Martin Luther King

Martin Luther King (15.01.1929 – 04.04.1968) wäre heute 75 Jahre alt geworden. Eine gute Kurzbiographie in englischer Sprache findet sich im Nobel E-Museeum, King bekam bereits 1964 den Friedensnobelpreis verliehen. Viele weitere Informationen, Audiosnippets und Dokumente findet man (ebenfalls in englisch) beim Martin Luther King Jr. Papers Project (Stanford). Und in Deutschland gibt es sogar ein Martin-Luther-King-Zentrum, und zwar in Werdau, Ostdeutschland. Völlig indiskutabel ist leider das, was man unter martinlutherking.de findet. Interessant: in den USA gibt es sogar einen “Martin Luther King Day”: 1986 wurde nach Abstimmung im U.S. Kongress der jeweils dritte Montag im Januar zum Nationalfeiertag zu Ehren von Dr. King erklärt. (usembassy.de).

Update 16.01.03: Bush am Grab Martin Luther Kings ausgebuht.

Wo der Pfeffer wächst

Durchaus Humor hat die Hamburger SPD bewiesen: sie schenkte Ronald ‘Richter Gnadenlos’ Schill, der ja für den Fall des Mißerfolgs bei der Wahl am 29.02. angedroht versprochen hatte, Deutschland endgültig den Rücken zu kehren, ein Flugticket nach Madagaskar, wo ja bekanntlich der Pfeffer wächst. Sinnigerweise hat man daran gedacht, nur einen Hinflug zu buchen. Billiger Humor? Keinesfalls: das Ticket kostete die Parteikasse 2.982,44 Euro. 🙂

Saddam gefasst

Nächtliche Razzia: Saddam Hussein in Tikrit gefasst

Der entmachtete irakische Dikator Saddam Hussein ist in seiner Heimatstadt von US-Truppen gefasst worden. Das haben Amerikaner und der britische Premier Tony Blair am Mittag offizell bestätigt. In Bagdad und Kirkuk strömten Iraker zu spontanen Freudenfeiern auf die Straße.

Huh, ein Rauschen geht durch die Nachrichtenkanäle, Saddam ist gefasst. So erlangt der Erleuchtete Irre aus Texas nun doch noch seinen endgültigen Kriegsruhm, ist ein weiteres Ziel des Krieges erreicht. Mit Verspätung und vielen Verlusten, aber damit auch die ideale Gelegenheit erstere zu überdecken. Was geschiet nun mit Hussein? Gerechte Verhandlung? Erschießungskommando? Lebend gefasst: ein neues Problem für die Amerikaner.

Update: Im Metafilter listet jemand die Alternativen: Internationales Gerichtsverfahren, Ausflug nach Kuba oder eine Gerichtsverhandlung im Irak.

Aber Bitte Herr Gerster

Begriffe werden in Politik definiert wie sie fallen. Wenn man von der Reform des Arbeitsmarktes spricht, dann meint man Kürzung, Sozialabbau, Brandmarkung. Und wenn man von der Reform der Bundesanstalt für Arbeit(slosenverwaltung) spricht, dann meint man eben, das Geld was man bei den Arbeitslosen einsparen (“erreformieren”) konnte, an anderer viel wichtigerer Stelle wieder auszugeben.

Wenn man jetzt im November arbeitslos wird, dann bekommt man faktisch gar nichts: keine Beratung (“die Stelle des Arbeitsberaters wurde eingespart”), keine Weiterbildung oder gar Umschulung (“Vielleicht im Februar wieder, dann ist vielleicht wieder Geld da”) und auch keine anderweitige bspw. psychologische Unterstützung (“stellen Sie sich gefälligst hinten an!”). Wer heute arbeitslos wird, ist per se gebrandmarkt als Arbeitsfauler und Drückeberger. Realität.

Ganz anders in Nürnberg. Herr Gerster ist möglicherweise nur ein Beispiel. Aber ein Gutes: sein Vorgänger Jagoda verdiente nur die Hälfte, er bekommt 260.000,- € Jahresgehalt. Naja, ist ja auch alles teurer geworden und scheinbar haben die Manager der Arbeitslosenverwaltung eine wirklich gute Gewerkschaft. Als Herr Gerster dann im Amt war, gefiel es ihm da wohl nicht. Da mußte erstmal umgebaut werden. Während man nach außen die Kürzung predigte, wurde innen kräftig renoviert: für schlappe 1.800.000,- € wurde die Vorstandsetage verschönert, nicht etwa der Warteraum des Team 1 im Arbeitsamt Oldenburg, oder so. Naja, für den gleichen Betrag hätte man rund 80 Leute zum Fachinformatiker umschulen können, mit anderen Worten, da war der Umbau ja noch richtig billig. Herr Gerster fährt auch gerne Auto: dazu braucht er einen Dienstwagen in Berlin, einen in Nürnberg und zu Hause in Worms natürlich auch einen. An seinem Hauptarbeitsort in Nürnberg gefällst ihm übrigens auch nicht so wirklich, deswegen hat er dort keine Wohnung, sondern wohnt in einem Nobelhotel.

Das sind natürlich alles Sachen, die, wenn sie an die Öffentlichkeit gelangen, ziemlich peinlich auffallen und Fragen provozieren. Damit die Arbeit der Arbeitslosenverwaltung aber trotzdem in gutem Lichte erscheint, unterhält man einen 25.000.000,- € Etat für Public Relations. Genug Geld um die Reform der Reform von der Reform wie eine Reform aussehen zu lassen, zumindest in den Medien. Von diesem Etat hat Herr Gerster übrigens 1.300.000,- € an eine Berliner PR-Agentur vergeben, die dafür laut Vertragstext eigentlich nicht viel tun muß, ausser vielleicht Stillschweigen darüber zu bewahren. Eine Ausschreibung gab es auch nicht, hätten sich ja vielleicht andere dafür bewerben dürfen. Z.B. Otto Normal mit seiner Ich-AG Werbeagentur an der Ecke.

Resumee: nachweislich werden also pro Jahr 27.060.000,- € allein durch Herrn Gerster ausgegeben (Wagen und Hotel nicht eingerechnet), die mit 100%iger Garantie nicht einen einzigen Arbeitsplatz schaffen. Das hätte die Kohl-Regierung in ihren besten Zeiten kaum besser hinbekommen. SPD! DAS KÖNNT IHR ALSO AUCH NICHT!

To pendel or not

Es klingt natürlich wenig sinnvoll, wenn sich die Regierung mal eben 13 Millionen Pendler zum Feind macht, indem eine weitere heilige Kuh der Einkommenssteuererklärung geschlachtet wird und die sog. “Pendlerpauschale” zur Disposition gestellt wird. Heutzutage bekommt der Pendler für die ersten 10 gefahrenen km 40 Cent, für alle weiteren 36 Cent steuerlich anerkannt. Das kennt jeder der schonmal eine Steuererklärung abgeben mußte, ja, daß ist leicht durchschaubar, das können sogar Bild-Leser selbst ausrechnen. Jetzt soll gekürzt werden: 15 Cent pro Kilometer.

Im Grunde halte ich die Idee für richtig. Auf den grünen Wiesen wohnen sie zu Tausenden die Berufspendler, in Ihren steuerlich subventionierten Neubausiedlungen und reißen täglich Tausende steuerlich subventionierte Kilometer ab, verpesten dabei meist die Umwelt. Ihre Trabbantenstädte veränderten das Antlitz ganzer Landstriche, im Gegensatz dazu veröden, bis auf die ganz großen Metropolen, die Städte. Es war halt eine zeitlang hip, die Leute aus den Städten auf’s Land zu locken, eben mit diesen steuerlichen Geschenken. Das dieser Trend nun nicht nur zur städteplanerischen, sondern auch zur finanziellen Katastrophe herangewachsen ist, damals hat sich sicherlich niemand darüber Gedanken gemacht. So wäre der Ansatzpunkt löblich gewesen, aber wie das eben ist mit heiligen Kühen: sie können nicht geschlachtet werden.

Aber was soll’s, die Regierung Schröder ist in solchen Punkten eh’ handlungsunfähig. Nicht nur die CDU-Länder werden sich im Bundesrat, nicht zuletzt aus PR-Überlegungen, dagegenstemmen. Überhaupt kann man in Berlin ja inzwischen vorschlagen was man will, nutzen wird es wenig. CDU/CSU, Bild-Zeitung, ein Heer von Lobbyisten und Millionen von Ungeduldigen und Egomanen haben es geschafft: die Regierung wird am ausgestrecktem Arm verhungern. Und dann bekommen wir wieder eine CDU-Regierung. Freuen wir uns drauf.

Nach Diktat ausgewandert.

Statistik (gnadenlos) gefälscht

Wen wundert das?:

Die von der Hamburger Innenbehörde Ende Juli vorgelegte Kriminalstatistik zum ersten Halbjahr 2003 war falsch. Anders als es der damalige Innensenator Ronald Schill behauptete, ist die Kriminalität in den ersten sechs Monaten des Jahres nicht um 2,5 Prozent zurückgegangen, sondern um 2,8 Prozent gestiegen.

Nö, das ist noch nicht alles:

Ursache sei die falsche Bedienung eines im Januar neu eingeführten Computerprogramms quer durch alle Hamburger Polizeireviere, sagte Nagel. Insgesamt seien 7220 Verbrechensfälle gar nicht erfasst worden – darunter 4000 Diebstahldelikte, aber auch Gewaltverbrechen.

Na klar. Hamburgs Polizisten sind zu dumm einen Button für “in der Statistik übernehmen” oder ähnliches zu finden. Moment, wenn es einen solchen Button gäbe, wozu, wenn nicht zum Beschiss, denn müssen denn nicht alle Fälle in der Statistik erfaßt werden???

Nein. Beschiss. Ganz klar Beschiss. Schill sagte die Kriminalstatistik werde sinken und so wurde dafür gesorgt. Ja oder nicht. Welche Erbschaften hat Richter Gnadenlos denn noch seinem Volk hinterlassen. Wie dürfen gespannt sein.