Gerade noch Morgenlese XXI

Diese Ausgabe der Morgenlese steht unter dem Motto… naja, man ahnt es schon.

Adrian Daub sieht mit der Präsidentschaftswahl »Das Ende der Aufklärung« gekommen, und setzt sie damit in den Zusammenhang des Bildes, das die USA bis hierhin abgegeben haben, als Leuchtturm für Modernität von der Unabhängigkeitserklärung bis zu Obamas Amtszeit und dessen Errungenschaften. Ersetzt wird dies durch… nichts.

Diese Wahl ist kein Triumph der Gegenaufklärung, des Klerikalen oder des Wertekonservativen. Trump huldigt keinen Werten, hat mit Religion nichts am Hut. Billiges Entertainment, taumelndes Wir-Gefühl und eine geradezu mephistophelische Lust an der Zerstörung treibt seine Anhänger an. Alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht. An Wahrheit hat Trump kein Interesse, die Wahl war für ihn eine Mauschelei, bis er wider Erwarten gewann. Das fällt seinen Fans natürlich auch auf, aber auch sie scheinen in einer postfaktischen Welt zu leben, in der einzig das Gefühl noch zählt: die Wut, das Dazugehören, die Feindschaft.

Womit ein Gedanke sehr treffend beschrieben ist, den ich heute morgen auch schon streifte, die Lust an der Zerstörung, die herumliegende Lunte anzuzünden (und der Überraschung, wenn es knallt, siehe dazu Brexit).

Christian Bangel hingegen beschäftigt sich nicht mit dem Ergebnis selbst, sondern wie es nun weiter geht und fragt: Wer kann Trump jetzt noch stoppen?. Und leider zeichnet er ein düsteres Bild davon, wie die berühmten checks and balances versagen könnten, unter dem Druck des Undemokraten, dem Einfluss der Tea Party, der außenpolitischen Macht, die ein Präsident der USA nun einmal hat.

Trump kann einen Krieg beginnen, erst nach 60 Tagen muss der Kongress über diesen Einsatz befinden. Eine Atombombe lässt sich in weniger als einer Stunde abfeuern. Und selbst die 60-Tage-Regelung ist umstritten. Den US-Einsatz im Kosovokrieg befahl Bill Clinton ohne formale parlamentarische Billigung.

Jetzt sollte man vielleicht wirklich beginnen, Vorräte für schlechte Zeiten einzukaufen.

Vorher vielleicht nochmal die ganze Gewinner-Rede von Donald Trump nachlesen.

Thank you. Thank you very much, everybody. Sorry to keep you waiting. Complicated business. Complicated. Thank you very much.

Die Verschwörungstheoretiker unter uns können ja auch mal auf die Wikipedia-Seite der 9. November schauen, scheinbar traditionell ein Tag für Umbrüche jeglicher Art. Die Wahl Donald Trumps steht allerdings noch nicht drauf.

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