13. Videos aus der Hölle

Ich habe eine zeit lang wirklich gedacht, Videokonferenzen wären ein probates Mittel zur Kommunikation in Teams. Eigentlich ziemlich genau bis zu dem Zeitpunkt, als ich gezwungen war, sie zu nutzen. Skype, das von mir mit Abstand meist gehasste Programm aller Zeiten, bildet dabei nur die Spitze des Eisbergs, aber eine ziemlich gemeine. Frustration kann man allerdings in jedem beliebigen Videochat-Programm erleben.

Ich schaue zu Hause Fernsehen nur noch und ausschließlich über das Internet. Das meint sowohl Streamingdienste wie Amazon Prime oder Netflix, als auch ganz selten mal das lineare TV. Das klappt regelmäßig ausgezeichnet. In Farbe. Und HD (sort of). Zur prime time. Während der Fußball-Weltmeisterschaft. Oder es draußen stürmt und schneit. Wenn es sein muss, auch per WLAN.

Versucht man dagegen eine Skype-Konferenz mit mehr als einem Gesprächspartner zu initiieren, bricht scheinbar das Netz der gesamten westlichen Hemisphäre zusammen. Das Bild gleicht den verwackelten Aufnahmen von der Mondlandung 1969 und der Ton, also falls Ton zur Verfügung steht neben rosa Rauschen, Rückkopplungspfeiffen und atmosphärischer Piepserei, der Ton klingt wie aus einem verdammten Mittelwellenradio.

Das hat einerseits offensichtlich technische Gründe. Skype gehört ja schon lange zu Microsoft, da gehört es ja praktisch zum Feature, zu alternieren statt zu funktionieren. Und wie gesagt, das Netz und seine Infrastruktur sind dazu geeignet HD-Filme um den Globus zu streamen, nicht aber niedrig aufgelöste Videokonferenzbilder mit Ton.

Aber das allein ist es natürlich nicht. Oft sitzt das Problem auch zwischen Bildschirm und Stuhl. Und je mehr Leute an einer Videoschalte teilnehmen, um so höher ist die Fehlerwahrscheinlichkeit, sowohl technisch, als auch konfigurationsmäßig, also auf menschlicher Ebene. Denn um an einer Videokonferenz teilzunehmen, muss man ein paar Dinge sicherstellen:

  • es muss zwangsweise und ohne Ausnahme eine kabelgebundene Verbindung genutzt werden, WLAN und Skype gehen nicht zusammen (dieses kabellose Internet wird sich eh‘ nicht durchsetzen);
  • es muss peinlichst darauf geachtet werden, dass die LAN-Verbindung auch genutzt wird und nicht ein ggf. zusätzlich vorhandene WLAN-Verbindung;
  • ist mehr als eine Person im Raum, wird ein externes Mikrofon mit den richtigen Eigenschaften benötigt. Niemals das interne Mikrofon am Laptop nutzen. Das gilt im Grunde auch für Einzelpersonen, die benutzen am besten ein Headset, als Einzelner kann man sich aber durch eine gewisse Funkdisziplin („Over“, „Roger“) mit dem Einbaumikrofon kurzzeitig behelfen.

Da sind also, die Technik eingeschlossen, mindesten vier Dinge pro Nutzer, die eine Skype-Konferenz (und jedes anderes Videokonferenzprogramm am Einzelarbeitsplatz) zu Nichte machen können. Nach Murphy’s Law ist es damit eigentlich schon gelaufen. Die Rente ist eher nicht sicher, wohl aber, dass bei einem Videochat irgendetwas schief läuft. Über die Jahre schleifen sich bei regelmäßigen Videokonferenzlern deswegen gewisse Verhaltensweisen ein, an denen man sie leicht erkennen kann:

  • Sie beginnen jegliche Unterhaltung, ob per Telefon oder beim Mittagesssen in der Kantine mit den Worten: »Hallo kannst Du mich verstehen?« oder »Ist das Mikro an?« oder »Ich sehe dich, kannst Du mich sehen?«.
  • Am Ende einer Unterhaltung bewerten sie die Übertragungsqualität: »Danke, dieses Tischgespräch war gut zu verstehen und das Bild war gut.«
  • Kommt tatsächlich einmal ein funktionierender Videochat zustande, legen sie sofort auf und rufen wieder an, wenn man auch nur für eine Sekunde schweigt und sich dabei nicht bewegt (have you tried turning it off and on again?).
  • Sie können über das folgende Video überhaupt nicht mehr lachen…

Bild: Ales Krivec

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