue by complicating features or technology in order to solve problems. An application that does twenty things is more difficult to refactor than an application that does one thing, so changes to its code will take longer. Sometimes complexity is a necessary cost, but only organizations that fully internalize the concept can hope to prevent runaway spending in this area.

Und, haben Sie schon gehört: nächstes Jahr wird sich das mobile Internet endlich durchsetzten. Wer dachte, dass das schon paaiert wäre, muss sich täuschen, denn obwohl die Nutzer da sind, fehlen noch diverse andere Parteien: With more consumers embracing mobile web, why aren’t brands? Ganz klare Antwort: wird sich eh‘ nicht durchsetzen, dieses Internet.

Das kleine Programmierprojekt fürs Wochenende: Building an iOS weather app with Angular and ClojureScript. /via @ralf

Falsch

NSA Headquarter in Forte Meade, Maryland:
NSA Headquarter in Forte Meade, Maryland. Foto: Some rights reserved by gvgoebel

Und heute lernen wir in Sachen Abhören und Überwachen: das ganze hat eine lange, wenn auch mithin geheime, Tradition in Deutschland. Abhören im Adenauer-Deutschland und in Neuland:

Über das Verhältnis der jungen Bundesrepublik zu den Siegermächten wurde vieles erst in den letzten Jahren bekannt. So schilderte 2009 Willy Brandts Vertrauter Egon Bahr, dass Brandt 1969 nach Einzug im Bundeskanzleramt unerwarteten Besuch bekam: Der Regierungschef sollte sich den drei Westmächten in einem strengst geheimen Dokument u.a. in der Berlinfrage unterwerfen. Teile des Grundgesetzes waren heimlich zugunsten „unkündbarer Siegerrechte“ von Anfang an außer Kraft gesetzt worden. Bahr erinnert sich noch an die Empörung Brandts, da eine solche Unterwerfung gegen seinen Amtseid verstoße. Als der neue Kanzler hörte, dass seine drei Vorgänger jenen Brief ebenfalls unterschrieben hatten, gab er seinen Widerstand schließlich auf.

Klar das Europa und speziell Deutschland vorderstes Abhörziel für die NSA ist, oder? Deswegen hört man in Deutschland 500 Millionen Verbindungen ab, oder verwanzt die EU-Vertretungen in Washington und Einrichtungen in Brüssel. Was nun auch mal zu Reaktionen führt, erstaunlicherweise.

Ob der BND dabei das technische Nachsehen hat? Titanic sammelt schonmal Datenspenden.

Orwell steht vor der Tür

big brother art

Eine gute politische Idee, durch die eigene phobisch erkrankte Regierung entstellt, mündet in die Totalüberwachung der Gesamtheit ihrer Einwohner. Klingt wie DDR. Ist es aber nicht, sondern die aktuelle Realität der westlichen sogenannten Demokratien. Was wir bisher wissen: die USA überwacht die großen Informationssammler in den Staaten (Facebook, Apple, etc.) und kann und konnte sich dabei offensichtlich noch auf deren freundliche Mithilfe verlassen. Großbritanien geht da gleich noch etwas weiter und saugt direkt den kompletten Internetverkehr ab und speichert in auf Vorrat. Klingt schon wieder nach Stasi.

big brother art
George Orwell steht vor der Tür. Nein, eigentlich steht er schon mitten im Raum. Foto: Some rights reserved by zeitfaenger.at.

Da fragt man sich, wo die Deutschen bei der Sache stehen. Misstrauisch macht auf jeden Fall, dass so richtig kein Protest in Regierungskreisen aufkommen will. Die Kanzlerin hat sich mit einem geschickten Ablenkungsmanöver aka. #neuland aus der Affäre gezogen. Ansonsten kritisiert wohl nur die Justizministerin ein wenig am Tempora-Programm herum. Von Empörung ist da weit und breit nichts zu spüren, nicht mal Überraschung vermag man zu erkennen. Und wer garantiert uns eigentlich, dass nicht, während an der politischen Front noch um die Vorratsdatenspeicherung und Bundestrojaner gerungen wird, nicht die Schlapphüte im Hintergrund längst den Netzstaubsauger auch in Deutschland an das Backbonenetz gesetzt haben? Eben. Klingt dann eigentlich noch mehr nach DDR, wegen der Sekundärtugenden mit der sowetwas durchgeführt würde. Haben Sie schon gehört, warum der BND wirklich von Pullach nach Berlin umgezogen ist? Die Platten waren voll. Auch von der sogenannten Opposition hört man wenig zum Thema, was mich wirklich sehr mißtrauisch macht. Egal ob sich die Genossen schon auf eine große Koalition vorbereiten oder noch an den Sieg glauben und auf die schönen Abhöreinrichtungen einfach nicht verzichten wollen, von dort ist offenbar mit nichts zu rechnen.

Governments should not have this capacity. But governments will use whatever technology is available to them to combat their primary enemy – which is their own population. (Noam Chomsky)

Natürlich muss man auch fragen, worin die Gründe liegen, dass die Regierungen so handeln. Sascha Lobo hatte es richtig dargestellt: die 50 verhinderten Terrorakte in sechs Jahren weltweit, die als das Ergebnis von Prism angegeben werden, können, wenn man der Zahl glaubt, kaum der wahre Grund sein. Dazu Lobo:

Selbst als Bürgerrechtsaficionado wird man zugestehen müssen, dass die Abwägung Sicherheit versus Freiheit alles andere als simpel ist. Umso wichtiger, dass dieser Vorgang im politischen Bewusstsein darüber geschieht, was auf dem Spiel steht: die Aushöhlung oder gar Abschaffung zentraler Grundrechte im digitalen Raum. Und nicht das Fun-Gefühl der Unbeschwertheit. Die Abwägung aber zwischen Menschenleben und Eingriff in persönliche Rechte und Freiheiten ist kein Neuland – im Gegenteil. Die Freiheit des motorisierten Individualverkehrs, quasi das Recht, ein Automobil zu führen, kostet allein in Deutschland jährlich rund viertausend Tote. Zwar taugt der Straßenverkehr nur sehr eingeschränkt als Vorbild für das Internet. Aber das Beispiel zeigt, dass zum Schutz von Menschenleben eben nicht alles irgendwie Realisierbare getan wird, sondern dass Freiheiten und selbst Kosten eine Rolle spielen.

Aber werden hier noch Sicherheit und Bedrohung gegeneinander abgewogen? Und wenn ja, um welche Sicherheit geht es da eigentlich? Möglicherweise eine übertriebene, eine phobische? Da man inzwischen weiss, dass Menschenmassen irrational und mithin panisch reagieren, kann man sich vorstellen, dass die Menschenmasse die der regierende Staatsapparat eine ist, also Politik, Beamten, Polizei und Justiz zusammen, dazu neigt, eine unglaublich potenzierte Angststörung zu entwickeln. Wohin das führt, kann man in der Geschichte überall begutachten. Das aus dieser Angst resultierende krankhafte Sicherheitsbedürfnis führt direkt in den Orwellschen Überwachungsstaat, da stimme ich Martin Weigert zu:

Ich glaube, dass uns nur die Abkehr vom exzessiven Sicherheitsdenken vor einem Orwellschen Staat schützen kann. Nur würde dies ein massives gesamtgesellschaftliches Umdenken erfordern. Es hieße, mehr existentielle Risiken in Kauf zu nehmen und in Situationen, in denen das Leben durch Terror unerwartet ein Ende findet, nicht Sicherheitsbehörden Versagen vorzuwerfen.

Nun kann man natürlich folgern, das Internet sei kaputt. Und zum miteinander kommunizieren in den Wald gehen. Das stellt tatsächlich ein Problem da. Denn ich war eigentlich davon ausgegangen, dass das sogenannte Internet den Antrieb für eigentlich jeden Fortschritt darstellt, der in Zukunft noch kommen wird bzw. in den letzten 20 Jahren passiert ist. Undenkbar, dass diese Basis allen Fortschritts nun kaputt sei und wir uns daraus zurück ziehen müssen. Andererseits zweifle ich aber auch die Wirksamkeit von Aluhüten stark an und ich glaube auch nicht, dass Verschlüsselung der Kommunikation auf lange Sicht hilft, oder sich jemals durchsetzten wird, da alle die es durchsetzen könnte, siehe Absatz 1, mit der NSA gemeinsame Sachen machen oder machen müssen 1.

Ich will aber auch nicht mit dem Wissen leben, dass alles was ich kommuniziere permanent abgehört und aufgezeichnet wird. Das meine Regierung mein Feind ist. Komisch: mit der Ahnung ging’s noch ganz gut, aber mit dem Wissen?! Da sträubt sich etwas in mir. Also muss man etwas dagegen tun. Nicht das ich schon wüsste was. Zunächst mal ist es schwierig innerhalb des heutigen Systems zu handeln, denn wie man sieht, halten sich die Regierungen nicht an die Regeln. Dann mal ein Satz zum Abhören: das ruft ja praktisch nach einer Opposition außerhalb des Parlaments. Es sei denn, man glaubt noch an die Piraten 2.


  1. Trotzdem: wer möchte kann gerne mit mir Schlüssel tauschen. 

  2. Immer gut einen ernsten Artikel mit einem Witz zu beenden. 

Copycat

Zuckerberg

Ich bin ja immer noch der Überzeugung, dass sich Facebook sowas von auf dem absteigenden Ast befindet. Nachdem es jahrelang nur bergauf ging, jedenfalls wenn man dem Pressejubel und den Mitgliederzahlen glauben darf, ist nun irgendwie Stagnation eingetreten. Zunächst verlief der Versuch im Sande, mit Facebook Home den androiden Startbildschirm zu übernehmen, gleichzeitig floppte das Facebook Phone, ein HTC mit vorinstalliertem Home. Zuletzt dann Gerüchte, dass Samsung eine Neuauflage eben jenes Home Phone dankend abgelehnt habe. Zumindest dieser Bereich läuft nicht so richtig rund im Hause Zuckerberg.

Trotzdem kann man natürlich nicht aufhören, weitere Versuche zu starten, im mobilen Web Fuß zu fassen, etwas was Facebook seit Jahren nicht gelingen will. Schob man die Schuld zunächst auf HTML5, als Grund, warum die Facebook Apps nicht richtig durchstarteten, kann man doch nun langsam abschätzen, dass es doch schlechte Managemententscheidungen sein könnten, die Schuld sind. Da ist der nächste Schritt nur logisch: andere, erfolgreiche Produkte und Projekte kopieren.

Mit dem üblichen Tamtam präsentierte man am Donnerstag: Video für Instagram. Yeah! Jubel! Beifall! Moment mal, gibt es das nicht schon irgendwo? Stimmt, Twitter ist mit seinem Vine erstaunlich erfolgreich gewesen. Einziger Unterschied: bei Instagram kann man 15 Sekunden Video veröffentlichen, und Filter gibt es auch: ist ja Instagram. Fernab der Frage, ob die Welt nun 15 oder sechs Sekunden Kurzvideos braucht oder nicht, oder ob diese auch noch vorher durch einen Filter laufen sollten oder nicht, Instagram Video ist eine blosse Kopie von Vine. Man kann das natürlich als mutig empfinden, sich in eine Nische drängen zu wollen, die schon von einem anderen Dienst bewohnt wird, möglicherweise ist es aber auch nur dumm. Denn natürlich ist Facebook im Copycatgeschäft nicht neu: Poke, Facebooks Version von Snapchat war allerdings ebenfals kein Erfolg.

Dem aber nicht genug, wie es aussieht, steht schon der nächste Coup bevor: wie The Verge via WSJ berichtet, will Facebook als nächstes im mobilen Segment mit einem Reader auftrumpfen, der sich an Flipboard orientiert, die nächste Kopie steht also schon in den Startlöchern. Eher zufällig landet Facebook damit in einem relativ frischen Markt, da ja Google seinen monopolistischen Reader gerade platt macht. Facebooks Entwickler sind aber wohl schon länger dabei ein Flipboard-Copycat zu schreiben, als Googles Ausstieg aus der RSS-Welt bekannt ist. Ist das nun mutig? Flipboard hat eine Userbasis von 50 Millionen, also muss an dem Konzept ja irgendetwas dran sein… allerdings lauert im RSS-Segment auch schwergewichtige Konkurrent, wie bspw. digg oder gleich AOL, die ebenfalls kürzlich einen RSS-Reader ankündigten.

Es ist offensichtlich: Facebook drängt weiter in den mobilen Markt. Und zwar mit Kopien anderer Leute Ideen. Kann man natürlich machen, innovativ ist das jedoch nicht. Kein Stück. Und mutig nur aus finanzieller Sicht. Wäre schön, wenn diese Copycats genauso floppen, wie Facebook Home. Dann allerdings ziehen wirklich dunkle Wolken auf, über der größten freiwilligen Datensammlung, auf die die NSA derzeit zugreifen kann. Andererseits, vielleicht ist das Mark Zuckerberg auch alles egal, genug Geld zum Draufwerfen scheint ja da zu sein…

Artikelbild: Some rights reserved by deneyterrio

Meinungen zu iOS7

Nachdem ich Freitag endlich Zeit hatte, die iOS7 Beta zu installieren, drücke ich mich seitdem darum, einen Artikel darüber zu schreiben, weil es nichts anderes werden würde, als ein fürchterlicher Rant. Und davon gibt es im Netzt doch nun schon so viele. Stattdessen möchte ich zwei sehr gegensätzliche Artikel zum Thema iOS7 vorstellen, die meiner Meinung nach die Positionen dazu ganz gut aufzeigen. Chris Win (Founder of Sixteen Eighty) will uns zeigen: „Where Apple Went Wrong” und Cap Watkins (Design Lead at Etsy) meint dagegen: „iOS 7. Unpolished By Design.”.

Chris Win hat das neue iOS einigen ausgesprochenen Nicht-Profis gezeigt, da die Diskussion unter seinen Design-Kollegen doch ziemlich zerstritten ist. Chris kommt direkt zum Punkt:

Everyone is entitled to an opinion, but a design can be objectively bad. Despite some important functional design improvements, much of what Apple displayed at WWDC was simply not show-quality.

Da stimmt er mit mir und vielen, vielen, sehr vielen Stimmen im Netz bis hin zu Erik Spiekermann überein. Cap Watkins ist mehr oder weniger auch dieser Meinung, mag es aber nicht aussprechen. Stattdessen vertritt er die Ansicht, dass sozusagen dort wo gehobelt wird, eben Späne fallen:

Today, Apple pressed the big reset button on their entire OS and aesthetic. Sure, the functionality is still, largely, there. But they’ve essentially taken the last six years of tweaking, touching-up, honing, and revising and wiped it all away to begin again. To learn again. To hone from a new, unknown place.

Was ziemlich pathetisch klingt. A land, where no man has gone before. Wofür er allerdings wirbt ist, Apple den anfänglichen Fail zuzugestehen, so wie wir es bei der seit Jahren üblichen Strategie launch quickly, learn quickly, and polish as we go ja auch immer selbst machen. Und man hat ja durchaus genug gemeckert die letzten Jahre, über das veraltete Design mit Lederimitat und den anderen Skeuphormismen. Das dies zur kompletten Entstellung führen darf, zweifelt Chris Win natürlich an:

iOS 7 misses the mark when it comes to user interface design. Take the new Control Center, for example. Does a black icon mean a button in its active state, or is the white icon active? You’ll learn once you start using it, I guess.

The controls also lack negative space. Buttons and widgets are crowded together. Apple has always stated clearly that control groups should allow comfortable target zones, particularly with touch.

Maybe this will change. Maybe Apple knows it’s wrong or unfinished. But then what the hell are they doing showing it?

Was ranten wir dafür immer wieder über Microsoft. Was haben wir uns über die Präsentationen bei Samsung lächerlich gemacht. Immer aus der Warte heraus, Nutzer der bestdesignten Notebooks zu sein, die beste Software zu benutzen, das beste mobile Betriebssystem. Über das wir natürlich trotzdem immer gemeckert haben, weil wir der Ansicht waren, Apple könnte es tatsächlich noch besser machen. Jammern auf sehr hohem Niveau. Cap Watkins dazu:

For the last couple of years we’ve all complained, jeered and teased our phone-maker-of-choice for not totally revising their UI. For using felt. For using leather stitching. They’re falling behind the times, we said. They need to revolutionize their interface.

Kein Grund mit halben Kram zu kommen, meint auch Chris Win:

Apple is following in this area, where once they led. They had purpose in their user interface designs. They set the standard and showed finished products. They inspired designers and copycats. Who will copy that home screen, with its mess of over-saturated, child-like icons? Who can tell me the beautiful, subtle detail of the previous camera lens icon should be replaced with a black blob?

Und trifft, wie ich meine einen wichtigen Punkt. Bei Apple hat sich etwas verändert. Es ist schwer zu ertragen, dass eben die Firma, die in den letzten Jahren den Staffelstab in Sachen mobile Design und Smartphone-UI in der Hand hielt, sich nun eingereiht hat in die Riege derjenigen, die halt auch mal mit etwas halbfertigem an den Markt gehen. Hier antwortet Watkins mit Optimismus:

It will get better. It will be honed. They’ll spend the next six years polishing this interface until we’re complaining that it’s not real-looking enough. Not directly-connected-to-our-brains enough. Not whatever enough. And they’ll revolutionize it again. And we’ll complain.

Sechs Jahre?! So optimistisch ist das vielleicht gar nicht. Ich kann mich nicht erinnern, dass bei derPräsentation des iPhone 1 etwas derartig unfertiges abgeliefert worden wäre, dass man nun die letzten sechs Jahre verfeinert hätte. Da kommen harte Zeiten auf uns zu. Sieht auch Win so:

Everyone seems to agree this was a big moment for Apple. It is a time to reclaim the mantle of innovation and quiet the naysayers who have become skeptical of Tim Cook’s Apple. But if this is the future — following and not leading on software design — we are in for a rough ride. They have until September to finish this draft. I sure hope they do.

Ich habe ja zum Glück noch ein zweites Telefon, ein Nexus 4. Mal sehen wie Android dann in sechs Jahren aussieht.

Bezahlen im Netz

Ich bin ausdrücklich nicht der Meinung, dass es im Internet einen weltweiten Konsens darüber gäbe,  dass dort alles umsonst sein müsse. Ich kann bei mir selbst beobachten, dass es die kolportierte Kostenloskultur schlicht nicht gibt, oder mindestens, dass es sie in Zukunft nicht geben wird. Ich bezahle für etliche Dienste im Netz. Und ich kenne viele andere, die es mir gleich tun.

Was allerdings stimmt ist, dass ich sehr genau hinschaue, wem und wofür ich mein Geld gebe. Und auch, wie der Prozess des Geldgebens funktioniert, also ist er komfortabel gestaltet, ist er sicher und vertrauenswürdig usw., ist eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Sprich: das Angebot,  der Service, der Support,  das Design,  die Bezahlmethode, die UI, die Bestellabwicklung, wieviele Daten dabei erhoben werden, wie ich als Kunde behandelt werde, das muss praktisch alles oder zumindest in großen Teilen stimmen, damit es zum Abschluss kommt.

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Damit fallen beispielsweise langfristige Aboangebote oder auch kurzfristige mit einzuhaltenden Kündigungsfristen von vornherein weg. Das ist das Netz, ich will nicht behandelt werden, als würde ich etwas von einem Drücker an der Haustür erwerben. Ich will auch nicht kilometerweise Formulare ausfüllen oder meinen Lebenslauf einreichen. Und ich will nicht nach einer Bezahlfunktion suchen müssen, oder die Bedingungen dazu recherchieren müssen. Ich will ein ehrliches Geschäft machen,  nicht wie ein Betrüger behandelt werden. Ihr bekommt womöglich meine Kreditkartendaten, zeigt mir gefälligst, dass ihr dieses Vertrauen würdig seid. Und ich will die Daten auch garantiert nur einmal bei euch eingeben. Aber trotzdem immer darauf zugreifen können um sie zu ändern, wenn es nötig ist.

Was auch nicht geht, ist wenn Bestellstrecken nicht funktionieren, oder sich dauernd ändern. Oder mit dem Smartphone nicht funktionieren. Oder an irgendeiner Stelle nicht klar ist, was ich jetzt bestelle. Oder mir werden Dinge in den virtuellen Einkaufswagen gelegt, die ich nicht will und dann wieder wegklicken muss. Und ich will keine Tricks. Keine. Das heisst auch: ich will keine unaufgefordert zugesandten Mails von Euch. Auch keine Gewinnspiele,  die eigentlich nur die gleichen Testabos sind, wie sie einem am Bahnhof aufgedrängt werden. Ich will nie,  dass meine Daten für Werbezwecke von euch, euren Partnern oder sonst wem genutzt werden. Könnt‘ ihr gleich vergessen.

Bezahlung im Internet muss einfach, schnell, sicher und vertrauenswürdig ablaufen, zwischen Geschäftspartnern, die sich gegenseitig vertrauen und respektieren. Und das Angebot muss natürlich auch stimmen. Nicht vergessen.

Fliegen

Über den Wolken
muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man,
blieben darunter verborgen,
und dann,
würde was uns groß und wichtig erscheint
plötzlich nichtig und klein.

Sang einst Reinhard Mey über das Fliegen und das Fernweh. Ich kann das aus dem Kopf zitieren, weil mir das Lied als Kind viel bedeutet hat. Heute fällt es mir immer ein, wenn ich einen der zwei, drei Flüge im Jahr absolviere (Urlaube nicht mitgezählt). Meist reise ich dann zu einer Konferenz, oder komme von einer zurück, oft mit der ersten oder der letzten Maschine. Und ich muss immer wieder feststellen, dass ich mich zu diesen Gelegenheiten in eine unglaubliche Parallelwelt begebe, von der Reinhard Mey wohl eher zurückgeschreckt wäre, da sie so gar nichts mit Freiheit im Sinne des Bänkelgesangs zu tun hat.

Das Abenteuer beginnt ja schon vor dem Abflug beim Einchecken. Mache ich ja am liebsten per Website oder App. Ich sag mal, nicht alle Webseiten machen von Anfang an klar, wo man sich mit seinem Smartphone nun am bestern eincheckt. Die Air Berlin Seite glänzte jüngst damit, dass sich morgens das gesuchte Formular unten links, abends aber oben rechts befand. Erstaunlich. Natürlich gibt es auch eine mobile Seite, den Link dazu soll man sich aber offensichtlich alleine merken. Google schickt einen zu (harhar) wap.airberlin.com, von dort wird man aber richtig weitergeleitet (toll, PI-Ration 3 für 1). Hat man es geschafft, den begehrten QR-Code auf sein Telefon zu laden, ist dieses endlich zu dem geworden, was es schon immer sein sollte: mein Ausweis. Und dieser gewährt Eintritt in das seltsame Land, dass sich Transitbereich nennt.

Vorher muss man allerdings den Sicherheitscheck über sich ergehen lassen. Am Fließband angekommen, wo man sein Hab und Gut in eine oder mehrere Plastikwannen verteilen muss, zeigt man sich am besten hochgradig kooperativ. Blitzschnell, noch bevor das Personal einen dazu auffordern kann, reisst man sich den Gürtel heraus und legt ihn zusammen mit den beiden Handys (privat & Dienst), der Brieftasche, den Schlüsseln und allem weiteren Tascheninhalt und natürlich der häßlichen durchsichtigen Kosmetiktasche in eine Wanne. Dann das Laptop in eine weitere Wanne, dann den Koffer hinterher. Dabei immer hübsch untertänig sein, bei lautlustigen bayrischen Sicherheitsbeamten, die Witze über Saupreis‘ reissen, immer nett mitlachen. Der ungeübte Flieger verheddert sich dabei schon einmal in den Gepflogenheiten oder seinen Schnürsenkeln. Hält er damit die Schlange auf, ist Ärger vorprogrammiert. Zack! Schon wird die Zahnpastatube konfisziert, könnte ja TNT sein. Auf Zahnpasta gehen die Sicherheitspeople erfahrungsgemäß voll ab, die lässt man besser gleich zu Hause. Expertentipp eines Mitreisenden: im Hotel bekommt man meist Zahnpasta geschenkt. Was Deo angeht, ist die Lage nicht so eindeutig. Ich bin schon mit einer großen Flasche Pumpspray durchgekommen (deutlich zu viel Flüssigkeit als erlaubt), ein Deostick wurde mir jedoch auch schon abgenommen, obwohl der garantiert nicht flüssig ist. Da steckt insgesamt wenig Logik und Methode dahinter, ausser vielleicht die morgendliche Kaffeerunde der Sicherheitsleute beschließt: „heute brauchen wir mal Deosticks“ oder so. Aber das sind haltlose Unterstellungen.

Dann ist alles still, ich geh‘
Regen durchdringt meine Jacke
Irgendjemand kocht Kaffee
In der Luftaufsichtsbaracke

Im Transitbereich angekommen, stellt man ja eigentlich immer fest, dass man jetzt doch noch viel mehr Zeit hat, als nötig. Ich jedenfalls bin immer zu früh.Im Transitbereich herrschen andere Gesetze als draußen, oder eben gar keine. Zum Beispiel kostet ein Kaffee dort mit einem Mal sechs Euro (in Zahlen: 12 DM). Etwas zu Essen kostet, egal was es ist: vom Lachsbrötchen bis zur Weisswurst, immer 10,90 Euro, offenbar ein deutschlandweit gültiger Einheitspreis. In den Shops, die ausschließlich für Businesskasper gedacht sind, die wahlweise der vernachlässigten Frau oder den vernachlässigten Kindern irgendetwas mitbringen müssen, gelten ebenfalls entsprechende Preise. Und es gibt dort eben nur irgendwas. Braucht man nicht, ausser vielleicht die tollen Whiskeys in Sondergrößen. Ich habe jedoch regelmäßig keine Lust, eine durchsichtige Tüte—das europäische Pendant der amerikanischen Papiertüte mit exakt gegenteiliger Wirkung: wir saufen öffentlich!—mit Hartalkoholika durch die Weltgeschichte zu kutschieren.

Kommt man ans Gate, gehört es zum guten Ton, mit Koffer, Laptoptasche und nötigenfalls dem ausgebreiteten Jacket, direkt eine ganze Bankreihe für sich zu belegen, die Businesskasperversion des Handtuchs auf der Poolliege. Beginnt das Boarding, muss man übrigens immer als erster in das Flugzeug einsteigen. Nicht dass man am Ende keinen Platz im Gepäckfach abbekommt. Sein Handgepäck vor sich unter dem Sitz verstauen zu müssen, ist die größte Niederlage, die man als Flugreisender erleiden kann. Der gut trainierter Vielflieger steigt auf jeden Fall als letzter in den Flieger ein, sitzt allerdings auf einem Fensterplatz ganz hinten, dort ist die Überlebenschance bei einem Absturz nämlich am höchsten. Da kann er ganz genüßlich an allen vorbeischlendern, vielleicht ein paar Ellenbogen mit der Tasche anstossen und dann eine ganze Sitzreihe mit Leuten, die es sich gerade soweit wie möglich in der Sardinenbüchse gemütlich gemacht haben, noch schnell aufscheuchen um an seinen Sitz zu kommen.

Man har es als gesitteter Mensch in einem Flugzeug gar nicht so leicht, da man bekanntlich mit einer Horde mordender und brandschatzender Gorillas in einer 4-Meter-Röhre eingeschlossen ist. Ich halte mich da gerne ans Personal. Obwohl ich merke, dass die freundlich lächelnde Begrüßung aufgesetzt ist, ignoriere ich dieses Gefühl und tue so, als wären alle meine persönlichen Freunde. Da fühlt man sich gleich viel besser. Und wenn man auch noch übertrieben aufmerksam der Sicherheitsbelehrung zuschaut und dabei immer wieder an den richtigen Stellen beifällig nickt, wird man vielleicht später freundlich bedient, wenn es Tomatensaft mit Twix gibt. Vielleicht. Die Reise übersteht man am besten, wenn man sich ein Taschenbuch zum Lesen mitgenommen hat. Es werden zwar oft Zeitungen verteilt, aber mal ehrlich, wer will denn bitte in der Enge eine Zeitung entfalten? Meistens genau die Leute, die links und rechts neben mir sitzen. Da kann man vielleicht einfach gleich mitlesen. Ein Laptop macht im Flieger übrigens keinen Sinn, da man nicht genug Platz hat es so aufzuklappen, dass man den Bildschirm erkennen könnte, da die Airline als besondere Attraktion, die Sitze heute wieder besonders eng zusammengeschoben hat.

In den Pfützen schwimmt Benzin
Schillernd wie ein Regenbogen
Wolken spiegeln sich darin
Ich wär‘ gern mitgeflogen

Nach der Landung sind wieder alle ganz nervös, bloss raus aus der Kiste! Das führt zu einem lustigen Effekt: die Maschine landet, die Stewardess verkündet stolz, dass man nun in Hamburg angekommen sei und das Wetter wie üblich 13°C und Regen ist, und das man noch angeschnallt bleiben soll, bis die Anschnallzeichen erlöschen. Was sich dann abspielt ist eine Art Harlem Shake: alle rutschen auf ihren Sitzen hin und her, bis auf Kommando plötzlich alle aufspringen und durcheinander laufen und springen, natürlich beschränkt durch räumlichen Gegebenheiten. Dann stehen nochmal alle ganz aufgeregt im Gang herum und dann dauert es widerum erstaunlich lang, bis endlich alle ausgestiegen sind.

Erstmal alles abstreiten

Liebe Nutzer von X,

Sie haben möglicherweise von Berichten gehört, nach denen X und verschiedene andere Internetfirmen Teil des PRISM-Programms der amerikanischen Regierung seien und der National Security Agency direkten Zugang zu unseren Servern gewährt hätten. Wir möchten hier auf diese Berichte antworten und Ihnen die Fakten zur Verfügung stellen.

X ist nicht und war niemals Teil eines Programms um der US- oder irgendeiner anderen Regierung direkten Zugang zu unseren Servern zu geben. Wir haben niemals eine Blanko-Anfrage oder einen Gerichtsbeschluss erhalten, in dem eine Behörde um Zugang zu Informationen oder Metainformation in großen Mengen bat, so wie es laut Berichten Verizon ergangen ist. Bis gestern haben wir nicht einmal von PRISM gehört.

Wenn die Regierung uns um die Herausgabe von daten ersucht, prüfen wir jeden Einzelfall ausführlich um sicher zu gehen, dass die Anfrage rechtens ist udn wir nur Informationen im Rahmen der zutreffenden Gesetze herausgeben. Wir werden weiterhin aggresiv für die Sicherheit ihrer Informationen kämpfen. Jeder Bericht, dass X Informationen über die Internetaktivitäten seiner Nutzer in einem solchem Maße herausgäbe, ist vollkommen falsch.

Wir fordern alle Regierungen auf, Transparenz über jene Programme herzustellen, die der öffentlichen Sicherheit dienen. Dies ist der einzigen Weg, die Bürgerechte des Einzelnen zu schützen und die sichere und freie Gesellschaft herzustellen, die wir alle auf lange Sicht wollen. Wir hier bei X sind usn im Klaren darüber, dass die US- und andere Regierungen Maßnahmen ergreifen müssen, um ihre Bürger zu schützen—einschließlich Überwachungsmaßnahmen. Aber die Form der Gehimhaltung, mit der derzeit legale Vorgehensweisen verdeckt werden, untergräbt unseren gemeinsamen Wunsch nach Freiheit.

Your company's one-stop PRISM involvement denial statement generator. Via Nico Lumma

Verlinkt XVI

Flat. Some rights reserved by DeaPeaJay.
Flat. Some rights reserved by DeaPeaJay.

Webdesignthemen, die immer wieder über meinen Desktop hoppeln: immer noch responsive design und nicht erst seit gestern auch flat design. Ich bin mir ja immer noch sicher, dass das neue iOS flat sein wird, andere hingegen sehen im flat design trend (der übrigens genauso schnell vergehen wird, wie die vorigen Trends), ein echte Gefahr. Dennis Erdmann beispielsweise in Gefahren des Flat Design Trends, wobei er aber ganz richtig die allgemeine Gefahr von Designtrends treffend erschließt:

Die Versuchung ist groß, jedes neue Projekt an aktuelle Webdesign-Trends anzupassen. Wenn es allerdings darum geht, eine Website zu gestalten, die im besten/schlimmsten Fall 5 Jahre und länger so bestehen soll, dann werden sich Design-Trends unter Umständen rächen.

Was natürlich richtig ist. Aber auch ein wenig eine Binsenweisheit. Ähnlich gefährlich klingt auch Common misconceptions about responsive design, also die üblichen Mißverständnisse über responsive webdesign. Die bin ich erstmal durchgegangen nach dem Motto: „mal schauen, welche mir schon begegnet sind”. Natürlich alle. Und dem einen oder anderen Punkt sitze ich ja selbst noch gerne manchmal auf…

Aus dem App.net-Universum lässt sich ja auch immer wieder etwas berichten. Diesmal gibt es die langerwarteten Sharing-Buttons; App.net Social Buttons Are Here. Wobei: so richtig schnieke sehen die jetzt nicht aus. Ach ja, die Bettelbuttons… dann lieber flattr (siehe unten).

Über Facebook gibt es auch mal wieder etwas zu berichten: nachdem man dort einen Flop nach dem anderen produziert wird klar, dass Facebook seine Innovatiobsfähigkeit verliert.

Facebooks Android-Launcher Home ist zwar eigentlich keine schlechte Idee, hat aber bisher nicht den erhofften Erfolg gebracht. Die Downloadzahlen halten sich in Grenzen, die Bewertungen im Play Store sehen schlecht aus. Das “Facebook Smartphone” HTC First kommt gar nicht erst nach Europa. Wenn das noch etwas werden soll, muss Facebook radikal nachbessern.

In Wahrheit ist natürlich alles noch viel schlimmer. Das ganze Facebook-Experiment ist ein fail. Und man kann es nicht reparieren. The Facebook experiment has failed. Let’s go back.

I am signed into Facebook right now. At a quick glance, the entire list of posts on the first screen are irrelevant to me. If I scrolled down I can find 4 stories I actually care about, from a list of about 30. The most important page on Facebook has more than three-fourths of absolutely useless content.

Via Johannes.