2. E-Mail Disclaimer

Ich habe lange nachgedacht, ob ich über E-Mail überhaupt noch ranten soll, denn die E-Mail grundsätzlich ist so tot wie Fidel Castro. Allerdings auch genauso schwer tot zu kriegen, und gerade wieder lag in meinem Posteingang eines dieser Machwerke, denen folgendes angehängt war:

Diese E-Mail kann vertrauliche und/oder rechtlich geschützte Informationen enthalten. Wenn Sie nicht der beabsichtigte Adressat sind oder diese E-Mail irrtümlich erhalten haben, informieren Sie bitte sofort den Absender und löschen Sie diese E-Mail aus Ihrem System. Das unerlaubte Kopieren sowie die unbefugte Weitergabe dieser Mail ist nicht gestattet.

Und das geht so nun seit gefühlten fünfhundert Jahren. Menschen, die auch versuchen, den Mailversand über ihr Programm wieder rückgängig zu machen, die „123456“ als Passwort benutzen, die sich die Hose mit der Kneifzange zu machen, die auch kleine Kinder fressen, solche Leute benutzen solche Disclaimer in ihren E-Mails.

Ich will gar nichts über die mangelnde Rechtsverbindlichkeit sagen, nur soviel: wenn ich Dir jetzt eine Mail schicke in der steht: »Du zahlst mir jetzt sofort 10.000 Euro«, dann hat ungefähr das gleiche Rechtsgewicht. Keins. Null. Nüscht. Ausser vielleicht ich bin ein Nigerianischer Prinzenneffe, dann bist natürlich zur Zahlung verpflichtet.

Aber auch sonst beweist ein solcher Disclaimer nur die völlige Abwesenheit von Ahnung über das Internet im Allgemeinen und die eigene Unfähigkeit im Besonderen. Wie soll denn bitte jemand eine E-Mail bekommen, ohne der Adressat zu sein? Mag ja sein, dass es Vollhonks wie Telekom schon gelungen ist, massenweise Emails an die falschen Adressen zu schicken, dies ist aber die seltenste aller Ausnahmen. In der Regel werden E-Mails an die Adressen verschickt, die in einem der Adressfelder angegeben sind und sei es eine Mailingliste. So bleiben nur noch zwei Fälle: jemand hat eine falsche Adresse eingetragene (mausgerutscht?) oder hat zwischen Frühstückskaffee und dem ersten Schluck aus der Wodkaflasche mal wieder im tranigen Kopf an „Allen antworten“ geklickt, ohne es zu merken. Was nun mal niemals eine gute Idee ist, vor allem nicht, wenn man gerade vertrauliche Informationen verschickt.

In Wahrheit müsste der Disclaimer also lauten:

Das vertrauliche Informationen bei mir schlecht aufgehoben sind, wissen Sie ja bereits. Sollte ich mal wieder zu blöd gewesen sein, die richtige Mail-Adresse in dieses kleine Feld da oben auf meinem Monitor einzutragen, beenden Sie sofort jeder Geschäftsverbindung, die Sie mit mir haben, veröffentlichen den Inhalt auf Facebook und leiten Sie meine Entmündigung ein, ich habe es nicht anders verdient.

Bild: Paul Itkin

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