Codecandies

Das Weblog von Nico Brünjes.

Der Krieg ist erklärt

So selten es vorkommt, ist es doch mal wieder an der Zeit, einen Text von Sascha Lobo zu verlinken, auch wenn der bei SPON erschienen ist. Lobo ist mithin einer der wenigen, die in Ansgar Hevelings Kriegserklärung an das Web 2.0 das sehen, was auch mir als erstes in den Sinn kam: dämlich geschrieben, aber durchaus ernst gemeint und zu nehmen. Und so fehlen Hohn und Spott und Godwinsche Vergleiche, stattdessen:

Es geht um nicht weniger als um die Abschaffung des Web 2.0, des Internets der Nutzer, so schreibt CDU-Mann Heveling wunderbar selbstentlarvend, wahrscheinlich ohne Rücksprache mit den strategisch geschulten Lobbyisten – aber mit der gleichen Haltung gegenüber dem Internet. Und damit ist endlich das Katzenfoto aus dem Sack – das ganze Gehampel darum, dass Gesetzesvorhaben wie Sopa, Pipa, Acta angeblich dem Netz nicht schaden, ist Maskerade. In den Augen der Acta-Verfechter ist die wesentliche Funktion des Web 2.0 gleichbedeutend mit der Gefahr: die technische Möglichkeit, zu teilen, und damit die Vernetzung der Nutzer untereinander.

Das ist genau der Punkt. Wir haben es nicht mit Leuten zu tun, die einfach das Web nicht verstehen oder nur nicht verstehen wollen. Die mutmaßliche Dummheit ist konzertierte Aktion, man führt bereits Krieg gegen das Netz. Entsprechend trägt das sich Verächtlichmachen und das sich Überlegenfühlen in die falsche Richtung. Ehr müsste etwas getan werden, das maßgeblich weiter geht als das Sammeln von Petitionsunterschriften. Die Seite der Hevelings wirft jedenfalls nicht mit Wattekugeln.

Leider schmiert hier Lobo im zweiten Teil seines Artikels ein wenig ab, da er die Lösung des Problems bei Facebook sucht und noch unbedingt Megaupload im Text unterbringen muss.

Und wer weiß, vielleicht braucht Facebook für den Börsengang noch eine gute Story und bietet eine vergleichbare, aber legale Plattform für Inhalte an.

Na das werden ja traurige Zeiten, wenn wir darauf warten sollen, dass Marc Zuckerberg für die Vermehrung des eigenen Vermögens eine gute Story braucht.

4 Kommentare zu “Der Krieg ist erklärt”

    1. Ich finde an Lobos Artikel ja vielmehr den Absatz über Tim Wu spannend, weil er von allen vielleicht am rechtesten hat.

      „Bisher sei noch jede elektronische Informationsstruktur vom Telefon über das Radio bis zum Fernsehen nach einer weitgehend freien, offenen Startphase zu einem präzise regulierten Oligopol geworden. Beherrscht von Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle schützen und ausbauen wollen – und sich bei diesem Kampf vor allem der Politik bedienen.“

      Vielleicht ist dieses Netz tatsächlich schon verloren. Vielleicht ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir weiterziehen sollten und das ganze noch mal richtig aufbauen. Richtige Anonymität von Anfang an. Richtige Verschlüsselung von Anfang an. Ein richtiges Web of Trust …

    2. In gewisser Weise muss ich Lobo auch im letzten Teil Recht geben. Der heraufbeschworene Kampf um das Internet wird wie in den meisten Kämpfen durch Geld entschieden. Die Contentindustrie ist da der führende Kriegstreiber, weil er durch das Internet sein Geld in Gefahr sieht. Wird ihnen endlich klar, dass sich im Internet für sie ein viel besseres Geschäftsmodell ergeben kann, könnte sich auch ihr Kriegszug ändern. Ich denke das ist es worauf Lobo hinweisen wollte. Auch Megaupload ist da ein wichtiger Bestandteil, durch ihn wird nämlich klar, dass mit im Internet sehr wohl eine Kaufbereitschaft herrscht.

      Allerdings ist Facebook tatsächlich etwas fehl am Platz.

    3. @ben: Naja, Wu ist schon schön plakativ. Beim Fernsehen stimmt das aber auch schon gar nicht mehr: Chronik des Fernsehens.