23. Die Bild-Zeitung

Ja, sich über die sogenannte Bildzeitung zu ereifern ist ein leichtes, natürlich. Aber, das ist nun einmal der Sinn dieser Serie: ich steige mit Freude auf mein hohes Ross und ereifere mich.

Zunächst allerdings möchte ich an alle jene arme Seelen erinnern, die es nicht besser wissen und seit vielen, vielen Jahren jeden Tag ihre »Bild« kaufen, um sich in der Mittagspause, zusammen mit den anderen Eisenbindern, Gerüstbauern oder Lokalpolitikern über die Schlechtigkeit der Welt auszutauschen. Die glauben, sich damit ihre Meinung zu bilden. Dabei haben das Blatt ja nur wegen des Sportteils gekauft. Und der Titten natürlich.

Ach, in Wahrheit haben wir Springers Groschenblatt viel zu verdanken. Sie prägte etliche Begriffe, sprachliche Verkürzungen oder einfach falsche Formulierungen, die in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen sind: Groschenblatt (Bild kostete einst 10 Pfennig) bspw. oder Blitzeis oder Brutalo-Schläger oder eben, dass wir Papst sind äh… gewesen wären. Hurra. Die besondere Art des Journalismus der Bild führte in der Vergangenheit zu bemerkenswerten Fehlern, bspw. wenn Springers Hetzblatt Leute namentlich nannte und als Terroristen, Mörder oder Vergewaltiger diffamierte, die sich aber hinten raus als unschuldig erwiesen. Die etlichen Rügen durch den Presserat wurden lange Zeit ignoriert. Und in den Jahrzehnten ihres bestehen, immer den Antikommunismus dick vor sich hertragend, hat sich es geschafft, ein Nährboden zu sein für Misstrauen, Denunziantentum und Hetze.

Den Gipfel erreicht Springers Revolverblatt nun jedoch im Angesicht des tragischen Ereignisses auf dem Breitscheidplatz in Berlin. Wie schon die üblichen Verdächtigen von Rechtsaußen, setzt die Bild darauf, ihre Leser in Angst zu versetzen. Ich verletze folgend meine Regel, nicht aus Bild zu zitieren oder gar abzubilden, aber das ist wirklich sehens- und bemerkenswert:

Gleichzeitig wird einerseits Panik verbreitet, andererseits aber auch die Sensationslust der Leser angesprochen. Das ist schon ein wenig eklig. Richtig eklig dagegen sind natürlich auch die Leute, die Springers Kampforgan kaufen und damit finanzieren. Und das sind einige, allein rund 1,9 Millionen Exemplare verkaufen sich jede Woche. Das sind zwar rund 58% weniger Auflage, als noch 1998, aber immer noch zu viel. Zumal ja auch noch fleißigst der Onlineableger genutzt wird. Und, das stellt man auch immer wieder fest, es unterhalten sich sogar Leute über die Bild-Zeitung, die sie gar nicht kaufen, allein, weil man überall (siehe oben) die Titelseite unter die Nase gerieben bekommt. In diesem Fall fehlt einem dann allerdings die in der Regenbogenpresse übliche Relativierung der Überschrift. Im Falle des obigen Berlin-Aufmachers allerdings, ging es um Panikmacherei und schlechte Stimmung, und das geht dann auch im Blatt so weiter, seit Montag:

Und hier haben wir die Message für den Bild-Leser verständlich: der Grinch ist ein Tunesier und hat Weihnachten gestohlen, unsere christlichen Werte, wie Glühweinsaufen auf dem Weihnachtsmarkt, zerstört und läuft nun frei herum. Dagegen hilft nur, was Bild schon immer predigt: starker Staat und so rechts wie möglich wählen. Bild wünscht ein ängstliches Weihnachtsfest!

Bild: Jonatan Pie

Ein Gedanke zu „23. Die Bild-Zeitung“

  1. Ich frage mich ja schon, auf das neu geplante Abwehrzentrum gegen Fakenews und blicke freudig einer Zeit entgegen in der die Bild entweder täglich ins Visir der Fakenewsabwehragenten gerät oder einfach sofort dicht gemacht wird. Endlich tut mal wer was dagegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.