Alexa: geh sterben!

Es klingt wie eine Story aus einer Stand-Up-Comedy, bestenfalls wie eine schlecht gemachte Fake-News von Russia Today, oder ein Witz der unter Sysadmins herumgeirct wird: Nachrichtensprecher löst reihenweise Bestellungen von Puppenhäusern aus. Ich bin geneigt einen Podcast zu produzieren, der bei Amazon Echo Kunden Ware im Gegenwert des Bruttosozialprodukts von vier Saarlands bestellt. Warum? Weil es geht! Die dämliche Alexa reagiert offenbar auf alles gesagte und anders als wenn man „Siri“ in sein Telefon säuselt, alles was in einem Raum gesagt wird, eben auch vom Fernseher. Ich sehe vor mir, wie gewitzte Menschen „echo-targeting“ in Fernsehwerbung machen und sich mit nächtlichen Spot-Ausstrahlungen vor dem TV eingeschlafene Echo-Besitzer mindestens ruinieren, wenn nicht ausnehmen.

Das ist aber natürlich nicht nur eine News-Story zum Schmunzeln Kaputtlachen, sondern beweist einmal mehr, wie ausgereift der ganze Homeautomationskram mittlerweile ist. Nämlich gar nicht, oder soweit, dass er einem zwar Schmerzen bereiten kann, ohne sicher zu sein. Ich traue solchen Vollzeitüberwachungsgeräten wie Amazon Echo ja sowieso nur so weit wie ich es werfen kann, aber offenbar gibt es Horden von very first adoptern, die dafür Schlange stehen und hoffen, dass sich die frühen Probleme im Laufe der Entwicklung dann schnell geben werden und danach Amazon das Bankkonto abräumt und nicht mehr irgendein Spammer oder jemand, der von draußen vor dem Haus ins Netz eingebrochen ist. Letzterer räumt dann wahrscheinlich auch nicht nur das Konto ab, sondern auch gleich die ganze Wohnung, weil er Alexa sanft ins Ohr flüstern kann: „Alexa! open the front door!“

7 Gedanken zu „Alexa: geh sterben!“

  1. Ist das ein Phänomen aus dem Bereich „Bananen-Software – reift beim Kunden“?

    Die halbgaren Lösungen werden auf die Menschheit losgelassen, und dann schaut man mal in welche Richtung es sich entwickelt. Amazon ahnt, dass Voice das nächste große Ding wird, weiß selbst nicht, was genau man mit den technischen Errungenschaften Sinnvolles tun kann – das lassen sie den User herausfinden.

    Du hattest vor Kurzem eine Morgenlese mit dem Programm das aus ein paar gesprochenen Samples völlig neue Inhalte in der Stimme des Sprechers synthetisieren kann. Man muss nur an Sprachaufnahmen seines Opfers herankommen. Amazon legt gerade eine schöne große Datenbank dazu an…

  2. Ich musste sehr lachen über _herum-irc-en_ 😀

    Damals als die Amazon App auf der Apple Watch per Sprache verstehen sollte, was ich wollte, und es – weil das Wischen durch die Ergebnisse eher hakelig war – versehentlich direkt bestellen wollte, merkte ich schon: »Hmmm, das geht mir hier etwas zu schnell.«

    Alexa schlägt da schon in eine lustige Kerbe. Man stelle sich nur vor, was passiert, wenn die Kinder rausfinden, wie man sich Lego im großen Stil bestellt – geliefert am Samstagmorgen, wenn die Eltern noch schlafen…

  3. Disclaimer: I’m an early adopter.
    Die Funktion „Artikel bestellen“ hab ich sofort deaktiviert. Die anderen Funktionen funktionieren prächtig.

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