Das Problem mit der Unterwäsche

Herrjeh, was für ein Thema: Unterwäsche! Eigentlich erkenne ich bei mir keinen ausdrücklichen Hang zu zwanghaften Handlungen. Da ist allerdings diese eine Sache, die mir etwas Sorgen bereitet. Das Problem mit den Schlüpfern. Keine Angst, alles was folgt ist safe for work, ich will mich gar nicht weiter über—womöglich auch noch meine—Unterhosen auslassen, allerdings… vielleicht tue ich es eben doch.

Also in einem Anfall geistiger Unzurechnungsfähigkeit habe ich mal bei einem Anbieter mittelmäßig günstiger Kleidung auf der Mö in Hamburg ein großes Paket Unterhosen gekauft. Nein, das ist jetzt Quatsch, man sagt nicht in Hamburg und schon gar nicht auf, sondern in der Mönckebergstrasse muss es korrekterweise heissen. Jedenfalls ein Paket mit sieben, sehr farbigen, sehr unterschiedlich farbigen Unterhosen gekauft. Retroshorts nennt man das Modell wohl, ohne Nähte, damit nichts scheuert (too! much! information!, der Red.), direkt aus dem flüssigen Kunststoff in die Form gegossen, sozusagen. Von einhändigen Kindern mit dem linken Fuß, in Bangladesch. Und wenn man sieben verschieden farbige Unnerböxen kauft, da mag man vielleicht einzelne Farben nicht so. Aber darum geht’s gar nicht, das führt jetzt auf die falsche Spur, um die Farbe geht es ja gar nicht. Ein red herring sozusagen, würde Wolfgang sagen.

Ich wasche nicht gerade leidenschaftlich gern, das muss ich auch zugeben. Halt! Jetzt nicht das Falsche denken, denn trotz dieser schlechten Angewohnheit ungern zu waschen, eigentlich hasse ich auch gar nicht das waschen, sondern das Auf- und vor allem Abhängen und Wegräumen der sauberen Wäsche. Seit wir einen Trockner haben fällt Auf- und Abhängen, jedenfalls für die genannten Shorts auch weg, aber trotzdem. Es geht hier nicht um dreckige Unterwäsche.

Gelöst habe ich das für mich, indem ich wesentlich mehr Retroshorts besitze als die genannten sieben. Wesentlich mehr. Exorbitant mehr. Wenn sie mich fragen, was ich mitnehmen wollte auf eine einsame Insel, dann lautet die Antwort meine Unterhosensammlung. Wenn ab morgen durch eine Naturkatastrophe aller Strom für immer weg wäre, ich würde mir frühestens in zwei Monaten Sorgen um meine Hygiene in diesem Bereich machen. Aber auch das geht viel zu weit. Und eine Lösung ist das auch nicht, denn irgendwann muss man waschen (früher dann aufhängen) und zusammenlegen und wegsortieren, ach es ist ein Kreuz.

Jedenfalls habe ich viele Shorts. Und der Clou bei den oben erwähnte sieben Stück, ich reite nicht umsonst seit geraumer Zeit auf der Anzahl herum, warum packt man denn schon sieben Kleidungsstücke zusammen in eine Packung? Weil da die Wochentage draufstehen, natürlich! Und hier setzt das zwanghafte Handeln ein. Es ist nämlich so, dass ich nie die richtige Hose für den richtigen Tag zu packen kriege. Wenn man jetzt nur die (glorreichen) sieben hätte, wäre das wahrscheinlich kein Problem. Man wusche sie Sonntag abends, während man nackt durch die Wohnung hüpft und zieht jeden Tag die richtige an. So wie es ist, ist es aber ein großes Durcheinander. Falls wir uns morgen auf der Straße treffen, werde ich sie nach einer Zahl fragen, und sie werden bitte 3.1415926 antworten, nur mal zur Kontrolle, ob sie auch bis hierhin gelesen haben, und um zu verhindern, dass sie sich vorstellen, welche Unterwäsche ich wohl trage. Jetzt kommt jedenfalls gleich die Pointe, oder war sie das schon? Bei Martenstein wär’s das jetzt, noch irgendwas Menschenverachtendes und dann Ende, vielleicht noch eine Krakelzeichnung dran machen. Also ach so ja, die Unterhosen, sie sehen, es ist mir peinlich. Wenn man einmal anfängt die nicht zum Tag passende Hose anzuziehen, ist die ganze Woche gelaufen. Und es geht immer richtig brutal schief. Also, am Montag die Mittwoch-Hose anziehen ist ja kein Problem, keiner wird annehmen, dass man seine Hose fünf Tage am Stück trägt, sondern eben, dass derjenige ein totaler Idiot ist, der morgens nicht weiss, welcher Wochentag ist.

Ob man so ein Buch schreiben kann? Würden sie es verlegen, also nicht irgendwo unbeabsichtigt liegen lassen, sondern lektorieren, drucken, verkaufen, sowas eben? Wenn man nun aber am Montag die frisch gewaschene Hose mit der Aufschrift Sonntag anzieht, was denken die Leute dann, denke ich mir. Nicht das die Hose jemand sehen könnte! Dafür ist es eine Unterhose, ich stell mir nur immer vor, mich spricht eine Frau auf der Strasse an, dass ich sie unbedingt nach Hause begleiten solle, also so ganz romantisch, nicht im Kiez jetzt, also ist ja safe for work, jedenfalls bevor es heiss wird, sieht die die falsche Unterhose und rennt schreiend davon. So sind Albtagträume nun mal, immer rennt jemand schreiend davon, meistens ja ich.

Absätze sind auch so ein Stilmittel aus der Hölle. Und Einschübe. Ich frag mich gerade ob ich diesen Artikel wirklich veröffentlichen soll.

Ich fasse nochmal zusammen: das macht mich wahnsinnig. Anders wahnsinnig jedenfalls als meine Socken. Ich habe nämlich auch Socken, mit Wochentagen drauf. Aber das steht das nur ganz klein drauf, das merkt kein Mensch, wenn man Mittwoch die mit der Aufschrift Samstag anzieht. Dort ist das glaube ich auch eher als Hilfe für das Wiederfinden nach dem Waschen gedacht. Das ist aber murks, denn dafür ist die Aufschrift wieder viel zu klein. Und man sucht sucht sucht. Und das Learning: Unterwäsche mit Wochentagsbeschriftung ist der letzte Müll!

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