The Lava Field

Island. Dort im dunklen, dunklen Island, werden die bösen ungeliebten Verwandten des skandinavischen Krimis produziert. Ein isländischer Krimi ist grundsätzlich von folgenden Eigenschaften geprägt:

  • es ist immer kalt, arschkalt sogar, es regnet oder schneit zu 99,9% und das Licht ist immer wie an einem diesigem Februartag
  • dafür kennen isländische Film- und TV-Produktionen keinerlei Beleuchtung
  • der Ermittler kennt alle an der Handlung teilnehmenden Figuren persönlich (ja Island ist klein)
  • alles ist getränkt von einer ungreifbaren Hoffnungslosigkeit, am Ende sterben alle, oder der Ermittler wird verhaftet

Dieses Setting verleiht dem isländischen Krimi an sich und The Lava Field (so heisst die Miniserie bei Netflix, bei Arte lief sie einfach unter „Lava”) im Besonderen dieses düstere und gleichzeitig familiäre Ambiente.

Helgi Runarssonan, unser Ermittler, vielleicht wird er am Ende verhaftet? Helgi also hat sowieso schon schwerwiegende psychische Probleme, leidet unter traumatischen Kindheitserfahrungen ebenso, wie unter dem Tod seines Sohnes. Und dann soll er auch noch dort einen Mord aufklären, wo er selbst als Kind gefoltert wurde. Alles andere ist voll und ganz isländischer Krimi. Man muss die Helligkeitswerte seines TV hochdrehen, um überhaupt mitzubekommen, wer gerade wen verprügelt oder ermordet. Im Zeitlupentempo schleppt sich Helgi mit Kollegen Gréta durch die Ermittlung, die isländische Gletscherlandschaft und durch Helgis Therapiestunden. Aber Helgi kreist seine Gegner immer weiter ein und lockt sie schließlich aus der Reserve. Ja und dann sterben alle…

Das hört sich negativ an? Ist es nicht. Ich weiss die meisten Mensche lieben es eher, wenn links und rechts des permanent rennenden Protagonisten die Autos in die Luft fliegen, ich kann mich vor Spannung aber kaum noch auf der Couch (sic!) halten, wenn es eben nicht so ist. Helgi Runarssonan ist genau mein Mann. Und dieser unendliche Pessimismus der dem isländischen Krimi inne wohnt, ist mein Freund. Und sowas kann ich nur wärmstens weiterempfehlen.

Bild: Ivars Krutainis

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